Peter Alexander Christerer - Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Maria Schrott mp3 hören?

Meine Großmutter Maria Schrott, geb. Christerer wurde am 17.07.1901 in Inham (Weiler) im schönen Rottal geboren. Später (1952) wurde Inham in Griesbach (Stadt ab1953, Bad Griesbach ab 2000) eingemeindet. Leider habe ich mich mit Oma nie intensiv über ihre Kindheit oder auch ihr Leben unterhalten. Es wäre bestimmt spannend gewesen, etwas über ihre Herkunft und ihre Geschwister (mir sind nur Martin und Käthi bekannt) zu erfahren.

So bleibt mir nur das Wenige und heute merke ich, dass da eine Lücke ist, die ich nicht mehr füllen kann. Ich hörte von unterschiedlichen Menschen deren Einschätzung, was Oma und im Besonderen ihren Charakter betraf. Aber es ist immer leicht den Stab über jemanden zu brechen, ohne die Historie dieser Person nachzuvollziehen. 1901 war Bayern noch eine Monarchie geführt vom Prinzregent Luitpold.

Sie erlebte als junges Mädchen (13-17Jahre) den ERSTEN Weltkrieg mit und verlor in diesem ihren Bruder (meinen Großonkel) Martin. Mit 21 Jahren bekam sie 1922 eine uneheliche Tochter, meine Tante Hilde. Von 1918 - 1933 kam sie während der Weimarer Republik in den zweifelhaften Genuss, die Hyperinflation mitzumachen. Dabei verloren nahezu alle "normalen" Menschen ihr gesamtes Hab und Gut. Natürlich gab es wie immer einige Profiteure wie Großindustrielle und ganz zu vorderst den Staat, der seine Kriegsschulden auf einen Schlag los war.
Im August 1931 gebar sie ihr zweites uneheliches Kind, meinen Vater Otto. Von 1933-1945 hatte sie dann mit der Nazizeit und dem ZWEITEN Weltkrieg zu kämpfen. Wann sie ihren späteren Ehemann, meinen Stiefopa Rudolf Schrott kennenlernte, weiß ich nicht mehr im Detail. Nur dass er wohl so etwas wie ein Vorarbeiter in einer großen Metzgerei mit mehr als 40 angestellten Metzgern war. Mit ihm zog sie dann später in die Parkstadt Solln, wo sie ihr restliches Leben verbrachte.

Ich lernte sie eigentlich erst ab 1976 so richtig kennen, als wir von Fürstenried nach dem Tod von Opa nach Solln umzogen. Dort führten wir häufig im Gartenhaus Gespräche, mal witzig, mal weniger witzig und öfters bekam ich eine Strafpredigt zu hören um dann 2 Stunden später ein Stück selbstgebackenen Kuchen von ihr zu bekommen.
Sie versuchte mir "anständiges Leben" beizubringen, hörte aber dann doch gerne die Geschichterln der Jugend. Auf meine Fragen wie man solch schwere Zeiten übersteht und sich trotzdem die Lebenslust erhält, antwortete sie meistens, dass sie einfach andere Werte und Vorstellungen vom Leben hatten. Sie freute sich, wenn sie nach einem harten 16-stündigen Arbeitstag, inklusive auf den Knien Boden schrubbern, am Sonntag ein paar Stunden von den "Herrschaften" frei bekam und 1 oder 2x im Jahr tanzen gehen konnte. Wenn ich es mir überlege, hatte sie eigentlich ihr ganzes Leben lang gearbeitet. Sicher hätte man das anders organisieren können, aber es war halt nunmal das Wesen von Oma und Opa.

Legendär waren meine Diskussionen mit ihr, wenn es darum ging, dass sie mit über 80 Jahren nicht vollgepackt wie ein Maulesel mit Bus und Tram fahren und dann durch den halben Friedhof rennen soll. Als ich nur die Wörter Taxi und Gärtner in den Mund nahm, ging der Punk ab. Und das obwohl sie soviel Finanzmittel hatte, dass sie es niemals hätte ausgeben können.
Wenn ich sagte, dass nach ihrem Tod alles verkauft werden würde und ich die gesamte Erbschaft aber so was von raushauen würde, wurde sie wütend und schimpfte mich aus. Meistens endete die Diskussion mit: "Da bist du noch zu jung, das verstehst du jetzt noch nicht!" Nun Oma, ich habe die Erbschaft rausgehauen und schön wars, dank dir!

Im Frühjahr 1989 erlitt Oma einen Schlaganfall. Ich werde nie vergessen, als sie bei meinem ersten Besuch im Krankenhaus sagte: "Ach der Peter. Gott sei Dank bist du da, denn du reißt mir jetzt das Herz raus, damit ich sterben kann." Glücklicherweise konnte sie in meinem Beisein den Oberarzt der Klinik mitteilen, dass sie, sollte noch etwas geschehen, keinerlei lebensverlängernde Maßnahmen wünscht. Einige Tage später erlitt sie einen weiteren Schlaganfall und fiel ins Koma. Wir hielten abwechselnd Nachtwache, damit sie nicht alleine ins Nirwana gehen muss und auch diese Erfahrung möchte ich nicht missen. Sicher war es gruselig die Nacht in einem abgedunkelten Zimmer mit einem sterbenden, manchmal leisen röchelnden und stöhnenden Menschen zu verbringen. Doch ich hatte Zeit mich von ihr zu verabschieden und das ist mir viel Wert.
Am 18.06.1989 verstarb meine Oma im 88. Lebensjahr

R.I.P. Oma du warst mein Vorbild zu kämpfen, wenn das Leben wieder einmal keine Praline für dich parat hält.

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