Peter Alexander Christerer Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Das Ding mit der Kaufhalle als mp3 hören?
Im vorherigen Beitrag erwähnte ich die lange Mittagspause. Was sollte ich denn nun anfangen, mit den 3-4 Stunden? Die Shops der Innenstadt kannte ich auswendig und für Caféhaus Besuche hatte ich weder die Kohle noch wirklich Bock darauf. Und natürlich wollte Vater, dass ich mich ausruhe, der Metzgerberuf ist anstrengend.
Lesen tat und tue ich schon immer gerne, also verschlang ich Romanheftchen, Größe DIN A5 und damals in diversen Genres erhältlich. Science Fiction interessierte mich nicht, also Krimis oder Western. Der Bastei Verlag vertrieb
noch nicht lange die Westernserie Lassiter und das war für einen Heranwachsenden (damals!) ein erotisches Abenteuer. Sogar im härtesten Kampf machte er kurz Pause und bestieg eine Frau, um danach wieder alle abzuknallen. Yooo da schlug des Herz des kleinen Bäääda 3 Etagen höher.

Die Krux an der Geschichte war, dass die Dinge Geld kosteten. Bis zu 3 Hefte pro Mittagspause gingen drauf und das war bei meiner chronischen Geldknappheit und geringem Lehrlingsgehalt nicht finanzierbar. Was Hänschen lernt, verlernt Hans nimmer mehr. Und ohne angeben zu wollen, ein gewisser H. L. und der „kloane Bäääda“ hatten sich im Bereich Ladendiebstahl zu Superstars entwickelt. Nichts tragbares war vor diesen Langfingern sicher und wechselte bei Bedarf mal schnell die Örtlichkeit.
Somit stellten die Romanhefte nicht wirklich eine Herausforderung dar. Mittags raus aus dem Laden, in die Herzogspital Straße rein, vorbei am „Sugar Shake“ (bis weit in die 1980er eine der Top-Discos Münchens, mit den „bösen“ Promis wie Mike Jagger, viiiieeel Dope und immer etwas anrüchig.) und durch den Hintereingang rein in die Kaufhalle.

In der Kaufhalle gab es einen großen Wühltisch voll mit Romanheften aller Art und es gab einen Hausdetektiv, das wiederum wusste ich aber nicht. Bei meiner Fingerfertigkeit in diesem Metier war das aber auch nicht von Belang. Am längsten dauerte die Auswahl der Heftchen, denn ich hatte schon meine Favoriten unter den Schreiberlingen. Dann ging es ratz fatz und wie durch Zauberei wechselten die Objekte ihren Standort und wurden zudem unsichtbar.
Doch zu viel Selbstsicherheit macht nachlässig und führt zu Fehlern! Eines Tages verspürte ich die Hand eines mittelgroßen, korpulenten Mannes an meiner rechten Schulter und der Typ flüsterte mir „Hausdetektiv, mitkommen“ ins Ohr.

Nun ich war immer ein gelehriges, folgsames Kind und meine Eltern schärften mir von klein an ein: „Lass dich nicht von fremden Menschen anfassen und gehe unter keinen Umständen mit diesen Leuten mit!“
In einer ruckartigen Bewegung zog ich meinen rechten Ellenbogen nach hinten und traf auf etwas weiches, kugelförmiges. Dann hörte ich ein „UUUPPPFFF“ und der Typ bewegte sich vielleicht etwas zu schnell rückwärts, denn dabei vergaß er wohl den hinter ihm platzierten Wühltisch. Er prallte mit seinem ganzen Gewicht dagegen und dann waren beide für weitere ca 100cm in Bewegung, was nicht ohne Lärm abging.

Mir war das eindeutig zu laut und ich verlies - möglicherweise etwas eiliger als sonst, wie immer - die Kaufhalle durch den Vordereingang und tauchte in der meist gut besuchten Münchner Fußgängerzone fast am Stachus oben, in der Menge unter.
Von da an zog ich es vor, diesen ungastlichen Ort, an dem man zudem von Männern betatscht wird, zu meiden, denn der Geschäftsumzug war nur noch wenige Tage entfernt. Doch der Teufel ist ein Eichhörnchen und wenn du meinst du hast das Glück, dann zieht die Sau den Arsch zurück (doch beim nächsten Mal bin ich schlauer, ich press die Sau gegen die Mauer!).

Es war ein unglaublicher Zufall. Genau zwei Tage vor dem Umzug marschierte der Detektiv an unserem Geschäft vorbei und sah mich beim Verkauf. Der Rest ist schnell erzählt: Keine 30 Minuten später tauchte er zusammen mit zwei Polizeibeamten wieder auf, erklärten Vater den Vorgang und es kam zur Anzeige. Lange Zeit später musste ich 50,--DM für (geständigen) Ladendiebstahl bezahlen, Körperverletzung galt als nicht bewiesen.
Was ich jedoch nie vergessen werde, ist diese unglaubliche Enttäuschung im Gesichtsausdruck meines Vaters. Keiner von uns beiden wusste jedoch, dass dies nur der Anfang war und heute tut mir das alles so unendlich leid. Denn was in den nächsten 3 Jahren noch folgen sollte, hat dieser hochanständige, ehrliche Mann nicht verdient.
Glücklicherweise für meinen Vater fand dann der Umzug statt, denn ich glaube, dass er annahm, dass jeder Kunde jetzt wüsste was für einen missratenen Sohn er hat. Das wäre das Schlimmste für IHN gewesen.

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