Peter Alexander Christerer - Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Bierfahrer - ein harter Job! als mp3 hören?

Nachdem ich ca. 1 Jahr als Springer auf den großen Touren eingesetzt war und da auch teils unverantwortliche Dinge erlebte, ergab es sich, dass eine sog. "Stresstour" immer mehr Probleme bereitete. Zuerst ging der langjährige Fahrer in den Ruhestand und dessen Nachfolger wurde Rudi B., der für sein leicht aufbrausendes Temperament in der Brauerei bekannt war. Rudi kam -wie zu erwarten war- mit "Tennis" Felix nicht recht klar. Tennis deshalb weil er sehr gerne Tennis spielte, dafür aber auch häufig an einem "Tennisellenbogen" erkrankte. Felix wollte jetzt Boss auf dem Truck sein, ihm fehlte aber der 2er Führerschein und somit war er eher nicht ernst zu nehmen.

Irgendwann reichte es dem Fuhrparkleiter und er kam auf mich zu, ob ich mir zutrauen würde, mit Rudi ein "Team" zu bilden. Nun ich war nicht immer so zart besaitet wie heute und die Tour war genau das, was ich wollte. Große Mengen, aber "keine" Staplerposten, das war wichtig für die Abrechnung, und mit dem Radius Münchner Osten, dann Ismaning bis Erding und Markt Schwaben relativ klein.
Rudi sah ich dabei nicht als Problem, obwohl mir bekannt war, dass er Präsident eines kleinen aber gewalttätigen Dachauer Rockerclub war und eine Vorstrafe mit mehrjähriger Haft in der "Schwerverbrecher" Haftanstalt Straubing wegen versuchten Totschlags an zwei Polizeibeamten vorweisen konnte.
Nach ein paar klaren Ansagen und einigen Stresssituationen bildeten wir das, was eine kleine völlig überbewertete Partei erst viel später einführte, eine Doppelspitze. Diese funktionierte zum Leidwesen der Fuhrparkverantwortlichen und Disponenten nahezu perfekt und damit hatte niemand gerechnet. Rudi und ich wurden so etwas ähnliches wie temporäre Freunde und ich hatte mit ihm und seinem Club noch viele spannende Erlebnisse. Jedenfalls hatte ich somit schon nach sehr kurzer Zeit bei Hacker-Pschorr "meine" feste Tour.


Festhalten möchte ich auf jeden Fall: LKW-Fahrer ist für sich schon ein sehr anstrengender Job. Wenn dieser auch noch mit körperlicher Anstrengung gepaart ist -durchschnittlich hob ich pro Tag 15t vom LKW runter und 7,5t wieder rauf-, dann weißt du am Abend ganz sicher, was du tagsüber getan hast. Anderseits was ich in diesen 3 Jahren erlebte, das möchte ich nicht missen. Ob Kollegen, Kunden, andere Lieferanten, Verkehrsteilnehmer u.a.m. nahezu täglich ergab sich etwas bemerkenswertes. Ich würde mein Lied nicht wie Cat Stevens "all kinds of roses" sondern "all kinds of people" nennen und das Gleiche meinen.
Eines zeigte sich für mich ganz klar. Die Menschen sind nur am schnöden Mammon interessiert. Ob Großwirt oder kleiner Kioskbesitzer oder Baustellenkantinenbetreiber, money, money, money. Es gab -im Nachhinein- lustige Geschichten. als z. B. ein "verrückter" Bernhardiner meinte, er müsste mir von hinten seine mächtigen Pranken auf die Schulter legen und mir ziemlich laut ins Ohr knurren. Es gab brutale Erlebnisse als z. B. im "Rauchstüberl" nahe der Prinzregentenstraße der berühmte "Hammer Schorsch" übelst zusammengeschlagen wurde. Genau der Boxer, der bei mir früher (siehe It's partytime Teil 2) eine Rolle spielte. Und es gab skurille Geschichten, so z.B: wie Pferde auf der Trabrennbahn reagierten, wenn wir unsere pneumatisch unterstützte Gangschaltung des LKW benutzten. Für Rudi und mich waren es dann nicht mehr Pferde, sondern "Pfluftl".

Um es nicht ausufern zu lassen, werde ich drei, zugegeben nicht allzu typische, aber für uns auch nicht soooo außergewöhnliche Geschichten niederschreiben. Eine davon "Rudi - Retter in Not" bekommt einen eigenen, den nächsten Beitrag, denn die war schon ganz speziell. Die anderen zwei stelle ich hier vor.
Auf unserer Tour hatten wir auch öfters Baustellen zu beliefern und in aller Regel, waren das gute Posten, denn wie man in Bayern sagt: "Do geht scho was". Nur eine hatten wir einmal zu beliefern, das war schier unerträglich. Der Polier selbst nahm die Lieferung entgegen und schikanierte uns, wo es nur ging. So ließ er uns manchmal nur an einer Stelle halten, von der wir dann die Kisten über 200m Kies tragen durften usw.
Eines Tages war Rudi schlecht gelaunt (das wechselte sich zwischen ihm und mir immer ab) und er meinte: "Bäääda, wenn ma der Spinner heid blöd kummt, werd ich es ihm beibringa, das ma zu Bierfahra nett zu sein hat" Ich muss vorausschicken, dass Rudi ca. 190cm groß und etwa 110kg schwer, davon sehr viele Muskeln , war. Auf meine Frage, was er denn vorhat, antwortete er nicht. Und ich lernte schon sehr früh, dass es manchmal besser ist nicht alles zu wissen. Natürlich war der Polier auch schlecht drauf und die Geschichte nahm seinen Lauf. Rudi stellte die Getränke runter und ich tuckerte "7 hoch" den holprigen Kiesweg zum Lagerraum der Kantine. Als ich zum letzten Mal mit dem Leergut zurückkam, war der LKW samt Rudi nicht mehr da, aber auch der Polier war nicht mehr zu sehen.

