Peter Alexander Christerer Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.

Meine Erinnerungen an ein erfülltes und oft spannendes Leben

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Erinnerungen von Peter Alexander Christerer

Meine Erinnerungen an ein erfülltes und oft spannendes Leben

#K07-01-2 Von Beruf Jurist und auch sonst....Teil 2mp3
Es war das übliche Verhalten des „genialen“ Rechtsanwalt, dass er durchaus ALLE Mitarbeiter ins Messer laufen ließ. Ein anderes Mal saß ich gegen 22:00h in der Kanzlei in meinem Büro (ich hatte ja schließlich noch einen Hauptberuf) und bekam mit, dass im Chefsekretariat ein Fax ankam. Obwohl ich weder Angestellter der Kanzlei noch Jurist war, hatte ich Zugang zu nahezu allen Räumen einschließlich Büro vom „Chef“ inkl. Akteneinsicht!
Meine natürliche (berufsbedingte) Neugier ließ mich nachsehen wer um diese Zeit noch ein Fax schickt und ich fiel fast vor Schreck um. Irgendein Gericht im Osten der Republik schickte die letztmalige Erinnerung bis Mitternacht zu einem Rechtsstreit eine abweichende Darstellung kundzutun. Ansonsten wäre die Entschädigung in Höhe eines deutlich 6-stelligen Betrages zu Lasten der Firma APIS Gmbh rechtswirksam. Yooo, Herzchen im Höschen! Glücklicherweise war noch ein RA im Haus und dieser wurde von mir genötigt, eine Kurzstellungnahme zu verfassen, welche ich noch vor Mitternacht an das Gericht faxen konnte. Das war normaler Geschäftsablauf in dieser Kanzlei.

Genau so faszinierend war die Vermietung eines Objektes im Herzen von München. Eine bessere Lage war nicht möglich. Auf drei Etagen hatte ein absoluter Ramschladen das Objekt gemietet. Die 4. und 5. Etage war an Ärzte vermietet. Die Jahresmiete betrug eine „lächerliche“ Million. Der Clou war, dass die hochbetagte Eigentümerin samt ihren Anwälten davon ausging, dass der Mieter eines der größten deutschen Stromunternehmen war. Doch der zuständige Manager erkannte wohl, dass es sich nicht rentieren würde, hier Präsentationsräume einzurichten.
Also spielte er offensichtlich zusammen mit dem Prof (vor meiner Zeit) Immobilienmakler und vermietete es unter an besagten Ramschhändler. Die Provision (langjähriger Vertrag!) bewegte sich deutlich im sechsstelligen Bereich. Allerdings war der Filialleiter nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen und legte sich mit den Ärzten -die ein sehr gutes Verhältnis zur Eigentümerin hatten- an und dann ging es schnell. Als meine zwei Vermittlungsversuche mit dem Typen nichts brachten, wurde die Firma rapide vor die Tür gesetzt.

Jetzt hatte der Manager das Problem, eine irre Miete dem Vorstand zu erklären, denn das Objekt brachte keinerlei Nutzen für den Konzern. Schon ging der Auftrag an mich, möglichst schnell einen „seriösen“ Mieter zu finden. Das war anstrengend aber durchaus interessant. Allein das Exposé war schon ein Schmuckstück und manche Interessenten brachten mich sogar zum Lachen. Einmal traf ich in einem Kaffee einen italienischen Eishersteller, der ein Kaffee einrichten wollte. Der Auftritt war besser als es im Film der Pate dargestellt werden hätte können. Alter Mann mit 2 Bodyguards und leiser eindringlicher Stimme, hahaha. Als ihm klar wurde wieviel Eiskugeln er verkaufen hätte müssen um rentabel zu wirtschaften, zog er gar nicht Don Corleone mäßig wieder ab.
Logisch habe ich es auch meinen geliebten 60er Löwen als Fanshop angeboten. Leider muss ich sagen da war von professionellem Geschäftsverhalten nichts zu merken. Der Roland „Magic“ Kneißl hat halt besser Freistöße schießen können als Merchandising betreiben. Ganz im Gegensatz zu den Roten. Das Gespräch mit Hoeneß und Hopfner war 1a. Dass es nicht geklappt hat, war aus verschiedenen Gründen nachvollziehbar. Hoeneß jedenfalls war richtig sauer, dass das Angebot nicht ein paar Monate früher kam. Denn natürlich hat er sofort erkannt, dass es für den FC Bayern keine bessere Werbung als diesen Standort geben konnte.
Letztendlich hat es ein ganz bekannter Juwelier gemietet und wer dann wen hinsichtlich der Provision über den Tisch zog, ist mir nicht bekannt, denn da hatte ich die Kanzlei schon im Unfrieden verlassen.

Den dritten Immobilienbeitrag schreibe ich lieber doch nicht. 1. kann ich auch hier nicht Ross und Reiter nennen und 2. ist mir das zu gefährlich. Es handelte sich um ein Objekt nahe Garmisch-Partenkirchen, das für über 8 Mio verkauft werden sollte. Es gehörte zum Bestand einer der größten bayrischen (deutschen?) Banken -die später in einen massiven Skandal verwickelt war und von einer italienischen Bankengruppe aufgekauft wurde- und konnte nicht über deren Immobilien-Sparte verkauft werden. Die Problematik war, dass das Objekt im Landschaftsschutzbereich lag und unter Denkmalschutz stand. Die -bereits feststehenden- Interessenten kamen aus einem Riesenreich im Osten. Sie wollten ein Nobelpuff errichten und sich sicher nicht nur um die menschlichen Gelüste der Gäste sorgen. Sondern auch bestimmt ein paar (versteckte) Videoaufnahmen machen wollten. Die Schwierigkeit war nun, die zuständigen Politiker von der Unabdingbarkeit aller Genehmigungen zu überzeugen.
So das reicht zu dieser Sache. Es wird noch ein dritter Teil zum Komplex Rechtsanwalt folgen. Dieser Teil hat aber weniger mit der Kanzlei als solches zu tun, sondern mehr mit den Möglichkeiten, die sich für mich auftaten.
Erinnerungen von Peter Alexander Christerer

Meine Erinnerungen an ein erfülltes und oft spannendes Leben

#K07-01 Von Beruf Jurist und auch sonst....Teil 1mp3
Nun das 6. Kapitel endete -zumindest aus meiner Sicht- etwas dramatisch, aber ein ganz schlauer Mensch sagte einmal zum Thema Leben: „Es geht weiter!“ Yep, da hat er nichts Falsches gesagt. Deshalb gibt es hier auch ein Kapitel 7. Allerdings gebe ich keine Gewähr auf die richtige Chronologie in diesem Abschnitt, denn das war zeitweise ziemlich kompakt und komplex was da abgegangen ist.
Irgendwann in den späten 1990er Jahren, kam ich durch einen Kollegen an einen sehr bekannten Münchner Rechtsanwalt. Was dann in den folgenden Jahren geschah, überstieg sogar mein Vorstellungsvermögen. Allerdings werde ich weder Namen noch genaue Details nennen, denn dies könnte durchaus zu Schwierigkeiten und Problemen bei mir führen. Darauf verzichte ich gerne.

Zuerst war ich zuständig für die Programmierung von Briefköpfen für die Kanzlei, es gab zwei Teilhaber und ein paar angestellte Rechtsanwälte. Wie es kam weiß ich nicht mehr, doch irgendwann stellten wir fest, dass mein Potential auf einer ganz anderen Weise viel besser zu nutzen ist. So kam es, dass ich plötzlich Geschäftsführer von 3 Immobilienfirmen war. Denn juristische Belange waren für Herrn Professor Dr. …. eher zweitrangig und ich denke auch nicht, dass er dort die größte Kompetenz hatte, im Gegensatz zu manchen der angestellten Anwälte.
Das mit den Immobilien war einer millionenschweren gemeinnützigen Stiftung geschuldet, dessen Vorsitzender auf Lebenszeit der gute Mann war. Alleine was mit der Stiftung getrickst wurde, hätte ausgereicht, um Zellennachbar von Herrn Hoeneß im Gefängnis zu werden. Da wurden beispielsweise Börsen-Analysten oder Vorstände von Privatbanken zu Vorträgen über Finanzinvestments eingeladen und natürlich mit Stiftungsgeldern bezahlt. Nebenbei wurde versucht den meist sehr vermögenden Gästen beizubringen, dass NUR diese Kanzlei fähig ist, vernünftig Erbangelegenheiten zu regeln. Klar, dass auch die Stiftung die exorbitant hohe Miete der Kanzlei bezahlte, schließlich wurde der große Saal für kulturelle Veranstaltungen genutzt, hahaha. Alles furchtbar gemeinnützig, hahaha.

