Peter Alexander Christerer - Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Ein trauriger Geburtstag mp3 hören?

Nach dem Tod von Oma war der Erbengemeinschaft, die aus 6 Teilen mit 4 Teilnehmer bestand -wobei Tante Hilde, die Tochter von Oma, 3 Teile erhielt- klar, dass der Verkauf aller Grundstücke das Beste war. Ob es für Liane, die als Mutter zur Bevollmächtigten meiner minderjährigen Schwester Kathrin ernannt wurde, das Beste war, da bin ich mir nicht so sicher. Sie bewohnte ja in einem der Anwesen eine Wohnung und somit stand dann ein Umzug bevor.
Es mag pietätslos erscheinen, aber es war nun einmal eine Tatsache. So traurig mich der Tod von Oma auch stimmte, er brachte zumindest für meinen Bruder Otto und mich eine erhebliche finanzielle Entlastung. Neben den noch zu veräußernden Grundstücken gab es auch eine Stange Bargeld und natürlich wurde dieses auch sofort eingesetzt. Jeder besorgte sich notwendige Dinge und Otto kaufte sich u.a. einen nagelneuen VW Golf. Das war auch notwendig, denn nach meiner Erinnerung wohnte er damals schon am Stadtrand von München in Puchheim. Trotz S-Bahn war für Besprechungen und eben Feierlichkeiten ein Auto schon zweckmäßig.

Am 02.09.1989 gab es einen Anlass für so eine Party. Unsere Schwester Kathrin hatte ihren 12. Geburtstag und Kaffee und Kuchen wurde aufgetischt. Von jetzt an sind mir leider viele Details nicht mehr erinnerlich, obwohl der Tag durchaus auf der Top 10 Liste der dramatischten Ereignisse in meinem bisherigen Leben dabei ist. Zu beachten ist, dass es tatsächlich die Zeit VOR Handys, Internet oder ähnlichem Schnickschnack war.

Ich weiß zum Beispiel nicht mehr, wer alles zur Party eingeladen war. Gehe aber davon aus, dass ein paar Leute anwesend waren. Nur einer kam nicht. Otto! Es war eigentlich nicht seine Angewohnheit unpünktlich zu sein und nach einer Weile machten wir uns schon Gedanken. Denn wenn er verhindert gewesen wäre oder mit meinem Neffen Bernhard irgendetwas im Argen geschehen wäre, hätte er sich auch ohne Handy sicher gemeldet.

Nun nachdem wir ihn auch per Festnetz nicht erreichen konnten fing ich an, die auf dem Weg von Puchheim nach Solln befindlichen Polizeidienststellen anzurufen. Doch dort war auch nichts bekannt. Glücklicherweise gab es auch damals schon eine Rettungsleitstelle, welche die Kranken- und Notarzteinsätze koordinierte. Dort erfuhr ich, dass aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls in der Tischler Straße ein gewisser Bernhard Christerer in das Haunersche Kinderkrankenhaus am Goetheplatz eingeliefert worden ist.
Glücklicherweise hat das Gehirn (zumindest meines) eine "Schockfunktion" welche mich meist kühl und pragmatisch in solchen Situationen reagieren lässt. Unverzüglich begab ich mich auf den Weg in diese Klinik und war doch etwas "erleichtert" als ich erfuhr, dass Bernhard "nur" einen Schlüsselbeinbruch und ein paar Schrammen abbekommen hat. Das Problem war Otto. Was ich bis heute absolut nicht kapiere ist, wie viele Mediziner (ob er sich weigert oder nicht) offensichtlich nicht erkannten, in welchem Zustand er sich befand. Dass er seinen Sohn nicht allein ließ bis alles geklärt war ist logisch, doch danach hätte das Klinikpersonal etwas unternehmen müssen.

Wie es sich ergab, dass wir die Kinderklinik verließen und Otto in meinem Auto saß, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls gab ich -großer Bruder oder nicht- nicht nach und fuhr mit ihm zum Krankenhaus am Rotkreuzplatz. Man glaubt es nicht, aber dort wurde ich abgewiesen, obwohl ich eindringlich auf die Brisanz (Otto war im Auto, die Treppen hätte er nicht mehr steigen können) hinwies. Zum Diskutieren war keine Zeit also fuhr ich weiter in die Romanstraße in das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und dieses Mal gleich in die Notaufnahme wo auch der Notarzt hält.
Dort wurde zuerst etwas routinemäßig vorgegangen, doch plötzlich ging es schnell. Irgendwie muss mich mein Bruder auch noch bevollmächtigt haben, denn der Arzt teilte mir eine nicht fröhlich stimmende Diagnose mit. Gleichzeitig erklärte ich dem Arzt, dass er nicht befugt ist irgendwelche Auskünfte gegenüber der Polizei zu machen und ich einer Befragung meines Bruders zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zustimmen werde. Denn zwischenzeitlich war mir bekannt, dass bei dem Unfall mindestens eine weitere Person schwer verletzt worden war und wer weiß was Otto in seinem Schockzustand erzählt hätte.

Dankenswerterweise war der Arzt ohne großes Palaver einverstanden und schockte mich umso mehr, als er mir erklärte, dass der Zustand von Otto lebensbedrohlich ist. Der Gurt hatte ganze Arbeit geleistet und im Brust- aber besonders im Beckenraum für ganz erhebliche Verletzungen und massiven inneren Blutungen gesorgt. Diese müssen zum Stillstand gebracht werden und dann solle ich beten, dass er diese Nacht überlebt.
Nun Gott bzw. den Ärzten sei Dank er hat es überlebt und durfte einige Zeit in dem Krankenhaus verbringen. Ich glaube einen weiteren Todesfall nach 1970, 72, 74, 81, 89 hätte ich auch nicht mehr auf die Reihe bekommen. Sowohl Bernhard als auch Otto kamen wieder gesund nach Hause. Wie lange es dauerte, was die Unfallursache war und auch wie die Verhandlung (es gab doch sicher eine) wegen dem Unfall ausging, weiß ich nicht mehr. Das ist auch unerheblich, denn mir zeigte es ein weiteres Mal wie schnell ein schöner Tag, das gesamte Leben in Sekunden auf den Kopf stellen und sich ins Gegenteil wandeln konnte.

Jedenfalls stärkte mich der gesamte Vorfall mein Leben weiter in einer hedonistischen Art zu führen. Es kann ganz schnell vorbei sein und selbst wenn nicht, wer garantiert mir, dass ich das Leben im Alter noch genießen kann? Mag sein, dass ich egoistisch und dekadent bin, aber ich stehe dazu: Spaß, Lust, Freude und Genuss! Wem es nicht passt sagte ich auch damals schon: I don't care, I don't give a fuck.