Peter Alexander Christerer
Erinnerungen

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Inhaltsverzeichnis Erinnerungen Vorwort (mp3)
Einführung (mp3)


Herbert und Bäääda in Österreich und Italien

Nach unserem London Kurztrip, beschlossen wir einen dreiwöchigen „richtigen“ Urlaub zu machen. Das Budget war klein, die Abenteuerlust dafür umso größer. Klar war, dass wir kein Geld für Unterkunft (und wenn ich mich richtig erinnere, übernachteten wir nur 1X in Bardolino in einer Pension) ausgeben wollten und auch die Verpflegung sollte sich überwiegend auf Konserven und mitgenommener Salami beschränken.

Wir bekamen unzählige Ratschläge und Vorschläge welche Routen wir fahren sollten und ich glaube nur Herbert und ich glaubten daran, dass die „blaue Wurst“ das übersteht. Irgendwann stand die anspruchsvolle Route, siehe Bild, und wir führten den Plan nahezu zu 100% aus.



Als erstes wurde der Kofferraum präpariert. Also die Rücksitzbank umgeklappt, eine dünne Schaumgummiunterlage rein und die Seitenwände mit unserem Gepäck inkl. Verpflegung bestückt. Yooo da war der verfügbare Raum schon ganz schön schmal geworden. Auto gecheckt, Luft, Wasser, ÖL und vollgetankt.

Dann ging es an einem schönen Sommertag los. Bereits nach wenigen Kilometern auf der Autobahn Richtung Salzburg, war ein zartes, aber unüberhörbares Klingeln zu vernehmen. Wir konnten uns keinen Reim darauf machen und heizten weiter, dem Abenteuer entgegen. Das Klingeln hörte nicht auf und urplötzlich leuchtete auch noch das Öllämpchen auf. Parkplatz war angesagt und wir checkten die Karre. Öl voll, Herkunft Klingeln nicht eruier bar, selbst Herbert, der Ältere :-) war ratlos.
Deswegen steuerten wir -obwohl noch genug Benzin vorhanden war- in Salzburg eine Tankstelle an und damals war noch der Tankwart für die Befüllung zuständig. Ganz cool (wie man heute sagt) baten wir den Mann auch den Ölstand zu kontrollieren, während wir im Tankshop, „aan klaana Brauna“ (typisches Kaffeegetränk in Austria) zu uns nehmen wollten.



Urplötzlich stürmt der gute Mann rein, pflanzt sich vor uns auf und sprach im breitesten Österreich Slang: „Na sog, seids es deppert, hearst? Habts es Gscheidhaferl nu nix davo ghört, daaas a Auto Öl braucht“? Logisch, dass wir ihn überzeugen wollten, den Ölstand kontrolliert zu haben. Und nett wie der Tankwart war, zeigte er uns den Fehler. Am Ölmessstab ist eine Befestigung angebracht, damit der Stab in der Öffnung hält. Diese Befestigung war kaputt und beim Messen bog ich den Ölstab so durch, dass ich die ganze Ölwanne damit auskratzte. Klaro zeigte der Ölmessstab immer voll an.
2 Liter Öl und 2 DM Trinkgeld und schon war alles ok und eigenartiger Weise war auch das Klingeln nicht mehr zu vernehmen und wir peilten mit Volldampf unser erstes Ziel, den Wiener Prater an.



Die Fahrt nach Wien verlief problemlos und auch den Prater fanden wir auf Anhieb. Der Prater selbst ist ein „griabiger“, ganzjähriger Rummelplatz und hatte damals (1979!) schon einige Attraktionen, wie z. B: einen Flipper mit Tennisbällen als Kugeln. Wir führten unsere Visite durch und kamen dann auch in die „leichte Mädels“ Ecke. Wie wir zwei Jünglinge auf die Idee kamen, eine erfahrene, mit allen Wassern gewaschene, Wiener Hure auf den Arm nehmen zu können, das weiß ich nicht mehr, ist aber nicht unbedingt zu empfehlen.
Schon nach kurzer Zeit, kam aus einer ca. 5m entfernten Ecke ihr Lude, der ein Messer von einer Hand in die andere warf und fragend rief: „Mietzi brauchst mi? Machans Palaver de zwoa?“ Mietzi antwortete: „Naaaa“, drehte sich zu uns um, pflanzte sich vor mich auf und sagte im absoluten Weaner Slang „Hearst Burli, wannst dei Goschn no amoi so weid aufreißt, dann Scheiß i di durch de Kanalisation, host mi? Und jetzt haut’s eich üba de Häusa!“ Ok nun war der absolut richtige Zeitpunkt gekommen, das Feld zu räumen und wir traten den geordneten Rückzug an. Auf jeden Fall liebe ich seither den WIENER Dialekt noch mehr als den bayrischen.