Korrekt hingegen war ein Vortrag, den der Vizepräsident des BND vor erlesenem Publikum hielt. Ursprünglich sollte diesen der Präsident und spätere Staatsekretär Dr. Hanning halten. Doch genau an diesem Tag fand ein Austausch von Leichen zwischen Israel und Palästinensern statt und die Israeli wollten unbedingt Dr. Hanning als Mittler. So kam es, dass der kleine Bäääda als Gastgeber auftrat und die Gäste begrüßen durfte. Da waren schon einige Politgrößen dabei, aber am meisten beeindruckte mich der alte Hans-Jochen Vogel, einer der wenigen SPDler die ich bewundere. Für Spannung sorgte das (von mir gewollte) Aufeinandertreffen des amerikanischen und russischen Generalkonsuls.
Natürlich gestaltete ich die Sitzordnung so, dass sie während des Vortrags nicht direkt nebeneinander saßen, doch ich kann sagen, der anschließende Smalltalk der beiden war sehr kurz und frostig. Nun die Veranstaltung war ein voller Erfolg -nicht nur wegen des exzellenten Büffets- und da ich 4 hochrangige BND Vertreter eingeladen hatte, war das später im Hauptberuf tatsächlich einmal hilfreich.
Die Einladung des russischen Generalkonsuls mit ihm Moskau zu erkunden, lehnte ich freundlich aber bestimmt ab. Dennoch meinte der Vizepräsident des BND mich daran erinnern zu müssen, dass ich nicht vergessen sollte, wer Freund und wer Feind ist.

Viel aufregender hingegen war teilweise das Immobilien Gewerbe. Der Stoff über diese Aktivitäten würde für ganzes Buch ausreichen. Drei exemplarische Vorgänge stelle ich kurz dar.
Der erste handelte von einem 3,4 Millionen teuren Objekt nahe der Donnersbergerbrücke in München. Das Haus selbst gehörte in irgendeiner Art und Weise dem Prof. Ich trat als Verkäufer auf und nahm meinen Ex-Kollegen zu einem Verkaufsgespräch in einem bekannten Münchner Café mit. Der Interessent kam und es entwickelte sich eine erfolgsversprechende Debatte. Als wir uns einig waren, ließ der Typ die Katze aus dem Sack. Er war selbst ein Immobilienmakler und hatte intensive Recherche zu diesem Objekt betrieben. Natürlich konnte er schnell eine Verbindung zum Eigentümer des Gebäudes und der Firma APIS, deren einzelvertretungsberechtigter Geschäftsführer ich war, herstellen. Diese Konstruktion war -jedenfalls zu dieser Zeit- rechtswidrig was die Provision und Maklergebühren anbelangt, und hätte empfindliche Strafen für den Prof. und mich bedeuten können. Eine Einigung mit dem Typen war dann etwas kostspielig und erst nach zähem Verhandeln möglich, aber immerhin ging es straffrei aus.

Für Teil 1 reicht es jetzt und der Rest dieser ganz speziellen Geschäftsverbindung wird in Teil 2 festgehalten.
Erinnerungen von Peter Alexander Christerer
#K06-14 Sayonara, it's time to say goodbyemp3
Alle Jahre wieder kommt überraschender Weise gegen Ende des Jahres Weihnachten und Sylvester auf uns zu und zur damaligen Zeit war das noch richtig hektisch bei mir.
Im Büro war ich überwiegend mit Programmierung einer sehr komplexen Wordvorlage beschäftigt, welche nicht nur einfach für den User, sondern sämtliche Belange von „einfachen nicht eingestuften (was eigentlich nicht zulässig war) Schriftstücken“ bis hin zu „streng geheim- Schutzwort Dokumenten“ abdecken sollte. Natürlich auch interner und externer Schriftverkehr einschließlich Bundesadler. Allein für die Gestaltung des von mir „Geier“ genannten Bundesadler waren bestimmt mehr als 20 Besprechungen auf A16 Ebene abgehalten worden. Mal waren die Federn zu fett oder der Schnabel zu krumm. Wäre alles nicht so dramatisch gewesen, wenn a) nicht für jedes Modul permanent unrealistische Zeitvorgaben gemacht wurden und b) mein damaliger Vorgesetzter ein Blinder war, der trotzdem ständig von Farbe sprach. Ich nannte ihn in geringfügiger Abweichung zu seinem Originalnamen despektierlich „Attenzwerg“. Er verbreitete einfach nur Hektik.

Privat war mit Christina alles gut, doch sie hatte -an etwas anderes kann ich mich bei ihr überhaupt nicht erinnern- sicherlich auch genug Stress im Büro. Riesige Probleme bereitete jedoch die gerade ein Jahr zurückliegende Scheidung. Leider gestaltete sich das Verhältnis zu Angelika, der Mutter meiner Kinder sehr schwierig und sie benahm sich nicht gerade korrekt. Doch das ist nicht das Thema hier. Allerdings war die ungeklärte Situation wie wir Weihnachten und Sylvester mit den Kindern verbringen konnten ein ganz erheblicher Stressfaktor. Möglicherweise war es ein Beschleuniger der Katastrophe die in diesem Beitrag beschrieben wird.

Nun auf den letzten Drücker wollte ich am Donnerstag, den 21.12.1995 noch ein Weihnachtsgeschenk für den Vater von Christina, meinen späteren Schwiegervater besorgen. Es hieß damals „langer Donnerstag“ weil die Geschäfte bis 20:30h geöffnet hatten. So fuhr ich vom Büro direkt in die Schiller Straße am Hauptbahnhof, um bei Vobis einen Tintenstrahldrucker zu kaufen. Wie immer war ich zu spät dran, denn Christina und ich wollten am Abend noch zum Schauer Sepp in die Kellerschänke nach Grünwald. Ich muss gestehen, bereits ab hier habe ich erhebliche Gedächtnislücken. Weder weiß ich, ob dort eine Weihnachtsfeier geplant war, noch wie der Ablauf der Festtage mit Kindern und Schwiegereltern abgesprochen war. Erinnern kann ich mich noch, dass ich den Drucker erwarb und eilenden Schrittes Richtung Hauptbahnhof unterwegs war um die S-Bahn nach Fasangarten zu erreichen. Schließlich wollte ich Christina nicht warten lassen. Bereits unterwegs bereitete ich die Fahrkarte vor um stempeln zu können, denn es wurde ziemlich knapp für die S-Bahn.
Ich erreichte das Untergeschoß, wollte die Fahrkarte zum Stempeln in den Automaten stecken und

Yooo ab jetzt folgt -bis auf Widerruf- die Darstellung, wie ich sie selbst nur erzählt bekommen habe. Anscheinend habe ich nicht mehr gestempelt, sondern habe es vorgezogen, mich auf den Boden des Untergeschosses zu legen. Offensichtlich war ich sehr müde, denn augenblicklich verfiel ich in einem ausgiebigen Tiefschlaf, so intensiv, dass mein Herz zu schlagen aufhörte.
Glück1: Zwei Männer waren schlagfertig genug, mich sofort in die richtige Lage zu bringen, meine Kleidung zu entfernen und mit Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen.
Glück2: Gerade als die Männer anfingen, kam eine Ärztin aus MEPPEN, welche einen Kongress in München besuchte, mit der Rolltreppe an und überblickte sofort was hier abging und übernahm das Kommando. Sie gab die Anweisungen zur richtigen Herzdruckmassage und schickte einen weiteren Passanten nach oben, weil sie sich an ein Rettungsfahrzeug erinnerte. Dem Passanten trug sie auf den Sanitätern zu sagen, dass ein Kreislaufpatient Hilfe benötigt und sie den Defibrillator mitbringen sollten.
Glück3: Die Rettungskräfte hatten anscheinend eine gute Energieversorgung an Board und begannen zu reanimieren. Parallel dazu wurde ich abtransportiert. Als Glück betrachte ich es, dass der Weg zum Großhaderner Krankenhaus mit Baustellen gespickt war und dies war in meinem Zustand nicht hinnehmbar. Stattdessen wurde ich mit Polizeieskorte ins Pasinger Krankenhaus gebracht. Dort wurde ich auf der Intensivstation „gegrillt“ bis wieder ein Lebenszeichen in meinem Körper vernehmbar war. Das habe ich dem Arzt Dr. Wonhas zu verdanken, der einfach nicht aufhörte mit dem Defibrillator. Das hinderte mich allerdings nicht, ihm ein paar Tage später einen Schrecken zu versetzen. Nach meinen Erfahrungen bezweifle ich, ob ich im weltberühmten Klinikum Großhadern auch überlebt hätte. Wahrscheinlich wäre nach dem 5. vergeblichen Versuch der Spruch: „Zeitpunkt des Todes…“ erfolgt.

