Peter Alexander Christerer - Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Ein bedeutender westlicher Nachrichtendienst mp3 hören?

Irgendwann nach mehreren Monaten bangen Wartens, -denn schließlich hatte ich bei Hacker-Pschorr schon gekündigt- wurde ich zu einem Gespräch in einem Gebäude nahe dem Münchner Hauptbahnhof eingeladen. Alles hoch konspirativ und geheimnisvoll. Mir gegenüber saßen 3 Männer, wovon allerdings nur einer sprach. Nach einem kurzen Geplänkel sollte ich noch einmal darlegen, warum meine 3 angegebenen Referenzpersonen "Klarkenntnis" von der Behörde hatten. Nun eine davon war mein Onkel, der zu diesem Zeitpunkt als Landtagsabgeordneter auch damit befasst war. Die beiden anderen Polizeibeamte, die sich kringelig lachten, als ich mit der Legende und Standort Pullach ankam. Einer der beiden war sogar in einem der Nachbar-Polizeireviere beschäftigt.

Der zweite Knackpunkt war deutlich heftiger! Urplötzlich eröffnete mir der "zweite" Mann, dass ich vorrübergehend an seiner Dienststelle eingesetzt werden sollte, denn unvorhersehbare Ereignisse hätten dies notwendig gemacht. Nun ich hatte mich als Wachmann für die Zentrale im 24:48 (1 (24Stunden) Tag Arbeit, 2 Tage frei) Schichtdienst beworben und sollte jetzt in einer 12 stündigen Wechselschicht eingesetzt werden. Das wäre jetzt nicht soooo dramatisch gewesen, doch das Gehalt wäre nochmals spürbar reduziert worden und ich hatte ohnehin schon mit Einbußen zu rechnen.
Dies zog mir doch ziemlich den Boden unter den Füßen weg, denn den Äußerungen "es dauert nicht lange", die nächste Neueinstellung löst sie ab" etc. wollte ich nicht so recht Glauben schenken. Also begann ich zu pokern und sagte, dass ich unter diesen Umständen eher nicht an einen Wechsel denke und eventuell die Kündigung bei Hacker rückgängig machen werde. Beim Verlassen flüsterte mir der "Personaler" (die anderen waren 1x Personalrat und 1x eben der Dienststellenleiter) noch schnell zu, dass ich auf meiner Position bestehen soll, der "Dienst" braucht genauso dringend Leute in der Zentrale.

Yooohh kurze Zeit später hatte ich einen Arbeitsvertrag - beginnend am 16. Mai 1984- mit dem Bundesnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland. Allerdings durfte ich damals nicht im "Klartext" über meinen Arbeitgeber sprechen und selbst den Ort meiner Arbeitsstätte sollte ich verheimlichen. Erst Jahrzehnte später wurde diese paranoide, neurotische Haltung aufgegeben und unter Präsident Geiger begann sich der BND etwas mehr in der Öffentlichkeit zu präsentieren und bekam sogar ein vernünftiges "Schild" an der zentralen Einfahrt. Nun durchaus sinnvoll, nachdem ein sehr großer Teil der Legenden -selbst die relativ unbekannten- bereits auf Wikipedia nachzulesen waren.

Über den Sinn und Unsinn dieser Geheimnistuerei möchte ich mich nicht weiter auslassen. Nur so viel nachdem ich in den Jahrzehnten meiner Tätigkeit fast in allen Bereichen tätig war: Es ergibt meines Erachtens durchaus Sinn, dass nur ganz wenige Leute wirklich "verdeckt" mit allem drum und dran eingesetzt werden, aber das muss dann wirklich geheim sein! Warum?
Weil ich viele Jahre später (ohne der Chronologie vorgreifen zu wollen) miterleben durfte, wie in einem "Krisenland" mit Bürgerkrieg ähnlichen Zuständen ein Kommandeur der "Freiheitskämpfer" (so war tatsächlich die politische Sprachregelung für Terroristen) zu einem sehr feinen Menschen, einem hochrangigen Offizier der Bundeswehr sagte: "Keine Sorge, ich finde sie auch in Berlin", nachdem dieser ihn mehrfach in die Enge getrieben hatte. Das war kein Spaß und ist sehr ernst zu nehmen. Von da an wollte ich Klaus H. (dieser ist übrigens für den Titel der Geschichte verantwortlich, er verwandte den Begriff allerdings eher spöttisch) nicht mehr zu solchen Gesprächen einladen, denn das ist kein Arbeitgeber dieser Welt wert.
Zurück zu den Anfängen beim BND. In den drei Jahren, die ich bei der Wache verbrachte, ereignete sich schon ganz schön viel. Unangenehmes genauso wie lustiges oder skurriles. Von den vielen Episoden stelle ich nur drei -über die ich heute oft noch schmunzelnd den Kopf schüttle- kurz vor.

