Erinnerungen von Peter Alexander Christerer

Peter Alexander Christerer


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Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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#K05-04a - Verlorene Zeit - die Bundeswehr Teil 2mp3

Sehr schnell begriff ich, dass es durchaus von Vorteil sein konnte, sich mit dem Spieß (Kompaniefeldwebel) gut zu stellen, das konnte zu mancherlei Vergünstigungen führen. So bastelte ich z. B. über 2 Monate in einem kleinen Raum Schlüsselanhänger, damit die Stubenschlüssel nicht mehr ins Gelände mitgenommen wurden. Natürlich war ich in dieser Zeit von allem anderen freigestellt, so ausgeschlafen war ich seit Jahren nicht mehr. Es war zwischen ihm und mir eher eine HassLiebe, denn durch meine unangepasste Art, manchmal auch sehr aggressiv, sorgte ich immer wieder für erheblichen Ärger. Dann war es wieder einmal soweit, dass ich „diszipliniert“ werden musste und mir der Spieß eine drakonische Strafe (wie z. B. Fahrer vom OvD -Offizier vom Dienst- am Neujahrstag) auferlegte. Doch einmal ging er zu weit!

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Warum ich die Strafe bekam, weiß ich nicht mehr. Aber ich sollte für unseren Zug im Stockwerk, die Toiletten- und Badräume desinfizieren und reinigen. Das war eindeutig unter meiner Würde! Pech für ihn und die ganze Kompanie, dass er vergaß mir eine Einweisung zu geben oder mich wenigstens darauf hinzuweisen, die Beschreibung zu lesen. Kommentarlos gab er mir einen vollen 10 Liter Kanister, an dessen Seite ein Totenkopf mit einem roten Kreuz zu sehen war.
Logisch las ich die Beschreibung und da stand, dass man eine Verschlusskappe auf 10 Liter Wasser geben sollte und nur bei geöffneten Fenstern damit arbeiten darf. Hahaha, ich wollte schon immer meine Gasmarie (ABC Schutzmaske) im Ernstfall testen. Ich öffnete im Duschraum den Kanister und verteilte die kompletten 10 Liter auf dem Boden. Yooo, das Ende vom Lied war, dass das gesamte Gebäude evakuiert werden und eine Spezialfirma anrücken musste, um das Zeug zu beseitigen. Der Geruch von Chlor blieb tagelang und alle waren ziemlich sauer auf mich waren, weil das Haus den ganzen Tag nicht betreten werden durfte.
Aber ich ging straffrei aus --> keine Einweisung, hahaha.

Mittlerweile war Mitte Mai und es zog sich ziemlich dahin. Meine Taktik häufig den Sanbereich aufzusuchen, wenn Formalausbildung oder eine unangenehme Tätigkeit im Freien anstand, war auch schon ziemlich ausgelutscht. Der Stabsarzt hatte mich auf dem Schirm und neigte langsam dazu mich übers Wochenende auf Station zu legen. Also musste was Handfesteres her. Ich dachte an Kreislaufregulationsschwierigkeiten, die sind nur schwer nachweisbar.
Klar roch der Stabsarzt den Braten und schickte mich ins Bundeswehrkrankenhaus Fasangarten zum BelastungsEKG. Dort konnte ich gar nicht anders. Ich legte eine Superleistung hin, denn ich war wirklich austrainiert. Als mir der Arzt die Auswertung präsentierte, kam der Hammer!

Kein Mensch soll nochmal sagen, ein Arzt hätte keine emphatischen Gefühle. Er setzte sich neben mich, klärte mich über die Top Ergebnisse auf und dann hätte er mich fast in den Arm genommen und faselte irgendetwas von, ob ich psychische Probleme oder sonstige schlimme persönliche Belastungen hätte. Völlig perplex antwortete ich wahrheitsgemäß mit nein und wollte wissen wie er auf so etwas käme. Da zeigte er auf meine linke Ellenbogenbeuge und Tatsache, dort waren echt kleine rote Pünktchen zu sehen, die verdächtig nach Einstichen von Spritzen aussahen und er wohl dachte, ich sei ein Junkie.
Als ich ihm die Geschichte erzählte wie es dazu kam, lachte er Tränen und ward fortan sehr hilfsbereit. Zwei Tage vorher war Marion bei mir und wie so häufig hatten wir eine temperamentvolle Auseinandersetzung. Dabei schlug sie mir mit ihrer Haarbürste eben genau dorthin und daraus entwickelten sich, die Pünktchen.

Ich dachte schon das wars und die Kreislauflegende ist vorbei, da kam mein neuer „Freund“ nochmal mit einer Frage. Er wollte wissen, warum ich -bei diesen Superwerten- ausschließlich durch den Mund und nicht durch die Nase atmete. Schlagartig fiel mir mein Vater ein, der öfters zu mir sagte: „Bua dumm derfst ruhig sei, aber dumm anstellen derfst di ned“. Also sagte ich sofort, dass ich öfters durch die Nase keine Luft bekomme.
So jetzt schreibe ich die Kurzform, denn die Geschichte würde zu lange dauern. Der Arzt brachte mich zum Röntgen und mit dem Ergebnis gingen wir zum Chefarzt der HNO Abteilung. Man stellte irgendetwas Schlimmes (hahaha wurde bis heute nichts daran getan) in den Nebenhöhlen fest und riet zur Operation. Ich lehnte ab und verwies darauf, dass dies mehr sporadisch auftaucht und mit Schwindelgefühlen und Kreislaufschwierigkeiten einhergeht, mich der Arzt in der Kaserne aber eher als Hypochonder betrachtet. Yep ich sollte kurz den Raum verlassen, weil der Chefarzt mit dem Stabsarzt in Starnberg telefonieren wollte und schon hatte ich den Jackpot geknackt!
Für die restlichen mehr als NEUN Monate war ich Außendienst und Sport nach eigenem Ermessen befreit. Das sorgte gleichermaßen für Ärger, Besorgnis aber auch Bewunderung von denen die mich kannten und wussten dass ich (damals) nicht wirklich erkrankt war.
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich bei der Bundeswehr vieles erlebt habe in diesen 15 Monaten, es aber eine ziemlich sinnfreie Veranstaltung war. Was solls überlebt habe ich es und wahrscheinlich habe ich sogar ein paar Dinge (außer LKW fahren) gelernt. So ab jetzt beginnt wieder ein neuer Lebensabschnitt in meinen Erinnerungen, dieser beginnt mit der 1. Hochzeit.

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