Nach 45 Minuten kam ich endlich wieder im Diesseits an. Mit angeschlagenem Selbstbewusstsein, denn natürlich beschritt ich die stairways to heaven. Doch da oben an der Pforte wies mich der Türsteher mit einem barschen: „Du kummst do ned rein“ rüde zurück. Dann probierte ich es ganz, ganz unten. Dort öffnete der Chef selbst, bekam schlagartig einen entsetzten Gesichtsausdruck, wedelte mit beiden Händen und rief in Panik: „Besetzt, besetzt, besetzt“. Was blieb mir über, kam ich halt zurück und seither kann ich sagen: „I see the devil in the mirror!“
Nachdem also wieder Leben in meinen Körper eingekehrt war, wurde ich sofort an diverse Maschinen angeschlossen, denn eigenständig lebensfähig war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Zwischenzeitlich war natürlich in der Cincinnati Str. wo Christina und ich wohnten, der Wut-Dampfkessel am Kochen. Zuerst war Christina wütend -nicht vergessen: HANDY war nicht- da wir eine Vereinbarung hatten. Jetzt saß sie da, vollkommen „aufgebrezelt“ und ich kam einfach nicht heim. Nach einiger Zeit kontaktierte sie ein Freunde und rief auch in der Kellerschänke an ob ich dort aufgetaucht sei. Ohne Ergebnis! Nach geraumer Zeit -alles nach Schilderung von Christina- begab sie sich ins Bett und versuchte zu schlafen. Als gegen 01:00h plötzlich Sturm geklingelt wurde, wollte sie zuerst gar nicht öffnen. Sie nahm an ich hätte den Schlüssel vergessen und wollte etwas Rache üben. Als sie jedoch öffnete und von zwei uniformierten Polizisten auf den Vorfall hingewiesen wurde, waren Rachegedanken schlagartig verflogen. Wer Christina kennt, weiß, dass sie eine sehr sensible und emotional reagierende Person ist und diese Nachricht muss die Hölle für sie gewesen sein.
Sie verständigte ihren Vater und gemeinsam besuchten sie den im Koma befindlichen Bäääda. Der Anblick war nicht schön, trotzdem hätte ich meinem späteren Schwiegervater erlaubt ein Foto von mir zu machen, sozusagen als nette Erinnerung. Aber Christina untersagte ihm das. Nun die Auskunft des Leiters der Intensivstation Dr. Wonhas dürfte auch nicht unbedingt zur Beruhigung beigetragen haben. Zu diesem Zeitpunkt war weder das Überleben noch die Wahrscheinlichkeit ohne größeren Hirnschaden davon gekommen zu sein, eher sehr gering.

Doch wie man sieht (es schreibt hier KEIN Ghostwriter) vergeht Unkraut und noch viel weniger da Bäääda nicht. Neben vielen interessanten und manchmal durchaus witzigen Ereignissen im Krankenhaus, schreibe ich nur zwei nieder. Wovon die Erste auch nur den Erzählungen von Christina entspricht, da ich keinerlei Erinnerung von ca. 3 Tagen vor und 9 Tage nach dem Unfall habe.
Wie gesagt es war Weihnachtszeit und immer wieder wurde ich zeitweise von der Herz- Lungenmaschine genommen und aus dem -inzwischen künstlichen- Koma erweckt. Jedenfalls machten die Schwiegereltern in spe und Christina im Krankenhaus Bescherung. Da ich keinerlei Erinnerung hatte und wohl permanent anzweifelte, dass überhaupt Weihnachten sei, wurde die Geschenkeprozedur 6x wiederholt. Doch dann kam der Hit. Es gab als Mittagessen Ente mit Knödel und Soße, nur nicht für mich. Es SOLL wohl so gewesen sein, dass ich gewohnt (schwer zu glauben) temperamentvoll und uneinsichtig verlangt habe, auch einen Teller zu erhalten. Es ging so weit, dass besagter Dr. Wonhas entschied mir tatsächlich einen bringen zu lassen, denn meine Erregung wäre gefährlicher als die zu 100% eintretende Übelkeit.
Warum mir jedoch meine spätere Schwiegermutter ohne jegliche Schutzkleidung, im schönsten Weihnachtsdress, das Essen eingeben wollte, erschließt sich mir nicht. Es kam wie es zu erwarten war. Nach dem 3. Löffel war der Zeitpunkt gekommen ihrer Kleidung ein neues Design zu verleihen. Alles in mir Befindliche begab sich in hohem Bogen und voller Pracht auf ihre Bluse und Rock. Später hörte ich, dass sie darüber doch etwas verärgert gewesen sei. Um Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, beschloss ich, erst einmal in Tiefschlaf zu versinken.

Die zweite Sache war die Aktion mit DR. Wonhas. Und ab jetzt sind meine Erinnerungen wieder vollständig vorhanden. Der außerordentlich umsichtige und menschliche Arzt, sitzt eines Tages auf meinem Bett in der normalen Station, allerdings im Intensivbereich, um sofort reagieren zu können. Er erzählt mir die ganze Story was passiert ist, auch mit den Rettungsmaßnahmen und deren Dauer. Ebenso dass die Chance einen derartigen Crash ohne bleibende Schäden zu überstehen bei 1:1.000.000 liegen dürfte. Als er fertig war, bemerkte ich scharfsinnig, dass ich dabei sogar hätte sterben können. Das fand er noch ganz amüsant.
Doch dann entwickelte sich sinngemäß folgender Dialog:
Ich: Wieso haben sie denn nicht aufgehört mit der Wiederbelebung? Wie lange hätten sie denn weitergemacht?
Dr.: Nun wir nahmen von Zeit zu Zeit eine Nadel, stachen in ihr Bein und beobachteten ob es einen Lichtreflex im Auge gab und setzten dann die Aktion fort.
Ich: Das heißt, sie durchaus noch länger weitergemacht.
Dr.: Klar solange noch Hoffnung bestand.
Ich: Okay, dann hätte ich jetzt gerne ihre gerichtsverwertbare Wohnanschrift.
Dr.: Wozu denn das?
Ich: Naja, weil ich sie wegen Körperverletzung verklagen möchte. Ich denke nicht, dass sie die erforderliche Genehmigung hatten, mir kalten, harten Stahl in Form einer Nadel in mein warmes, weiches Fleisch zu rammen.
Es mag jetzt nicht so lustig klingen, wie es tatsächlich war. Hätte allerdings jemand ein Foto seines Gesichtes gemacht, dieses Bild wäre sicher in die engere Auswahl zur Prämierung für den Pulitzer Preis gekommen.

Der Rest ist schnell erzählt. Nach vielen, teils sehr schmerzhaften Untersuchungen konnte keine spezifische Ursache festgestellt werden. Aufgrund der angespannten psychischen Lage wurde einfach Stress vermutet. Es wurde mir ein Defibrillator implantiert und dieser hat bisher 3x massiv ausgelöst. Glücklicherweise schon Jahre nicht mehr und meine Entscheidung diesen -wenn die Batterie leer ist- nicht mehr zu erneuern steht bisher fest.

So das war die letzte Geschichte im 6. Kapitel. Bei der Durchsicht meiner Notizen, stelle ich fest, dass gar nicht mehr so viel aufschreiben Wertes kommt. Insbesondere da ich noch nicht überzeugt bin, von meinen Eskapaden im Berliner Nachtleben und mit der afrikanischen Community zu schreiben.
Auf zum Kapitel 7
Erinnerungen von Peter Alexander Christerer
#K06-13 Das ist ja entzückend!mp3
Wann genau ein Kollege höchst konspirativ auf mich zukam und anfragte, ob ich an einem Nebenverdienst interessiert sei, das weiß ich nicht mehr zu 100%. Nun wer mich kennt, weiß dass nichts so beständig ist wie der permanent über meinem Kopf schwebende Pleitegeier. Also wollte ich natürlich hören, um was es sich handelt. Es stellte sich heraus, dass seine Ehefrau IT-Beauftragte der bayrischen SPD ist. Anscheinend gab es dort ständig Änderungen, was a) den Briefkopf der Partei anbelangte und b) noch viel mehr ständige Änderungen bei den Landtagsabgeordneten. Obwohl die Anzahl der Abgeordneten -damals wie heute- der bayrischen SPD im Landtag eher überschaubar ist.

Da Personal Computer (PC) gerade in Mode kamen, wollten die feinen Abgeordneten jeden noch so unbedeutenden Schwachsinn auf dem Server des Landtags, wie auch auf ihren privaten PCs im Briefkopf platziert haben. Schließlich sollte die ganze Welt von ihrer Wichtigkeit Kenntnis nehmen. Die Problematik des Datenaustausches war unerheblich für mich, denn dafür war die IT-Beauftragte zuständig und erfolgte über ein externes Speichermedium.

Sehr überrascht hingegen hat mich -ich nenne hier nicht den richtigen Vornamen- Christa (IT-Beauftragte) mit der Auskunft, dass eine große bayrische Behörde angeboten hatte, die Änderungen durch ihre Programmierer / Informatiker kostenlos zu programmieren. Zuerst dachte ich an einen Bluff um meinen nicht gerade kostengünstigen Stundenpreis etwas zu drücken. Doch später, als eine gewisse Vertraulichkeit eingetreten war, sah ich tatsächlich Teile des Schriftverkehrs zwischen C. und der Behörde auf ihrem Schreibtisch liegen.
Auf meine Frage, warum sie denn das Angebot nicht angenommen hat, antwortete sie sinngemäß: „Die haben es einfach nicht auf die Reihe bekommen. Ständig gab es Reklamationen.“ Das bestätigte nachhaltig meine Meinung, dass es nicht genügt zu studieren und zu glauben das allein reicht. Programmieren ist eine einfache Sache. Doch niemand benötigt ein neues Textverarbeitungsprogramm, davon gab es schon genug, und zwar riiiiichtig gute. Doch mit den Bordmitteln das Teil so zu programmieren, dass es das macht was der Anwender wirklich braucht, das konnten damals nicht allzu viele. Vielleicht weil Wordbasic und später Visual Basic -völlig zu Unrecht- abschätzig behandelt wurden.

