Peter Alexander Christerer Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Marianne Christerer als mp3 hören?
Meine Mutter Marianne Christerer, geb. Reichardt wurde am 23.05.1931 in München geboren.
Nach dem Desaster mit der Realschule, meldete mich meine Mutter wieder an der Hauptschule an der Walliser Straße an. Ich konnte sie an diesem Tag wegen Unpässlichkeit nicht begleiten. Nie werde ich vergessen, als sie zurück kam und mir mitteilte, dass ich ab sofort die Klasse mit der Lehrkraft Frau Draxler besuchen sollte.
Das war genau die Dame welche ich, wenn ich an der Otto-Hahn-Schule nachmittags Unterricht hatte, bis zur Weißglut von außen reizte. Da kam bei mir nicht wirklich Freude auf. Sie war es auch, die die entsetzliche Bemerkung in meinem Zwischenzeugnis (siehe Rektor Schmidt) machte. Nun ich bin ganz sicher nicht stolz auf dieses Benehmen von damals, doch heute denke ich, dass das vollkommen verständlich war. Auch die späteren Verhaltensmuster sind mir völlig klar, ohne dass man ein Psychologe sein muss. Ich hatte und habe schlicht und ergreifend die Todesfälle in der Familie als Kind nie verarbeiten können und war/bin vollkommen traumatisiert deswegen.

Zurück zu meiner Mutter. Sie war genauso wie meine Oma (von mütterlicher Seite) ein unglaublich warmherziger Mensch. Selbst wenn sie wütend war, konnte ich ihr bei aller Schimpfe nicht böse sein. Ich sah ihr an, dass es ihr sehr unangenehm war mich zu maßregeln. Und meist folgte kurz nach der Bestrafung auch eine Belohnung. Sie war einfach meine Mutti und ich liebte sie sehr und sie mich auch!

Den frühen Tod von Wiggerl hat sie jedoch nach meiner Meinung nicht verkraftet. Das hat sie doch sehr verändert und ich habe leider nie erfahren warum sie definitiv ins Krankenhaus kam und Spekulationen und Gerüchten möchte ich mich nicht hingeben.

Jedenfalls kam meine Mutter im Dezember 1972 ins Krankenhaus und es hieß es sei nur für ein paar Tage, an Weihnachten ist sie auf jeden Fall wieder zuhause. Möglicherweise ist mir der Ablauf der Geschehnisse, die jetzt aufgeführt werden, nicht mehr zu 100% geläufig, denn wenn ich nur daran denke, dann schneit es in meinem Kopf.

An Weihnachten war sie jedenfalls nicht zu Hause und die Stimmung war nicht die allerbeste, denn mit Mutti fehlte einfach die Seele des Hauses. Dennoch deutete nichts auf die Katastrophe hin, welche mir seither das Weihnachtsfest zutiefst vermiest, auch wenn schon fast 50 Jahre vorüber sind.

Nach den Feiertagen am 28.12. mussten mein Vater und Bruder Otto gegen 04:00h wieder in die Metzgerei, denn zwischen den Feiertagen sind mit die umsatzstärksten Tage des Jahres. Am frühen Morgen klingelte es ziemlich heftig an der Türe und ich hörte wie Oma versuchte vom Bett aufzustehen, um zu öffnen. Als das Klingeln nicht aufhörte, stand ich auf und öffnete im Schlafanzug die Türe. Ich war sehr erstaunt als ich zwei uniformierte Polizisten sah, wo ich doch ausnahmsweise gar nichts angestellt hatte.
Doch sie fragten ob mein Vater zuhause sei. Ich verneinte und mit einem Hauch schlechten Gewissens wollte ich wissen, warum. Einer der beiden schaute mich von oben herab ernst an und sagte dann einem 12jährigen ins Gesicht: „Weil heute Nacht im Krankenhaus die Frau Christerer verstorben ist“. Im Schock gab ich ihnen die Geschäftsadresse und sie waren schon länger weg als ich die Tür schloss und mich wieder an Oma erinnerte.

Der nächste Schock erwartete mich als ich das Zimmer von Oma betrat. Sie lag wimmernd am Boden, denn als sie versuchte aus dem Bett zu kommen, stürzte sie und brach sich den Ober- schenkelhalsknochen. Von da an habe ich einen Filmriß, ich weiß nicht mehr wie es weiterging, völlige Leere in meinem Kopf. Vorstellen kann ich mir nur, dass ich die Nachbarin Frau Übler zu Hilfe holte, aber wie gesagt „darkness there and nothing more“.
Bei Oma wurde zusätzlich sehr hoher Zuckergehalt im Blut festgestellt und nach dem Tod von Mutti war klar, dass sie mit ihren Gebrechen (1972!) nicht allein bei uns in der Wohnung sein konnte. Sie zog nach Hohenwart bei Burghausen, zur Familie ihrer Tochter Frieda.
Somit verlor ich an Weihnachten 1972 die zwei liebsten Menschen die ich hatte, auf einen Schlag.

Seither ist die Zeit um Weihnachten und Jahreswechsel die grausamste und traurigste für mich und ich werde das wahrscheinlich nicht mehr ändern können. Ich möchte es auch gar nicht, denn Trauer gehört zum Leben und deshalb sind wir Menschen. Zwar versuche ich nach außen meine Traurigkeit zu verbergen, doch je älter ich werde desto schlimmer wird es. Ich freue mich für die anderen wenn sie schöne Geschenke austauschen und zu Recht fröhlich und herzlich sind, aber für mich ist seit dem 27.12.1972 leider Schluss damit.

R.I.P.Mutti, du bist fest in meinem Herzen verankert.

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