Erinnerungen von Peter Alexander Christerer

Peter Alexander Christerer


Video Mein Leben deutsch / english

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

Home alle Home Erinnerungen

#K04-09 - Faulheit wird bestraft! Teil 1mp3

Nun bei allem, was ich hier zu den Jahren 1975 - 1978 etwas flapsig vielleicht sogar humorvoll aufführe, darfst du eines nicht vergessen: Das war ziemlich aufreibend! Selbst für einen Heranwachsenden, der zudem den anstrengenden Beruf des Metzgers lernte, ging dieses „ruhelose“ Leben schon auch an die Substanz.
Zwar war ich oft schon gegen 11:00h mit meiner Arbeit fertig, aber meist schlief ich dann eben nicht. Mein Lehrmeister und Vater verlangte außerdem, dass ich gegen 17:30h im Laden beim Putzen half. Dies sorgte für erheblichen Ärger, denn das machte kein Metzgerlehrling, das war „Weiberarbeit“ und war ich der Meinung, das müsste Liane machen.

Das Jahr 1977 war auf jeden Fall ein sehr spannendes und ereignisreiches. Zuerst begann für mich endlich das 3. und letzte Lehrjahr und am 02. September wurde meine Schwester Kathrin geboren. Auch wenn das mehr Arbeit im Betrieb für mich bedeutete, Kathrin KONNTE ein Engel sein und das entschädigte mich.
Dann, und es muss im September geschehen sein, passierte die Katastrophe. Wie immer war ich hoffnungslos übernächtigt und somit auch sehr unkonzentriert. Vater war im Laden und ich sollte in der Wurstküche im Keller, Fleisch auslösen. Was dann geschah, sehe ich heute noch glasklar vor meinen Augen, vom Beginn bis zum Ende, obwohl mehr als 40 Jahre seither vergangen sind.
Weil ich -wie fast immer- zu faul war um mein Auslösemesser „abzuziehen“ (schärfen) musste ich halt mehr Kraft aufwenden, um den Knochen vom Fleisch zu trennen. Beim Auslösen eines Schweineschlegels ist ganz unten am Schloßbein ein Knorpel. Normal kein Problem für ein scharfes Messer. Ich kam allerdings nicht durch und wandte ziemlich Kraft auf. Dann rutschte ich ab und rammte mir mit aller Kraft die 13cm lange Klinge des Messers in den rechten Oberschenkel.

Im nächsten Moment drehte ich das Messer 1x im Kreis, zog es raus und schleuderte es weg. (Was immer dir irgendwelche Schlaumeier erzählen, von wegen stecken lassen und so. Glaube mir, so cool ist niemand und du bist in diesem Moment nicht mehr Herr deiner Sinne!) Dann wusch ich mir die Hände und dachte mir: „Ich glaube jetzt hast du dich gestochen“.
Ich spürte ein Brennen, und irgendwie tat das Bein weh. Doch die Lackschürze verhinderte, dass das Blut nach außen drang. Erst als ich ein paar Schritte ging und mir das „knatschige“ Geräusch in den Gummistiefeln fremd vorkam, nahm ich die Schürze ab. Der Metzgermantel war vom Oberschenkel abwärts bis zum Fuß völlig mit Blut durchtränkt und als ich diesen auszog, schoss eine Fontäne aus meinem Bein wie aus einem C-Rohr der Feuerwehr.
Nur dass es kein Wasser war was da rauskam, sondern mein Blut. Inzwischen dürfte ich davon, der Sauerei nach zu urteilen die angerichtet hatte, schon ca. 2 Liter verloren haben und auch aus dem Stiefel schwappte es über. Mir wurde leicht schwindelig und es wurde mir schlagartig bewusst, dass ich das Problem nicht alleine lösen konnte und Hilfe brauchte.