Zeit die erste Nacht zu verbringen und wir suchten uns einen größeren Parkplatz. Die Nacht verlief trotzHerbert reibungslos und am Morgen -wie wir es mit der Morgentoilette hielten, darin kann ich mich nicht erinnern, aber wir legten großen Wert darauf- steuerten wir unser nächstes Ziel, die ungarische Grenzgegend an. Irgendwann zur Mittagszeit landeten wir im Wiener Hinterland in einem Dorf und begaben uns in eine typischen Dorfkneipe der Landbevölkerung. Klar es war nicht viel los, weil die Leute waren ja noch auf Arbeit.
Ein, zwei Bierchen und ein deftiges Mittagessen, schon war die Welt in Ordnung. Dann entdeckten wir einen Kicker. Yoooh Herbert und ich, die alten Freizeitheim Fürstenried Kickermeister, freuten uns riesig und begannen ein paar Spielchen, nur so zum Spaß und ohne Ehrgeiz. Nach und nach kam die Dorfjugend also 16 bis 17-jährige Jungs aber auch Mädels in den Gastraum. Sie beobachten uns eine Weile und dann unternahmen sie den Anlauf uns herauszufordern. Immer noch ohne großen Elan, spielten wir gegen zwei Jungs und nach 2 Spielchen, wollten sie plötzlich um ein Bierchen spielen.
Kein Problem für uns, denn es war klar, die Buben gewannen Oberwasser und wollten als große Helden dastehen. So kam es, dass wir -gewollt- die ersten zwei Spiele verloren, nicht zu auffällig, aber eindeutig. Mittlerweile war auch schon die Dämmerung hereingebrochen und wir wollten eigentlich noch ein paar km hinter uns bringen. Jetzt kam das erwartete, die Jungs wollten das ganz große Spiel! Wenn Herbert und ich verlieren, sollten wir die bisherige Zeche der ca. 9 Jugendlichen bezahlen. Wenn sie verlieren übernehmen sie unsere Zeche, einschließlich Mittagessen.

Klar willigten wir ein. Wir holten den Wirt als Zeugen und dann ging es los. Wir machten nur einen Fehler. Obwohl wir wussten, dass uns die Burschen niemals besiegen konnten, drehten wir voll auf und sie hatten nicht den Hauch einer Chance. Sie fühlten sich zu Recht übertölpelt und dachten an ihr schwer verdientes Geld. Doch Wette ist Wette, aber schlechte Verlierer sind nun mal schlechte Verlierer. Sie wurden sehr aggressiv und einer nahm sogar den Ochsenfiesel vom Wirt zur Hand. Yep auch hier erkannten wir, dass zügiges Verlassen der Räumlichkeiten einen Vorteil bringen könnte.
Rein ins Auto und ab gings. Doch die Dorfjugend war sofort mit 3 Mopeds hinter uns her. Wir wollten trotz gewisser Erfahrung mit Raufereien, nicht am 2. Urlaubstag in eine Schlägerei mit ein paar kräftigen Bauernburschen geraten und gaben Gas. Doch die blieben dran und wir hatten keinerlei Ahnung wo wir überhaupt waren. Wer von uns auf die glorreiche Idee kam, inzwischen war es finster, auch noch das Licht auszuschalten, weiß ich heute nicht mehr.
Jedenfalls bretterten wir über holprige Wege und irgendwann fuhren wir auf ein noch unwegsameres Gelände und schalten das Auto aus und stellten uns tot. Es war so was von stockfinster und wir beschlossen, das Auto nicht mehr zu verlassen und erst einmal zu schlafen. Wie früher schon beschrieben (Die Lohmeiers und der Herr Steinacher) war das Herbert nicht fremd, wenn er was angestellt hatte. Am nächsten Morgen, als es hell wurde, wurden wir von Kindergeschrei geweckt. Etwas verschlafen blickten wir uns um und stellten fest, dass wir in der Nacht auf einen Campingplatz am Neusiedler See eingetroffen waren. Zielstrebig steuerten wir wohl den See an und kamen ca. 50cm vor dem See zum Stehen. Joa, det war Dusel, sagt der Berliner.



Wir überspielten die gefährliche, unverantwortliche Situation wie wir dort hingelangten gegenüber den Campern und hatten einen schönen Tag am Neusiedler See, sogar Toilettenanlagen waren vorhanden. Dann ging es weiter Richtung Italien und die ganz große Lust auf irgendwelche Spielchen hatten wir gerade nicht mehr.
Österreich wurde vom Osten über Graz, Klagenfurt, Villach in den Süden durchquert und nach ein paar langen Autostunden, kamen wir in Bella Italia an. Wir landeten in der eigentlich wunderschönen Region Friaul, doch leider fand dort zwei Jahre zuvor im Mai 1976 ein verheerendes Erdbeben mit annähernd 1000 Toten und etlichen Verletzten statt. Überall waren die Spuren noch zu sehen und der Wiederaufbau ging nur schleppend voran. Dementsprechend waren auf unserem Weg auch noch unzählige Baustellen und die Straßen in einem desolaten Zustand.