Zum Clou der Geschichte und darüber lache ich heute noch sehr häufig. Eines Tages kam C. auf mich zu und meinte es gäbe Probleme. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen, denn natürlich war ein Backup der Vorgängerversion verfügbar und wird hatten vereinbart, dass ich bei Fehlern 5 Arbeitstage Zeit zur Korrektur hätte.
Doch es ging um ganz etwas anderes. Renate Schmidt war damals die Chefin der bayrischen SPD und hatte auch Bundesebene einige wichtige Posten inne. Ihre Chefsekretärin war -wohl nur für mich- eine reizende ältere Dame. Innerhalb der SPD war sie jedoch gefürchtet wie anno dazumal die Sekretärin von Helmut Kohl. Nach Angaben von C. war sie eine knallharte, bösartige Person, die ihr spezielles Vertrauensverhältnis zu Renate Schmidt massiv ausnutzte, um alle zu schikanieren.

Auf irgendwelchen Kanälen musste sie wohl erfahren haben, dass ein Externer -gar nicht mal so schlecht- Vorlagen und ähnliches programmiert. Sie selbst schrieb höchst selten etwas am PC, nur die vertraulichsten Angelegenheiten oder wenn niemand mehr im Haus war, musste aber den damals verfügbaren (irgendetwas weit vor outlook) Terminkalender für Renate Schmidt nutzen. Yooo jetzt kam sie auf den glorreichen Gedanken, dass sie die Termine in Word verwalten und festlegen möchte und zudem auch verschiedenartig formatieren könnte.
Was für ein Wahnsinn! Natürlich versuchte ich C. davon zu überzeugen, dass dies völliger Unsinn ist und dass es unzählige ausgezeichnete Terminplaner gibt, die für so etwas geschaffen wurden. Doch es half alles nichts, die Chefsekretärin bestand darauf mit mir ein Gespräch zu führen. Mit wenig Elan und noch weniger Enthusiasmus versuchte ich ihr klarzumachen, dass es wenig sinnvoll ist, mit einem Textverarbeitungsprogramm einen Terminkalender zu führen. Nach ca. 20 Minuten meines Monologs kam von der reizenden Dame lediglich „das ist ja entzüüückend“ und wann könnte ich die erste Version testen?

So kam es, dass ich für ein Schweinegeld in Word ein Masterdokument erstellte, was letztendlich aus mehren Tabellen bestand. Leider funktionierte die Excel-Einbindung nicht wirklich gut und die Wordfunktionen -was Datumsberechnungen anbelangte- waren damals eher als spärlich zu bezeichnen. Bei jeder Einspielung einer Betaversion kam von ihr das bekannte „das ist ja entzüüückend“ und am Ende kam es dass die Termine eine der prominentesten Politikerinnen Deutschlands mit Hilfe eines Textverarbeitungsprogrammes gemanagt wurden.
Wie lange das so lief kann ich nicht sagen, denn inzwischen hatte ich eine neue Tätigkeit sowohl im Hauptberuf, wie auch in meiner nebenberuflichen Tätigkeit und mir fehlte schlichtweg die Zeit.
Erinnerungen von Peter Alexander Christerer
#K06-12 - Die gute alte Franz Josefmp3
Nach dem Tod von Oma 1989 und der daraus resultierenden Erbschaft, konnte ich mir doch tatsächlich ein Motorrad leisten. Als kleiner Angestellter im öffentlichen Dienst, war das als alleinverdienender Familienvater von 2 Kindern + Ehefrau nicht möglich gewesen.

Selbst kannte ich mich auf dem Mopedmarkt nicht mehr so aus und dachte mir, da fragste mal deinen Freund Reinhold R. Der ist up to date, zudem Fahrlehrer und könnte mir somit ein paar Auffrischungsstunden geben. Und was sagte der Saukerl sinngemäß: "So aggressiv und aufbrausend, wie du bist, kommt für dich nur ein big bike in Frage. Damit du dich nicht von den kleinen Pinschern provozieren lässt, weil du weißt, wenn du Gas gibst, ist niemand mehr neben dir." Eigentlich eine absolute Unverschämtheit, so friedfertig und lammfromm ich seit jeher bin!

Also folgsam suchte ich nach einem etwas größeren Moped. In Frage kamen eine 1100er Suzi (Suzuki), eine Kawa (Kawasaki) ZZR und eine 1200 FJ Yamsel (Yamaha). Das Kürzel FJ für Franz-Josef (Strauß) war mir gleich sympathisch und sie war mit Abstand die Schönste. Schon war sie gekauft. Nur weil mir die Beschleunigung von 0 auf 100 in 3,6 und auf 160 in 4,8 Sekunden etwas holprig erschien, ließ ich sie beim Deimhard Hanse -ein früherer Schrauber von den Münchner Valley Rockern- ein bisschen aufpeppen und schon waren aus den 98 plötzlich 143 PS geworden.

Es gäbe viele shorties zu schreiben, wie z.B. dass ich mich gleich in der ersten "Fahrstunde" auf die Straße legte, die Rekordfahrt von Mondsee nach München, Livingio - München und zurück an einem Tag oder als sich Christina die Wade am Auspuff anschmorte u.v.m.
Doch nur zwei -eine mit Christina in der Hauptrolle- davon möchte ich für die Nachwelt hier verewigen. Oft waren wir in einer Gruppe von 4 Personen mit 3 Motorrädern unterwegs. Günter R., Gerhard G. und ich mit Christina als Mitfahrerin. So planten wir (ich vermute es war Christi Himmelfahrt) eine 4-Tagestour über Livingio-Meran-Innsbruck-München. Nach meiner Erinnerung war der erste Tag richtig gut und ohne Probleme gelangten wir zur ersten Station in der Gemeinde See, der Eingang zum Paznauntal, im schönen Tirol. Gutes Essen, schöne Zimmer und ein geiles Motorrad vor der Tür. Herz was willst noch mehr?

Der nächste Tag begann leider völlig konträr zum vorhergehenden. Nicht nur dass die Temperaturen empfindlich zurückgegangen waren, nööö der "Salzburger Schnürlregen" hatte eingesetzt. Yoooo und jeder der schon einmal ernsthaft Motorrad fuhr, der weiß dass dies -trotz professioneller Kleidung und Ausrüstung- so ziemlich das "erstrebenswerteste" Lebenselixier ever auf engen Landstraßen und kurvenreichen Gebirgspässen ist. Fast so wünschenswert wie heftiger Durchfall ohne Toilette im Umkreis von 20km.
Wir kletterten missmutig auf die Mopeds, dick verpackt mit Regenkombi über der Rennkombi und unhandlichen Regenhandschuhen und schickten selbst als Atheisten Stoßgebete nach oben und baten um Gnade. Doch wir wurden nicht erhört, eher das Gegenteil war der Fall. Es wurde immer kälter und der Regen stärker.

Irgendwann geriet das ersehnte Ziel in greifbare Nähe. Es musste nur noch der ziemlich dunkle und straßentechnisch nicht beste Tunnel "Munt la Schera" durchquert werden. Dieser ca. 3,5km lange Tunnel ist bei schönem Wetter ein wunderbarer Abschluss bis man sein Ziel --> Livignio in Italien erreicht hat. Die letzten 2 km in den Ort, waren immer schon spannend, denn von Straße konnte man eher nicht sprechen. Gut gemeint vielleicht von Schotterpiste. Und vorher lag die Betonung auf schönem Wetter. Die Überraschung war riesig, als wir durchnässt und halb erfroren aus dem Tunnel wieder ins Freie kamen. Der Regen war vorbei! Stattdessen schneite es ziemlich heftig. Yep, dann kam Christinas -von mir unbemerkt, da ich ständig entweder ohne Visier (scheißkalt der Schnee in der Fresse!) oder mit einer Hand fahren musste, um den Schnee vom Visier zu bringen- großer Auftritt. Als wir am Ziel waren, stürmte von hinten der normalerweise sanftmütige Gerhard heran und machte Christina aber so was von zur Minna: "Ob sie geisteskrank oder lebensmüde sei. Was sie sich dabei dachte auch alle nachfolgenden zu gefährden, wenn es Bäääda auf die Straße legt. usw. usf".
Solange bis ich einschritt und wissen wollte was überhaupt los ist. Es hat doch alles bestens geklappt. Günter R. war übrigens genauso verblüfft. Was war geschehen? Nun Christina konnte wohl die Kälte nicht mehr ertragen und machte einige Freiluftübungen auf dem Sitz und klopfte sich ständig mit den Händen auf die Brust. Zugegeben, das ist bei der Situation nicht die beste Idee. Und mir war klar, warum die gute alte Yamsel vorher so rumzickte.
Christinas Antwort: "Ich dachte erschlagen und überfahren zu werden ist ein schönerer Tod, als zu erfrieren." Yoooo, wo sie Recht hat, hat sie Recht!

