Peter Alexander Christerer Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Rudi - Retter in Not mp3 hören?

Wie schon erwähnt entwickelte sich zwischen Rudi und mir so etwas wie eine Freundschaft, insbesondere nachdem er "mein" Abrechnungssystem verstanden und akzeptiert hatte. Hacker-Pschorr hatte für Tourenfahrer ein sehr komplexes System mit Akkord, Kundenanzahl, Voll- und Leergut u.a.m. entwickelt. Es lief darauf hinaus, dass du ziemlich malochen musstest um an Kohle zu gelangen. Dann machte ich mir die Mühe das System näher zu betrachten.
Am Ende kam raus, dass wir kaum Überstunden, tagsüber Zeit für "Privatangelegenheiten" und maximal 200 DM weniger auf dem Gehaltszettel hatten, aber nicht mehr von 0530h-2100h rackerten. Zwar sorgte das in der Firma für schlechte Stimmung und es war anfangs ziemliche Disziplin von Nöten es durch zu ziehen. Aber dann flunzte es und Rudi war restlos überzeugt. Zu dem System gehörte natürlich auch, dass der Freitag zwar aus vollem Wagen (Zugmaschine und Hänger) also rund 900 Träger Bier und einigen Fässer bestand, aber dafür eigentlich nur die Belieferung der Trabrennbahn Daglfing anstand. Somit hatten wir einen relaxten Tag und waren spätesten 1400h fertig.

Dann geschah es! Donnerstag Nachmittag, ich gehe ins Büro um die Beladung des LKW vorzubereiten und finde einen NEUEN Lieferschein vor. Für FREITAG! Saunaclub Hawaii Schatzbogen, also ein weiteres Bordell, die sprießten dort draußen wie Pilze aus dem Boden. Lieferung zwischen 1000h - und 1100h. Hahaha von was träumte der denn? Kurz mit Rudi abgesprochen und es war klar, dass die Lieferung gegen 0800h erfolgt.

Yoooo, die Lieferung war überschaubar, ich fuhr mit meiner Sackkarre und 8 Träger Getränke nach oben und hatte noch Rudi im Ohr: "Dass du mir fei ned mit am Mädl was anfängst, mia ham Arbeit!". Oben alles easy und schon damals (1982) alles mit Kameras überwacht. Ich klingle ganz normal. Keine Regung! Ich klingle stürmischer. Keine Regung! Ich klopfe etwas lauter an die Tür. Keine Regung. Ich klopfe ziemlich massiv an Tür. Und tatsächlich, sie öffnet sich und vor mir baut sich ein ca 195 cm großer, dem Gesicht nach braun gebrannter, muskulöser mit schulterlangem, welligem Haar Mann und dicker Goldkette um den Hals, im bodenlangen, schneeweißen Morgenmantel auf und sagt: "Was möchtest denn du da?"Es entwickelte sich in etwa folgender Dialog:
Ich: Nach was sieht es denn aus, Irgendeiner wird des Zeugs schon bestellt haben.
Er: So ganz helle bist du aber ned, oder kannst etwa gar nicht lesen? Ich habe zwischen 10e und 11e ogeben.
Ich: Und du glaubst, weil irgendein ein Haumdaucha meint, das ist ein Wunschkonzert, dann stell ich mei Tour um, ha? Gehst jetzt ausm Licht oder ned?
Er: Sog a moi, spinnst du? Ganz dicht bist du aber ned?
Ich: Ich stelle sie dir auch vor die Türe.
Er wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, da hörte man den Aufzug, gefolgt von einer tiefen, aber auch leicht gereizten Baßstimme: "Bääääda wo bistn? I hob da gsogt, du sollst de Schnepfn steh lossn, i hob heid Versammlung!"
Rudi kam um die Ecke, den ca 80cm langen Hacken um die Bierträger vorzuziehen in der Hand und sah mich mit dem Sackkarren vor der Türe stehen und erkannte sofort, dass es wohl kleinere Schwierigkeiten gab. Er nahm den Hacken fester und sagte ziemlich schleppend: "Macht oaner Stress, oder was? Steht neben mir an der Tür und blickt dem Typen ins Gesicht.

Zwei Männer mit einem unglaublich dämlichen Gesichtsausdruck blickten sich an und nach einer gefühlten Ewigkeit sagte der Typ: " Ruuuudi??" und Rudi antwortete: Jooooshi??" Es stellte sich heraus, dass die beiden mehrere Jahre in Straubing in der selben Haftzelle verbracht hatten.
Yoooo von nun an ging es easy und das Bier war Nebensache. Wir vereinbarten mit Joshi, dass wir manchmal auch an andere Dinge wie Getränke auf unserer Tour kamen und er sagte, dass ALLE Getränke und Shows und natürlich auch der Eintritt (120 DM) für uns frei sind, nur die Mädels sind selbstständig, da kann er nichts machen.
Und nachdem mir Joshi noch einen riesen Einlauf verpasste und ich mich bei Rudi bedanken könne, dass ich keinen längeren Aufenthalt in einem Krankenhaus verbringen durfte, schlug uns Joshi einen weiteren Deal vor. Er wusste inzwischen, dass Rudi Präsident eines Rockerclubs war und Joshi war zu der Zeit einer der führenden Münchener Zuhälter. Er hatte mehrere Clubs, nahezu alle Mädels der Tagesschicht an der Ingolstädter Landstraße standen unter seiner Aufsicht und er war an einigen Animierschuppen im Müncher Bahnhofsbereich beteiligt oder Eigentümer. Von seinen anderen Geschäften ganz zu schweigen.

Und eben für das Bahnhofsgeschäft wollte er uns engagieren. Dort gab es häufiger Ärger und das war schlecht fürs Geschäft. Also zogen fortan meist Freitags, manchmal auch Samstag 5 Typen (Rudi, Hanse, Robbi, Flaggi und ich) durch die Bars und stellten uns (oft teilten wir uns auf) an der Bar an die Ecke. Alle größer als 1,90m und alle (ja auch ich!) sehr muskulös mit einer Lederkutte bekleidet und jeder Besucher verstand, dass Ärger in diesem Laden nicht erwünscht ist. Es gab sehr selten Idioten, die das nicht kapierten und dann mussten wir es denen halt klarer darlegen.
So jetzt ist Schluss mit den Joshi und Dachauer Motorrad Club Geschichten, es gäbe genug für einen weiter Kurzroman, doch das würde mglw. ein schlechtes Licht auf mich werfen. Mit Joshi nahm es übrigens nach meiner Kenntnis auch kein gutes Ende. Er soll wohl mit sehr hoher Geschwindigkeit in den Aufleger eines Sattelschleppers gerast sein, nachdem das Bremssystem seines italienischen Supersportwagens vollständig ausfiel.

Jetzt beginnt das 6. Kapitel, das handelt von den Jahren 1984-1996 und wie ihr seht, werden die Zeitspannen größer und die Erlebnisse weniger.

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