Peter Alexander Christerer Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Es war mir sehr schnell bewusst geworden, dass der Job bei der Wache nicht von Dauer sein würde. Bei allen Vorzügen wie z.B: hohes Gehalt, durch die angenehme Schicht sehr viel Freizeit, auch wenn Sonn- und Feiertage oft nicht der Familie gehörten, klar strukturierte Aufgabenstellung und einiges anderes. Es war in erster Linie die geistige Unterforderung -obwohl ich privat ein Fernstudium bei der Firma AKAD angefangen hatte- welche mit jeder Schicht schlimmer wurde. Da ich im Wachbereich jeden nur erdenklichen Sonderposten annahm der etwas Abwechslung versprach, wurde ich auch als Hausposten im Haus 37 - der Arbeitsplatz des Präsidenten und seines Leitungsstabes- eingesetzt. Zwar wurde man von den anderen Kollegen für die Vergünstigungen (kein Streifegehen, keine Ausweisausgabe etc) beneidet, doch haben wollte den Job kaum jemand. Denn dort war nicht nur ein Kommen und Gehen der hochrangigsten BND Mitarbeiter, sondern häufig auch Präsidenten anderer Geheimdienste und wichtige deutsche Politiker zu Gast. Leider kann ich hierzu keine Details von mir geben, welche Absurditäten dabei manchmal zustande kamen.

Natürlich knüpfte ich meine Beziehungen und eine davon verhalf mir zu einem Bürojob. Als Abteilungsleiter der B6 Ebene und späterer Botschafter in Frankreich, war er vernetzt genug, mir ein paar Türen zu öffnen. Allerdings bekam ich aufgrund meiner aufmüpfigen Art nichts geschenkt, sondern musste mir alles erkämpfen. Als ich dann an einem etwas spezielleren Posten zum Abfragen bestimmter Personen mit Bordmitteln ein Programm entwickelte, welches die Fehlerquote minimierte und die Anzahl der Abfragen ganz erheblich steigerte, wurde die IT-Abteilung auf mich aufmerksam. Mein Glück war, dass gerade der Umstieg von Großrechner auf PC erfolgte.
Während der Dienst 3 Jahre lang Mitarbeiter zu Informatikern ausbilden ließ, war ich bereits Gesellschafter einer Softwarefirma mit genialen Programmierern, die mir auch die schmutzigen Tricks (Viren und Hacking) sowie das Wesentliche der damals gängigen Programmiersprachen Basic, Turbo Pascal und C beibrachten. Das Entscheidende war aber dass ich mir autodidaktisch die Microsoftprodukte verinnerlichte und diese dann mit Bordmittel (zuerst Basic, dann VBA) umbaute, also exakt das was jedes Unternehmen braucht. Es würde jetzt zu weit gehen, aufzuführen welche Erleichterungen ich in Access, Excel und Word programmierte, jedenfalls war ich plötzlich unentbehrlich. Die Vorlage für alle Arten von Schreiben ob extern, intern, eingestuft, mit Bundesadler oder auch nicht, war unverzichtbar.

Genau das nahm ich zum Anlass den Vorgesetzten das Messer auf die Brust zu setzen. Mein Gegenüber im Büro wurde damals nach BAT IVa bezahlt, während ich im mittleren Dienst nach BAT VIb bezahlt wurde, obwohl ich durch die zusätzliche Programmierung mehr leistete als "nur" Anwenderbetreuung und Schulungen durchzuführen. Nachdem die ersten Ansprachen relativ wirkungslos bei den Vorgesetzten (außer bei unserem Gruppenleiter) blieben, nahm ich eine sture Haltung ein und beharrte darauf lediglich Tätigkeiten auszuüben, welche meiner Tätigkeitsdarstellung der Vergütungsgruppe entsprachen. Yooo nach kurzer Zeit wurden intensive, ernst zu nehmende Verhandlungen aufgenommen. Der Hemmschuh war wie so oft die Verwaltung. Im öffentlichen Dienst geht es nach subjektiven und nicht objektiven Kriterien. Das bedeutet, selbst wenn du der beste Autofahrer der Welt bist, auf öffentlichen Straßen in DEU darfst du ohne Führerschein nicht fahren.

Jedenfalls war es ein langer, harter Kampf über mehr als 2 Jahre und ohne die Unterstützung meines Gruppenleiters "Frühstückdirektor" Frank S. hätte ich wohl aufgegeben. Am Ende wurde ein Kompromiss gefunden. Ich wurde zwar in den gehobenen Dienst übernommen, allerdings "nur" nach BAT IVb bezahlt und sollte zwei Prüfungen speziell für den IT-Bereich ablegen. Wie so oft sind provisorische Lösungen die Besten und halten am Längsten. Kurze Zeit nachdem ich übernommen wurde, wechselte die Referatsleitung und danach auch noch die Sachgebietsleitung. Der neue Referatsleiter war in fachlicher Hinsicht ein Fan von mir und blockierte jedes Ansinnen der Verwaltung, mich für eine Prüfung mehrere Monate aus dem Verkehr zu ziehen.
In menschlicher Hinsicht war er eher nicht ein Fan von mir, da hatte ich wohl zuviel Ähnlichkeit mit ihm selbst. Beide mit einer gehörigen Portion Zynismus und Cholerik ausgestattet, häuften sich die Beschwerden aus dem Kollegenkreis über mich. Es war aber auch dämlich gewesen, mir -dem absoluten NO Teamplayer, frisch gebackene Informatiker für 3 Monate zu einem Praktikum zu schicken. So kam es auch, dass eine Kollegin während einer Abteilungsveranstaltung vor den big Bossen sagte: "Ich hatte das Pech 3 Monate neben dem menschlich größten Arschloch der Firma zu sitzen. Ich hatte aber auch das Glück in diesen 3 Monaten mehr zu lernen als in den 3 Jahren Studium zuvor. Deshalb sind die Tage an denen ich weinend das Zimmer verließ vergessen und ich möchte mich herzlich dafür bedanken." Das hat meinem "Refl" Dr. K. gefallen und ich durfte ihn häufiger zu externen Konferenzen und Veranstaltungen mit Managern wie dem Direktor von Microsoft Europe oder einem Vorstand von Intel begleiten. Spätestens da wurde dem kleinen Metzgerburschen klar, wie verarscht der Konsument in Wirklichkeit wird.

Es gäbe noch irrsinnig viel während der Zeit bei der Technik zu schreiben, doch so richtig spannend wurde es später für mich beim BND. Davon werde ich später schreiben, allerdings nicht im Klartext, denn vieles davon ist auch heute noch nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Jetzt muss ich noch einen nicht geplanten Sonderbeitrag zu meiner ersten Scheidung schreiben, denn eigentlich wollte ich diesen gleich hiermit verwursteln, aber das passt nicht so richtig.

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Scheiden tut weh...