Peter Alexander Christerer Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.

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Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte.
Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist MIR gewidmet.


#K06-14 Sayonara, it's time to say goodbyemp3
Alle Jahre wieder kommt überraschender Weise gegen Ende des Jahres Weihnachten und Sylvester auf uns zu und zur damaligen Zeit war das noch richtig hektisch bei mir.
Im Büro war ich überwiegend mit Programmierung einer sehr komplexen Wordvorlage beschäftigt, welche nicht nur einfach für den User, sondern sämtliche Belange von „einfachen nicht eingestuften (was eigentlich nicht zulässig war) Schriftstücken“ bis hin zu „streng geheim- Schutzwort Dokumenten“ abdecken sollte. Natürlich auch interner und externer Schriftverkehr einschließlich Bundesadler. Allein für die Gestaltung des von mir „Geier“ genannten Bundesadler waren bestimmt mehr als 20 Besprechungen auf A16 Ebene abgehalten worden. Mal waren die Federn zu fett oder der Schnabel zu krumm. Wäre alles nicht so dramatisch gewesen, wenn a) nicht für jedes Modul permanent unrealistische Zeitvorgaben gemacht wurden und b) mein damaliger Vorgesetzter ein Blinder war, der trotzdem ständig von Farbe sprach. Ich nannte ihn in geringfügiger Abweichung zu seinem Originalnamen despektierlich „Attenzwerg“. Er verbreitete einfach nur Hektik.

Privat war mit Christina alles gut, doch sie hatte -an etwas anderes kann ich mich bei ihr überhaupt nicht erinnern- sicherlich auch genug Stress im Büro. Riesige Probleme bereitete jedoch die gerade ein Jahr zurückliegende Scheidung. Leider gestaltete sich das Verhältnis zu Angelika, der Mutter meiner Kinder sehr schwierig und sie benahm sich nicht gerade korrekt. Doch das ist nicht das Thema hier. Allerdings war die ungeklärte Situation wie wir Weihnachten und Sylvester mit den Kindern verbringen konnten ein ganz erheblicher Stressfaktor. Möglicherweise war es ein Beschleuniger der Katastrophe die in diesem Beitrag beschrieben wird.

Nun auf den letzten Drücker wollte ich am Donnerstag, den 21.12.1995 noch ein Weihnachtsgeschenk für den Vater von Christina, meinen späteren Schwiegervater besorgen. Es hieß damals „langer Donnerstag“ weil die Geschäfte bis 20:30h geöffnet hatten. So fuhr ich vom Büro direkt in die Schiller Straße am Hauptbahnhof, um bei Vobis einen Tintenstrahldrucker zu kaufen. Wie immer war ich zu spät dran, denn Christina und ich wollten am Abend noch zum Schauer Sepp in die Kellerschänke nach Grünwald. Ich muss gestehen, bereits ab hier habe ich erhebliche Gedächtnislücken. Weder weiß ich, ob dort eine Weihnachtsfeier geplant war, noch wie der Ablauf der Festtage mit Kindern und Schwiegereltern abgesprochen war. Erinnern kann ich mich noch, dass ich den Drucker erwarb und eilenden Schrittes Richtung Hauptbahnhof unterwegs war um die S-Bahn nach Fasangarten zu erreichen. Schließlich wollte ich Christina nicht warten lassen. Bereits unterwegs bereitete ich die Fahrkarte vor um stempeln zu können, denn es wurde ziemlich knapp für die S-Bahn.
Ich erreichte das Untergeschoß, wollte die Fahrkarte zum Stempeln in den Automaten stecken und

