Peter Alexander Christerer - Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Erinnerungen von Peter Christerer
Die Welt des Glückspiels mp3 hören?

Schon immer vom Flair (zumindest was man im Fernsehen sieht) eines Spielcasinos fasziniert, entschied ich mich eines aufzusuchen. Trotz der Pleite mit meiner Teilhaberschaft -siehe vorherigen Beitrag- befanden sich schon noch einige DMärker auf meinem Konto und die mussten unters Volk gebracht werden. Natürlich war das Ziel ein paar Mark zu gewinnen und nicht zu verlieren.
Das mir bekannteste Spielcasino im Raum München befindet sich in der Gemeinde Bad Wiessee am Tegernsee. Also rein in den Kommunionsanzug und ab auf die Autobahn. Dort angekommen war ich zuerst einmal ziemlich enttäuscht! Nichts war's mit dem "James Bond Glamour", sondern eine unüberschaubare Anzahl der deutlich Ü60 jährigen war anwesend. Die Kleiderordnung war sehr locker gehandhabt, so dass selbst Strickwesten mit Ärmelschonern zu sehen waren.

Unvergleichlich ist allerdings der Blick auf den Tegernsee, wenn die Sommernacht beginnt. Die Landschaft rundherum ist schon ganz was Besonderes, einfach Bayern. Die Geräuschkulisse war hoch, denn die älteren Damen und Herren waren doch sehr aufgeregt und schnatterten was das Zeugs hielt. Zuerst dachte ich es handelt sich um einen Betriebsausflug eines Altersheims. Dennoch hatte es irgendetwas, was meine Neugierde und den "Jagdtrieb" weckte.
Schnell war mir klar, dass es mit dem Gewinn eher dem Zufall überlassen ist, wenn du einfach nur auf irgendwelche Zahlen oder Kombinationen setzt. Deswegen beobachtete ich die 1/3 und 1/2 Chancen. Dabei rechnete ich mir erheblich höhere Chancen aus und beschloss wiederzukommen. Lange Rede gar kein Sinn. In Wiessee versuchte ich "mein" System umzusetzen und stellte fest, dass ich dabei eine weitere Person brauchte. Meine 1. Ehefrau hatte diesbezüglich (außer am Gewinn) keinerlei Interesse, aber es war ihr -wie immer- völlig egal, wenn ich dazu andere Frauen (meist jung und sehr attraktiv) mitnahm. Nach einiger Zeit -ich fuhr inzwischen mindestens 1x pro Woche nach Wiessee- hatte ich eine "Stammbegleitung" in Form einer jungen sehr ansehnlichen lady, die zudem eine Kollegin war. Hier sei noch erwähnt, dass es zumindest damals (um 1990) für Mitarbeiter des BND streng verboten war, ein Spielcasino zu besuchen.

Leider war es wohl ein ewig andauernder Betriebsausflug, denn der Altersdurchschnitt war immer sehr hoch. Das wäre eigentlich nicht schlimm, doch leider hatten mehrere ältere Damen die Angewohnheit mich bei meiner Spielart zu beobachten und das auch zu kommentieren, denn die Einsätze waren oftmals sehr hoch. Als jedoch eine Dame neben mir gefühlt 25x relativ laut meinte "Leck mich am Arsch" sagen zu müssen, weil ICH gerade 12.000 DM verspielt hatte (was einen Gesamtverlust von 23.950 DM bedeutete), wusste ich dass der richtige Zeitpunkt gekommen war, a) den Standort und b) das System zu ändern.

Beides war easy. Der Standort war künftig Garmisch-Partenkirchen und das System wurde auf einfache Chancen bei einem Einsatz von 500 anstatt 50 DM geändert. Bei dieser Summe wurde dann die Wiederholfrequenz von 3x auf 5x gesetzt. Das heißt übersetzt: 2 Leute beobachten alle Tische im Saal ob eine Chance (gerade/ungerade, 1-18/19-36, rot/schwarz) 5x hintereinanderkam. Sollte das der Fall gewesen sein, setzte ich auf die andere Farbe/Zahl 500 DM, dann 1000, dann 2000, bis 16000. Das Problem war, dass in Garmisch nur an einem Tisch 12000 ansonsten höchstens 8000 auf eine einfache Chance gesetzt werden durften. Auch hier kam dann die zweite Person zum Einsatz und setzte den fehlenden Betrag bis 16000 DM.

Das Altersheim war weiterhin da und ich wusste auch warum: In München am Hauptbahnhof fuhr ein "Zubringerbus" für lau am frühen Abend zu den Casinos und brachte sie gegen 23:30h wieder zurück. Da ich zum "arbeiten" immer nur unter der Woche hinfuhr und am nächsten Tag ins Büro musste, war es schwierig den Alten aus dem Weg zu gehen.
Fazit: Es war eine spannende Zeit! Das Flair ist zu einer bestimmten Zeit richtig gut, die Leute -Berufsspieler wie ich :-)- sehr interessant und ich hatte großartige Abende, denn wenn meine Arbeitskollegin nicht dabei war, ging es mit den Mädels vorher noch schön zum Essen und es waren immer sehr angeregte Gespräche. Meistens ging es dann noch auf einen Absacker zum Schauer Sepp nach Grünwald. Der Aufenthalt mit den Ladys im Casino war auch super, die Bar war gut und die Gäste dort sehr angenehm.

Was ganz klar für alle die es als Arbeit, als Beruf betrachteten war, dass Disziplin unabdingbar erforderlich ist. Du darfst bestimmte Prinzipien nicht vergessen, sonst wirst du auf Dauer verlieren. Die meisten Berufsspieler die ich kennenlernte (am Ende fuhr ich durchschnittlich 3x die Woche nach Garmisch) hatten ein monatliches Durchschnittseinkommen von 3-8000 DM und ich habe keinen Grund daran zu zweifeln.
Meine Art zu spielen wäre sicher nicht auf Dauer durchzuhalten, denn es war schon anstrengend bzw langweilig ständig zu warten. Es ist ganz sicher nicht die Regel, dass eine einfache Chance häufig 5x mal kommt. Aber ich erlebte auch dass die Wiederholung 21X stattfand und ich bin leider beim 12X eingestiegen. Wenn ich verloren hatte waren immerhin 31.500 DM weg und das hieß ich musste 11 Abende erfolgreich abschließen bevor ich mir einen erneuten Verlust leisten konnte. 11X weil mein Prinzip war, dass nach 3.000 DM Gewinn bzw. wenn ich allein dort war nach 2.500 DM Schluss war. Das konnte schon (ist mir nur einmal passiert) nach 30 Minuten sein oder sich aber ziemlich lange hinziehen.
Auch wenn man es bei meiner Mentalität gar nicht glauben mag, aber über diese Zeit führte ich wie der ärgste Korinthenkacker Buch und kann sagen, dass es mehr oder weniger +- Null ausgegangen ist. Dabei wurden auch die 500,- DM für die Begleitungen bei Gewinn, das Benzingeld, die Spesen etc. eingerechnet. Na was willste mehr? Und wo lernst du schon Menschen kennen, die in ihre Sakkotasche greifen, eine Handvoll rechteckige Chips (1000DM) rausholen und auf den Roulette Tisch mit dem Kommentar "Ist doch alles nur Plastik" werfen. Spaß hat es gemacht und das ist was zählt!

Die nächste Geschichte ist weniger lustig, war aber eine sehr wertvolle Erfahrung in meinem Leben. Meine Zeit beim Blauen Kreuz.

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Erinnerungen von Peter Christerer
Die große Pleite mp3 hören?

Wann genau es geschah, dass ich mir einen der neuen supermodernen Blechtrottel -auch PC genannt- anschaffte, das weiß ich nicht mehr. Animiert durch einen Freund -Reiner R.- der sich etwa 1984 einen Brotkasten (Commodore C64) anschaffte, kaufte ich mir auch so ein Teil und etwas paar später fing ein anderer Spezi -Gerhard G.- doch tatsächlich mit einem PC an. Er war auch der erste, der in meinem Bekanntenkreis einen PC mit einer Festplatte von sage und schreibe ZWANZIG MEGABYTE hatte. Zu einem irren Preis. Mein Bruder Otto besaß einen Commodore Amiga.

Es ist schwer sich vor zu stellen wie in dieser Zeit gearbeitet wurde. Mit Tapelaufwerken am C64, 5 ¼ Floppys und später ein Riesenfortschritt mit 3,5 Zoll Speichermedien am PC. Seitenweises Abtippen von Quellcode aus Computerzeitschriften war normal und später mit Akustikkoppler und ätzend langsamen Modems ins "Internet". Dieses kann man im Vergleich zu heute nicht mehr beschreiben.

