Peter Alexander Christerer Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Himpsl und der Briefkasten als mp3 hören?
Wie bereits bei Faulheit wird bestraft Teil 1 erwähnt, vermietete Oma einzelne Zimmer an sogenannte „Zimmerherrn“. So auch in dem Anwesen, in welchem sich die Metzgerei Christerer befand. Im Erdgeschoss des Wohnhauses befand sich eine Wohnung, in der ersten Etage, drei einzelne, vermietete Zimmer und im Dachgeschoss ein Zimmer, bewohnt von meinem Bruder Otto und der Speicher.
Von den damaligen Mietern der ersten Etage, ist mir nur noch „Sepp“ und „Herr Himpsl“ in Erinnerung. Wer das vorderste Zimmer bewohnte ist mir entfallen. Das mittlere Zimmer bewohnte Sepp. Dabei handelte es sich um einen kleinen, sehr trinkfreudigen Mann mittleren Alters, der die übel riechensten Füße hatte, die ich in meinem Leben je erlebte. Manchmal stank trotz geschlossener Türe der Gang nach seinen Stinkerfüßen. Sepp wohnte schon lange dort und kleinere finanzielle Engpässe hinsichtlich Miete, glich er regelmäßig wieder aus.

Daran im rechten Winkel anschließend, im sogenannten „Balkonzimmer“, wohnte eine Zeitlang ein gewisser Herr Himpsl (H.). Balkonzimmer deshalb, weil dieses Zimmer eine Balkontüre hatte, die auf das Flachdach der darunter liegenden Metzgerei führte und mit einem Ziergitter von vielleicht 1x2m umgeben war. Die Miete beinhaltete auch, dass Oma 1x in der Woche die Zimmer, das Etagenbadezimmer sowie den Flur reinigte. Das führte sie selbst bis ins hohe Alter aus, obwohl sie ganz sicher nicht unvermögend war und auch eine Reinigungskraft hätte engagieren können.
Bei H. handelte es sich um eine etwas merkwürdige Person. Eine mittelgroße, hagere, durchaus gepflegte Erscheinung, der gerne den Eindruck einer etwas hochgestellten Persönlichkeit vermitteln wollte. Nach meiner Erinnerung war er Ende 50 und musste -nach seinen Erzählungen- während des zweiten Weltkrieges eine schwere Kopfverletzung erhalten haben. Irgendetwas stimmte wohl tatsächlich mit seinen Augen nicht. Heute würde ich ihn als (traditionell) neurotische, paranoide Person einstufen.

Irgenwann gab es zwischen H. und Sepp einen heftigen Konflikt, der sogar in Handgreiflichkeiten mündete und auch zumindest 2x Polizei vor Ort war. Dazu muss man wissen, dass für Vater aber noch mehr für Oma alles was mit Polizei und Justiz zu tun hatte, ihnen großen Respekt abverlangte. Das waren Autoritätspersonen und es war ungebührlich mit diesen berufliche Berührungspunkte zu haben.
Ob sich daraus die Titelgeschichte entwickelte, weiß ich leider nicht mehr. Denn für mich wäre die Ursache für die jetzt folgende Briefkasten Geschichte von hohem Interesse. Jedenfalls setzte H. Oma mit irgendetwas massiv unter Druck. Er drohte ihr wohl mit Polizei und Staatsanwaltschaft. Natürlich wurde auch Vater von ihr informiert, der es zuerst wohl nicht ernst nahm, aber dann doch etwas nervös wurde. Am Rande waren später auch mein Bruder Otto und ich involviert, doch so richtig wichtig erschien uns das nach meiner Erinnerung nicht.

