Erinnerungen von Peter Alexander Christerer

Peter Alexander Christerer


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Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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#K04-05 - Ein schmerzhafter Spaziergangmp3

Wie es kam, dass bei den Neidlinger im Frühjahr oder Sommer 1976 ein blutjunger deutscher Schäferhund zu Gast war, weiß ich nicht mehr. Es handelte sich um den Hund vom Platzwart des Tsv Forstenried an der Graubündner Straße, der anscheinend für ein paar Wochen im Urlaub war.
An einem schönen lauen Abend wollten wir - Rita N. die „kleine“ Schwester von Reinhold und Günter, ihre Freundin Gabi S., Herbert und ich - den Hund etwas Gassi führen. Raus aus der Wohnung, quer durch den Fürstenrieder Wald, hin zum Kriegerdenkmal an der Tischlerstraße. Das Kriegerdenkmal war schon ein besonderer Ort. Einmal zerschnitt ich mir im „Teich“ die Fußsohle, dann die Geschichte mit dem grünen Manderl (AZ München -im Artikel musst du nach unten scrollen) und jetzt die „Hundesache“.

Auf dem Geh- / Radweg Richtung Freizeitheim, trennte linker Hand ein Grünstreifen mit Büschen und Sträuchern den Weg von der Straße. Dort kamen Herbert und ich auf die glorreiche Idee den Hund zu „dressieren“. Und natürlich als erstes das Kommando „Fass!“. Herbert sprintete mit vollem Karacho los, ganz rechts an den dortigen Büschen entlang. Ich ließ ihm gefühlte 15 Meter Vorsprung, hatte den Hund mit ca. 1 Meter Leine an der linken Hand und brüllte Fass! Yooo, der „Kleine“ ging ab wie eine Rakete und verfolgte Herbert. Warum dieser „Zipfeklatscha“ an diesem Tag ausnahmsweise langsamer war als ich (eigentlich war er IMMER schneller als ich, denn sonst hätte er ja von mir noch mehr Prügel bekommen, wenn ich ihn immer erwischt hätte.), steht in den Sternen und war halt einfach nur Kismet.
Jedenfalls holten wir Herbert ein und der Hund wollte ihn anspringen, aber nicht wegen des Kommandos, sondern wie jeder junge Hund wollte er einfach nur spielen und an Herbert hochspringen. Das Problem war, dass das aus vollem Lauf heraus passierte, der Hund an meiner linken Hand hing, während Herbert auf der rechten Seite lief.

Leider nahm das blöde Vieh keinerlei Rücksicht auf unsere Stellung, sondern zog diagonal nach rechts und setzte zum Sprung an. Jeder von uns weiß was passiert, wenn man mit voller Fahrt an eine über den Weg gespannte Schnur (in diesem Fall die Hundeleine) gelangt. Yep, der Hund überschlug sich und da Bäääda segelte im hohen Bogen, ähnlich wie ein Skispringer, Kopf voraus in die Büsche auf der linken Seite.
Nach einer halbwegs weichen Landung und einer kurzen Benommenheit, dachte ich: „Wow was für ein Flug und nichts passiert!“ Nur ein kleines Zippen im linken Arm verspürte ich. Also versuchte ich meinen Kopf in die Richtung vom Arm zu drehen und als ich es hinbekommen hatte, sah ich zuerst in das liebliche Gesicht von Rita, die sich die Hand vor den leicht geöffneten Mund hielt, ihre schönen Augen waren noch größer als sonst und spiegelten Entsetzen wieder.

Dies allerdings irritierte mich und jetzt wollte ich unverzüglich feststellen, was das Kribbeln im Arm bedeutete. Eigentlich war alles ganz normal. Der Arm lag friedlich im Gras, schön im rechten Winkel gebeugt und machte nichts. Alles schick, bis ich realisierte, dass der rechte Winkel nicht zum Körper hin, sondern vom Körper weg gebogen war.