Von Beginn an faszinierte mich am PC die Programmierung und so lernte ich, mehr schlecht als recht, autodidaktisch Basic, Turbo Pascal und dann auch noch C++. Dass es mir später den Übertritt in den gehobenen Dienst ermöglichen sollte, wusste ich da noch nicht. Natürlich waren die Blechtrottel auch in der Firma ein riesiges Thema und dabei kam ich über einen Arbeitskollegen mit einer kleinen, aber feinen Computerfirma in Berührung. Die "Garnet Weiss Systemtechnik" bestand aus Eddi Weiss als Geschäftsführer und ein paar Informatiker/Programmierern. Soweit ich mich erinnere wurde dort auch Zubehör verkauft und kleinere Reparaturen vorgenommen.

Zuerst nur als Kunde, war ich immer häufiger dort, besonders als die Firma vom Osten Münchens in die Blumenau umzog. Schnell stellte ich fest, dass Eddi ein genialer Verkäufer war, aber von Programmierung nur "Zeitschriften" Wissen hatte. Ich selbst hatte mich bereits auf die Firma Mircosoft spezialisiert und hatte schon detaillierte Kenntnisse in den belächelten (völlig zu Unrecht, denn damit konnte man wirklich Geld verdienen) Programmiersprachen Wordbasic und auch "Excelbasic" als Vorgänger des heutigen Standards in den Office Produkten: Visual Basic for Applications (VBA). Es ergab sich, dass ein größerer Versicherungskonzern in München dringend ein Produkt suchte, welches verschiedene Finanzierungsszenarien abdeckte. Der Vorgaben waren: Excel konform, ansprechende Eingabemaske (Zur Erinnerung MS-DOS hatte keine grafische Benutzeroberfläche) und simpel von jedem Mitarbeiter zu bedienen. Das war der Moment als Eddi mich ansprach ob ich das konnte, denn Schnittstellen und Rootkids und ähnlichen Shit, den gab es genauso wenig wie "Anwendungsprogrammierer". Gemeint waren Leute, die die Anwendung (hier Excel) beherrschten, diese aber mit Bordmitteln zusätzlich programmieren konnten.

Das Angebot den Auftrag als freiberuflicher Programmierer zu übernehmen lehnte ich ab und bot stattdessen eine Beteiligung als 50%iger Gesellschafter an der Firma an. Eddi war begeistert, denn die Vorfinanzierung von damals exorbitant teuren Informatikern war horrend. So kaufte ich mich für einen hohen 5-stelligen Betrag ein und war fortan Gesellschafter. Mein Job war, die teils freiberuflichen, teils fest Angestellten PC-Freaks (den Begriff Nerd gab es noch nicht) zu beaufsichtigen und ggf. einzuschreiten, während sich Eddi um Aufträge kümmern sollte.
Es war eine spannende Zeit. Hochmodern führte ich damals flexible Arbeitszeiten -ich war ja selbst hauptberuflich tätig und erst ab 17h vor Ort- ein und gab nur feste Abgabezeiten vor. Funktionierte gut und ich profitierte eine Menge, denn es waren wirklich Nerds, besonders im Bereich Netzwerk. Das Entscheidende für die Jungs war, dass sie bei uns kostenlos die Telefonleitungen belegen konnten und das war teuer damals. Aber es war schon prickelnd wenn man sieht wie es möglich ist, in das Netzwerk einer Firma mit mehr als 10.000 Mitarbeitern einzudringen.

Und dann kam der der dicke Knüller. Eddi hatte den Wahnsinns Auftrag an Land gezogen. Wir sollten für eine Firma, die LOEWE (damals eine Elektronik Firma u.a. mit exzellenten Fernsehern) Programme zur Steuerung von Leiterplatinen erstellen. Die bisherigen Partner in Südost Asien erwiesen sich als nicht mehr zuverlässig. Wir hatten einen Vorlauf von ca. 14 Monaten und wussten, das bindet die Kapazität von mindestens einem Programmierer. Und wir legten massiv los, was aber kaum mehr Platz für andere, neue Aufträge lies.

Das Ende ist schnell erzählt: Nach etwa einem Jahr kurz vor Vollendung der ersten Betaversion, bekamen wir Besuch von 3 Managern der Auftragsfirma. Sie erklärten uns, dass sie nach Grenzöffnung Richtung Osten eine ganz erheblich kostengünstigere Softwarefirma im nahen Tschechien gefunden hatten und den Auftrag dieser Firma erteilen werden. Leider war Eddi zwar ein genialer Verkäufer aber eben kein Jurist. Er hat schlicht und ergreifend keine Ausstiegsklausel oder Abstandszahlung etc. vereinbart. Die Beerdigung der Firma Garnet Weiss Systemtechnik erfolgte schnell und geräuschlos und war eine unangenehme Erfahrung. Ich hätte durchaus bessere Ideen gehabt, wie man Omas Erbe unter die Leute bringen kann. Zwar war es nur ein verschmerzbarer Teil davon, doch es tat schon weh.

Die Welt des Glückspiels

Erinnerungen von Peter Christerer
Ein trauriger Geburtstag mp3 hören?

Nach dem Tod von Oma war der Erbengemeinschaft, die aus 6 Teilen mit 4 Teilnehmer bestand -wobei Tante Hilde, die Tochter von Oma, 3 Teile erhielt- klar, dass der Verkauf aller Grundstücke das Beste war. Ob es für Liane, die als Mutter zur Bevollmächtigten meiner minderjährigen Schwester Kathrin ernannt wurde, das Beste war, da bin ich mir nicht so sicher. Sie bewohnte ja in einem der Anwesen eine Wohnung und somit stand dann ein Umzug bevor.
Es mag pietätslos erscheinen, aber es war nun einmal eine Tatsache. So traurig mich der Tod von Oma auch stimmte, er brachte zumindest für meinen Bruder Otto und mich eine erhebliche finanzielle Entlastung. Neben den noch zu veräußernden Grundstücken gab es auch eine Stange Bargeld und natürlich wurde dieses auch sofort eingesetzt. Jeder besorgte sich notwendige Dinge und Otto kaufte sich u.a. einen nagelneuen VW Golf. Das war auch notwendig, denn nach meiner Erinnerung wohnte er damals schon am Stadtrand von München in Puchheim. Trotz S-Bahn war für Besprechungen und eben Feierlichkeiten ein Auto schon zweckmäßig.

Am 02.09.1989 gab es einen Anlass für so eine Party. Unsere Schwester Kathrin hatte ihren 12. Geburtstag und Kaffee und Kuchen wurde aufgetischt. Von jetzt an sind mir leider viele Details nicht mehr erinnerlich, obwohl der Tag durchaus auf der Top 10 Liste der dramatischten Ereignisse in meinem bisherigen Leben dabei ist. Zu beachten ist, dass es tatsächlich die Zeit VOR Handys, Internet oder ähnlichem Schnickschnack war.

Ich weiß zum Beispiel nicht mehr, wer alles zur Party eingeladen war. Gehe aber davon aus, dass ein paar Leute anwesend waren. Nur einer kam nicht. Otto! Es war eigentlich nicht seine Angewohnheit unpünktlich zu sein und nach einer Weile machten wir uns schon Gedanken. Denn wenn er verhindert gewesen wäre oder mit meinem Neffen Bernhard irgendetwas im Argen geschehen wäre, hätte er sich auch ohne Handy sicher gemeldet.

Nun nachdem wir ihn auch per Festnetz nicht erreichen konnten fing ich an, die auf dem Weg von Puchheim nach Solln befindlichen Polizeidienststellen anzurufen. Doch dort war auch nichts bekannt. Glücklicherweise gab es auch damals schon eine Rettungsleitstelle, welche die Kranken- und Notarzteinsätze koordinierte. Dort erfuhr ich, dass aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls in der Tischler Straße ein gewisser Bernhard Christerer in das Haunersche Kinderkrankenhaus am Goetheplatz eingeliefert worden ist.
Glücklicherweise hat das Gehirn (zumindest meines) eine "Schockfunktion" welche mich meist kühl und pragmatisch in solchen Situationen reagieren lässt. Unverzüglich begab ich mich auf den Weg in diese Klinik und war doch etwas "erleichtert" als ich erfuhr, dass Bernhard "nur" einen Schlüsselbeinbruch und ein paar Schrammen abbekommen hat. Das Problem war Otto. Was ich bis heute absolut nicht kapiere ist, wie viele Mediziner (ob er sich weigert oder nicht) offensichtlich nicht erkannten, in welchem Zustand er sich befand. Dass er seinen Sohn nicht allein ließ bis alles geklärt war ist logisch, doch danach hätte das Klinikpersonal etwas unternehmen müssen.

Wie es sich ergab, dass wir die Kinderklinik verließen und Otto in meinem Auto saß, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls gab ich -großer Bruder oder nicht- nicht nach und fuhr mit ihm zum Krankenhaus am Rotkreuzplatz. Man glaubt es nicht, aber dort wurde ich abgewiesen, obwohl ich eindringlich auf die Brisanz (Otto war im Auto, die Treppen hätte er nicht mehr steigen können) hinwies. Zum Diskutieren war keine Zeit also fuhr ich weiter in die Romanstraße in das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und dieses Mal gleich in die Notaufnahme wo auch der Notarzt hält.
Dort wurde zuerst etwas routinemäßig vorgegangen, doch plötzlich ging es schnell. Irgendwie muss mich mein Bruder auch noch bevollmächtigt haben, denn der Arzt teilte mir eine nicht fröhlich stimmende Diagnose mit. Gleichzeitig erklärte ich dem Arzt, dass er nicht befugt ist irgendwelche Auskünfte gegenüber der Polizei zu machen und ich einer Befragung meines Bruders zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zustimmen werde. Denn zwischenzeitlich war mir bekannt, dass bei dem Unfall mindestens eine weitere Person schwer verletzt worden war und wer weiß was Otto in seinem Schockzustand erzählt hätte.