Nun der Rest dieser Tour ist schnell erzählt. Ab dem nächsten Morgen herrschte traumhaftes Wetter und nach Überquerung des Stilfser Joch -mit über 2700m Italiens höchster Gebirgspass- kamen Richtung Meran frühlingshafte Temperaturen hinzu. Werde nie vergessen, dass ich die ersten GEBRATENEN Weißwürste auf den Meraner Wochenmarkt gegessen habe. KÖSTLICH! Dann übernachteten wir im herrlichen Hotel Bad Schörgau mit herausragender Küche. Am nächsten Tag dann über Innsbruck die Rückfahrt nach München.

Die zweite verewigte Geschichte ist wesentlich kürzer und nur für mich von Bedeutung, weil ich mich immer wieder an den Schutzengel oder das unglaubliche Glück das Christina und mir zu Teil wurde, erinnern möchte.
An einem schönen Sonntag hatten die üblichen 4 eine griabige, gemütliche Tour im Hinterland eingeplant. Alles chic und wunderbar. Dann geschah das unfassbare. Günter R. vorne, ich in der Mitte, Gerhard hinten. Schön ausgebaute Straße, Geschwindigkeit etwa 120km/h, zwischen Ettal und Schloss Linderhof. Urplötzlich springt zwischen Günter und mir eine Rehkuh mit zwei Kitzen aus dem Graben und will die Straße überqueren. Während die Mutter und das größere Kitz -trotz Gegenverkehr- weiterliefen, kehrte das Kleinste (es war schon an mir vorbei) etwa in der Mitte der Straße um und lief zurück. Ich hatte keinerlei Chance zum Ausweichen, erwischte das Kitz mit dem Vorderreifen und in Sekundenbruchteilen wurde das Reh unter den Motorblock geschoben und bockte mich sozusagen auf.
Obwohl ich ganz sicher nicht zu den besten Motorradfahrern gehörte, reagierte ich reflexartig, unglaublich schnell und richtig. Auch Christina machte wohl instinktiv das einzig Richtige. Sie legte sich auf meinen Rücken und umklammerte mich so fest sie konnte. Dadurch waren wir eine Einheit und sie wurde von mir einfach mitgezogen. Als erstes musste ich das Kitz loswerden. Dazu schmiss ich mich auf die linke Seite, bis das Knie die Straße berührte. Dann trat ich mit voller Wucht gegen das Tier. Es funktionierte, das Reh flog in hohem Bogen in den Graben.

Jetzt war das Problem, dass das Moped abzuschmieren drohte. Also musste ich meine Wenigkeit, Christina und die ca. 250kg schwere Yamsel von der Waagrechten in die Senkrechte bringen. Ich holte jedoch zuviel Schwung und legte mich gleich mal auf die rechte Seite. Bestimmt auch deshalb, damit beide Knie zu gleichen Teilen schmerzten. Also wieder retour und es funktionierte. Dann ausrollen lassen, denn wie gesagt zu Beginn betrug die Geschwindigkeit ca. 120km/h, dann zitternd absteigen und ziemlich dämlich in die Gegend blicken.
Inzwischen war Gerhard auch da und ich habe selten jemand mit einer derart bleichen Gesichtsfarbe gesehen. Er blickte uns beide völlig entgeistert an und sagte wörtlich: "Was für ein Wahnsinn. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, welchen Kranz, welche Blumen ich für euer Grab kaufen werde. Denn das kann man nicht überleben."
Wir haben es glücklicherweise überlebt, das Rehkitz natürlich nicht. Dankenswerterweise kümmerte sich Gerhard um die Abwicklung mit der Polizei und Förster, während Günter zwei völlig geschockte Menschen aufmunterte. Meine gute alte Franz Josef konnte ich sogar noch heimfahren, allerdings sehr langsam und der oben erwähnte Hans stellte sie vollständig wieder her.

Warum ich später meine geliebte Yamsel hergegeben habe, kommt im übernächsten Beitrag.
Erinnerungen von Peter Alexander Christerer
#K06-11 - Einmal Löwe, immer Löwemp3
Wie im vorherigen Beitrag geschrieben, war eine neue Frau an meiner Seite. Neben verschiedenen ernsthaften Schwierigkeiten -die Scheidung war sehr nervtötend- gab es ein schwerwiegendes Problem zwischen Christina und mir. FUßBALL! Während ich eher ein Fernseh-Fan war und immer die Meinung vertrat dass immer die 60ger gewinnen müssen -also auch im Derby- aber ansonsten immer eine bairische gegen nicht bairische gewinnen müssen und somit auch die Roten gewinnen dürfen, war Christina ein Löwen FANATIKER und FC Bayern München HASSER.

In kürzester Zeit gelang es ihr, mich davon zu überzeugen, sie ins 60er Stadion an der Grünwalder Straße zu begleiten. Natürlich in die Westkurve dem Hardcore Fan Bereich. Die Löwen spielten in der dritten Liga und manchmal war die Auslastung im Stadion schon arg niedrig. Doch dann kamen Wildmoser und Lorant und alles änderte sich. Im Nachhinein muss ich gestehen, es war schon eine schöne Zeit mit den ganzen Typen dort. Ob Kurti (I geh oba und schmier eam oane :-)), Christoph, Strowe usw. es war einfach geil.

Dann geschah das Unfassbare. Die Bundesliga Saison 1993/1994 begann mit einer herben Niederlage für die gerade in die 2. Liga aufgestiegenen glorreichen Löwen. Eigentlich rechnete jeder mit einem Kampf gegen den Abstieg und war froh, als sich schon früh abzeichnete, dass Dompteur Lorrant die Jungs im Griff hatte. Die Abstiegsangst war gebannt und etwas Euphorie machte sich breit. Wir kletterten immer höher in der Tabelle. Die Saison neigte sich dem Ende zu und es kam am letzten Spieltag tatsächlich zum showdown zwischen uns und dem FC Sankt Pauli um den 3. Aufstiegsplatz in die 1. Liga.

Punktgleich hatten beide ein Auswärtsspiel zu bestreiten. St. Pauli beim Vfl Wolfsburg und wir in Meppen. Als kleiner Vorteil für uns war das bessere Torverhältnis zu vermerken. Yoooo dann ging der Punk ab. Die Stadt Meppen hatte damals ca 30.000 Einwohner und bestimmt genauso viel Löwen Fans wollten die Mannschaft unterstützen. Soweit ich mich erinnere fasste das Stadion 16.000 Zuschauer und für unseren Verein gab es -eine absolute Ausnahme- 10.000 Karten. Diese waren innerhalb von Stunden ausverkauft. 4 davon (ich hatte damals gute Beziehungen zur Geschäftsstelle) gingen an Christina, Andrea, Reiner und mich. Denn für uns war klar, da sind wir dabei.

Ziemlich früh am Samstagmorgen starteten wir in München und nahmen die ca. 750km nach Meppen in Angriff. Und was soll ich sagen? Wir kamen ohne Probleme (bis auf Bandscheibenschmerzen bei mir) an und stellten fest, Meppen war fest in Münchner Hand. Im Stadion selbst kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass auch nur ein Meppener anwesend war. Das Spiel begann sensationell mit einem Tor durch Peter Pacult bereits in der 3. Minute und spätestens von nun an war den Meppener Spielern klar, dass übermäßiger Ehrgeiz fehl am Platz wäre. Mein Jubelschrei (ich hatte ein kleines Radio dabei und verfolgte über Kopfhörer das Geschehen in Wolfsburg) in der 14. Minute als Wolfsburg in Führung ging löste leichte Irritationen aus. Aber als der Stadionsprecher diesen Spielstand bekannt gab, war nur noch die Hölle los.
Es blieb beim 1:0 und St. Pauli verlor 4:1, somit hatte der glorreiche TSV 1860 München den direkten Durchmarsch von der 3. in die 1. Liga als erste deutsche Mannschaft überhaupt geschafft.
Obwohl die Löwenfans nicht gerade als harmlos bekannt waren, muss ich eines sagen: Respekt! Soweit mir bekannt gab es keinerlei Beschädigungen innerhalb der Stadt. Keine Schlägereien, keine Ausschreitungen durch Betrunkene usw. Auch im Stadion hielt bis zum Schluss die Parole: Blos keinen Spielabbruch provozieren, denn als klar war, dass der Aufstieg feststand kannte die Freude und Euphorie keine Grenzen mehr.
Dass nach Spielende das Tor abgebaut und zerlegt und dass der Rasen etwas gerupft wurde, das versteht sich von selbst. Diese Kosten denke ich hat unser Verein gerne übernommen. Die 750km Heimweg waren anschließend deutlich entspannter als die Anreise und auch hier gab es nach meiner Erinnerung keinerlei Probleme.

