Erinnerungen von Peter Alexander Christerer

Peter Alexander Christerer


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Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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#k06-10a - Scheiden tut weh…mp3

Als Friedrich Schiller im Jahre 1799 sein Gedicht "Das Lied von der Glocke" veröffentlichte, kam auch ein Hochzeitsvers vor:

Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
Wo Starkes sich und Mildes paarten,
Da gibt es einen guten Klang.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.

Friedrich Schiller wusste offensichtlich, worüber er schrieb. Doch im Gegensatz zu damals bedeutet heutzutage eine Ehe nicht mehr unbedingt ewig. Sich scheiden zu lassen ist deutlich einfacher als zur damaligen Zeit. Dennoch ist eine Scheidung eine ziemlich einschneidende Sache und verändert bei vielen Menschen nachhaltig ihre Lebensansicht. Bei meiner ersten Ehe war es jedoch von Anfang an abzusehen, dass es so kommen würde, wie es dann auch kam.

Beide waren wir sehr jung (1978) als wir uns kennenlernten und von extrem gegensätzlicher Natur. Einig waren wir uns dahingehend dass wir in jungen Jahren eine Familie gründen wollten. Angelika war eine eher unscheinbare, zurückhaltende vielleicht sogar schüchterne Frau, die so erzogen worden war, dass "der Mann" das Sagen hatte. Leider und das war wohl das Ausschlaggebende war sie auch sehr antriebslos und Neuerungen gegenüber nicht aufgeschlossen. Die Sicherheit eine Wohnung, genug zu essen für die Kinder und einen Mann zu haben, der zuverlässig Geld nach Hause bringt, genügten ihr völlig. Aktivitäten mussten von mir vorgeschlagen und geplant werden und wurden allzu häufig abgelehnt. All das ist nicht schlecht und sie war ein herzensguter, ehrlicher Mensch. Sehr viele Männer möchten sicher gerne so eine Frau an ihrer Seite.

Doch ich war das vollständige Gegenteil davon. Immer darauf bedacht, dass die Familie finanziell über die Runden kommt, das war in den Anfangsjahren als Alleinverdiener schwierig genug. Aber eben vorsichtig ausdrückt war ich eher "dynamisch". Ständig auf Achse, unzählige Bekannte, viele davon aus der "Halbwelt" und selbst mit einer gewissen Aggressivität behaftet. Das brachte aber der Beruf als Bierfahrer und der Umgang mit Dachauer Rockern mit sich. Jedenfalls passte das nicht so recht in das beschauliche Sicherheitsdenken meiner damaligen Ehefrau. Ice Cube sang in hood mentality einmal: "I'm from the hood, but it's not what I'm". Das könnte schon hinkommen. Zudem bin ich BIS HEUTE sehr dominant und ein Macho. Das wird sich -so hoffe ich- auch nicht mehr ändern.
Der Weggang von Hacker-Pschorr zur Wache vom BND brachte zuerst wenig Änderung, da ich durch den Schichtdienst fast noch mehr Zeit zur Verfügung hatte. Allerdings wurde es mir schon ein bisschen viel, da ich mich neben Beruf und Nebengeschäften um genug Kohle zu haben auch noch um den ganzen "Bürokram" von Tobias kümmerte. Er besuchte einen heilpädagogischen Kindergarten und da gab es eine Menge Schreibkram. Zusätzlich waren die Leute dort sehr aktiv und der Besuch von Elternabenden etc. wurde ausschließlich mir übertragen. Corinna war auch gerade zur Welt gekommen, glücklicherweise war sie sehr pflegleicht und machte mehr Freude als Sorgen. Tobias hingegen war aufgrund seiner Erkrankung sehr zu bedauern und noch heute nehme ich mir meine häufige Ungeduld mit ihm sehr übel. Nebenher hatte ich noch begonnen über ein Fernstudium bei AKAD das Abitur nachzuholen.