Dankenswerterweise war der Arzt ohne großes Palaver einverstanden und schockte mich umso mehr, als er mir erklärte, dass der Zustand von Otto lebensbedrohlich ist. Der Gurt hatte ganze Arbeit geleistet und im Brust- aber besonders im Beckenraum für ganz erhebliche Verletzungen und massiven inneren Blutungen gesorgt. Diese müssen zum Stillstand gebracht werden und dann solle ich beten, dass er diese Nacht überlebt.
Nun Gott bzw. den Ärzten sei Dank er hat es überlebt und durfte einige Zeit in dem Krankenhaus verbringen. Ich glaube einen weiteren Todesfall nach 1970, 72, 74, 81, 89 hätte ich auch nicht mehr auf die Reihe bekommen. Sowohl Bernhard als auch Otto kamen wieder gesund nach Hause. Wie lange es dauerte, was die Unfallursache war und auch wie die Verhandlung (es gab doch sicher eine) wegen dem Unfall ausging, weiß ich nicht mehr. Das ist auch unerheblich, denn mir zeigte es ein weiteres Mal wie schnell ein schöner Tag, das gesamte Leben in Sekunden auf den Kopf stellen und sich ins Gegenteil wandeln konnte.

Jedenfalls stärkte mich der gesamte Vorfall mein Leben weiter in einer hedonistischen Art zu führen. Es kann ganz schnell vorbei sein und selbst wenn nicht, wer garantiert mir, dass ich das Leben im Alter noch genießen kann? Mag sein, dass ich egoistisch und dekadent bin, aber ich stehe dazu: Spaß, Lust, Freude und Genuss! Wem es nicht passt sagte ich auch damals schon: I don't care, I don't give a fuck.

Die große Pleite

Erinnerungen von Peter Christerer
Maria Schrott mp3 hören?

Meine Großmutter Maria Schrott, geb. Christerer wurde am 17.07.1901 in Inham (Weiler) im schönen Rottal geboren. Später (1952) wurde Inham in Griesbach (Stadt ab1953, Bad Griesbach ab 2000) eingemeindet. Leider habe ich mich mit Oma nie intensiv über ihre Kindheit oder auch ihr Leben unterhalten. Es wäre bestimmt spannend gewesen, etwas über ihre Herkunft und ihre Geschwister (mir sind nur Martin und Käthi bekannt) zu erfahren.

So bleibt mir nur das Wenige und heute merke ich, dass da eine Lücke ist, die ich nicht mehr füllen kann. Ich hörte von unterschiedlichen Menschen deren Einschätzung, was Oma und im Besonderen ihren Charakter betraf. Aber es ist immer leicht den Stab über jemanden zu brechen, ohne die Historie dieser Person nachzuvollziehen. 1901 war Bayern noch eine Monarchie geführt vom Prinzregent Luitpold.

Sie erlebte als junges Mädchen (13-17Jahre) den ERSTEN Weltkrieg mit und verlor in diesem ihren Bruder (meinen Großonkel) Martin. Mit 21 Jahren bekam sie 1922 eine uneheliche Tochter, meine Tante Hilde. Von 1918 - 1933 kam sie während der Weimarer Republik in den zweifelhaften Genuss, die Hyperinflation mitzumachen. Dabei verloren nahezu alle "normalen" Menschen ihr gesamtes Hab und Gut. Natürlich gab es wie immer einige Profiteure wie Großindustrielle und ganz zu vorderst den Staat, der seine Kriegsschulden auf einen Schlag los war.
Im August 1931 gebar sie ihr zweites uneheliches Kind, meinen Vater Otto. Von 1933-1945 hatte sie dann mit der Nazizeit und dem ZWEITEN Weltkrieg zu kämpfen. Wann sie ihren späteren Ehemann, meinen Stiefopa Rudolf Schrott kennenlernte, weiß ich nicht mehr im Detail. Nur dass er wohl so etwas wie ein Vorarbeiter in einer großen Metzgerei mit mehr als 40 angestellten Metzgern war. Mit ihm zog sie dann später in die Parkstadt Solln, wo sie ihr restliches Leben verbrachte.

Ich lernte sie eigentlich erst ab 1976 so richtig kennen, als wir von Fürstenried nach dem Tod von Opa nach Solln umzogen. Dort führten wir häufig im Gartenhaus Gespräche, mal witzig, mal weniger witzig und öfters bekam ich eine Strafpredigt zu hören um dann 2 Stunden später ein Stück selbstgebackenen Kuchen von ihr zu bekommen.
Sie versuchte mir "anständiges Leben" beizubringen, hörte aber dann doch gerne die Geschichterln der Jugend. Auf meine Fragen wie man solch schwere Zeiten übersteht und sich trotzdem die Lebenslust erhält, antwortete sie meistens, dass sie einfach andere Werte und Vorstellungen vom Leben hatten. Sie freute sich, wenn sie nach einem harten 16-stündigen Arbeitstag, inklusive auf den Knien Boden schrubbern, am Sonntag ein paar Stunden von den "Herrschaften" frei bekam und 1 oder 2x im Jahr tanzen gehen konnte. Wenn ich es mir überlege, hatte sie eigentlich ihr ganzes Leben lang gearbeitet. Sicher hätte man das anders organisieren können, aber es war halt nunmal das Wesen von Oma und Opa.

Legendär waren meine Diskussionen mit ihr, wenn es darum ging, dass sie mit über 80 Jahren nicht vollgepackt wie ein Maulesel mit Bus und Tram fahren und dann durch den halben Friedhof rennen soll. Als ich nur die Wörter Taxi und Gärtner in den Mund nahm, ging der Punk ab. Und das obwohl sie soviel Finanzmittel hatte, dass sie es niemals hätte ausgeben können.
Wenn ich sagte, dass nach ihrem Tod alles verkauft werden würde und ich die gesamte Erbschaft aber so was von raushauen würde, wurde sie wütend und schimpfte mich aus. Meistens endete die Diskussion mit: "Da bist du noch zu jung, das verstehst du jetzt noch nicht!" Nun Oma, ich habe die Erbschaft rausgehauen und schön wars, dank dir!

Im Frühjahr 1989 erlitt Oma einen Schlaganfall. Ich werde nie vergessen, als sie bei meinem ersten Besuch im Krankenhaus sagte: "Ach der Peter. Gott sei Dank bist du da, denn du reißt mir jetzt das Herz raus, damit ich sterben kann." Glücklicherweise konnte sie in meinem Beisein den Oberarzt der Klinik mitteilen, dass sie, sollte noch etwas geschehen, keinerlei lebensverlängernde Maßnahmen wünscht. Einige Tage später erlitt sie einen weiteren Schlaganfall und fiel ins Koma. Wir hielten abwechselnd Nachtwache, damit sie nicht alleine ins Nirwana gehen muss und auch diese Erfahrung möchte ich nicht missen. Sicher war es gruselig die Nacht in einem abgedunkelten Zimmer mit einem sterbenden, manchmal leisen röchelnden und stöhnenden Menschen zu verbringen. Doch ich hatte Zeit mich von ihr zu verabschieden und das ist mir viel Wert.
Am 18.06.1989 verstarb meine Oma im 88. Lebensjahr

R.I.P. Oma du warst mein Vorbild zu kämpfen, wenn das Leben wieder einmal keine Praline für dich parat hält.

Ein trauriger Geburtstag


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Erinnerungen von Peter Christerer
Wenn Eier vom Himmel fallen mp3 hören?

Der Schichtdienst hatte durchaus Vorteile, insbesondere als die Kinder noch klein waren. Je nach Einteilung der Schicht kam ich relativ erholt nach Hause und hatte dann zwei volle Tage zur Verfügung. Natürlich gab es auch viel zu tun und insbesondere bestanden ja die Verbindungen zu dem Dachauer "Motorradclub" und den geschäftlichen Aktivitäten nach wie vor. Auch waren wir von den Aufträgen von Joschi noch nicht entbunden. Die gaben wir erst auf, als es zu einem ungutem Zuhälterkrieg mit Schusswaffen kam. Das war dann der richtige Zeitpunkt sich zurück zu ziehen.

