Erinnerungen von Peter Alexander Christerer

Peter Alexander Christerer


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Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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#K06-12 - Die gute alte Franz Josefmp3
Nach dem Tod von Oma 1989 und der daraus resultierenden Erbschaft, konnte ich mir doch tatsächlich ein Motorrad leisten. Als kleiner Angestellter im öffentlichen Dienst, war das als alleinverdienender Familienvater von 2 Kindern + Ehefrau nicht möglich gewesen.

Selbst kannte ich mich auf dem Mopedmarkt nicht mehr so aus und dachte mir, da fragste mal deinen Freund Reinhold R. Der ist up to date, zudem Fahrlehrer und könnte mir somit ein paar Auffrischungsstunden geben. Und was sagte der Saukerl sinngemäß: "So aggressiv und aufbrausend, wie du bist, kommt für dich nur ein big bike in Frage. Damit du dich nicht von den kleinen Pinschern provozieren lässt, weil du weißt, wenn du Gas gibst, ist niemand mehr neben dir." Eigentlich eine absolute Unverschämtheit, so friedfertig und lammfromm ich seit jeher bin!

Also folgsam suchte ich nach einem etwas größeren Moped. In Frage kamen eine 1100er Suzi (Suzuki), eine Kawa (Kawasaki) ZZR und eine 1200 FJ Yamsel (Yamaha). Das Kürzel FJ für Franz-Josef (Strauß) war mir gleich sympathisch und sie war mit Abstand die Schönste. Schon war sie gekauft. Nur weil mir die Beschleunigung von 0 auf 100 in 3,6 und auf 160 in 4,8 Sekunden etwas holprig erschien, ließ ich sie beim Deimhard Hanse -ein früherer Schrauber von den Münchner Valley Rockern- ein bisschen aufpeppen und schon waren aus den 98 plötzlich 143 PS geworden.

Es gäbe viele shorties zu schreiben, wie z.B. dass ich mich gleich in der ersten "Fahrstunde" auf die Straße legte, die Rekordfahrt von Mondsee nach München, Livingio - München und zurück an einem Tag oder als sich Christina die Wade am Auspuff anschmorte u.v.m.
Doch nur zwei -eine mit Christina in der Hauptrolle- davon möchte ich für die Nachwelt hier verewigen. Oft waren wir in einer Gruppe von 4 Personen mit 3 Motorrädern unterwegs. Günter R., Gerhard G. und ich mit Christina als Mitfahrerin. So planten wir (ich vermute es war Christi Himmelfahrt) eine 4-Tagestour über Livingio-Meran-Innsbruck-München. Nach meiner Erinnerung war der erste Tag richtig gut und ohne Probleme gelangten wir zur ersten Station in der Gemeinde See, der Eingang zum Paznauntal, im schönen Tirol. Gutes Essen, schöne Zimmer und ein geiles Motorrad vor der Tür. Herz was willst noch mehr?

Der nächste Tag begann leider völlig konträr zum vorhergehenden. Nicht nur dass die Temperaturen empfindlich zurückgegangen waren, nööö der "Salzburger Schnürlregen" hatte eingesetzt. Yoooo und jeder der schon einmal ernsthaft Motorrad fuhr, der weiß dass dies -trotz professioneller Kleidung und Ausrüstung- so ziemlich das "erstrebenswerteste" Lebenselixier ever auf engen Landstraßen und kurvenreichen Gebirgspässen ist. Fast so wünschenswert wie heftiger Durchfall ohne Toilette im Umkreis von 20km.
Wir kletterten missmutig auf die Mopeds, dick verpackt mit Regenkombi über der Rennkombi und unhandlichen Regenhandschuhen und schickten selbst als Atheisten Stoßgebete nach oben und baten um Gnade. Doch wir wurden nicht erhört, eher das Gegenteil war der Fall. Es wurde immer kälter und der Regen stärker.

Irgendwann geriet das ersehnte Ziel in greifbare Nähe. Es musste nur noch der ziemlich dunkle und straßentechnisch nicht beste Tunnel "Munt la Schera" durchquert werden. Dieser ca. 3,5km lange Tunnel ist bei schönem Wetter ein wunderbarer Abschluss bis man sein Ziel --> Livignio in Italien erreicht hat. Die letzten 2 km in den Ort, waren immer schon spannend, denn von Straße konnte man eher nicht sprechen. Gut gemeint vielleicht von Schotterpiste. Und vorher lag die Betonung auf schönem Wetter. Die Überraschung war riesig, als wir durchnässt und halb erfroren aus dem Tunnel wieder ins Freie kamen. Der Regen war vorbei! Stattdessen schneite es ziemlich heftig. Yep, dann kam Christinas -von mir unbemerkt, da ich ständig entweder ohne Visier (scheißkalt der Schnee in der Fresse!) oder mit einer Hand fahren musste, um den Schnee vom Visier zu bringen- großer Auftritt. Als wir am Ziel waren, stürmte von hinten der normalerweise sanftmütige Gerhard heran und machte Christina aber so was von zur Minna: "Ob sie geisteskrank oder lebensmüde sei. Was sie sich dabei dachte auch alle nachfolgenden zu gefährden, wenn es Bäääda auf die Straße legt. usw. usf".
Solange bis ich einschritt und wissen wollte was überhaupt los ist. Es hat doch alles bestens geklappt. Günter R. war übrigens genauso verblüfft. Was war geschehen? Nun Christina konnte wohl die Kälte nicht mehr ertragen und machte einige Freiluftübungen auf dem Sitz und klopfte sich ständig mit den Händen auf die Brust. Zugegeben, das ist bei der Situation nicht die beste Idee. Und mir war klar, warum die gute alte Yamsel vorher so rumzickte.
Christinas Antwort: "Ich dachte erschlagen und überfahren zu werden ist ein schönerer Tod, als zu erfrieren." Yoooo, wo sie Recht hat, hat sie Recht!