Oder einfach gesagt, wir wussten, dass wir hier nur irgendwo übernachten und dann unsere Reise fortsetzen werden. Doch selbst einen Platz zum Parken fanden wir nicht so einfach und schließlich fuhren wir auf eine große Baustelle in der Nähe von Udine. Und wieder hatten wir in dieser Nacht das Glück der Dämlichen. Nach Möglichkeit schliefen wir in unseren Schlafsäcken nahe am Auto oder im Auto bei geöffnetem Kofferraumdeckel. Wahrscheinlich war uns die Gegend unheimlich und deshalb schliefen wir im geschlossenen Auto.
Ich wage zu behaupten, das war unser Glück. Ganz früh am Morgen wurden wir ziemlich lautstark geweckt. An beiden Seiten der blauen Wurst sprangen wütend bellende und Zähne fletschende Schäferhunde hoch und kratzten mit ihren Pfoten an den Scheiben. Sämtliche Stoßgebete die mir einfielen, schickte ich zum Himmel und bat, dass am Auto wenigstens die Scheiben stabil sind.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit aber mindestens 15 Minuten, bis endlich zwei bewaffnete Wachleute kamen und ihre Hunde anleinten. Wir haben kein Wort verstanden, was sie uns zu der Baustelle erklärten und es interessierte uns auch nicht die Bohne. Wir zogen es vor diese ungastliche Gegend zu verlassen und weiter nach Venedig zu fahren.



Was kann ich zu Venedig (1979) sagen? Tauben, Dreck, Gestank, Gondoliere und viele Touristen. Sorry, mehr war nicht. Allzu lange blieben wir nicht und ich denke wir übernachteten nicht dort, sondern fuhren weiter zum Gardasee.
Wenn mich die Erinnerung nicht täuscht, fuhren wir nach Bardolino und leisteten uns dort eine Übernachtung in einer Pension. Anschließend suchten wir uns einen schönen Campingplatz und überraschten die Betreiber, dass wir nur einen PKW ohne Zelt hatten.



Dann hatten wir eine richtig schöne Zeit mit zwei klitzekleinen Schönheitsfehlern. Der erste war, dass wir natürlich fleißig am Nachtleben teilnahmen und uns irgendwer von DER Superdisko hoch oben in den Bergen erzählte.

Natürlich mussten wir dorthin. War auch Klasse dort! Nur gab es exakt als wir gingen ein irres Unwetter, das einfach nicht aufhörte. Wir losten aus wer zum Parkplatz die ca 50m runter lief und das Auto holte. Wie immer betrog Herbert und bereits nach 3m war ich klatschnass. Beim Schließen der Autotür klemmte ich mir zusätzlich die Finger ein. Dann fuhren wir mehr oder weniger im Blindflug die schmale Bergstraße hinab und dabei wollten ein Fiat 500 und die blaue Wurst eine kleine Annährung starten. Dabei lernte ich dann, dass (damals?) im Gegensatz zum übrigen Europa, in Italien der BERGAUF fahrende Vorfahrt hat und der andere stehenbleiben oder ausweichen musste. Beides war nicht möglich, somit bekam meine Versicherung, einen Brief mit Kosten da hätte man das halbe Fiat Werk kaufen können.
Das zweite Problem war -was auch sonst- Herbert. Wir schliefen jede Nacht im Freien und jede Nacht begann es nur kurz aber heftig zu regnen. Beim ersten Tropfen der fiel wachte Herbert auf, schlich sich leise ins Auto, belegte 2/3 der Liegefläche. Erst dann weckte er mich und ich konnte mich dann für den Rest der Nacht mit einem Miniplatz begnügen, während der Zwerg bequem vor sich hin schnarchte.

Jeder Urlaub geht einmal zu Ende und irgendwann traten wir die Heimreise auf dem kürzesten Weg über die Brenner Autobahn an. Und da geschah dann das Abschlussschmankerl, mit gehöriger Mitschuld von Herbert. Wir waren ziemlich übernächtigt und es war auch Nacht bei der Rückfahrt. Auf der Raststätte vom Brenner tankten wir und beim Wegfahren musste ich rückwärtsfahren. Ich blickte kurz nach hinten und sah kein Fahrzeug. Also ließ ich das Auto laufen und schaute schon wieder nach vorne, im Gegensatz zu Herbert. Urplötzlich zuerst ein Knall und ein heftiger Stoß und erst dann ein lautes Stopp von Herbert.



Auf dem hinteren Parkplatz stand ein dunkelbrauner Citroën DS (Déesse), der in voller Breitseite von mir gerammt wurde. Hinterher sagte Herbert, er hätte sich schon gewundert warum ich nicht bremste, aber er dachte ich wüsste was ich tue. Yooo auch das war nicht ganz billig, aber für was ist man denn versichert? :-) Das wäre auch noch mal eine Geschichte wert, als ich Dank der Intervention von Oma nach 4 Unfällen in einem Jahr als Fahranfänger von 175% die Versicherung wechselte und bei 125% eingestuft wurde.
Jedenfalls kamen wir heil in München an und für mich war es ein geiler Urlaub, der riiiiichtig Spaß machte.

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