Aber wie gesagt, es blieb viel Freizeit und wir suchten häufig den Hirschgarten auf. Wenn Angelika dabei war, verzog ich mich meist zu den Schachspielern ansonsten tobten sich die Kinder unter meiner Aufsicht aus. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich Tobias das Fahrradfahren beibrachte. Beeindruckend wie oft er es immer und immer wieder versuchte. Er gab trotz mehrere Stürze (natürlich auf eine Wiese) nicht auf und war so glücklich, als er den Bogen raus hatte. Corinna hingegen ist mir als wagemutig und risikofreudig in Erinnerung. Eines Tages besuchten wir meinen Bruder Max in St. Ottilien. Ich denke er war dort zur Berufsausbildung. Nach meiner Erinnerung waren auch Gerhard G. und Günter R mit dabei. Jedenfalls war Corinna zu der Zeit begeisterte 3-Radfahrerin und deshalb mussten wir es mitnehmen. Max führte uns innerhalb des Klosters umher und wie es halt so ist, quasselten die Erwachsenen und keiner achtete auf Corinna.

Diese war völlig unbekümmert losgedüst. Das Problem war nur, dass es eine abschüssige Straße war und Corinna immer schneller wurde, ohne selbst treten zu müssen. Als wir es bemerkten, war sie etwa in der Hälfte des relativ langen Weges angekommen und man sah, dass es nicht gut enden würde. Corinna hatte die Füße zur Seite gestreckt und das Dreirad hatte eine atemberaubende Geschwindigkeit. Die hatte ich dann auch, als ich aus dem Stand eine Beschleunigung hinlegte, bei der selbst Usain Bolt Schwierigkeiten gehabt hätte mitzuhalten. Das war auch notwendig, denn in allerletzter Sekunde, gerade als das Dreirad kippte, erreichte ich Corinna, die bereits im Fallen begriffen war, konnte sie an einem Oberarm fassen und nach oben reißen. Das war Glück, denn ein Sturz hätte viel Aua verursacht.

Zurück zum Hirschgarten. Eines Tages waren Tobias, Corinna und ich wieder einmal im Hirschgarten ohne Angelika. Alles easy, bis sich urplötzlich der Himmel seltsam färbte. Es war so eine Mischung aus tiefschwarz und hellgelb. Als auch noch Wind aufkam, packte ich die Kinder ein und wir begaben uns zum Parkplatz hinter dem Park. Gerade als wir in die Wotanstraße einbogen und Richtung Fürstenrieder Straße fuhren, platschte der erste fette Tropfen auf die Windschutzscheibe. Und 10 Sekunden später brach die Hölle los. Ein unvorstellbarer Starkregen begann und dann wurden wir mit Eiern verkleidet als Hagelkörner bombardiert. Meine Idee war, es noch in die Laimer Unterführung zu schaffen und dort zu warten, bis wenigstens der Hagel vorbei war. Es gelang mir auch, doch die Idee hatten auch andere.

Schnell war die Unterführung gefüllt mit Autos und es gab kein vor und zurück mehr. Es war eine schlechte Idee! Von beiden Seiten schoss das Wasser wie ein Sturzbach in den Tunnel und die riesigen Hagelkörner machten in Sekunden den Gulli dicht. Es war gespenstisch. Man hörte das Unwetter mit gewaltigem Donner draußen toben und im Tunnel entwickelte sich das Rauschen des Wassers zu einem ziemlichen Lärm. Die Kinder hatten Panik in den Augen und waren total verängstigt. Das verschlimmerte sich noch -und das war auch der Zeitpunkt, als bei mir die Nervosität ins Unermessliche stieg- als plötzlich eiskaltes Wasser durch die Türschlitze ins Auto eindrang. Binnen ganz kurzer Zeit füllte sich das Auto und das Wasser drohte bereits Sitzhöhe zu erreichen, als etwas geschah, was nach meiner Erfahrung extrem selten unter Autofahrern ist. ALLE machten das einzig Richtige und das obwohl das heilige Auto schaden nehmen konnte.

Irgendjemand veranlasste die vor der Unterführung stehenden Autofahrer mit ihren Fahrzeugen etwas zurückzufahren, so dass wir in der Unterführung Platz bekamen, wenden konnten und den Tunnel in gegengesetzter Richtung verlassen konnten. Denn ein Verbleib im Auto im Tunnel wäre schlecht für Leib und Leben geworden. Und so blieb es dabei, dass der einzige Schaden bei mir ein nasser Innenraum war, dafür hatten die Kinder und auch ich ein Abenteurer -auf das ich gerne verzichtet hätte- erlebt. Wer noch nie so etwas erlebt hat, soll jetzt nicht 9x klug irgendeinen Senf von sich geben, das war riiiichtig schneidig!

Nun ein paar Jahre zuvor, es muss wohl 1983 oder 1984 gewesen sein, spülte der Hagel dafür ein paar Geldscheine ins Portemonnaie. Auch damals gab es ein irres Hagelunwetter und seltsamerweise wurden sämtliche Autos, die in der Elsenheimer Straße geparkt hatten, beschädigt. Nur meines nicht. Doch auch wenn mein Gewicht damals noch nicht Elefantendimensionen hatte, mein Gedächtnis schon. Ich erinnerte mich an Gewichte für die Waage aus längst vergangenen Zeiten. Diese waren aus massiven Eisen, hatten unterschiedlich große Köpfe (je nach Gewicht) und befanden sich in Solln in der Garage von Opa. Yoooo, mal kurz mein Auto in die Garage gefahren, eine grobe Decke darüber geschmissen und mit Hammer und den auf den Kopf gestellten Gewichten mal mehr, mal weniger zärtlich das Auto bearbeitet. Es war so überzeugend, dass der Gutachter der Versicherung nicht den geringsten Zweifel an einem massiven Hagelschaden hatte und schon war wieder etwas Diridari in der Haushaltskasse.
So die nächste Geschichte wird eher nicht spannend, aber leider traurig.

Maria Schrott

Erinnerungen von Peter Christerer
Ein bedeutender westlicher Nachrichtendienst mp3 hören?

Irgendwann nach mehreren Monaten bangen Wartens, -denn schließlich hatte ich bei Hacker-Pschorr schon gekündigt- wurde ich zu einem Gespräch in einem Gebäude nahe dem Münchner Hauptbahnhof eingeladen. Alles hoch konspirativ und geheimnisvoll. Mir gegenüber saßen 3 Männer, wovon allerdings nur einer sprach. Nach einem kurzen Geplänkel sollte ich noch einmal darlegen, warum meine 3 angegebenen Referenzpersonen "Klarkenntnis" von der Behörde hatten. Nun eine davon war mein Onkel, der zu diesem Zeitpunkt als Landtagsabgeordneter auch damit befasst war. Die beiden anderen Polizeibeamte, die sich kringelig lachten, als ich mit der Legende und Standort Pullach ankam. Einer der beiden war sogar in einem der Nachbar-Polizeireviere beschäftigt.

Der zweite Knackpunkt war deutlich heftiger! Urplötzlich eröffnete mir der "zweite" Mann, dass ich vorrübergehend an seiner Dienststelle eingesetzt werden sollte, denn unvorhersehbare Ereignisse hätten dies notwendig gemacht. Nun ich hatte mich als Wachmann für die Zentrale im 24:48 (1 (24Stunden) Tag Arbeit, 2 Tage frei) Schichtdienst beworben und sollte jetzt in einer 12 stündigen Wechselschicht eingesetzt werden. Das wäre jetzt nicht soooo dramatisch gewesen, doch das Gehalt wäre nochmals spürbar reduziert worden und ich hatte ohnehin schon mit Einbußen zu rechnen.
Dies zog mir doch ziemlich den Boden unter den Füßen weg, denn den Äußerungen "es dauert nicht lange", die nächste Neueinstellung löst sie ab" etc. wollte ich nicht so recht Glauben schenken. Also begann ich zu pokern und sagte, dass ich unter diesen Umständen eher nicht an einen Wechsel denke und eventuell die Kündigung bei Hacker rückgängig machen werde. Beim Verlassen flüsterte mir der "Personaler" (die anderen waren 1x Personalrat und 1x eben der Dienststellenleiter) noch schnell zu, dass ich auf meiner Position bestehen soll, der "Dienst" braucht genauso dringend Leute in der Zentrale.

Yooohh kurze Zeit später hatte ich einen Arbeitsvertrag - beginnend am 16. Mai 1984- mit dem Bundesnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland. Allerdings durfte ich damals nicht im "Klartext" über meinen Arbeitgeber sprechen und selbst den Ort meiner Arbeitsstätte sollte ich verheimlichen. Erst Jahrzehnte später wurde diese paranoide, neurotische Haltung aufgegeben und unter Präsident Geiger begann sich der BND etwas mehr in der Öffentlichkeit zu präsentieren und bekam sogar ein vernünftiges "Schild" an der zentralen Einfahrt. Nun durchaus sinnvoll, nachdem ein sehr großer Teil der Legenden -selbst die relativ unbekannten- bereits auf Wikipedia nachzulesen waren.