Es kam, wie es kommen musste, die Sache eskalierte. Himpsl setzte Oma und Vater unter Druck indem er behauptete, Vater hätte irgendetwas am Briefkasten von H. manipuliert und mglw. sogar einen Brief der Staatsanwaltschaft entfernt. Er (H.) hätte den Briefkasten mit den Fingerabdrücken von Vater gesichert und zum BKA (Bundeskriminalamt) gebracht. Sämtliche Einschüchterungsversuche unsererseits auch mit „Psychomethoden“ wie Sicherungen rausdrehen oder mehrfaches rhetorisch unheimliches Rufen von „Himpsl wir kriegen dich“ halfen nichts.
Nach meiner Meinung genoss es H. sogar, Oma und Vater so ängstlich, aber auch so wütend zu sehen. Dann wurde -ich denke es war an einem Samstagnachmittag- beschlossen, die Sache zu beenden. Ob ich von Beginn an dabei war oder ich es per Zufall mitbekam, ist mir entfallen. Jedenfalls machten Vati und Otto ziemlich Rabatz vor der Zimmertür von H. Dieser jedoch dachte gar nicht daran, die Türe zu öffnen. Der Konflikt wurde so lautstark ausgetragen, dass ich es durch die geöffnete Balkontüre bis auf die Straße hörte.


Und dann kam mir ein fast schon genialer Gedanke. Ich sah die offene Balkontüre, schätzte die Entfernung vom dem ca. 1 m hohen Gitter bis zur Türe und überlegte wie ich ohne großen Aufwand, aber vor allem leise auf das Dach gelangen könnte. Da ich -im Gegensatz zu heute- damals rank und schlank, kräftig und sportlich durchtrainiert war, beschloss ich über das Abflussrohr der Regenrinne aufs Dach zu klettern, die paar Meter bis zum Gitter geräuschlos zurückzulegen und über das Gitter durch die Türe in das Zimmer einzudringen.
Gedacht, getan! Selten habe ich einen überraschteren und dämlicheren Gesichtsausdruck gesehen, als diesen von H. in diesem Moment. Ich entriegelte die Zimmertür und lies Vati und Otto rein. Yooo da bekamen Otto und ich Kino frei Haus geliefert. Vater war derart erregt, aber auch erfreut endlich im Zimmer zu sein, dass er zur Höchstform auflief. Neben vielen anderen Dingen wollte Vati unbedingt von H. wissen, wo sich der Briefkasten befindet. Dieser sei Eigentum von Oma usw. usf. Himpsl jedoch blieb äußerlich ganz ruhig und behauptete nach wie vor, er hätte ihn zur Kripo gebracht und es sei ihm bereits mitgeteilt worden, dass erhebliche Ermittlungen gegen Oma und Vater in Gang gebracht wurden.

Plötzlich entdeckt Otto unter dem Bett von H. den gesuchten Briefkasten, zieht ihn hervor und gibt ihn Vater. Dieser war völlig verblüfft und erkannte schlagartig die Bedeutung, dass nämlich das was H. bezgl. Polizei und Staatsanwaltschaft sagte, erfunden war. Was dann folgte, ist nur schwer zu beschreiben. Doch ich werde es niemals vergessen und es erscheint wieder bildlich vor mir und lässt mich herzlich lachen.
Vater legte den Briefkasten zur Seite. Im Zimmer befand sich ein Waschbecken, er drehte den Wasserhahn mit kaltem Wasser an und befeuchtete eine Hand. Dann hielt er Himpsl am Nacken fest und klatschte ihm mit den Worten „Wo ist er? Bei der Kripo? Ist dir a bisserl warm da oben? Muss i a bisserl kühlen?“ seine nasche Hand auf die Stirn. Diese Prozedur wiederholte er mehrmals und bei aller Wut und Erregung, die noch in Vater steckte, konnte man die Erleichterung, die ihn befallen hatte, förmlich spüren. Schade dass niemand mehr weiß, was es mit dem Briefkasten auf sich hatte.

Das Ganze dürfte sich im Frühjahr/Sommer 1980 zugetragen haben. Wie es mit Himpsl und Sepp weiterging, das weiß ich nicht mehr. In der nächsten Zeit folgten bedeutende Ereignisse.

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