Mein Blick schweifte über das Gelände und tatsächlich sah ich den Lkw in einer ziemlichen Staubwolke übers Gelände hopsen. Rudi kam an, öffnete die Seitenflächen (wir hatten keine Plane sondern stabile Wände), hob ein völlig schockiertes, verängstigtes, "gstandnes" Mannsbild vom Lastwagen und sagte: "Jetzt überlegst, ob du künftig etwas freundlicher bist, nächstesmal könnte ich wirklich grantig werden". Das war das letzte Mal, dass ich den Polier sah. Fortan durften wir die Getränke einfach an der immer gleichen Stelle abladen und dort stand auch das Leergut parat und die Unterschrift auf dem Lieferschein leisteten irgendwelche Arbeiter.
Ich kann euch sagen, ich habe es selbst ausprobiert. Ich ließ mich von Rudi auf der Ladefläche einsperren und mich in dem stockdunklen Behälter über eine geteerte gerade Straße fahren. Ich brach den Versuch nach 50m ab, weil ich mir sonst vor Angst in die Hose gemacht hätte und damals konnte mich nichts so leicht erschüttern. Aber die vollen wie leeren Bierkisten und Fässer schepperten und wackelten, dass ich jeden Moment das Gefühl hatte, die brechen über mir zusammen.

Die zweite Geschichte zeigt eigentlich nur, dass man Menschen nicht aufgrund ihres Erscheinungsbildes unterschätzen sollte. Wenn Rudi im Urlaub oder krank war, fuhr ich und bekam Springer als Beifahrer zugeteilt. Der Fahrer blieb beim Wagen und holte die Lieferung von der Ladefläche (Rudi und ich machten alles gemeinsam und wechselten mittags die Fahrerposition) und der Beifahrer verräumte die Ware beim Kunden. Das war mir zu anstrengend, weil das Erklären und Zeigen war mir zu langwierig.
Einmal hatte ich Hans aus Österreich als Beifahrer. Ein ca. 175-180cm großer eher leichtgewichtiger Mann aus der Steiermark. Bereits bei den ersten Kunden überraschte er mich aufgrund seiner Geschwindigkeit und Sorgfältigkeit. Doch dann geschah -aus meiner Sicht- die Katastrophe. Wir kamen zum Wienerwald nahe Riem und das war ein "Sch…" Posten. Alles musste durch einen sehr engen und tiefen Kellerschacht und wurde dann unten auch noch durch den Keller gekarrt. War alles noch zu händeln, doch meist gehörten zur Bestellung auch mehrere Alufässer mit 100l Inhalt. Diese wurden in das Loch von oben ca 1m tief in den Schacht geworfen und dann von dort nochmal 1,5m auf den Boden und in den Kühlraum gerollt.
Dann kam ein Fass und ich erkannte im Keller anhand der Kennzeichnung, dass es sich um die falsche Sorte (Export statt Helles) handelte. Mit vereinten (Personal vom Wienerwald) Kräften hievten wir das Fass aus dem Loch und ich sagte Hans, wenn ich raufkomme, müssen wir versuchen das Fass wieder auf die Ladefläche zu bekommen. Nachdem ich unten fertig war und nach oben kam, war kein Fass zu sehen. Auf meine Frage, meinte Hans, er hätte es zurückgestellt, das sei doch kein Problem.
Man muss wissen bei diesem 100kg schweren Fass hat man links und rechts lediglich ca 2cm Rand und muss somit mit den Fingerspitzen das Fass anheben. Als ich ihn nervte wer ihm dabei geholfen hätte, geht der Typ doch glatt an den Wagen und wirft das 100l Fass erneut runter. Stellt sich breitbeinig darüber, nimmt es mit den Fingerspitzen, rollt es ein paarmal hin und her und hebt es dann in einem Satz auf die bestimmt 1m hohe Ladefläche. Yooo ab diesem Zeitpunkt war ich höflicher zu Hans und bei der Rückkehr bat ich den Fuhrparkleiter mir für die restliche Zeit bis zur Rückkehr von Rudi keinen anderen Springer mehr zu zuweisen.

Leider ging die Geschichte von Hans, der ein einfacher, aber herzensguter Mensch war, nicht gut aus. Er wurde wohl für mehrere Jahre eingesperrt, nachdem er in München eine verruchte Kneipe alleine vollständig zerlegt hatte und dabei 6 Personen doch ganz schön was abbekommen hatten. Er war der irrigen Meinung, dass er seine "Freundin" aus den Klauen ihres Zuhälters befreien könnte, der sie nach seiner Meinung unflätig behandelte.
So die nächste Geschichte wird der Abschluss von Kapitel 5 und dabei handelt es sich um eine auf die ich nicht sonderlich stolz bin, aber sicherlich auch ein Teil von dem ist, was mich ausmacht.

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Rudi - Retter in Not