Über den Sinn und Unsinn dieser Geheimnistuerei möchte ich mich nicht weiter auslassen. Nur so viel nachdem ich in den Jahrzehnten meiner Tätigkeit fast in allen Bereichen tätig war: Es ergibt meines Erachtens durchaus Sinn, dass nur ganz wenige Leute wirklich "verdeckt" mit allem drum und dran eingesetzt werden, aber das muss dann wirklich geheim sein! Warum?
Weil ich viele Jahre später (ohne der Chronologie vorgreifen zu wollen) miterleben durfte, wie in einem "Krisenland" mit Bürgerkrieg ähnlichen Zuständen ein Kommandeur der "Freiheitskämpfer" (so war tatsächlich die politische Sprachregelung für Terroristen) zu einem sehr feinen Menschen, einem hochrangigen Offizier der Bundeswehr sagte: "Keine Sorge, ich finde sie auch in Berlin", nachdem dieser ihn mehrfach in die Enge getrieben hatte. Das war kein Spaß und ist sehr ernst zu nehmen. Von da an wollte ich Klaus H. (dieser ist übrigens für den Titel der Geschichte verantwortlich, er verwandte den Begriff allerdings eher spöttisch) nicht mehr zu solchen Gesprächen einladen, denn das ist kein Arbeitgeber dieser Welt wert.
Zurück zu den Anfängen beim BND. In den drei Jahren, die ich bei der Wache verbrachte, ereignete sich schon ganz schön viel. Unangenehmes genauso wie lustiges oder skurriles. Von den vielen Episoden stelle ich nur drei -über die ich heute oft noch schmunzelnd den Kopf schüttle- kurz vor.

Wir hatten einen Bereichsschutzleiter mit dem Spitznamen "Don Krawallo". Wie der Name vermuten lässt, war das ein "herzensguter" Choleriker und zudem mit einer ganz großen Vorliebe für Training an der Schusswaffe ausgestattet. Irgendwann hatte er durchgesetzt, dass wir ein modernes Schießkino wie beim FBI erhielten und wir sollten nun lernen, wie man in unterschiedlichen Situationen reagiert. Außerdem wurden wir mit dem Umgang verschiedener Waffen geschult. Eines Tages (kurz nach Installation des Schießkinos) war MP Schießen angesagt und das machte ziemlich Spaß, denn die Dinger legten ganz schön los.
So kam es, dass Kollege Andi B den Schussraum betrat, dort befand sich nur noch Don Krawallo, während der Rest der Truppe das Ganze durch eine gepanzerte Scheibe aus dem Nebenraum beobachtete. Andi nimmt die die MP auf und was dann geschah konnte nie rekonstruiert werden. Er steckte ein vollgeladenes Magazin in den Schacht, dreht sich ganz lässig Richtung Zielscheiben und das Inferno brach los. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen war auf Feuerstoß und nicht auf Einzelfeuer gestellt, die MP entsichert und Andi hatte einen nervösen Zeigefinger. Bevor er in seinem Schock den Finger vom Abzug nehmen konnte, ballerte er drauflos, dass es eine wahre Pracht war! Jedenfalls schoss er von der Deckenhalterung bis zum Schießkino alles kurz und klein, während sich Don Krawallo geistesgegenwärtig auf den Boden geworfen hatte. Glück war, dass Andi damals wie heute eher ein Schwergewicht vom Körperbau ist und ihn deshalb der überraschende Rückstoß nicht umgeworfen hat. Jedenfalls war das das Ende des Schießkinos.

Ein anderer, ganz spezieller Kandidat war der "Flori". Dieser hatte wohl finanzielle Schwierigkeiten und musste demnach auch nach den Schichten noch anderswo arbeiten. Eigentlich war Flori immer müde und sehr froh, wenn wir zusammen auf Außenfahrt waren. Denn der Deal war, dass ich die vollen 3 Stunden fuhr und er mich in die Geheimnisse des Kuchenbackens einweiht. Schließlich war er gelernter Bäckergeselle und Konditormeister. Leider ist das alles aus meinem Oberstübchen verschwunden, denn es heißt wieder "Metzger bleib bei deinem Fleisch". Doch zu zweit fuhren wir in der Regel außerhalb der Liegenschaft erst ab 21:00h und so kam es dass Flori an einem schönen Sommertag alleine ums Gelände fuhr. Plötzlich taucht eine Person an der Wachkanzel auf und möchte den Wachgruppenleiter sprechen. Diesem eröffnete der Besucher, dass er es unerhört findet, dass ein Wachmann des BND mit dem Auto auf dem Parkplatz des Trimm dich Pfades steht und bei unverschlossenen Türen und Fenstern schläft und zudem seine Maschinenpistole ungesichert auf dem Beifahrersitz liegen lässt. Als Beweis hatte er das Munitionsmagazin gleich mitgebracht. Yep da kam keine Freude, dafür Bewegung beim Wachgruppenführer auf.
Die nächste Sache von Flori führte dann zu seiner Versetzung in den Bürodienst. Es gab verschiedene Bereiche im Gelände, die zu bestreifen waren. Manche mochte man, manche nicht. Seltsam war, dass sich Flori häufig freiwillig für den langweiligsten aller Bereiche meldete. Doch das hatte seinen Grund. In diesem Bereich waren die allermeisten Dienst-KfZ abgestellt. Wenn Flori dann zwischen 03:00h-05:30h den Bereich abging, war er zusätzlich mit mehreren Benzinkanistern und einem Plastikschlauch bewaffnet. Mit diesem saugte er aus den Dienst-KfZ Benzin ab und füllte damit seine Kanister. Nur einmal beachtete er das 11. Gebot "Du sollst dich nicht erwischen lassen" nicht und fortan war er im Büro tätig.
Das waren noch Zeiten. Heutzutage werden Menschen aus völlig nichtigen Gründen fristlos entlassen.

Dass es im BND nicht zünftig zugegangen ist, das kann man nicht behaupten. Jährlich findet für die ganze Belegschaft ein Sommerfest statt. DAMALS riiiiichtig gut. Mit Bierzelt, Musik, usw., usf. An diesem Tag mussten auch die Hunde im Zwinger bleiben. Doch am nächsten Tag gab es bei der dann tätigen Schicht einen Wettstreit. In dem sehr weitläufigen Gelände gab es viele Nischen und Wege, sogar ein Schwimmbad, einen Park und einen Tennisplatz.
Der Wettstreit ging dahin, dass der Wachmann prämiert wurde, der die größte Anzahl von Utensilien wie Slips, BHs etc. zurückbrachte, die zweifelsohne auf eine etwas ausschweifende Art des Sommerfestes hindeuteten. Nicht übermittelt ist, wieviele Babys 9 Monate später das Licht der Welt erblickten und für wie viele Trennungen/Scheidungen das Sommerfest Anlaß gegeben hat.

So das war der erste Teil zum BND, weitere werden noch folgen. Die nächste Geschichte handelt von einem Ausflug von mir und den Kindern mit einem ziemlich überraschenden Ende.

Wenn Eier vom Himmel fallen

Erinnerungen von Peter Christerer
A new star is born - Corinna mp3 hören?

So lief das Leben seinen sozialistischen Gang und alles war mehr oder weniger "normal", geprägt vom für die Familie Geld verdienen. Ganz so einfach war es nicht als Alleinverdiener, doch frei nach Monaco Franze: "A bisserl wos geht imma", funktionierte es schon. Nicht schön (hier weiß ich allerdings die Jahreszahlen nicht mehr) war, dass sich Herbert arbeitstechnisch für mehrere Jahre nach Afrika verzog. Für ihn freute es mich und dort hat er ja auch mit Christiana die Frau fürs Leben gefunden und zwei coole Jungs gezeugt. Doch hier in Deutschland hinterließ er schon eine Lücke. Im Freundeskreis war das "Flügge" werden auch so ziemlich abgeschlossen. Sehr gut erinnern kann ich mich noch an die superschöne Verlobungsfeier von Robert und Rita in Lofer. Allerdings sind auch hier die genauen Daten im Nirvana verschwunden. Die meisten von uns waren ganz einfach mit dem Auf- und Ausbau einer eigenen Familie beschäftigt.

Auch ich fing zum Nachdenken an. Auf der einen Seite war der Job bei Hacker Pschorr schon in Ordnung, speziell so wie die Tour mittlerweile eingerichtet war. Für einen kleinen, ungebildeten Metzgerbub blieb ganz schön viel vom Diridari in der Tasche, selbst ohne die manchmal etwas windschiefen "Gschäfterl".
Auf der anderen Seite war mir klar, dass das ein Knochenjob war, der ganz fürchterlich auf die Gelenke und nicht nur dorthin geht. Auch wollte ich nicht so enden, wie so mancher altgedienter Bierfahrer, der morgens um 6 schon 3-4 Bier intus hatte. Oder der Kollege, welcher auf "seiner" Stuttgart-Tour immer erst nachmittags fahren konnte, denn da hatte er einen Kasten Export vernichtet.
Doch meine Möglichkeiten einen Job mit genügend Gehalt zu erhalten, um eine Familie in München zu ernähren war bei meiner Qualifikation nicht ganz einfach. Auch wenn ich der Meinung bin, dass damals ein Quali mit abgeschlossener Berufsausbildung mehr Bildung beinhaltete als heute das Abi in Berlin. Egal, was in Deutschland zählt sind die subjektiven Kriterien. Ohne Papier biste nichts und kannste nichts.