Das war jetzt sicher nicht die spannendste meiner bisherigen Geschichten. Doch ich kann nur sagen, dass es für mich ein Tag der besonderen Art war und ich sehr gerne daran zurückdenke. Wer das einmal miterlebt hat, vergisst es nie wieder. Meine Erinnerungen an Meppen sind seither absolut positiv. Was ich damals noch nicht ahnen konnte, ist, dass mir jemand aus Meppen kurze Zeit später sehr viel mehr schenkte als eine wunderschöne Erinnerung an einen grandiosen Tag. Doch davon ein paar Beiträge später.
Erinnerungen von Peter Alexander Christerer
#k06-10a - Scheiden tut weh…mp3

Als Friedrich Schiller im Jahre 1799 sein Gedicht "Das Lied von der Glocke" veröffentlichte, kam auch ein Hochzeitsvers vor:

Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
Wo Starkes sich und Mildes paarten,
Da gibt es einen guten Klang.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.

Friedrich Schiller wusste offensichtlich, worüber er schrieb. Doch im Gegensatz zu damals bedeutet heutzutage eine Ehe nicht mehr unbedingt ewig. Sich scheiden zu lassen ist deutlich einfacher als zur damaligen Zeit. Dennoch ist eine Scheidung eine ziemlich einschneidende Sache und verändert bei vielen Menschen nachhaltig ihre Lebensansicht. Bei meiner ersten Ehe war es jedoch von Anfang an abzusehen, dass es so kommen würde, wie es dann auch kam.

Beide waren wir sehr jung (1978) als wir uns kennenlernten und von extrem gegensätzlicher Natur. Einig waren wir uns dahingehend dass wir in jungen Jahren eine Familie gründen wollten. Angelika war eine eher unscheinbare, zurückhaltende vielleicht sogar schüchterne Frau, die so erzogen worden war, dass "der Mann" das Sagen hatte. Leider und das war wohl das Ausschlaggebende war sie auch sehr antriebslos und Neuerungen gegenüber nicht aufgeschlossen. Die Sicherheit eine Wohnung, genug zu essen für die Kinder und einen Mann zu haben, der zuverlässig Geld nach Hause bringt, genügten ihr völlig. Aktivitäten mussten von mir vorgeschlagen und geplant werden und wurden allzu häufig abgelehnt. All das ist nicht schlecht und sie war ein herzensguter, ehrlicher Mensch. Sehr viele Männer möchten sicher gerne so eine Frau an ihrer Seite.

Doch ich war das vollständige Gegenteil davon. Immer darauf bedacht, dass die Familie finanziell über die Runden kommt, das war in den Anfangsjahren als Alleinverdiener schwierig genug. Aber eben vorsichtig ausdrückt war ich eher "dynamisch". Ständig auf Achse, unzählige Bekannte, viele davon aus der "Halbwelt" und selbst mit einer gewissen Aggressivität behaftet. Das brachte aber der Beruf als Bierfahrer und der Umgang mit Dachauer Rockern mit sich. Jedenfalls passte das nicht so recht in das beschauliche Sicherheitsdenken meiner damaligen Ehefrau. Ice Cube sang in hood mentality einmal: "I'm from the hood, but it's not what I'm". Das könnte schon hinkommen. Zudem bin ich BIS HEUTE sehr dominant und ein Macho. Das wird sich -so hoffe ich- auch nicht mehr ändern.
Der Weggang von Hacker-Pschorr zur Wache vom BND brachte zuerst wenig Änderung, da ich durch den Schichtdienst fast noch mehr Zeit zur Verfügung hatte. Allerdings wurde es mir schon ein bisschen viel, da ich mich neben Beruf und Nebengeschäften um genug Kohle zu haben auch noch um den ganzen "Bürokram" von Tobias kümmerte. Er besuchte einen heilpädagogischen Kindergarten und da gab es eine Menge Schreibkram. Zusätzlich waren die Leute dort sehr aktiv und der Besuch von Elternabenden etc. wurde ausschließlich mir übertragen. Corinna war auch gerade zur Welt gekommen, glücklicherweise war sie sehr pflegleicht und machte mehr Freude als Sorgen. Tobias hingegen war aufgrund seiner Erkrankung sehr zu bedauern und noch heute nehme ich mir meine häufige Ungeduld mit ihm sehr übel. Nebenher hatte ich noch begonnen über ein Fernstudium bei AKAD das Abitur nachzuholen.

Massive Änderungen auch für das Verhältnis zwischen mir und Angelika brachte 1987 der Wechsel von der Wache zu einem Bürojob. So schön es vielleicht auch sein mag, "der Patriach, der Alleinherscher" zu sein, auf Dauer funktioniert das nicht. Wenn Einladungen außer zu Freunden oder der der Familie stets alleine durchgeführt werden müssen, wenn sich das Spektrum der Interessen und Unterhaltungen zum großen Teil an der TV Zeitung orientiert, wird es auf Dauer uninteressant. Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich mich einmal mit meinem Bruder Otto über die Situation unterhielt und dieser treffend sagte: "Eigentlich hältst du dir eine Putzfrau, die kocht und hin und wieder Sex mit dir hat". Stimmt, so kann man es ausdrücken.
Ob der Sex aus Zuneigung oder "weil man das halt in der Ehe macht" stattfand, kann ich nicht sagen. Wer glaubt er kann den Sex einer Frau einschätzen und beurteilen, der sollte sich diese Szene mit Meg Ryan ansehen: Harry & Sally . Ich habe seit jeher die Einstellung, dass "fremd gehen" für mich nicht in Frage kommt, außer die Beziehung ist aus meiner Sicht beendet und war schon sehr überrascht, als mir meine Ehefrau ganz klar erklärte, dass es ihr völlig egal sei, ob ich mit anderen Frauen etwas hätte. Lediglich die gemeinsame Wohnung sei tabu. Ich vermutete ganz stark, dass die Ehe weniger mit "mögen" als mit "Versorgung" zu tun hatte.

Nach dem Tod von Oma 1989 war plötzlich genug Geld in der Kasse. Wir hatten eine wunderschöne fast 100m2 große Wohnung in einem guten Viertel und ich konnte Angelika tatsächlich überzeugen, dass wir EINE Woche Urlaub in Freiburg machen. Der erste seit 1981. Es schien ihr zu gefallen und ich dachte vielleicht gibt es ja doch noch eine Möglichkeit Interessen zu wecken. Leider falsch gedacht. Das auslösende Moment, das endgültige Ende der Ehe zu akzeptieren, kam kurze Zeit später. Schon immer -auch heute noch- ist mein Wunsch einmal New York zu besuchen. Geld war da und ich organisierte heimlich eine 4 oder 5 Tage Reise. Schwiegermutter hatte sich bereit erklärt die Kinder zu versorgen und der Urlaub war genehmigt. Als ich es Angelika mitteilte war ihre Reaktion folgende: "New York? Was soll ich den da? Du weißt doch, dass ich kaum Englisch kann, wie soll ich denn das Fernsehprogramm verstehen?" Ich war fassungslos. Allerdings kam dann der entscheidende Megahammer! Sie führte weiter aus: "Nimm doch deine Kollegin …-eine junge sehr attraktive Frau, mit der ich auch privat viel Kontakt pflegte- mit, der gefällt das bestimmt". Mein Einwand, dass ich ein Doppelzimmer gebucht hatte, war nicht wichtig für sie und sie sagte nur, dass es ja nicht in ihrer Wohnung ist.
Die Reise fand bis heute nicht statt und ich war ab sofort wieder offen für neue Bekanntschaften mit Frauen. Logisch, ein derart gutaussehender, charmanter Mann wie ich hat alle Chancen diesbezüglich. Es dauerte nicht lange und ich lernte eine bezaubernde Frau kennen und die Scheidung nahm ihren Lauf. Leider gelang es mir und meiner zukünftigen 2. Ehefrau nicht, das Sorgerecht für die Kinder zu erhalten. Wir probierten alles, 2 x auch über das Oberlandesgericht. Doch der gegnerische Anwalt war besser und so wage ich zu behaupten, haben ALLE Beteiligten verloren. Ich habe mir bezüglich meiner Ex-Ehefrau nichts vorzuwerfen, doch für die Kinder tut es mir unendlich leid. Für mich selbst kann ich nur sagen, dass die Scheidung ziemliche Narben hinterlassen hat. Wer 15 Jahre mit jemanden gemeinsam ein Leben -im Prinzip ohne Streit- verbringt, hat sehr viel investiert und es gibt -egal wie schmutzig die Scheidung auch war- zumindest bei mir viele schöne Erinnerungen, die ich nicht einfach so wegwerfen möchte.

Erinnerungen von Peter Alexander Christerer
#k06-10 - Der Aufstiegmp3

Es war mir sehr schnell bewusst geworden, dass der Job bei der Wache nicht von Dauer sein würde. Bei allen Vorzügen wie z.B: hohes Gehalt, durch die angenehme Schicht sehr viel Freizeit, auch wenn Sonn- und Feiertage oft nicht der Familie gehörten, klar strukturierte Aufgabenstellung und einiges anderes. Es war in erster Linie die geistige Unterforderung -obwohl ich privat ein Fernstudium bei der Firma AKAD angefangen hatte- welche mit jeder Schicht schlimmer wurde. Da ich im Wachbereich jeden nur erdenklichen Sonderposten annahm der etwas Abwechslung versprach, wurde ich auch als Hausposten im Haus 37 - der Arbeitsplatz des Präsidenten und seines Leitungsstabes- eingesetzt. Zwar wurde man von den anderen Kollegen für die Vergünstigungen (kein Streifegehen, keine Ausweisausgabe etc) beneidet, doch haben wollte den Job kaum jemand. Denn dort war nicht nur ein Kommen und Gehen der hochrangigsten BND Mitarbeiter, sondern häufig auch Präsidenten anderer Geheimdienste und wichtige deutsche Politiker zu Gast. Leider kann ich hierzu keine Details von mir geben, welche Absurditäten dabei manchmal zustande kamen.

