Peter Alexander Christerer
Erinnerungen

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Hochzeit 1

Wie im Beitrag Verlorene Zeit - die Bundeswehr beschrieben, besuchte mich Angelika S. im Krankenhaus. Zwar hatten wir die „Beziehung“ schon einmal beendet, aber ich muss gestehen, ich war schon noch etwas verliebt in sie. Jedenfalls beschlossen wir, es noch einmal zu probieren und es wurde eine feste Verbindung daraus. Doch wie sang schon Wolfgang Ambros einmal: „Ex ist Ex und aufgewärmt ist nur Gulasch gut“.
Etwas schwierig gestaltete sich das Ganze, da sie inzwischen mit ihren Eltern nach Erding verzogen war und ich noch in Starnberg stationiert war. Doch glücklicherweise wohnten zwei Kameraden in der Nähe von Erding und wir gründeten eine Fahrgemeinschaft, mit mir als Fahrer. Da waren teilweise schon riskante Fahrmanöver zu beobachten, bei unserer täglichen Tour, speziell morgens um 05.00h. Die Wochenenden verbrachten wir dann meist bei mir im Gartenhaus.

Oft wird von jungen Leuten belächelt und nicht für wahr genommen, wenn ältere Ratgeber sagen, dass man sich Zeit lassen soll und man mit 19/20 Lebensjahren noch nicht die Tragweite einer festen Verbindung überblicken kann. Heute kann ich sagen: das stimmt! Bereits damals hätte ich erkennen müssen, dass sich unsere Einstellung zum Leben und auch die Zielsetzung für die Zukunft nicht nur nicht deckten, sondern in völlig unterschiedliche Richtungen zeigten.
Doch natürlich gefiel es mir als Macho der ich damals war - manche späteren Freundinnen behaupteten, das sei ich immer noch. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen ;-) -, eine Freundin zu haben, die widerspruchslos meine verrückten Ideen akzeptiert und auch meine Aktivitäten und Freiheitsdrang toleriert und zu allem ja und amen sagt. Dass sie öffentliche Veranstaltungen, „Rausgehen“ und selbst Familienfeiern verabscheut und es für sie sogar Stress bedeutete, nahm ich nicht zur Kenntnis oder ignorierte es. Klar fand ich es toll, zwar eine feste Freundin zu haben, dennoch mich alleine in den Kneipen und Discos austoben konnte.

All das wäre nicht so schlimm und auch nichts Besonderes, doch wir beschlossen sehr schnell, dass Angelika die Pille absetzen soll und wir eine Familie gründen wollen. Wir wollten „junge“ Eltern und nicht so konservativ wie unsere Eltern sein. Dass konservativ nichts mit jung zu tun haben muss, hätte mir klar sein können. Meine Eltern waren bei ihrem ersten Kind auch erst 22 Jahre alt. Es dürfte etwa März/April 1981 (vielleicht als Geburtstagsgeschenk?) gewesen sein, als sie mir mitteilte, dass sie schwanger sei. Die Freude war groß aber mir wurde auch klar, dass jetzt Schluss mit lustig war und vor allem das Projekt Wohnung in Angriff genommen werden musste.
Doch damals wie heute waren LKW Fahrer gesuchte Arbeiter und ich wusste zudem, dass die Firma Hacker-Pschorr über einen großen Immobilienbestand verfügte. So kam es, dass wir zeitnah eine 3-Zimmer Altbau Wohnung in München-Laim(?) erhielten. Dazu später mehr.

Klar war für mich, dass wir heiraten sollten und Angelika nahm den Antrag an, wie wir es bereits beim Absetzen der Pille angesprochen hatten. Ob mir damals das Gedicht von Friedrich Schiller „die Glocke“ bekannt war und ob ich den berühmten Vers:

Drum prüfe wer sich ewig bindet
ob das Herz zum Herzen findet.
Der Wahn ist kurz
die Reu ist lang.

kannte weiß ich nicht mehr, berücksichtigt hätte ich ihn ohnehin nicht.

Ebenso ist mir nicht mehr erinnerlich ob ich zu diesem Zeitpunkt schon von der schweren Erkrankung meines Vaters wusste. Auffallen hätte mir allerdings können, dass mir meine zukünftige Ehefrau keine große Hilfe bei der Organisation von den notwendigen Erledigungen war. Naja sie war dafür schwanger. Die Feierlichkeiten sollten in der Gaststätte von Hans, einem ehemaligen Hacker-Pschorr Kollegen, in Gauting stattfinden. Bei der Wohnung machte ich mit Erfolg in der Firma Druck, aber ich klotzte auch riiiichtig ran. Klar dass ich jetzt Springer auf den großen LKWs war, denn meinen BW Führerschein habe ich pünktlich zum 21. Geburtstag umschreiben lassen.
Ich wollte die großen Touren haben, denn mir war klar, dass es jetzt knapp werden würde im Geldbeutel. Alleinverdiener, Mietkosten, komplette Wohnungseinrichtung und bei beiden waren keine Geldreserven vorhanden. Leider ging es Vati immer schlechter und er lag im Martha Maria Krankenhaus an der Wolfratshauser Straße. Ich wollte die Hochzeit absagen, aber ich werde den Blick und die Worte von ihm nie vergessen, als er sagte: „Wenn du das tust, bin ich todunglücklich und kann nicht in Frieden sterben.“

Also heirateten wir am 01.06.1980 am Standesamt in München an der Ruppertstraße. Die Feierlichkeiten in Gauting hatten wir abgesagt und ich wollte nicht einmal mit den Trauzeugen noch Kaffeetrinken gehen, was bei meinem damaligen Schwiegervater auf Unverständnis stieß. Doch wir setzten uns in ein Taxi und fuhren in vollständiger Hochzeitskleidung ins Krankenhaus. Und auch diese Freude in den Augen meines todkranken Vaters werde ich niemals vergessen, das war mehr Wert als jede Torte!



Am Abend fand noch ein kaltes Buffet nur mit Freunden statt, dies wiederrum erregte Missfallen bei Oma und Liane. Doch ohne irgendetwas wollte ich den Tag auch nicht verstreichen lassen.

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