Peter Alexander Christerer - Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Wann genau es geschah, dass ich mir einen der neuen supermodernen Blechtrottel -auch PC genannt- anschaffte, das weiß ich nicht mehr. Animiert durch einen Freund -Reiner R.- der sich etwa 1984 einen Brotkasten (Commodore C64) anschaffte, kaufte ich mir auch so ein Teil und etwas paar später fing ein anderer Spezi -Gerhard G.- doch tatsächlich mit einem PC an. Er war auch der erste, der in meinem Bekanntenkreis einen PC mit einer Festplatte von sage und schreibe ZWANZIG MEGABYTE hatte. Zu einem irren Preis. Mein Bruder Otto besaß einen Commodore Amiga.

Es ist schwer sich vor zu stellen wie in dieser Zeit gearbeitet wurde. Mit Tapelaufwerken am C64, 5 ¼ Floppys und später ein Riesenfortschritt mit 3,5 Zoll Speichermedien am PC. Seitenweises Abtippen von Quellcode aus Computerzeitschriften war normal und später mit Akustikkoppler und ätzend langsamen Modems ins "Internet". Dieses kann man im Vergleich zu heute nicht mehr beschreiben.

Von Beginn an faszinierte mich am PC die Programmierung und so lernte ich, mehr schlecht als recht, autodidaktisch Basic, Turbo Pascal und dann auch noch C++. Dass es mir später den Übertritt in den gehobenen Dienst ermöglichen sollte, wusste ich da noch nicht. Natürlich waren die Blechtrottel auch in der Firma ein riesiges Thema und dabei kam ich über einen Arbeitskollegen mit einer kleinen, aber feinen Computerfirma in Berührung. Die "Garnet Weiss Systemtechnik" bestand aus Eddi Weiss als Geschäftsführer und ein paar Informatiker/Programmierern. Soweit ich mich erinnere wurde dort auch Zubehör verkauft und kleinere Reparaturen vorgenommen.

Zuerst nur als Kunde, war ich immer häufiger dort, besonders als die Firma vom Osten Münchens in die Blumenau umzog. Schnell stellte ich fest, dass Eddi ein genialer Verkäufer war, aber von Programmierung nur "Zeitschriften" Wissen hatte. Ich selbst hatte mich bereits auf die Firma Mircosoft spezialisiert und hatte schon detaillierte Kenntnisse in den belächelten (völlig zu Unrecht, denn damit konnte man wirklich Geld verdienen) Programmiersprachen Wordbasic und auch "Excelbasic" als Vorgänger des heutigen Standards in den Office Produkten: Visual Basic for Applications (VBA). Es ergab sich, dass ein größerer Versicherungskonzern in München dringend ein Produkt suchte, welches verschiedene Finanzierungsszenarien abdeckte. Der Vorgaben waren: Excel konform, ansprechende Eingabemaske (Zur Erinnerung MS-DOS hatte keine grafische Benutzeroberfläche) und simpel von jedem Mitarbeiter zu bedienen. Das war der Moment als Eddi mich ansprach ob ich das konnte, denn Schnittstellen und Rootkids und ähnlichen Shit, den gab es genauso wenig wie "Anwendungsprogrammierer". Gemeint waren Leute, die die Anwendung (hier Excel) beherrschten, diese aber mit Bordmitteln zusätzlich programmieren konnten.

Das Angebot den Auftrag als freiberuflicher Programmierer zu übernehmen lehnte ich ab und bot stattdessen eine Beteiligung als 50%iger Gesellschafter an der Firma an. Eddi war begeistert, denn die Vorfinanzierung von damals exorbitant teuren Informatikern war horrend. So kaufte ich mich für einen hohen 5-stelligen Betrag ein und war fortan Gesellschafter. Mein Job war, die teils freiberuflichen, teils fest Angestellten PC-Freaks (den Begriff Nerd gab es noch nicht) zu beaufsichtigen und ggf. einzuschreiten, während sich Eddi um Aufträge kümmern sollte.
Es war eine spannende Zeit. Hochmodern führte ich damals flexible Arbeitszeiten -ich war ja selbst hauptberuflich tätig und erst ab 17h vor Ort- ein und gab nur feste Abgabezeiten vor. Funktionierte gut und ich profitierte eine Menge, denn es waren wirklich Nerds, besonders im Bereich Netzwerk. Das Entscheidende für die Jungs war, dass sie bei uns kostenlos die Telefonleitungen belegen konnten und das war teuer damals. Aber es war schon prickelnd wenn man sieht wie es möglich ist, in das Netzwerk einer Firma mit mehr als 10.000 Mitarbeitern einzudringen.

Und dann kam der der dicke Knüller. Eddi hatte den Wahnsinns Auftrag an Land gezogen. Wir sollten für eine Firma, die LOEWE (damals eine Elektronik Firma u.a. mit exzellenten Fernsehern) Programme zur Steuerung von Leiterplatinen erstellen. Die bisherigen Partner in Südost Asien erwiesen sich als nicht mehr zuverlässig. Wir hatten einen Vorlauf von ca. 14 Monaten und wussten, das bindet die Kapazität von mindestens einem Programmierer. Und wir legten massiv los, was aber kaum mehr Platz für andere, neue Aufträge lies.

Das Ende ist schnell erzählt: Nach etwa einem Jahr kurz vor Vollendung der ersten Betaversion, bekamen wir Besuch von 3 Managern der Auftragsfirma. Sie erklärten uns, dass sie nach Grenzöffnung Richtung Osten eine ganz erheblich kostengünstigere Softwarefirma im nahen Tschechien gefunden hatten und den Auftrag dieser Firma erteilen werden. Leider war Eddi zwar ein genialer Verkäufer aber eben kein Jurist. Er hat schlicht und ergreifend keine Ausstiegsklausel oder Abstandszahlung etc. vereinbart. Die Beerdigung der Firma Garnet Weiss Systemtechnik erfolgte schnell und geräuschlos und war eine unangenehme Erfahrung. Ich hätte durchaus bessere Ideen gehabt, wie man Omas Erbe unter die Leute bringen kann. Zwar war es nur ein verschmerzbarer Teil davon, doch es tat schon weh.

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