Wir hatten einen Bereichsschutzleiter mit dem Spitznamen "Don Krawallo". Wie der Name vermuten lässt, war das ein "herzensguter" Choleriker und zudem mit einer ganz großen Vorliebe für Training an der Schusswaffe ausgestattet. Irgendwann hatte er durchgesetzt, dass wir ein modernes Schießkino wie beim FBI erhielten und wir sollten nun lernen, wie man in unterschiedlichen Situationen reagiert. Außerdem wurden wir mit dem Umgang verschiedener Waffen geschult. Eines Tages (kurz nach Installation des Schießkinos) war MP Schießen angesagt und das machte ziemlich Spaß, denn die Dinger legten ganz schön los.
So kam es, dass Kollege Andi B den Schussraum betrat, dort befand sich nur noch Don Krawallo, während der Rest der Truppe das Ganze durch eine gepanzerte Scheibe aus dem Nebenraum beobachtete. Andi nimmt die die MP auf und was dann geschah konnte nie rekonstruiert werden. Er steckte ein vollgeladenes Magazin in den Schacht, dreht sich ganz lässig Richtung Zielscheiben und das Inferno brach los. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen war auf Feuerstoß und nicht auf Einzelfeuer gestellt, die MP entsichert und Andi hatte einen nervösen Zeigefinger. Bevor er in seinem Schock den Finger vom Abzug nehmen konnte, ballerte er drauflos, dass es eine wahre Pracht war! Jedenfalls schoss er von der Deckenhalterung bis zum Schießkino alles kurz und klein, während sich Don Krawallo geistesgegenwärtig auf den Boden geworfen hatte. Glück war, dass Andi damals wie heute eher ein Schwergewicht vom Körperbau ist und ihn deshalb der überraschende Rückstoß nicht umgeworfen hat. Jedenfalls war das das Ende des Schießkinos.

Ein anderer, ganz spezieller Kandidat war der "Flori". Dieser hatte wohl finanzielle Schwierigkeiten und musste demnach auch nach den Schichten noch anderswo arbeiten. Eigentlich war Flori immer müde und sehr froh, wenn wir zusammen auf Außenfahrt waren. Denn der Deal war, dass ich die vollen 3 Stunden fuhr und er mich in die Geheimnisse des Kuchenbackens einweiht. Schließlich war er gelernter Bäckergeselle und Konditormeister. Leider ist das alles aus meinem Oberstübchen verschwunden, denn es heißt wieder "Metzger bleib bei deinem Fleisch". Doch zu zweit fuhren wir in der Regel außerhalb der Liegenschaft erst ab 21:00h und so kam es dass Flori an einem schönen Sommertag alleine ums Gelände fuhr. Plötzlich taucht eine Person an der Wachkanzel auf und möchte den Wachgruppenleiter sprechen. Diesem eröffnete der Besucher, dass er es unerhört findet, dass ein Wachmann des BND mit dem Auto auf dem Parkplatz des Trimm dich Pfades steht und bei unverschlossenen Türen und Fenstern schläft und zudem seine Maschinenpistole ungesichert auf dem Beifahrersitz liegen lässt. Als Beweis hatte er das Munitionsmagazin gleich mitgebracht. Yep da kam keine Freude, dafür Bewegung beim Wachgruppenführer auf.
Die nächste Sache von Flori führte dann zu seiner Versetzung in den Bürodienst. Es gab verschiedene Bereiche im Gelände, die zu bestreifen waren. Manche mochte man, manche nicht. Seltsam war, dass sich Flori häufig freiwillig für den langweiligsten aller Bereiche meldete. Doch das hatte seinen Grund. In diesem Bereich waren die allermeisten Dienst-KfZ abgestellt. Wenn Flori dann zwischen 03:00h-05:30h den Bereich abging, war er zusätzlich mit mehreren Benzinkanistern und einem Plastikschlauch bewaffnet. Mit diesem saugte er aus den Dienst-KfZ Benzin ab und füllte damit seine Kanister. Nur einmal beachtete er das 11. Gebot "Du sollst dich nicht erwischen lassen" nicht und fortan war er im Büro tätig.
Das waren noch Zeiten. Heutzutage werden Menschen aus völlig nichtigen Gründen fristlos entlassen.

Dass es im BND nicht zünftig zugegangen ist, das kann man nicht behaupten. Jährlich findet für die ganze Belegschaft ein Sommerfest statt. DAMALS riiiiichtig gut. Mit Bierzelt, Musik, usw., usf. An diesem Tag mussten auch die Hunde im Zwinger bleiben. Doch am nächsten Tag gab es bei der dann tätigen Schicht einen Wettstreit. In dem sehr weitläufigen Gelände gab es viele Nischen und Wege, sogar ein Schwimmbad, einen Park und einen Tennisplatz.
Der Wettstreit ging dahin, dass der Wachmann prämiert wurde, der die größte Anzahl von Utensilien wie Slips, BHs etc. zurückbrachte, die zweifelsohne auf eine etwas ausschweifende Art des Sommerfestes hindeuteten. Nicht übermittelt ist, wieviele Babys 9 Monate später das Licht der Welt erblickten und für wie viele Trennungen/Scheidungen das Sommerfest Anlaß gegeben hat.

So das war der erste Teil zum BND, weitere werden noch folgen. Die nächste Geschichte handelt von einem Ausflug von mir und den Kindern mit einem ziemlich überraschenden Ende.

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