Das Projekt neue Arbeit war umso wichtiger, da wir auch die ursprünglichen Pläne der Familienplanung umsetzen wollten. Wir hatten uns entschieden, möglichst junge Eltern sein zu wollen und zwei Jahre nach dem ersten Kind ein Zweites zu zeugen. Somit waren wir im Herbst 1983 schon leicht im Verzug, da Tobias seit November 1981 auf der Welt war. Glücklicherweise hatte ich keinen "Knebelmietvertrag" unterschrieben und konnte auch nach der Kündigung in der Wohnung bleiben.

Ich folgte dem Rat einer nahen Angehörigen und bewarb mich bei "ihrer" Behörde. Allerdings sollte ich mich auf eine längere Wartezeit und eine intensive Überprüfung meiner gesamten Lebensgeschichte vorbereiten. Das verursachte schon etwas Bauchgrummeln und tatsächlich wurde ich im Bewerbungsgespräch auf ein "Versäumnis" im Fragebogen hingewiesen von dem ich annahm, dass es längst gelöscht war und selbst die Polizei hatte darauf keinen Zugriff.

Jedenfalls lief die Sache und wir konnten uns um die Nachwuchsplanung kümmern. Da Angelika weder rauchte noch Alkohol trank und auch ansonsten keine Einschränkungen vorhanden waren, klappte es ziemlich schnell. Irgendwann eröffnete sie mir, dass sie schwanger sei und damit hatten wir ja schon Erfahrung. Soweit ich mich erinnere verlief die Schwangerschaft bis auf Eisenmangel und häufige Übelkeit reibungslos. Nach dem Desaster bei Tobias Geburt (seither bin ich sehr kritisch und vorsichtig was Ärzte anbelangt), war dieses Mal alles klar und der Termin für den Kaiserschnitt stand schon früh fest.
Am 07. September 1984 war es dann soweit: Ein entzückendes Mädchen erblickte das Licht der Welt.

Nach meiner Erinnerung war Corinna ein pflegeleichtes und anschmiegsames Baby. Es tut mir heute außerordentlich weh und leid, dass sich die Familienchronik in eine nicht gewollte Richtung entwickelte. Letztendlich waren Angelika und ich bereits von Beginn an (also schon bei Tobias) hoffnungslos überfordert, wir hätten niemals heiraten und Kinder zeugen dürfen. Ich war definitiv noch viel zu jung und unreif. Aber "man" machte das halt so und "das wird schon".....
Naja vielleicht schreibt Corinna mal IHRE Erinnerungen und sollte ich da noch leben, werde ich sie neugierig lesen. Obwohl mir bewusst ist, dass der überwiegende Teil was mich betrifft nicht positiv sein wird.

Der nächste Beitrag wird sich ausschließlich mit meiner neuen Tätigkeit beschäftigen, auch wenn ich aufgrund der besonderen Behörde vieles verschleiern muss.

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Erinnerungen von Peter Christerer
Rudi - Retter in Not mp3 hören?

Wie schon erwähnt entwickelte sich zwischen Rudi und mir so etwas wie eine Freundschaft, insbesondere nachdem er "mein" Abrechnungssystem verstanden und akzeptiert hatte. Hacker-Pschorr hatte für Tourenfahrer ein sehr komplexes System mit Akkord, Kundenanzahl, Voll- und Leergut u.a.m. entwickelt. Es lief darauf hinaus, dass du ziemlich malochen musstest um an Kohle zu gelangen. Dann machte ich mir die Mühe das System näher zu betrachten.
Am Ende kam raus, dass wir kaum Überstunden, tagsüber Zeit für "Privatangelegenheiten" und maximal 200 DM weniger auf dem Gehaltszettel hatten, aber nicht mehr von 0530h-2100h rackerten. Zwar sorgte das in der Firma für schlechte Stimmung und es war anfangs ziemliche Disziplin von Nöten es durch zu ziehen. Aber dann flunzte es und Rudi war restlos überzeugt. Zu dem System gehörte natürlich auch, dass der Freitag zwar aus vollem Wagen (Zugmaschine und Hänger) also rund 900 Träger Bier und einigen Fässer bestand, aber dafür eigentlich nur die Belieferung der Trabrennbahn Daglfing anstand. Somit hatten wir einen relaxten Tag und waren spätesten 1400h fertig.

Dann geschah es! Donnerstag Nachmittag, ich gehe ins Büro um die Beladung des LKW vorzubereiten und finde einen NEUEN Lieferschein vor. Für FREITAG! Saunaclub Hawaii Schatzbogen, also ein weiteres Bordell, die sprießten dort draußen wie Pilze aus dem Boden. Lieferung zwischen 1000h - und 1100h. Hahaha von was träumte der denn? Kurz mit Rudi abgesprochen und es war klar, dass die Lieferung gegen 0800h erfolgt.

Yoooo, die Lieferung war überschaubar, ich fuhr mit meiner Sackkarre und 8 Träger Getränke nach oben und hatte noch Rudi im Ohr: "Dass du mir fei ned mit am Mädl was anfängst, mia ham Arbeit!". Oben alles easy und schon damals (1982) alles mit Kameras überwacht. Ich klingle ganz normal. Keine Regung! Ich klingle stürmischer. Keine Regung! Ich klopfe etwas lauter an die Tür. Keine Regung. Ich klopfe ziemlich massiv an Tür. Und tatsächlich, sie öffnet sich und vor mir baut sich ein ca 195 cm großer, dem Gesicht nach braun gebrannter, muskulöser mit schulterlangem, welligem Haar Mann und dicker Goldkette um den Hals, im bodenlangen, schneeweißen Morgenmantel auf und sagt: "Was möchtest denn du da?"Es entwickelte sich in etwa folgender Dialog:
Ich: Nach was sieht es denn aus, Irgendeiner wird des Zeugs schon bestellt haben.
Er: So ganz helle bist du aber ned, oder kannst etwa gar nicht lesen? Ich habe zwischen 10e und 11e ogeben.
Ich: Und du glaubst, weil irgendein ein Haumdaucha meint, das ist ein Wunschkonzert, dann stell ich mei Tour um, ha? Gehst jetzt ausm Licht oder ned?
Er: Sog a moi, spinnst du? Ganz dicht bist du aber ned?
Ich: Ich stelle sie dir auch vor die Türe.
Er wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, da hörte man den Aufzug, gefolgt von einer tiefen, aber auch leicht gereizten Baßstimme: "Bääääda wo bistn? I hob da gsogt, du sollst de Schnepfn steh lossn, i hob heid Versammlung!"
Rudi kam um die Ecke, den ca 80cm langen Hacken um die Bierträger vorzuziehen in der Hand und sah mich mit dem Sackkarren vor der Türe stehen und erkannte sofort, dass es wohl kleinere Schwierigkeiten gab. Er nahm den Hacken fester und sagte ziemlich schleppend: "Macht oaner Stress, oder was? Steht neben mir an der Tür und blickt dem Typen ins Gesicht.

Zwei Männer mit einem unglaublich dämlichen Gesichtsausdruck blickten sich an und nach einer gefühlten Ewigkeit sagte der Typ: " Ruuuudi??" und Rudi antwortete: Jooooshi??" Es stellte sich heraus, dass die beiden mehrere Jahre in Straubing in der selben Haftzelle verbracht hatten.
Yoooo von nun an ging es easy und das Bier war Nebensache. Wir vereinbarten mit Joshi, dass wir manchmal auch an andere Dinge wie Getränke auf unserer Tour kamen und er sagte, dass ALLE Getränke und Shows und natürlich auch der Eintritt (120 DM) für uns frei sind, nur die Mädels sind selbstständig, da kann er nichts machen.
Und nachdem mir Joshi noch einen riesen Einlauf verpasste und ich mich bei Rudi bedanken könne, dass ich keinen längeren Aufenthalt in einem Krankenhaus verbringen durfte, schlug uns Joshi einen weiteren Deal vor. Er wusste inzwischen, dass Rudi Präsident eines Rockerclubs war und Joshi war zu der Zeit einer der führenden Münchener Zuhälter. Er hatte mehrere Clubs, nahezu alle Mädels der Tagesschicht an der Ingolstädter Landstraße standen unter seiner Aufsicht und er war an einigen Animierschuppen im Müncher Bahnhofsbereich beteiligt oder Eigentümer. Von seinen anderen Geschäften ganz zu schweigen.