Massive Änderungen auch für das Verhältnis zwischen mir und Angelika brachte 1987 der Wechsel von der Wache zu einem Bürojob. So schön es vielleicht auch sein mag, "der Patriach, der Alleinherscher" zu sein, auf Dauer funktioniert das nicht. Wenn Einladungen außer zu Freunden oder der der Familie stets alleine durchgeführt werden müssen, wenn sich das Spektrum der Interessen und Unterhaltungen zum großen Teil an der TV Zeitung orientiert, wird es auf Dauer uninteressant. Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich mich einmal mit meinem Bruder Otto über die Situation unterhielt und dieser treffend sagte: "Eigentlich hältst du dir eine Putzfrau, die kocht und hin und wieder Sex mit dir hat". Stimmt, so kann man es ausdrücken.
Ob der Sex aus Zuneigung oder "weil man das halt in der Ehe macht" stattfand, kann ich nicht sagen. Wer glaubt er kann den Sex einer Frau einschätzen und beurteilen, der sollte sich diese Szene mit Meg Ryan ansehen: Harry & Sally . Ich habe seit jeher die Einstellung, dass "fremd gehen" für mich nicht in Frage kommt, außer die Beziehung ist aus meiner Sicht beendet und war schon sehr überrascht, als mir meine Ehefrau ganz klar erklärte, dass es ihr völlig egal sei, ob ich mit anderen Frauen etwas hätte. Lediglich die gemeinsame Wohnung sei tabu. Ich vermutete ganz stark, dass die Ehe weniger mit "mögen" als mit "Versorgung" zu tun hatte.

Nach dem Tod von Oma 1989 war plötzlich genug Geld in der Kasse. Wir hatten eine wunderschöne fast 100m2 große Wohnung in einem guten Viertel und ich konnte Angelika tatsächlich überzeugen, dass wir EINE Woche Urlaub in Freiburg machen. Der erste seit 1981. Es schien ihr zu gefallen und ich dachte vielleicht gibt es ja doch noch eine Möglichkeit Interessen zu wecken. Leider falsch gedacht. Das auslösende Moment, das endgültige Ende der Ehe zu akzeptieren, kam kurze Zeit später. Schon immer -auch heute noch- ist mein Wunsch einmal New York zu besuchen. Geld war da und ich organisierte heimlich eine 4 oder 5 Tage Reise. Schwiegermutter hatte sich bereit erklärt die Kinder zu versorgen und der Urlaub war genehmigt. Als ich es Angelika mitteilte war ihre Reaktion folgende: "New York? Was soll ich den da? Du weißt doch, dass ich kaum Englisch kann, wie soll ich denn das Fernsehprogramm verstehen?" Ich war fassungslos. Allerdings kam dann der entscheidende Megahammer! Sie führte weiter aus: "Nimm doch deine Kollegin …-eine junge sehr attraktive Frau, mit der ich auch privat viel Kontakt pflegte- mit, der gefällt das bestimmt". Mein Einwand, dass ich ein Doppelzimmer gebucht hatte, war nicht wichtig für sie und sie sagte nur, dass es ja nicht in ihrer Wohnung ist.
Die Reise fand bis heute nicht statt und ich war ab sofort wieder offen für neue Bekanntschaften mit Frauen. Logisch, ein derart gutaussehender, charmanter Mann wie ich hat alle Chancen diesbezüglich. Es dauerte nicht lange und ich lernte eine bezaubernde Frau kennen und die Scheidung nahm ihren Lauf. Leider gelang es mir und meiner zukünftigen 2. Ehefrau nicht, das Sorgerecht für die Kinder zu erhalten. Wir probierten alles, 2 x auch über das Oberlandesgericht. Doch der gegnerische Anwalt war besser und so wage ich zu behaupten, haben ALLE Beteiligten verloren. Ich habe mir bezüglich meiner Ex-Ehefrau nichts vorzuwerfen, doch für die Kinder tut es mir unendlich leid. Für mich selbst kann ich nur sagen, dass die Scheidung ziemliche Narben hinterlassen hat. Wer 15 Jahre mit jemanden gemeinsam ein Leben -im Prinzip ohne Streit- verbringt, hat sehr viel investiert und es gibt -egal wie schmutzig die Scheidung auch war- zumindest bei mir viele schöne Erinnerungen, die ich nicht einfach so wegwerfen möchte.

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