Ok von nun an ging es mir nicht mehr so gut. Wir begaben uns sofort zu Neidlingers. Dort übernahm Herr Neidlinger als hochrangiger Polizeibeamter das Kommando. Er konfiszierte den VW Käfer von Reinhold und brachte mich ins Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin gab er meinem Vater (lag ohnehin auf dem Weg) Bescheid. Nie vergessen werde ich dabei, wie korrekt der Neidlinger Papa auch in solchen Situationen war. Wir kamen an die Kreuzung Siemens Allee / Wolfratshauser Straße und mussten rechts abbiegen. Die Ampel zeigte rot, aber es herrschte keinerlei Verkehr. Ich sitze auf dem Beifahrersitz, mir war speiübel und mein Arm machte schon ziemlich AUA. Dann sagt Herr Neidlinger (zu wem auch immer) förmlich: „Hiermit erkläre ich dies zu einem Notstand und setze daher die §…. außer Kraft und werde trotz der Signalzeichen, die Kreuzung überqueren“. All thumbs up, denn es ging ohne Verzögerung weiter.

Eigentlich käme jetzt Routine. Doch wie üblich, gibt es bei mir noch ein besonderes Gimmick. Es war eine Ellenbogen Luxation und einige Bänder und Sehnen waren betroffen. Die Ärzte bastelten rum, steckten den Arm

rechtwinklig in einen Gipsverband und nahmen ihn 6 Wochen später wieder ab. So weit, so gut, nur die Auskunft des Arztes war doch etwas beunruhigend. Er meinte, dass die Bänder und Sehnen durch die Winkelung jetzt etwas verkürzt sind, ich gaaaanz langsam versuchen müsste den Arm wieder zu strecken und dafür zuerst eine leere Flasche zwischen die Finger, dann 2 Tage später eine volle, dann zwei usw. klemmen sollte. Es könnte jedoch sein, dass sich der Arm nicht mehr ganz strecken lässt.

Das nervte gewaltig und auch die Angst den Arm nicht richtig gebrauchen zu können, verursachte keine Hochstimmung, also trainierte ich halt. NICHTS tat sich! Wahrscheinlich (ich bin nun mal ein Weichei) nervte Vater mein Gejammere (und die fehlende Arbeitskraft seines Lehrlings) ziemlich und da ich meine herausragendste Stärke Ungeduld wohl von ihm vererbt bekam, suchte ER nach einer Lösung.
Zu unserer Wurstküche führten vom Garten aus einige Stufen in den Keller. Um nicht beim Gießen oder Spielen runter zu fallen, war dort ein massives Metallgeländer angebracht. Eines Tages rief mich Vater zu sich und sagte ich solle mich am Geländer festhalten und zwar mit dem verletzten Arm. Dann sollte ich mich hinstellen und den Oberkörper wie ein Boxer nach vorne neigen.

Er stellte sich mir gegenüber und erzählte irgendeinen Schwachsinn um mich dann völlig ohne Zusammenhang aufzufordern, laut bis 10 zu zählen. Bei 6 angelangt schlug er mich mit seiner rechten geöffneten Hand mit voller Wucht auf meine rechte Schulter und legte sein ganzes Gewicht dahinter. Mein Vater war ein unglaublich kräftiger und auch schwerer Mensch. Ich ließ das Geländer los, setzte mich unsanft auf mein Hinterteil, stieß einen Schrei aus, der bis heute noch nicht in fernen Galaxien verhallt sein dürfte und sah nachdem die Tränen verschwunden waren, dass mein linker Arm urplötzlich aber so was von gerade war. Nach kurzer Zeit waren die Schmerzen weg und der Arm wieder voll beweglich.
Mein lieber Vater, in welchem Nirvana du auch gerade rumschwirrst, dafür danke ich dir von ganzem Herzen. Wer weiß schon wie das „Training“ ausgegangen wäre und ein Leben mit so einer Einschränkung wäre nicht mein Ziel gewesen. Natürlich hätten bei der Methode die Bänder und Sehnen reißen können. So what? No risk, no fun!
Und die Moral von der Geschicht: Traue Herberts Lauffähigkeiten NICHT!

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