Also bewegte ich mich aus der Wurstküche aber schaffte nur noch die 2 Stufen des ersten Absatzes. Die restlichen 10-15 Stufen waren nicht möglich. Ich lehnte mich an die Mauer und rief immer so laut ich noch konnte „Vati“. Doch der hörte verständlicherweise nichts im Laden. Irgendwann rief ich einmal „Hilfe“ und dann kam doch tatsächlich aus dem Anbau vom Gartenhaus ein „Zimmerherr“ (Oma vermietete einzelne Zimmer auf dem Anwesen) im Bademantel um die Ecke, sieht mich und dann sagt der Volltrottel: „Ich dachte mir schon warum du so schreist, aber du hast ja nach deinem Vater geschrien“. Grrrrrr!!!
Selbst dann musste ICH ihn anschreien, er soll endlich in den Laden und Vater zu Hilfe holen, was er dann auch tat. Diese Aussicht auf Hilfe gab mir soviel Mut und Kraft, dass ich die Hälfte der Stufen gehen konnte, bis endlich Vater rauskam und die Beiden mich in den Vorraum (inkl. Küche und Sitzgelegenheiten) vom Laden brachten. Dort setzten(!) sie mich auf einen Stuhl und ich war schon fast bewusstlos.

Doch dann erlaubte sich mein sonst so cooler Vater drei Dinge, die mich heute jedes Mal, wenn ich daran denke, laut zum Lachen bringen. Vater stand derart unter Schock, dass er zwar wusste was zu tun ist, nur die Umsetzung, die war spannend, wenn nicht gar schneidig!

Als erstes wollte er mein Bein abbinden, denn da sprudelte es munter weiter. Nur wollte er es mit einem Wurstbindfaden machen, mit dem die Aufschnittwürste abgebunden werden. Das ist ein dünner aber sehr widerstandfähiger Bindfaden, mit dem er mein Bein eher abgeschnitten statt abgebunden hätte. Ich nahm dann den Gürtel vom Bademantel des Zimmerherrn. Nur hatte ich keine Kraft mehr um es wirklich zu stoppen und der Typ verzog sich, weil ihm schlecht wurde.

Als zweites wollte Vati dann den Notarzt verständigen. Ist ja richtig. Nur rief er nicht bei der Feuerwehr an, sondern bei der Polizei. Und sagte dann ziemlich eindringlich: „Schnell, schnell da ist eine MESSERSTECHEREI in unserer Metzgerei“. Yooo ein paar Minuten später kamen vom „19er“ Revier zwei Streifenwagen und zumindest zwei Polizisten kamen mit gezückter Pistole in den Raum. Von da an wurde es professionell. Einer der beiden legte mich auf den Boden und zog den Gürtel richtig zu und der Andere -nehme ich an- verständigte per Funk den Notarzt. Dieser kam dann auch richtig zügig.

Als drittes kam Vater in den Sinn, den „Saustall“ in der Küche sauber machen zu lassen. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass er die ganze Zeit über im Laden weiterverkaufte, bzw. sich dort aufhielt und nicht bei mir war. Jedenfalls griff er wieder zum Telefon, rief Oma an und sagte wörtlich: „Kumm runter und wisch as Bluat zam“. Dann legte er auf. Oma selbst lange Zeit Metzgerfrau, dachte sich: Na ja die machten wohl Leber- und Blutwürste und dann wird halt ein Eimer Blut umgekippt sein. Sie nahm einen Kübel und ein Schrupper und kam von ihrer Wohnung über den Vordereingang ins Geschäft. Sie wunderte sich über den Notarzt- und Polizeiwagen mit Festbeleuchtung, aber dachte nicht wirklich an einen Verletzten.
Vater sagte NICHTS zu ihr, machte nur eine Handbewegung Richtung Vorraum und Oma betrat den Raum, mit Kopftuch, Schrupper und Eimer bewaffnet. Joa da standen dann 1 Polizist, und zwei Männer mit hochgehaltenen Plastikflaschen gebeugt über eine am Boden liegende Person. Das war natürlich ich. Blutverschmiert weil ich den kalten Schweiß aus meinem Gesicht haben wollte und mit den blutigen Händen übers Gesicht wischte.
Neugierig wie sie war drängte sie den Polizisten zur Seite und wollte sehen, wer da liegt. Sie blickte mir in meine halb geöffneten Augen und gab ein ziemlich langgezogenes „ Bääääääääda“ von sich. Und dann kippte sie um.

Wer jetzt denkt, von nun an lief das in geregelten Bahnen weiter, der sollte auf „Faulheit wird bestraft, Teil 2“ warten, denn aus meiner Sicht ging es Bäääda typisch ziemlich schräg weiter.

nach oben Datenschutzerklärung / Impressum