Peter Alexander Christerer Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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>It’s partytime Teil 2 als mp3 hören?
Ob die „Braven“ so brav waren, weiß ich nicht mehr so genau. Es waren halt mehr so der innere Kern meiner Freunde, allerdings mit Schnittmengen zu den Trinkfesten. Mit dieser Gruppe verbrachte ich Zeit in der Maxhof Wirtschaft, von dieser ging ein direkter Übergang zur Disco Maxhof Casino. Der Haupttreffpunkt war allerdings meistens die Diskothek Holzleg an der Drygalski Allee.
Wie auch zum vorherigen Teil könnte ich jeweils ein eigenes Buch über diese Zeit schreiben, so ging damals die Post ab. Das würde zu weit führen und deshalb begnüge ich mich zum Holzleg mit drei Geschichterln.

Viel Discos gab es nach meiner Erinnerung nicht in dieser Münchner Gegend und deshalb traf sich im Holzleg der Münchner Südwesten, auch weil es nicht so angestaubt war wie das Maxhof Casino. Das Sagen im Holzleg hatten aber die „alten“ Fürstenrieder, die noch aus der Zeit von meinem verstorben Bruder stammten und wir, die „Jungen“.
Schlägereien und Drogen waren nach meinem Kenntnisstand kein großes Thema, nur einmal hatten wir Riesenstress mit „Torre“, der damals schwer abhängig war. Klar wurden alle Drogen mal ausprobiert, ich Gott sei Dank nur bis LSD, weil ich damals schon Panik vor Spritzen hatte.

Eines abends, wir kamen aus der Innenstadt hatte Torre einen kleinen LSD Trip eingeschmissen. Normalerweise war er dann immer gut drauf und spazierte durchs Weltall. Doch dieses Mal hatte er einen Horrortrip und geriet in Verfolgungswahn und Panik. Mitten während der Fahrt zückte er im Taxi ein Messer und bedrohte den Taxifahrer. Yooo das war heftig!
Endlich im Holzleg angekommen, wurde er einfach ins Klo gesperrt und die Türe mehr als 2 Stunden unter Verschluss gehalten. Glücklicherweise kam er wieder runter, das hätte übel ausgehen können.

Genial war im Holzleg der Flipper Automat. Zwar bescherte er einigen Leuten heftige Schmerzen im Knie, aber dafür konnte man kostenlos flippern. Wenn man an genau einer Stelle in der Nähe des Münzeinwurfschachtes mit dem Knie einen genau dosierten Stoß anbrachte, spuckte das Ding 7 oder manchmal sogar 14 Freispiele aus. Yep bei unserem chronischen Geldmangel, war das eine feine Sache. So musste ich wenigstens nur die Spielschulden begleichen, denn so Spielernaturen wie Erkan U. oder selbst Herbert waren meist besser als ich in meiner Ungestümtheit.

Wie schon erwähnt waren Schlägereien nicht sehr häufig im Holzleg oder du bist nach draußen gegangen. Doch wenn es mal Ärger gab, sorgte der Betreiber (ich glaube er hieß „Schucki“) oder die geniale Bedienung „Elly“ ganz schnell für Ruhe.
Nur einmal hatte ich Riesenglück, denn ich denke das wäre schmerzhaft für mich ausgegangen. Wenn man die Disco betrat, ging es nach links zu den Flippern und Toilettenräumen, leicht rechts kam die Bar, dann eine große Tanzfläche, links und rechts flankiert von Sitzgelegenheiten und in der Mitte hinten das „Fass“ und ein paar weitere Stehplätze.

Eines abends kam ich nach oben und begab mich zu meinem Stammplatz am Fass. Das war ein riesiges Holzfass rundherum mit einer Ablagefläche für Getränke. In jener Zeit waren -zumindest in München- dunkelhäutige Menschen nicht so häufig anzutreffen wie heute und genau so einer belegte meinen Stammplatz.
Hoch gewachsen, irgendwie athletisch aber eindeutig zu dünn für meinen Geschmack, steht der Typ an „meinem“ Platz und guckt den Mädels aufs Hinterteil. Für mich war das natürlich die Provokation schlechthin, ich nahm mein Getränk von Elly in Empfang und platzierte mich direkt vor ihm. Klar, dass es nicht lange dauerte und dann ließ er einen dämlichen Spruch wie „du stehst mir im Licht“ oder so ähnlich los. Logisch habe ich nur auf das gewartet, schon ging ein Wortgefecht los und es ging zielstrebig in Richtung Eskalation.

Als es ziemlich kurz vor der tätlichen Auseinandersetzung stand, die Fäuste waren geballt, kam urplötzlich von hinten Werner S. (einer meiner früheren „Wiggerl“ Beschützer), zieht mich weg und macht mich zur Minna.

Ob ich geistesgestört oder lebensmüde sei, fragte er mich. Ob ich nicht wüsste mit wem ich da gerade Zoff anfange. Nööö wusste ich nicht, aber Werner klärte mich dann über seinen Freund auf.
Es war niemand anderer als Georg Steinherr auch „Hammer Schorsch“ wegen seiner gnadenlosen Schlagkraft genannt. Als deutscher Meister im Mittelgewicht der Boxamateure, wechselte er zu den Profis und bereitete sich gerade auf die Europameisterschaft im Halbmittelgewicht vor. Diesen Titel verteidigte er meines Wissens mindestens 2x.
Joa es war mir klar, dass jetzt eine Entschuldigung fällig war und nach zwei Gläschen irgendetwas alkoholfreiem, entwickelte sich sogar noch ein angenehmer Abend mit Georg.

Später in meinen Erinnerungen wird sich noch zeigen, dass weder ein Europameister im Boxen unverwundbar ist, noch dass da Bäääda seine Lektion gelernt hat.
Jetzt beschließe ich den Abschnitt „it’s partytime“ für diese Zeit und werde erst 30 Jahre später wieder ins Nachtleben, diesmal allerdings in Berlin einsteigen. Es war eine schöne, wilde Zeit hoffe aber, dass die heutige Jugend etwas umsichtiger und vernünftiger handelt als wir. Denn heute weiß ich, dass ich es mir nie verziehen hätte, wenn ich damals wegen Alkohol oder Drogen jemanden nachhaltig geschädigt hätte.

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