Yooo ab jetzt folgt -bis auf Widerruf- die Darstellung, wie ich sie selbst nur erzählt bekommen habe. Anscheinend habe ich nicht mehr gestempelt, sondern habe es vorgezogen, mich auf den Boden des Untergeschosses zu legen. Offensichtlich war ich sehr müde, denn augenblicklich verfiel ich in einem ausgiebigen Tiefschlaf, so intensiv, dass mein Herz zu schlagen aufhörte.
Glück1: Zwei Männer waren schlagfertig genug, mich sofort in die richtige Lage zu bringen, meine Kleidung zu entfernen und mit Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen.
Glück2: Gerade als die Männer anfingen, kam eine Ärztin aus MEPPEN, welche einen Kongress in München besuchte, mit der Rolltreppe an und überblickte sofort was hier abging und übernahm das Kommando. Sie gab die Anweisungen zur richtigen Herzdruckmassage und schickte einen weiteren Passanten nach oben, weil sie sich an ein Rettungsfahrzeug erinnerte. Dem Passanten trug sie auf den Sanitätern zu sagen, dass ein Kreislaufpatient Hilfe benötigt und sie den Defibrillator mitbringen sollten.
Glück3: Die Rettungskräfte hatten anscheinend eine gute Energieversorgung an Board und begannen zu reanimieren. Parallel dazu wurde ich abtransportiert. Als Glück betrachte ich es, dass der Weg zum Großhaderner Krankenhaus mit Baustellen gespickt war und dies war in meinem Zustand nicht hinnehmbar. Stattdessen wurde ich mit Polizeieskorte ins Pasinger Krankenhaus gebracht. Dort wurde ich auf der Intensivstation „gegrillt“ bis wieder ein Lebenszeichen in meinem Körper vernehmbar war. Das habe ich dem Arzt Dr. Wonhas zu verdanken, der einfach nicht aufhörte mit dem Defibrillator. Das hinderte mich allerdings nicht, ihm ein paar Tage später einen Schrecken zu versetzen. Nach meinen Erfahrungen bezweifle ich, ob ich im weltberühmten Klinikum Großhadern auch überlebt hätte. Wahrscheinlich wäre nach dem 5. vergeblichen Versuch der Spruch: „Zeitpunkt des Todes…“ erfolgt.

Nach 45 Minuten kam ich endlich wieder im Diesseits an. Mit angeschlagenem Selbstbewusstsein, denn natürlich beschritt ich die stairways to heaven. Doch da oben an der Pforte wies mich der Türsteher mit einem barschen: „Du kummst do ned rein“ rüde zurück. Dann probierte ich es ganz, ganz unten. Dort öffnete der Chef selbst, bekam schlagartig einen entsetzten Gesichtsausdruck, wedelte mit beiden Händen und rief in Panik: „Besetzt, besetzt, besetzt“. Was blieb mir über, kam ich halt zurück und seither kann ich sagen: „I see the devil in the mirror!“
Nachdem also wieder Leben in meinen Körper eingekehrt war, wurde ich sofort an diverse Maschinen angeschlossen, denn eigenständig lebensfähig war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Zwischenzeitlich war natürlich in der Cincinnati Str. wo Christina und ich wohnten, der Wut-Dampfkessel am Kochen. Zuerst war Christina wütend -nicht vergessen: HANDY war nicht- da wir eine Vereinbarung hatten. Jetzt saß sie da, vollkommen „aufgebrezelt“ und ich kam einfach nicht heim. Nach einiger Zeit kontaktierte sie ein Freunde und rief auch in der Kellerschänke an ob ich dort aufgetaucht sei. Ohne Ergebnis! Nach geraumer Zeit -alles nach Schilderung von Christina- begab sie sich ins Bett und versuchte zu schlafen. Als gegen 01:00h plötzlich Sturm geklingelt wurde, wollte sie zuerst gar nicht öffnen. Sie nahm an ich hätte den Schlüssel vergessen und wollte etwas Rache üben. Als sie jedoch öffnete und von zwei uniformierten Polizisten auf den Vorfall hingewiesen wurde, waren Rachegedanken schlagartig verflogen. Wer Christina kennt, weiß, dass sie eine sehr sensible und emotional reagierende Person ist und diese Nachricht muss die Hölle für sie gewesen sein.
Sie verständigte ihren Vater und gemeinsam besuchten sie den im Koma befindlichen Bäääda. Der Anblick war nicht schön, trotzdem hätte ich meinem späteren Schwiegervater erlaubt ein Foto von mir zu machen, sozusagen als nette Erinnerung. Aber Christina untersagte ihm das. Nun die Auskunft des Leiters der Intensivstation Dr. Wonhas dürfte auch nicht unbedingt zur Beruhigung beigetragen haben. Zu diesem Zeitpunkt war weder das Überleben noch die Wahrscheinlichkeit ohne größeren Hirnschaden davon gekommen zu sein, eher sehr gering.

