Peter Alexander Christerer Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.

Meine Erinnerungen an ein erfülltes und oft spannendes Leben

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#K07-01-2 Von Beruf Jurist und auch sonst....Teil 2mp3
Es war das übliche Verhalten des „genialen“ Rechtsanwalt, dass er durchaus ALLE Mitarbeiter ins Messer laufen ließ. Ein anderes Mal saß ich gegen 22:00h in der Kanzlei in meinem Büro (ich hatte ja schließlich noch einen Hauptberuf) und bekam mit, dass im Chefsekretariat ein Fax ankam. Obwohl ich weder Angestellter der Kanzlei noch Jurist war, hatte ich Zugang zu nahezu allen Räumen einschließlich Büro vom „Chef“ inkl. Akteneinsicht!
Meine natürliche (berufsbedingte) Neugier ließ mich nachsehen wer um diese Zeit noch ein Fax schickt und ich fiel fast vor Schreck um. Irgendein Gericht im Osten der Republik schickte die letztmalige Erinnerung bis Mitternacht zu einem Rechtsstreit eine abweichende Darstellung kundzutun. Ansonsten wäre die Entschädigung in Höhe eines deutlich 6-stelligen Betrages zu Lasten der Firma APIS Gmbh rechtswirksam. Yooo, Herzchen im Höschen! Glücklicherweise war noch ein RA im Haus und dieser wurde von mir genötigt, eine Kurzstellungnahme zu verfassen, welche ich noch vor Mitternacht an das Gericht faxen konnte. Das war normaler Geschäftsablauf in dieser Kanzlei.

Genau so faszinierend war die Vermietung eines Objektes im Herzen von München. Eine bessere Lage war nicht möglich. Auf drei Etagen hatte ein absoluter Ramschladen das Objekt gemietet. Die 4. und 5. Etage war an Ärzte vermietet. Die Jahresmiete betrug eine „lächerliche“ Million. Der Clou war, dass die hochbetagte Eigentümerin samt ihren Anwälten davon ausging, dass der Mieter eines der größten deutschen Stromunternehmen war. Doch der zuständige Manager erkannte wohl, dass es sich nicht rentieren würde, hier Präsentationsräume einzurichten.
Also spielte er offensichtlich zusammen mit dem Prof (vor meiner Zeit) Immobilienmakler und vermietete es unter an besagten Ramschhändler. Die Provision (langjähriger Vertrag!) bewegte sich deutlich im sechsstelligen Bereich. Allerdings war der Filialleiter nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen und legte sich mit den Ärzten -die ein sehr gutes Verhältnis zur Eigentümerin hatten- an und dann ging es schnell. Als meine zwei Vermittlungsversuche mit dem Typen nichts brachten, wurde die Firma rapide vor die Tür gesetzt.

Jetzt hatte der Manager das Problem, eine irre Miete dem Vorstand zu erklären, denn das Objekt brachte keinerlei Nutzen für den Konzern. Schon ging der Auftrag an mich, möglichst schnell einen „seriösen“ Mieter zu finden. Das war anstrengend aber durchaus interessant. Allein das Exposé war schon ein Schmuckstück und manche Interessenten brachten mich sogar zum Lachen. Einmal traf ich in einem Kaffee einen italienischen Eishersteller, der ein Kaffee einrichten wollte. Der Auftritt war besser als es im Film der Pate dargestellt werden hätte können. Alter Mann mit 2 Bodyguards und leiser eindringlicher Stimme, hahaha. Als ihm klar wurde wieviel Eiskugeln er verkaufen hätte müssen um rentabel zu wirtschaften, zog er gar nicht Don Corleone mäßig wieder ab.
Logisch habe ich es auch meinen geliebten 60er Löwen als Fanshop angeboten. Leider muss ich sagen da war von professionellem Geschäftsverhalten nichts zu merken. Der Roland „Magic“ Kneißl hat halt besser Freistöße schießen können als Merchandising betreiben. Ganz im Gegensatz zu den Roten. Das Gespräch mit Hoeneß und Hopfner war 1a. Dass es nicht geklappt hat, war aus verschiedenen Gründen nachvollziehbar. Hoeneß jedenfalls war richtig sauer, dass das Angebot nicht ein paar Monate früher kam. Denn natürlich hat er sofort erkannt, dass es für den FC Bayern keine bessere Werbung als diesen Standort geben konnte.
Letztendlich hat es ein ganz bekannter Juwelier gemietet und wer dann wen hinsichtlich der Provision über den Tisch zog, ist mir nicht bekannt, denn da hatte ich die Kanzlei schon im Unfrieden verlassen.

Den dritten Immobilienbeitrag schreibe ich lieber doch nicht. 1. kann ich auch hier nicht Ross und Reiter nennen und 2. ist mir das zu gefährlich. Es handelte sich um ein Objekt nahe Garmisch-Partenkirchen, das für über 8 Mio verkauft werden sollte. Es gehörte zum Bestand einer der größten bayrischen (deutschen?) Banken -die später in einen massiven Skandal verwickelt war und von einer italienischen Bankengruppe aufgekauft wurde- und konnte nicht über deren Immobilien-Sparte verkauft werden. Die Problematik war, dass das Objekt im Landschaftsschutzbereich lag und unter Denkmalschutz stand. Die -bereits feststehenden- Interessenten kamen aus einem Riesenreich im Osten. Sie wollten ein Nobelpuff errichten und sich sicher nicht nur um die menschlichen Gelüste der Gäste sorgen. Sondern auch bestimmt ein paar (versteckte) Videoaufnahmen machen wollten. Die Schwierigkeit war nun, die zuständigen Politiker von der Unabdingbarkeit aller Genehmigungen zu überzeugen.
So das reicht zu dieser Sache. Es wird noch ein dritter Teil zum Komplex Rechtsanwalt folgen. Dieser Teil hat aber weniger mit der Kanzlei als solches zu tun, sondern mehr mit den Möglichkeiten, die sich für mich auftaten.
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