Natürlich knüpfte ich meine Beziehungen und eine davon verhalf mir zu einem Bürojob. Als Abteilungsleiter der B6 Ebene und späterer Botschafter in Frankreich, war er vernetzt genug, mir ein paar Türen zu öffnen. Allerdings bekam ich aufgrund meiner aufmüpfigen Art nichts geschenkt, sondern musste mir alles erkämpfen. Als ich dann an einem etwas spezielleren Posten zum Abfragen bestimmter Personen mit Bordmitteln ein Programm entwickelte, welches die Fehlerquote minimierte und die Anzahl der Abfragen ganz erheblich steigerte, wurde die IT-Abteilung auf mich aufmerksam. Mein Glück war, dass gerade der Umstieg von Großrechner auf PC erfolgte.
Während der Dienst 3 Jahre lang Mitarbeiter zu Informatikern ausbilden ließ, war ich bereits Gesellschafter einer Softwarefirma mit genialen Programmierern, die mir auch die schmutzigen Tricks (Viren und Hacking) sowie das Wesentliche der damals gängigen Programmiersprachen Basic, Turbo Pascal und C beibrachten. Das Entscheidende war aber dass ich mir autodidaktisch die Microsoftprodukte verinnerlichte und diese dann mit Bordmittel (zuerst Basic, dann VBA) umbaute, also exakt das was jedes Unternehmen braucht. Es würde jetzt zu weit gehen, aufzuführen welche Erleichterungen ich in Access, Excel und Word programmierte, jedenfalls war ich plötzlich unentbehrlich. Die Vorlage für alle Arten von Schreiben ob extern, intern, eingestuft, mit Bundesadler oder auch nicht, war unverzichtbar.

Genau das nahm ich zum Anlass den Vorgesetzten das Messer auf die Brust zu setzen. Mein Gegenüber im Büro wurde damals nach BAT IVa bezahlt, während ich im mittleren Dienst nach BAT VIb bezahlt wurde, obwohl ich durch die zusätzliche Programmierung mehr leistete als "nur" Anwenderbetreuung und Schulungen durchzuführen. Nachdem die ersten Ansprachen relativ wirkungslos bei den Vorgesetzten (außer bei unserem Gruppenleiter) blieben, nahm ich eine sture Haltung ein und beharrte darauf lediglich Tätigkeiten auszuüben, welche meiner Tätigkeitsdarstellung der Vergütungsgruppe entsprachen. Yooo nach kurzer Zeit wurden intensive, ernst zu nehmende Verhandlungen aufgenommen. Der Hemmschuh war wie so oft die Verwaltung. Im öffentlichen Dienst geht es nach subjektiven und nicht objektiven Kriterien. Das bedeutet, selbst wenn du der beste Autofahrer der Welt bist, auf öffentlichen Straßen in DEU darfst du ohne Führerschein nicht fahren.

Jedenfalls war es ein langer, harter Kampf über mehr als 2 Jahre und ohne die Unterstützung meines Gruppenleiters "Frühstückdirektor" Frank S. hätte ich wohl aufgegeben. Am Ende wurde ein Kompromiss gefunden. Ich wurde zwar in den gehobenen Dienst übernommen, allerdings "nur" nach BAT IVb bezahlt und sollte zwei Prüfungen speziell für den IT-Bereich ablegen. Wie so oft sind provisorische Lösungen die Besten und halten am Längsten. Kurze Zeit nachdem ich übernommen wurde, wechselte die Referatsleitung und danach auch noch die Sachgebietsleitung. Der neue Referatsleiter war in fachlicher Hinsicht ein Fan von mir und blockierte jedes Ansinnen der Verwaltung, mich für eine Prüfung mehrere Monate aus dem Verkehr zu ziehen.
In menschlicher Hinsicht war er eher nicht ein Fan von mir, da hatte ich wohl zuviel Ähnlichkeit mit ihm selbst. Beide mit einer gehörigen Portion Zynismus und Cholerik ausgestattet, häuften sich die Beschwerden aus dem Kollegenkreis über mich. Es war aber auch dämlich gewesen, mir -dem absoluten NO Teamplayer, frisch gebackene Informatiker für 3 Monate zu einem Praktikum zu schicken. So kam es auch, dass eine Kollegin während einer Abteilungsveranstaltung vor den big Bossen sagte: "Ich hatte das Pech 3 Monate neben dem menschlich größten Arschloch der Firma zu sitzen. Ich hatte aber auch das Glück in diesen 3 Monaten mehr zu lernen als in den 3 Jahren Studium zuvor. Deshalb sind die Tage an denen ich weinend das Zimmer verließ vergessen und ich möchte mich herzlich dafür bedanken." Das hat meinem "Refl" Dr. K. gefallen und ich durfte ihn häufiger zu externen Konferenzen und Veranstaltungen mit Managern wie dem Direktor von Microsoft Europe oder einem Vorstand von Intel begleiten. Spätestens da wurde dem kleinen Metzgerburschen klar, wie verarscht der Konsument in Wirklichkeit wird.

Es gäbe noch irrsinnig viel während der Zeit bei der Technik zu schreiben, doch so richtig spannend wurde es später für mich beim BND. Davon werde ich später schreiben, allerdings nicht im Klartext, denn vieles davon ist auch heute noch nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Jetzt muss ich noch einen nicht geplanten Sonderbeitrag zu meiner ersten Scheidung schreiben, denn eigentlich wollte ich diesen gleich hiermit verwursteln, aber das passt nicht so richtig.

Erinnerungen von Peter Alexander Christerer
#k06-09 - In der Hölle sollst du schmoren, Herr Chirurg!mp3

Das Jahr 1991 begann ab Mitte Januar etwas schräg. In der Ehe kriselte es. Obwohl das stimmt eigentlich nicht. Beide hatten sich mit der Situation arrangiert. Es hatte sich heraus kristallisiert, dass die Lebensauffassungen und Temperamente beider zu gegensätzlich waren. Doch Mitte Januar bekam ich eine Erkältung und in ganz kurzer Zeit hatte ich -von mir selbst diagnostiziert - eine Bronchitis. Als ich mich dann doch zu meinem Hausarzt dem guten alten "Schmidl" begab, war dieser gar nicht amused, denn die Geräusche beim Abhören der Lunge verhießen nichts Gutes.

Was folgte war eine Tortur mit Besuchen bei verschiedenen Lungenspezialisten und Radiologen. Ob Dr. Schmitt ein guter Arzt oder nicht war, kann der Laie nur schwer beurteilen. Aber dass er ein gewissenhafter war, konnte ich feststellen. Nachdem alle Untersuchungen und Befunde keine Klarheit brachten, nur immer ganz ernste, besorgte Blicke hervorriefen, meinte der Doc, das muss geklärt werden und überwies mich zur stationären Aufnahme in das Zentralkrankenhaus Gauting mit einer Spezialabteilung für Lungenerkrankungen. Am 15.02.1991 marschierte ich fröhlich aber nicht mehr ganz fidel dort ein und hatte gleich eine Auseinandersetzung mit dem Stationsarzt.

Das Erste was der Typ wissen wollte war ob ich rauche. Wahrheitsgemäß antwortete ich mit ja. Was folgte war eine Standpauke von ihm mit so geistreichen Äußerungen wie "Warum ich das tue und ich soll das sofort unterlassen". Nun meine Entgegnungen waren auch nicht von schlechten Eltern und so beschlossen wir, keine guten Freunde zu werden. Dann stellte ich fest, dass unter dem Dach ein Aufenthaltsraum für mobile Patienten war und dort war Rauchen erlaubt. Yoooo gefundenes Fressen für mich und wie ein vor Wut schnaubender Stier tauchte ich vor dem Doktor auf und stellte ihn zur Rede. Leider war die Antwort zutreffend und blamabel für mich. Er meinte, wenn es diesen Raum nicht gäbe würden so egoistische, rücksichtslose Süchtige wie ich evtl. auf der Toilette rauchen und frisch Operierte gefährden. Nicht von der Hand zu weisen, speziell nachdem was ich dort bezgl. Rauchen alles erlebte. Positiv dabei war, dass ich bereits am 3. Tag schlagartig mit dem Rauchen aufhörte und erst 10 Jahre später wieder anfing. Glücklicherweise war der Unsympath nur Vertretung und mit der "richtigen" Stationsärztin kam ich deutlich besser aus.

