Peter Alexander Christerer Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Manchmal gibt es komplexe Situationen im Leben, in denen ich mich hoffnungslos überfordert fühle. Meistens trage ich das oder die Probleme mit mir rum und fechte den Kampf in meinem Inneren aus. Wenn ich dann eine Lösung gefunden habe, versuche ich diese konsequent umzusetzen. Meistens allerdings wenig sensibel und mit maximalem Druck auch gegen mich selbst. Das ist oft nicht sehr schön, kann zu Zerwürfnissen führen und schmerzt mich meist selbst außerordentlich, doch wie es ist, so ist es eben "There's no time to explain, yes that's the way it is....".
Ende der 1980er, Anfang der 1990er war ich in so einer Ausnahmesituation. Selbst mit meinem Leben, speziell was mein Familienleben anbelangte, vollkommen unzufrieden, trat in meinem näheren persönlichen Umfeld ein Suchtproblem auf. Da ich diese Person schon lange kannte, sie mir nahesteht und ich sie sehr schätze, wollte ich unbedingt helfen. Damals gerade 30 Jahre alt und mit eher rauem Gemüt ausgestattet, dachte ich das funktioniert nach dem Motto "Hör endlich auf mit dem Scheiß,…". Heute 30 Jahre später weiß ich, bei jeder Sucht ob Übergewicht, Alkohol, Rauchen, Rauschgift, Medikamente etc. bedingt es schon deutlich mehr als ein paar blöde Sprüche.

Wer mir den Tipp gab oder wie ich auf die Organisation "Blaues Kreuz" kam, weiß ich nicht mehr, doch es war das Optimale was geschehen konnte. Es war für mich unerheblich wer (evan. Kirche? Diakonie?) dahinter steckt und welche professionellen Therapien angeboten wurden. Entscheidend war, dass es in München mehrere Selbsthilfegruppen in verschiedenen Stadtteilen gab, deren Leitung jeweils von einem Suchtkrankenhelfer durchgeführt wurde. Dazu trafen sich 1x in der Woche die Hilfesuchenden in einem meist von der Kirche zur Verfügung gestellten Raum und es wurden ca. 1,5 Stunden Probleme angesprochen und diskutiert. Horst, der Leiter "meiner" Gruppe war im Hauptberuf Ingenieur bei Siemens, dementsprechend waren keine superschlauen Psychologensprüche zu erwarten. Seine Aufgabe war auch moderieren und nicht therapieren.
Überragend für mich waren jedoch die Tatsachen, dass a) keine bestimmte Sucht oder Problematik (auch wenn der größte Anteil Alkoholkranke betraf) vorhanden sein musste und b) dass nicht nur Erkrankte sondern auch Familienangehörige, enge Freunde oder sonst wie Betroffene an den Sitzungen teilnehmen durften. Ich habe dabei sehr viel über die "Co-Abhängigen" gelernt.

Jedenfalls habe ich seither nie wieder Menschen getroffen, die so offen, direkt und ehrlich über ihre Probleme und Situation sprachen. Es war so hilfreich für mich, obwohl der Mensch, der für mich wichtig war, längst die Gruppe verlassen hatte und seither diesbezüglich kein Problem mehr hat, dass ich noch mehrere Jahre dabeiblieb. Viele Gesichter der "Stammgruppe" sind mir noch erinnerlich, ganz besonders eine Christine und ein Franz. Leider hat es Franz nicht geschafft und die Entscheidung getroffen, vorzeitig den Gang ins Nirvana anzutreten. Auch Ludwig -ein Manager von BMW- werde ich nicht vergessen. Vor Arroganz triefend kam er -aufgrund richterlicher Anordnung- in die Gruppe und wurde ein wertvolles Mitglied. Und das obwohl seine Auflage längst erfüllt war.
Nach 4 Jahren wurde mir sogar angeboten eine Ausbildung zum Suchtkrankenhelfer zu machen und Gruppenleiter zu werden. Das wollte ich aus verschiedensten Gründen nicht. Zusätzlich habe ich es strikt abgelehnt -als nicht Alkoholabhängiger- freiwillig vollständig auf Alkohol zu verzichten.
Eines kann ich jedoch ganz sicher sagen: Jeder der in eine solche Ausnahmesituation gerät wie oben beschrieben, sollte darüber nachdenken ob er nicht Hilfe in Anspruch nimmt. Ob bei einem "Hauptberufler" oder in einer Selbsthilfegruppe ist egal. Es kostet nichts und kann dich unterstützen. Für mich waren die Leute in "meiner" Gruppe vom Blauen Kreuz auch eine große Hilfe und Unterstützung was meine nächste Geschichte "In der Hölle sollst du schmoren, Herr Chirurg!" anbelangt.

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In der Hölle sollst du schmoren, Herr Chirurg!