Und eben für das Bahnhofsgeschäft wollte er uns engagieren. Dort gab es häufiger Ärger und das war schlecht fürs Geschäft. Also zogen fortan meist Freitags, manchmal auch Samstag 5 Typen (Rudi, Hanse, Robbi, Flaggi und ich) durch die Bars und stellten uns (oft teilten wir uns auf) an der Bar an die Ecke. Alle größer als 1,90m und alle (ja auch ich!) sehr muskulös mit einer Lederkutte bekleidet und jeder Besucher verstand, dass Ärger in diesem Laden nicht erwünscht ist. Es gab sehr selten Idioten, die das nicht kapierten und dann mussten wir es denen halt klarer darlegen.
So jetzt ist Schluss mit den Joshi und Dachauer Motorrad Club Geschichten, es gäbe genug für einen weiter Kurzroman, doch das würde mglw. ein schlechtes Licht auf mich werfen. Mit Joshi nahm es übrigens nach meiner Kenntnis auch kein gutes Ende. Er soll wohl mit sehr hoher Geschwindigkeit in den Aufleger eines Sattelschleppers gerast sein, nachdem das Bremssystem seines italienischen Supersportwagens vollständig ausfiel.

Jetzt beginnt das 6. Kapitel, das handelt von den Jahren 1984-1996 und wie ihr seht, werden die Zeitspannen größer und die Erlebnisse weniger.

A new star is born - Corinna

Erinnerungen von Peter Christerer
Bierfahrer - ein harter Job! als mp3 hören?

Nachdem ich ca. 1 Jahr als Springer auf den großen Touren eingesetzt war und da auch teils unverantwortliche Dinge erlebte, ergab es sich, dass eine sog. "Stresstour" immer mehr Probleme bereitete. Zuerst ging der langjährige Fahrer in den Ruhestand und dessen Nachfolger wurde Rudi B., der für sein leicht aufbrausendes Temperament in der Brauerei bekannt war. Rudi kam -wie zu erwarten war- mit "Tennis" Felix nicht recht klar. Tennis deshalb weil er sehr gerne Tennis spielte, dafür aber auch häufig an einem "Tennisellenbogen" erkrankte. Felix wollte jetzt Boss auf dem Truck sein, ihm fehlte aber der 2er Führerschein und somit war er eher nicht ernst zu nehmen.

Irgendwann reichte es dem Fuhrparkleiter und er kam auf mich zu, ob ich mir zutrauen würde, mit Rudi ein "Team" zu bilden. Nun ich war nicht immer so zart besaitet wie heute und die Tour war genau das, was ich wollte. Große Mengen, aber "keine" Staplerposten, das war wichtig für die Abrechnung, und mit dem Radius Münchner Osten, dann Ismaning bis Erding und Markt Schwaben relativ klein.
Rudi sah ich dabei nicht als Problem, obwohl mir bekannt war, dass er Präsident eines kleinen aber gewalttätigen Dachauer Rockerclub war und eine Vorstrafe mit mehrjähriger Haft in der "Schwerverbrecher" Haftanstalt Straubing wegen versuchten Totschlags an zwei Polizeibeamten vorweisen konnte.
Nach ein paar klaren Ansagen und einigen Stresssituationen bildeten wir das, was eine kleine völlig überbewertete Partei erst viel später einführte, eine Doppelspitze. Diese funktionierte zum Leidwesen der Fuhrparkverantwortlichen und Disponenten nahezu perfekt und damit hatte niemand gerechnet. Rudi und ich wurden so etwas ähnliches wie temporäre Freunde und ich hatte mit ihm und seinem Club noch viele spannende Erlebnisse. Jedenfalls hatte ich somit schon nach sehr kurzer Zeit bei Hacker-Pschorr "meine" feste Tour.


Festhalten möchte ich auf jeden Fall: LKW-Fahrer ist für sich schon ein sehr anstrengender Job. Wenn dieser auch noch mit körperlicher Anstrengung gepaart ist -durchschnittlich hob ich pro Tag 15t vom LKW runter und 7,5t wieder rauf-, dann weißt du am Abend ganz sicher, was du tagsüber getan hast. Anderseits was ich in diesen 3 Jahren erlebte, das möchte ich nicht missen. Ob Kollegen, Kunden, andere Lieferanten, Verkehrsteilnehmer u.a.m. nahezu täglich ergab sich etwas bemerkenswertes. Ich würde mein Lied nicht wie Cat Stevens "all kinds of roses" sondern "all kinds of people" nennen und das Gleiche meinen.
Eines zeigte sich für mich ganz klar. Die Menschen sind nur am schnöden Mammon interessiert. Ob Großwirt oder kleiner Kioskbesitzer oder Baustellenkantinenbetreiber, money, money, money. Es gab -im Nachhinein- lustige Geschichten. als z. B. ein "verrückter" Bernhardiner meinte, er müsste mir von hinten seine mächtigen Pranken auf die Schulter legen und mir ziemlich laut ins Ohr knurren. Es gab brutale Erlebnisse als z. B. im "Rauchstüberl" nahe der Prinzregentenstraße der berühmte "Hammer Schorsch" übelst zusammengeschlagen wurde. Genau der Boxer, der bei mir früher (siehe It's partytime Teil 2) eine Rolle spielte. Und es gab skurille Geschichten, so z.B: wie Pferde auf der Trabrennbahn reagierten, wenn wir unsere pneumatisch unterstützte Gangschaltung des LKW benutzten. Für Rudi und mich waren es dann nicht mehr Pferde, sondern "Pfluftl".

Um es nicht ausufern zu lassen, werde ich drei, zugegeben nicht allzu typische, aber für uns auch nicht soooo außergewöhnliche Geschichten niederschreiben. Eine davon "Rudi - Retter in Not" bekommt einen eigenen, den nächsten Beitrag, denn die war schon ganz speziell. Die anderen zwei stelle ich hier vor.
Auf unserer Tour hatten wir auch öfters Baustellen zu beliefern und in aller Regel, waren das gute Posten, denn wie man in Bayern sagt: "Do geht scho was". Nur eine hatten wir einmal zu beliefern, das war schier unerträglich. Der Polier selbst nahm die Lieferung entgegen und schikanierte uns, wo es nur ging. So ließ er uns manchmal nur an einer Stelle halten, von der wir dann die Kisten über 200m Kies tragen durften usw.
Eines Tages war Rudi schlecht gelaunt (das wechselte sich zwischen ihm und mir immer ab) und er meinte: "Bäääda, wenn ma der Spinner heid blöd kummt, werd ich es ihm beibringa, das ma zu Bierfahra nett zu sein hat" Ich muss vorausschicken, dass Rudi ca. 190cm groß und etwa 110kg schwer, davon sehr viele Muskeln , war. Auf meine Frage, was er denn vorhat, antwortete er nicht. Und ich lernte schon sehr früh, dass es manchmal besser ist nicht alles zu wissen. Natürlich war der Polier auch schlecht drauf und die Geschichte nahm seinen Lauf. Rudi stellte die Getränke runter und ich tuckerte "7 hoch" den holprigen Kiesweg zum Lagerraum der Kantine. Als ich zum letzten Mal mit dem Leergut zurückkam, war der LKW samt Rudi nicht mehr da, aber auch der Polier war nicht mehr zu sehen.

Mein Blick schweifte über das Gelände und tatsächlich sah ich den Lkw in einer ziemlichen Staubwolke übers Gelände hopsen. Rudi kam an, öffnete die Seitenflächen (wir hatten keine Plane sondern stabile Wände), hob ein völlig schockiertes, verängstigtes, "gstandnes" Mannsbild vom Lastwagen und sagte: "Jetzt überlegst, ob du künftig etwas freundlicher bist, nächstesmal könnte ich wirklich grantig werden". Das war das letzte Mal, dass ich den Polier sah. Fortan durften wir die Getränke einfach an der immer gleichen Stelle abladen und dort stand auch das Leergut parat und die Unterschrift auf dem Lieferschein leisteten irgendwelche Arbeiter.
Ich kann euch sagen, ich habe es selbst ausprobiert. Ich ließ mich von Rudi auf der Ladefläche einsperren und mich in dem stockdunklen Behälter über eine geteerte gerade Straße fahren. Ich brach den Versuch nach 50m ab, weil ich mir sonst vor Angst in die Hose gemacht hätte und damals konnte mich nichts so leicht erschüttern. Aber die vollen wie leeren Bierkisten und Fässer schepperten und wackelten, dass ich jeden Moment das Gefühl hatte, die brechen über mir zusammen.