Ich weiß nicht mehr was alles für Untersuchungen durchgeführt wurden, wieviel Flüssigkeiten und Gewebe mir entnommen wurde und in welche Teile dieser Welt von Schweiz bis USA das alles geschickt wurde. Eines weiß ich aber noch ganz genau: Eine Bronchoskopie war zur damaligen Zeit eine der schlimmsten und schmerzhaftesten Untersuchungen die ich je hinter mich brachte, besonders weil ich beinahe bei vollem Bewusstsein daran erstickt wäre. Nichts änderte sich, mal waren Blutungen stark mal schwach, mal die Schleier dichter mal wenig dicht. Am 01.03. verließ ich Klinik um als Kompromiss -der Chirurg wollte zu diesem Stadium keine derartige OP durchführen- eine 6-wöchige Chemotherapie durchzuführen und dann, falls sie nicht anschlägt, das Ei operativ entfernen zu lassen.

Wahrscheinlich sind die heutigen Medikamente besser und weniger mit Nebenwirkungen behaftet. Ich jedenfalls kotzte mir jeden Tag die Seele aus dem Leib und meine Haarpracht konnte spielend mit "Kojak" oder Yul Brunner konkurrieren. Der Umfang entgegen kam eher Meatloaf nahe. Und das, um nach 6 Wochen zu erfahren, dass nur marginale Änderungen erfolgt sind. Und schon nahm das Drama seinen Lauf. 6 Ärzte bildeten zwei Mannschaften. Vorausschicken muss ich, dass es eine schwere, sehr riskante Operation mit erheblichen Nachwirkungen bedeutete.
Mannschaft 1 waren mein Hausarzt, der Radiologe und der Chirurg. Mannschaft 2 waren der Oberarzt, die Stationsärztin und der Pathologe. M1 wollte mir partout die OP ausreden, M2 bestärkte mich in meinem Entschluss die OP durchführen zu lassen und den Dreck raus zu holen.Nach einigen schlaflosen Nächten entschied ich mich für die 6 Stunden Operation, trotz nicht gerade weniger Bedenken. Am 02.05.1991 war ich zurück ins Krankenhaus und für Mittwoch, den 08.05.1991 wurde die Operation für 09:00h vereinbart. Am Vorabend erschien plötzlich nochmals der Chirurg obwohl schon alles besprochen und unterschrieben war. Er schilderte mir ausführlich welches Risiko es bedeutete, welche Schmerzen ich im Anschluss bei jedem Atemzug haben würde. Kein Lachen, kein Husten wäre möglich, einige Rippen gebrochen und irgendetwas musste ziemlich stark gespreizt werden. Sichtlich verärgert nahm er zur Kenntnis, dass ich es trotzdem hinter mich bringen möchte, denn so ein Ei in der Lunge ist nicht jedermanns Sache. Oder wie die Stationsärztin sagte: "Das könnte wie ein Blindgänger aus dem Krieg sein. Wenn es noch explodiert, dann ist es aus und vorbei".

Am nächsten Morgen wurde ich ganz früh penibel rasiert, bekam einige Kanülen in die Arme und gegen 0700h bereits die LmaA Pille. Das Problem war, ich wurde nicht abgeholt. Gegen 1100h bekam ich eine weitere Pille die mich beruhigen sollte. Gegen 1330h erschien der Chirurg, stellte sich vor mein Bett und sagte er hätte gerade einen schwierigen Notfall operiert und jetzt sieht er sich nicht in der Lage so eine schwere Operation durchzuführen. Wir könnten ja einen neuen Termin vereinbaren. Bis heute habe ich sein Gesicht nicht vergessen und wünsche mir manchmal, dass ich ihm einfach eine geknallt hätte. Habe ich nicht, bin aber wutentbrannt um 1500h nach Hause gefahren, nicht ohne meine Wut noch deutlich zum Ausdruck zu bringen. Zumindest die Stationsärztin zeigte Verständnis dafür.

Fazit der Geschichte: Das Ei ist immer noch da, die Beschwerden auch und genauso die Blutungen. Immerhin wird es als Teil meiner Schwerbehinderung anerkannt, denn die Lungenfunktion ist nicht unerheblich eingeschränkt. Zusätzlich kann ich mich manchmal bei den Ärzten wichtigmachen. So wurde 28 Jahre später (ohne dass ich einer später folgenden Geschichte vorgreifen möchte) während einer Ärztekonferenz meine eigentlich lebensbedrohende Erkrankung nur kurz diskutiert um anschließend 30 Minuten über meine Bilder der Lunge zu fachsimpeln. Doch so lustig das alles klingt, eines kann ich auch sagen: Was bleibt ist die Angst!

Erinnerungen von Peter Alexander Christerer
#k06-08 - Eine segensreiche Einrichtungmp3

Manchmal gibt es komplexe Situationen im Leben, in denen ich mich hoffnungslos überfordert fühle. Meistens trage ich das oder die Probleme mit mir rum und fechte den Kampf in meinem Inneren aus. Wenn ich dann eine Lösung gefunden habe, versuche ich diese konsequent umzusetzen. Meistens allerdings wenig sensibel und mit maximalem Druck auch gegen mich selbst. Das ist oft nicht sehr schön, kann zu Zerwürfnissen führen und schmerzt mich meist selbst außerordentlich, doch wie es ist, so ist es eben "There's no time to explain, yes that's the way it is....".
Ende der 1980er, Anfang der 1990er war ich in so einer Ausnahmesituation. Selbst mit meinem Leben, speziell was mein Familienleben anbelangte, vollkommen unzufrieden, trat in meinem näheren persönlichen Umfeld ein Suchtproblem auf. Da ich diese Person schon lange kannte, sie mir nahesteht und ich sie sehr schätze, wollte ich unbedingt helfen. Damals gerade 30 Jahre alt und mit eher rauem Gemüt ausgestattet, dachte ich das funktioniert nach dem Motto "Hör endlich auf mit dem Scheiß,…". Heute 30 Jahre später weiß ich, bei jeder Sucht ob Übergewicht, Alkohol, Rauchen, Rauschgift, Medikamente etc. bedingt es schon deutlich mehr als ein paar blöde Sprüche.

Wer mir den Tipp gab oder wie ich auf die Organisation "Blaues Kreuz" kam, weiß ich nicht mehr, doch es war das Optimale was geschehen konnte. Es war für mich unerheblich wer (evan. Kirche? Diakonie?) dahinter steckt und welche professionellen Therapien angeboten wurden. Entscheidend war, dass es in München mehrere Selbsthilfegruppen in verschiedenen Stadtteilen gab, deren Leitung jeweils von einem Suchtkrankenhelfer durchgeführt wurde. Dazu trafen sich 1x in der Woche die Hilfesuchenden in einem meist von der Kirche zur Verfügung gestellten Raum und es wurden ca. 1,5 Stunden Probleme angesprochen und diskutiert. Horst, der Leiter "meiner" Gruppe war im Hauptberuf Ingenieur bei Siemens, dementsprechend waren keine superschlauen Psychologensprüche zu erwarten. Seine Aufgabe war auch moderieren und nicht therapieren.
Überragend für mich waren jedoch die Tatsachen, dass a) keine bestimmte Sucht oder Problematik (auch wenn der größte Anteil Alkoholkranke betraf) vorhanden sein musste und b) dass nicht nur Erkrankte sondern auch Familienangehörige, enge Freunde oder sonst wie Betroffene an den Sitzungen teilnehmen durften. Ich habe dabei sehr viel über die "Co-Abhängigen" gelernt.

Jedenfalls habe ich seither nie wieder Menschen getroffen, die so offen, direkt und ehrlich über ihre Probleme und Situation sprachen. Es war so hilfreich für mich, obwohl der Mensch, der für mich wichtig war, längst die Gruppe verlassen hatte und seither diesbezüglich kein Problem mehr hat, dass ich noch mehrere Jahre dabeiblieb. Viele Gesichter der "Stammgruppe" sind mir noch erinnerlich, ganz besonders eine Christine und ein Franz. Leider hat es Franz nicht geschafft und die Entscheidung getroffen, vorzeitig den Gang ins Nirvana anzutreten. Auch Ludwig -ein Manager von BMW- werde ich nicht vergessen. Vor Arroganz triefend kam er -aufgrund richterlicher Anordnung- in die Gruppe und wurde ein wertvolles Mitglied. Und das obwohl seine Auflage längst erfüllt war.
Nach 4 Jahren wurde mir sogar angeboten eine Ausbildung zum Suchtkrankenhelfer zu machen und Gruppenleiter zu werden. Das wollte ich aus verschiedensten Gründen nicht. Zusätzlich habe ich es strikt abgelehnt -als nicht Alkoholabhängiger- freiwillig vollständig auf Alkohol zu verzichten.
Eines kann ich jedoch ganz sicher sagen: Jeder der in eine solche Ausnahmesituation gerät wie oben beschrieben, sollte darüber nachdenken ob er nicht Hilfe in Anspruch nimmt. Ob bei einem "Hauptberufler" oder in einer Selbsthilfegruppe ist egal. Es kostet nichts und kann dich unterstützen. Für mich waren die Leute in "meiner" Gruppe vom Blauen Kreuz auch eine große Hilfe und Unterstützung was meine nächste Geschichte "In der Hölle sollst du schmoren, Herr Chirurg!" anbelangt.