Nun der Rest dieser Tour ist schnell erzählt. Ab dem nächsten Morgen herrschte traumhaftes Wetter und nach Überquerung des Stilfser Joch -mit über 2700m Italiens höchster Gebirgspass- kamen Richtung Meran frühlingshafte Temperaturen hinzu. Werde nie vergessen, dass ich die ersten GEBRATENEN Weißwürste auf den Meraner Wochenmarkt gegessen habe. KÖSTLICH! Dann übernachteten wir im herrlichen Hotel Bad Schörgau mit herausragender Küche. Am nächsten Tag dann über Innsbruck die Rückfahrt nach München.

Die zweite verewigte Geschichte ist wesentlich kürzer und nur für mich von Bedeutung, weil ich mich immer wieder an den Schutzengel oder das unglaubliche Glück das Christina und mir zu Teil wurde, erinnern möchte.
An einem schönen Sonntag hatten die üblichen 4 eine griabige, gemütliche Tour im Hinterland eingeplant. Alles chic und wunderbar. Dann geschah das unfassbare. Günter R. vorne, ich in der Mitte, Gerhard hinten. Schön ausgebaute Straße, Geschwindigkeit etwa 120km/h, zwischen Ettal und Schloss Linderhof. Urplötzlich springt zwischen Günter und mir eine Rehkuh mit zwei Kitzen aus dem Graben und will die Straße überqueren. Während die Mutter und das größere Kitz -trotz Gegenverkehr- weiterliefen, kehrte das Kleinste (es war schon an mir vorbei) etwa in der Mitte der Straße um und lief zurück. Ich hatte keinerlei Chance zum Ausweichen, erwischte das Kitz mit dem Vorderreifen und in Sekundenbruchteilen wurde das Reh unter den Motorblock geschoben und bockte mich sozusagen auf.
Obwohl ich ganz sicher nicht zu den besten Motorradfahrern gehörte, reagierte ich reflexartig, unglaublich schnell und richtig. Auch Christina machte wohl instinktiv das einzig Richtige. Sie legte sich auf meinen Rücken und umklammerte mich so fest sie konnte. Dadurch waren wir eine Einheit und sie wurde von mir einfach mitgezogen. Als erstes musste ich das Kitz loswerden. Dazu schmiss ich mich auf die linke Seite, bis das Knie die Straße berührte. Dann trat ich mit voller Wucht gegen das Tier. Es funktionierte, das Reh flog in hohem Bogen in den Graben.

Jetzt war das Problem, dass das Moped abzuschmieren drohte. Also musste ich meine Wenigkeit, Christina und die ca. 250kg schwere Yamsel von der Waagrechten in die Senkrechte bringen. Ich holte jedoch zuviel Schwung und legte mich gleich mal auf die rechte Seite. Bestimmt auch deshalb, damit beide Knie zu gleichen Teilen schmerzten. Also wieder retour und es funktionierte. Dann ausrollen lassen, denn wie gesagt zu Beginn betrug die Geschwindigkeit ca. 120km/h, dann zitternd absteigen und ziemlich dämlich in die Gegend blicken.
Inzwischen war Gerhard auch da und ich habe selten jemand mit einer derart bleichen Gesichtsfarbe gesehen. Er blickte uns beide völlig entgeistert an und sagte wörtlich: "Was für ein Wahnsinn. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, welchen Kranz, welche Blumen ich für euer Grab kaufen werde. Denn das kann man nicht überleben."
Wir haben es glücklicherweise überlebt, das Rehkitz natürlich nicht. Dankenswerterweise kümmerte sich Gerhard um die Abwicklung mit der Polizei und Förster, während Günter zwei völlig geschockte Menschen aufmunterte. Meine gute alte Franz Josef konnte ich sogar noch heimfahren, allerdings sehr langsam und der oben erwähnte Hans stellte sie vollständig wieder her.

Warum ich später meine geliebte Yamsel hergegeben habe, kommt im übernächsten Beitrag.
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