Peter Alexander Christerer - Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

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Tobias - die neue Generation als mp3 hören?
Wie im vorherigen Beitrag beschrieben, war das Jahr 1981 in den ersten 7 Monaten bereits sehr ereignisreich. Der Tod meines Vaters war ein riesiger Schock, obgleich es nicht überraschend kam. Selbst die Beerdigung konnte ich nur besuchen, nachdem mir mein damaliger Hausarzt Dr. Schmitt zwei Spritzen verabreicht hatte.
Doch wie so oft passt auch hier das Zitat von Robert Frost, einem amerikanischen Dichter:
„Ich kann das, was ich über das Leben gelernt habe, in drei Wörtern zusammenfassen: Es geht weiter!“

Und es blieb auch nicht viel Zeit zum Grübeln, denn die Schwangerschaft meiner 1. Ehefrau schritt voran, eine Wohnung musste her und dementsprechend auch die Einrichtung. Der Job als Bierfahrer bei Hacker Pschorr war körperlich sehr anstrengend und als Springer konnte ich auch keine festen Zeiten einplanen. Bereits zu diesem Zeitpunkt begann ich den Fuhrparkleiter zu bearbeiten, dass ich eine eigene Tour im Großraum München möchte, was für einen 21 jährigen ziemlich unverfroren war.
Die Schwangerschaft selbst verlief, nach meiner Erinnerung, bis auf ein paar übliche Befindlichkeiten und Eisenmangel bei Angelika völlig normal. Heute ist mir der ganz genaue zeitliche Ablauf nicht mehr erinnerlich. Jedenfalls war Angelika bereits ein paar Tage vor der Geburt in der Frauenklinik an der Taxisstraße in München.

Die Geburt zog sich hin, so dass irgendwann Wehen Tropfen verabreicht wurden, um die Geburt einzuleiten. Leider bemerkten die Geburtshelfer viel zu spät, dass Tobias feststeckte und wohl auch teilweise zu wenig Luft bekam. Erst nach geraumer Zeit wurde ein Kaiserschnitt durchgeführt und wenn ich mich recht erinnere kam Tobias in frühen Morgenstunden des 09. November 1981 zur Welt.
Leider teilte mir kürzlich Tobias mit, dass er nicht möchte, dass ich private Fotos von ihm veröffentliche. Diesen Wunsch respektiere ich selbstverständlich, deshalb nur dieses wunderschöne „neutrale“ Bild.
Zuerst nahm alles seinen gewohnten Gang. Wir waren junge, völlig unerfahrene Eltern und manche Auffälligkeiten wurden ignoriert oder von anderen Eltern mit Worten wie „Ach das wird schon, du musst ein bisschen Geduld haben“ etc. beschwichtigt. Erst als wir einen neuen Kinderarzt in Agnes Bernauer Straße aufsuchten, stellte dieser bei der Vorsorge Untersuchung U 9(?) ein Entwicklungsdefizit und eine Teilleistungsstörung im Bereich Grob- und Feinmotorik fest.
Was heute reine Routine ist, war 1984/1985 noch ganz am Anfang der Forschung. Die Kausalität für die Erkrankung von Tobias konnte nicht mehr ermittelt werden, Sauerstoffmangel während der Geburt wird als sehr wahrscheinlich angenommen. Nach dieser Diagnose begann das Martyrium für Tobias. Ich möchte jetzt nicht die Symptomatik der Einschränkungen beschreiben, aber im Nachhinein behaupte ich, dass es die Hölle für alle Beteiligten, das gesamte Umfeld mit eingeschlossen, ist.

Wir zogen das ganze Programm durch. Therapien, Heilpädagogischer Kindergarten, Förderschule, Psychologen usw. Speziell für Tobias war das eine Tortur. Bedauerlicherweise war mir Angelika dabei keine große Hilfe, mit diesem ganzen Behördenkram etc. war sie überfordert und zudem nicht „dynamisch“ genug. Bis zu meiner Trennung im Jahr 1992 änderte sich daran nichts, nur leider sahen das die Familienrichter -einschl. 2x Oberlandesgericht- anders und erteilten ihr das Sorgerecht, was aus meiner Sicht leider fatale Folgen hatte.
Durch den Kinderarzt (er war selbst Mitglied) kam ich zu der (neuen) Selbsthilfegruppe „Verein zur Förderung der Kinder mit minimaler cerebraler Dysfunktion“ und wurde dort auch Mitglied im Vorstand. Es war unglaublich wie viele Kinder betroffen waren und welche Dramen sich in Familien abspielten.

Während einer großen Veranstaltung in der Münchner Olympia Halle hielt ein bekannter Psychiater einen Vortrag für unseren Verein und führte als Einleitung aus:
„Das Wort minimal sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass die Probleme maximal sind. Einem Schwerbehinderten wie z. B: einem Rollstuhlfahrer sieht man seine Beeinträchtigung an und er wird genug Empathie erfahren. Kindern mit MCD (minimale cerebrale Dysfunktion) sieht man es nicht an und sie werden bestraft und gedemütigt.“
Dem ist nichts hinzu zu fügen.

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Die neue Wohnung Teil 1