Die zweite Geschichte zeigt eigentlich nur, dass man Menschen nicht aufgrund ihres Erscheinungsbildes unterschätzen sollte. Wenn Rudi im Urlaub oder krank war, fuhr ich und bekam Springer als Beifahrer zugeteilt. Der Fahrer blieb beim Wagen und holte die Lieferung von der Ladefläche (Rudi und ich machten alles gemeinsam und wechselten mittags die Fahrerposition) und der Beifahrer verräumte die Ware beim Kunden. Das war mir zu anstrengend, weil das Erklären und Zeigen war mir zu langwierig.
Einmal hatte ich Hans aus Österreich als Beifahrer. Ein ca. 175-180cm großer eher leichtgewichtiger Mann aus der Steiermark. Bereits bei den ersten Kunden überraschte er mich aufgrund seiner Geschwindigkeit und Sorgfältigkeit. Doch dann geschah -aus meiner Sicht- die Katastrophe. Wir kamen zum Wienerwald nahe Riem und das war ein "Sch…" Posten. Alles musste durch einen sehr engen und tiefen Kellerschacht und wurde dann unten auch noch durch den Keller gekarrt. War alles noch zu händeln, doch meist gehörten zur Bestellung auch mehrere Alufässer mit 100l Inhalt. Diese wurden in das Loch von oben ca 1m tief in den Schacht geworfen und dann von dort nochmal 1,5m auf den Boden und in den Kühlraum gerollt.
Dann kam ein Fass und ich erkannte im Keller anhand der Kennzeichnung, dass es sich um die falsche Sorte (Export statt Helles) handelte. Mit vereinten (Personal vom Wienerwald) Kräften hievten wir das Fass aus dem Loch und ich sagte Hans, wenn ich raufkomme, müssen wir versuchen das Fass wieder auf die Ladefläche zu bekommen. Nachdem ich unten fertig war und nach oben kam, war kein Fass zu sehen. Auf meine Frage, meinte Hans, er hätte es zurückgestellt, das sei doch kein Problem.
Man muss wissen bei diesem 100kg schweren Fass hat man links und rechts lediglich ca 2cm Rand und muss somit mit den Fingerspitzen das Fass anheben. Als ich ihn nervte wer ihm dabei geholfen hätte, geht der Typ doch glatt an den Wagen und wirft das 100l Fass erneut runter. Stellt sich breitbeinig darüber, nimmt es mit den Fingerspitzen, rollt es ein paarmal hin und her und hebt es dann in einem Satz auf die bestimmt 1m hohe Ladefläche. Yooo ab diesem Zeitpunkt war ich höflicher zu Hans und bei der Rückkehr bat ich den Fuhrparkleiter mir für die restliche Zeit bis zur Rückkehr von Rudi keinen anderen Springer mehr zu zuweisen.

Leider ging die Geschichte von Hans, der ein einfacher, aber herzensguter Mensch war, nicht gut aus. Er wurde wohl für mehrere Jahre eingesperrt, nachdem er in München eine verruchte Kneipe alleine vollständig zerlegt hatte und dabei 6 Personen doch ganz schön was abbekommen hatten. Er war der irrigen Meinung, dass er seine "Freundin" aus den Klauen ihres Zuhälters befreien könnte, der sie nach seiner Meinung unflätig behandelte.
So die nächste Geschichte wird der Abschluss von Kapitel 5 und dabei handelt es sich um eine auf die ich nicht sonderlich stolz bin, aber sicherlich auch ein Teil von dem ist, was mich ausmacht.

Rudi - Retter in Not

Erinnerungen von Peter Christerer
Die neue Wohnung - Teil 2 als mp3 hören?
Problem 1 war simpel. Da die Party lange genug im Voraus bekannt war, besorgte ich das Equipment halt peu â peu. Problem 2 war eigentlich nicht schwierig zu lösen, hätte es da nicht interne Schwierigkeiten gegeben. Ich wollte einfach den Kleiderschrank von Tobias zum Getränkeschrank umfunktionieren und dachte die paar Wochen könnten wir die Kleidung ja bei uns im Schlafzimmer lagern. Die wenigen Unannehmlichkeiten könnte eine nicht berufstätige Hausfrau doch hinnehmen. Ein paar Diskussionen später hatte ich mich durchgesetzt und begann den Schrank aufzufüllen.
Aus ganz anderen Gründen war es dennoch keine kluge Entscheidung. Im Kinderzimmer befand sich auf der rechten Seite der Schrank, daneben eine schöne sehr alte Kommode, dann ein Laufgitter für Tobias. Gegenüber vom Schrank auf der linken Seite, befand sich das Bett von Tobias.

Dann brach eines abends das Inferno aus. Tobias schläft friedlich in seinem Bettchen, im Wohnzimmer lief im Fernsehen wahrscheinlich gerade eine Soap Opera und alles war cool und easy. Ein Rumpeln riss uns aus der Harmonie, gefolgt von dem Krach zerberstender und explodierender Gegenstände. Es kam zweifelsohne aus dem Kinderzimmer.
Der Schrank Marke Billigheimer war dem Gewicht der Flaschen nicht mehr gewachsen und brach in sich zusammen. Der Druck war so groß, dass die Türen aufgingen und die Flaschen auch noch rausfielen. Die ganze Soße schoss wie ein Sturzbach durchs Zimmer. Wie viele Flaschen zerbrachen weiß ich nicht mehr, aber es war heftig! Das Ende vom Lied war, dass mächtig aufräumen angesagt war, dass ein Schrank und ein Teppichboden und viele Getränke ersetzt werden mussten und dass Tobias eine Woche wegen des Geruchs -trotz entsorgtem Teppich- nicht mehr in dem Zimmer schlafen konnte.
Großes Glück war, dass Tobias nichts passierte und von den explodierenden Flaschen nicht verletzt wurde.

Auch die zweite Story hätte übel enden können. Irgendwann kam ich auf die Idee, dass der Flur eine ziemliche Menge an Stauraum bieten könnte. Dazu müsste ich lediglich an beiden Wandseiten ca. 1m von der Decke entfernt, eine massive Leiste anbringen, Nut- und Feder Holzbretter drauf und diese mit einer 22mm starken Preßspannplatte verstärken. Hinten und vorne noch eine Klappe dran und fertig ist das Raumwunder. Funktionierte perfekt und der Platz wurde bis zum Auszug richtig verwendet.
Nur beim Aufbau geschah ein kleines Missgeschick. Das Holz ließ ich mir von meinem Schulfreund dem Kaiser Hansi anfertigen, er hatte eine eigene Schreinerei. Dann legte ich los. Die Leisten, das war mir klar, mussten „atombombenfest“ in den Wänden verankert werden. Dementsprechend lange Schrauben und dicke Dübel waren angesagt. Die Löcher in den Wänden mussten logischer Weise in ca. 2m Höhe angebracht werden und ich hatte Glück, die Wände waren stabil und gut zu bohren.

Ich begann vom Wohnzimmer aus Richtung Eingangstür die Löcher zu bohren. Und selbst ich mit meinen 197cm musste dazu auf einen Staffelei klettern um genügend Druck hinter die Bohrmaschine zu bringen. Und dann wurde es im wahrsten Sinne des Wortes dunkel! Was war geschehen? Zuerst sah ich noch einen grellen, bläulichen Blitz und dann nichts mehr. Wie lange ich auf dem Boden lag weiß ich nicht, als ich die Augen wieder öffnete war es dunkel. Nicht nur im Flur, nicht nur in der Wohnung, nööö der ganze linke Teil des gesamten Hauses war stromtechnisch bei Null angekommen.
Ich hatte schlicht die Starkstromleitung, die zum Nachtspeicherofen führte, volle Breitseite angebohrt. Das war so heftig, dass sich sogar eine sogenannte Panzersicherung mit über 80 Watt im Keller des Hauses verabschiedete und alles lahmlegte. Mir knallte der Zusammenstoß dermaßen eine vor den Latz, dass ich die Staffelei in der Horizontalen verließ und mich erst mal auf dem Boden schlafen legte.

Dann ging es an die Schadensbekämpfung. Ein Anruf bei Willi Sch. führte nicht zu dem was ich hören wollte, sondern ließ mir Schauer über den Rücken laufen. Steigleiter, Strangsanierung, bla bla bla. Jedenfalls ganz sicher enorm kostspielig und aufwändig und das ohne zu wissen, ob meine Haftpflichtversicherung für den Schaden aufkommen würde? Okay eine -von mir ohnehin bevorzugt- pragmatische Lösung musste her. Glücklicherweise befand sich damals im Haus eine Gaststätte mit einem etwas schrägen, nicht ganz koscherem Wirt.
Dieser konnte im Zweifel für alles verantwortlich gemacht werden, denn der hatte immer Schuld. Der Rest ist schnell erzählt. Taschenlampe an, Wand aufschlagen, die durchtrennte Leitung mit Lüsterklemmen flicken, das Ganze mit Gips verschließen, Tapete drüber und streichen. Fertig! Kräftig Radau schlagen und auf den Wirt schimpfen.

Funktionierte prächtig, ein winziger Hacken war dennoch dran. Die nächsten 3 Tage summte es in der Wohnung wie in einem Bienenhaus mit voller Äktschn. Ich hatte nicht bedacht, dass Gips ziemlich nass ist und die Lüsterklemme eben mit diesem Wasser in Berührung kam. Strom und Wasser, das lernt man schon als Kind, vertragen sich nicht so besonders. Aber nach 3 Tagen war alles trocken, keiner konnte den Verursacher ermitteln und ich hoffe es entstand bei den Nachbarn nicht zu großer Schaden wegen aufgetauter Gefriertruhen oder so. Denn die Stadtwerke ließen sich ziemlich Zeit um die Panzersicherung zu erneuern.
Dennoch hatte ich riesiges Glück. Das Bohren auf Starkstromleitungen endet meistens tödlich.

Bierfahrer - ein harter Job


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