Doch wie man sieht (es schreibt hier KEIN Ghostwriter) vergeht Unkraut und noch viel weniger da Bäääda nicht. Neben vielen interessanten und manchmal durchaus witzigen Ereignissen im Krankenhaus, schreibe ich nur zwei nieder. Wovon die Erste auch nur den Erzählungen von Christina entspricht, da ich keinerlei Erinnerung von ca. 3 Tagen vor und 9 Tage nach dem Unfall habe.
Wie gesagt es war Weihnachtszeit und immer wieder wurde ich zeitweise von der Herz- Lungenmaschine genommen und aus dem -inzwischen künstlichen- Koma erweckt. Jedenfalls machten die Schwiegereltern in spe und Christina im Krankenhaus Bescherung. Da ich keinerlei Erinnerung hatte und wohl permanent anzweifelte, dass überhaupt Weihnachten sei, wurde die Geschenkeprozedur 6x wiederholt. Doch dann kam der Hit. Es gab als Mittagessen Ente mit Knödel und Soße, nur nicht für mich. Es SOLL wohl so gewesen sein, dass ich gewohnt (schwer zu glauben) temperamentvoll und uneinsichtig verlangt habe, auch einen Teller zu erhalten. Es ging so weit, dass besagter Dr. Wonhas entschied mir tatsächlich einen bringen zu lassen, denn meine Erregung wäre gefährlicher als die zu 100% eintretende Übelkeit.
Warum mir jedoch meine spätere Schwiegermutter ohne jegliche Schutzkleidung, im schönsten Weihnachtsdress, das Essen eingeben wollte, erschließt sich mir nicht. Es kam wie es zu erwarten war. Nach dem 3. Löffel war der Zeitpunkt gekommen ihrer Kleidung ein neues Design zu verleihen. Alles in mir Befindliche begab sich in hohem Bogen und voller Pracht auf ihre Bluse und Rock. Später hörte ich, dass sie darüber doch etwas verärgert gewesen sei. Um Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, beschloss ich, erst einmal in Tiefschlaf zu versinken.

Die zweite Sache war die Aktion mit DR. Wonhas. Und ab jetzt sind meine Erinnerungen wieder vollständig vorhanden. Der außerordentlich umsichtige und menschliche Arzt, sitzt eines Tages auf meinem Bett in der normalen Station, allerdings im Intensivbereich, um sofort reagieren zu können. Er erzählt mir die ganze Story was passiert ist, auch mit den Rettungsmaßnahmen und deren Dauer. Ebenso dass die Chance einen derartigen Crash ohne bleibende Schäden zu überstehen bei 1:1.000.000 liegen dürfte. Als er fertig war, bemerkte ich scharfsinnig, dass ich dabei sogar hätte sterben können. Das fand er noch ganz amüsant.
Doch dann entwickelte sich sinngemäß folgender Dialog:
Ich: Wieso haben sie denn nicht aufgehört mit der Wiederbelebung? Wie lange hätten sie denn weitergemacht?
Dr.: Nun wir nahmen von Zeit zu Zeit eine Nadel, stachen in ihr Bein und beobachteten ob es einen Lichtreflex im Auge gab und setzten dann die Aktion fort.
Ich: Das heißt, sie durchaus noch länger weitergemacht.
Dr.: Klar solange noch Hoffnung bestand.
Ich: Okay, dann hätte ich jetzt gerne ihre gerichtsverwertbare Wohnanschrift.
Dr.: Wozu denn das?
Ich: Naja, weil ich sie wegen Körperverletzung verklagen möchte. Ich denke nicht, dass sie die erforderliche Genehmigung hatten, mir kalten, harten Stahl in Form einer Nadel in mein warmes, weiches Fleisch zu rammen.
Es mag jetzt nicht so lustig klingen, wie es tatsächlich war. Hätte allerdings jemand ein Foto seines Gesichtes gemacht, dieses Bild wäre sicher in die engere Auswahl zur Prämierung für den Pulitzer Preis gekommen.

Der Rest ist schnell erzählt. Nach vielen, teils sehr schmerzhaften Untersuchungen konnte keine spezifische Ursache festgestellt werden. Aufgrund der angespannten psychischen Lage wurde einfach Stress vermutet. Es wurde mir ein Defibrillator implantiert und dieser hat bisher 3x massiv ausgelöst. Glücklicherweise schon Jahre nicht mehr und meine Entscheidung diesen -wenn die Batterie leer ist- nicht mehr zu erneuern steht bisher fest.

So das war die letzte Geschichte im 6. Kapitel. Bei der Durchsicht meiner Notizen, stelle ich fest, dass gar nicht mehr so viel aufschreiben Wertes kommt. Insbesondere da ich noch nicht überzeugt bin, von meinen Eskapaden im Berliner Nachtleben und mit der afrikanischen Community zu schreiben.
Auf zum Kapitel 7