Peter Alexander Christerer
Erinnerungen

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Einführung (mp3) Bäääda`s Blog


Oma und die Mädels

Als streng katholische, kirchentreue Frau hatte es Oma nicht leicht mit ihrem Bäääda, zumindest was den Lebensstil und den Besuch von jungen Frauen anbelangte. Erschwerend kam für sie hinzu „Was sollen denn da die Nachbarn denken?“ Das Problem war, dass sie von ihrem Schlafzimmer in der 2. Etage genau auf das Gartentor und die Hofeinfahrt zum Gartenhaus blicken konnte.
Das tat sie häufig, aber ohne sich zu zeigen, denn dann hätte ich Verschleiherungsmaßnahmen eingeleitet. Wenn sie wieder etwas mitbekommen hatte, besuchte sie mich am nächsten Tag in meinem Zimmer und hielt mir eine Standpauke. Allerdings schmunzelte sie meistens, wenn ich sie an ihre eigene Lebenslust erinnerte. Schließlich hatte sie und das zur damaligen Zeit zwei uneheliche Kinder.

Doch eines Tages kam sie und ich weiß nicht warum sie wirklich so wütend war und machte ein richtiges Fass auf. Sie hatte am Vorabend beobachtet, dass ich eine rothaarige (mglw. war das für sie eine Hexe) zu mir ins Haus mitnahm und sogar, dass ich sie 3 Stunden später wieder verabschiedete.
Was ich alles zu hören bekam, sie vergaß ihre katholische Erziehung und nannte mich tatsächlich einen Hurenbock und dass die Leute annehmen mussten, dass das jetzt ein Puff sei und so weiter und so fort. Das Ende vom Lied war, dass sie mir allen Ernstes mit Rauswurf drohte, wenn ich noch einmal ein Mädchen mitbringen würde.

Nun das war ein worst case Szenario! Doch es kam ganz anders und nahm eine überraschende Wendung. Wie ich bereits einmal erwähnte, besuchte mich Freitagsabend häufig Rainer „Edi“ E. Rainer ist nicht sehr hoch gewachsen, breitschultrig, mit schulterlangem pechschwarzem Haar und einer tiefen Bassstimme ausgestattet.
Als Edi kam war es schon etwas dunkel. Oma wollte wohl überprüfen ob ich mich an ihre Vorgaben hielt, stand oben und hatte ihr Fenster leicht geöffnet. Als Edi und ich gerade die Garagen passiert hatten und sozusagen in freier Sichtbahn standen, schrie Oma mit voller Entrüstung von oben herab: „Bäääda ich hab es dir gesagt, wenn du wieder ein Weibsbild reinschleppst, dann schmeiße ich dich raus!“

Edi, schlagfertig wie er nun einmal war, drehte sich in ihre Richtung und rief mit seiner sehr tiefen Stimme „Guten Abend Frau Schrott!“ nach oben. Das war zu viel für sie. Blitzartig schloss sie das Fenster und ward nicht mehr gesehen. Am nächsten Tag kam sie, immer noch völlig konsterniert, und wollte wissen, ob ich es jetzt auch noch mit Männern „treibe“. Erst als ich sie überzeugt hatte, dass ich meiner hetero sexuellen Veranlagung ganz sicher treu bleibe, dass sie Edi kennt und ihn schon öfters im Garten angetroffen hätte, war sie beruhigt und Mädelsbesuche wurden nie wieder thematisiert.



Aber Oma lieferte mehr solche Stückchen. Herausragend war z. B: das Ding mit dem Melissengeist. Eines Nachts -ich wohnte bereits mit Familie in der Elsenheimer Str.- rief sie gegen 01:00h an. Ihre Stimme war sehr schwach und sie klagte: „Bäääda ich sterbe, mir geht es so schlecht, ich muss sterben.“ Dann folgten einige Anweisungen was ich in diesem Fall zu tun hätte. Natürlich war erstmal geschockt -sie klang wirklich nicht gut- und ich war etwas sprachlos. Doch was mir häufig als mangelnde Empathie vorgeworfen wird, sehe ich als Sachlichkeit und Pragmatismus und so leicht bricht bei mir keine Panik aus. Nach einer kurzen Schockphase fragte ich was denn eigentlich los sei.

Zuerst stammelte sie weiter, dass ich unbedingt kommen muss und dass ich für eine „schöne Leich“ (Beerdigung) zu sorgen hätte und, und, und… Erst als ich massiv und etwas autoritärer nachfragte, fing sie an den Vorfall zu schildern: Sie suchte -wie häufiger- etwas in ihrer Küche und öffnete dabei alle Schranktüren. Dann ist sie anscheinend mit ziemlichen Schwung von am Boden knieend aufgestanden und hat dabei vergessen, dass die Türe des oberen Schränkchen geöffnet war.
Mit voller Wucht knallte sie mit ihrem Kopf gegen die Ecke der Türe und zwar so heftig, dass sie sich auf dem Boden wiederfand und auch noch blutete. Nachdem die Blutung gestillt war, wuchs ihr eine mächtige Beule. Klar, dass ich nachhackte und fragte was sie unternommen hat. Sie meinte, sie hätte ein mit Melissengeist getränktes Taschentuch darauf gedrückt, um die Schwellung zu stoppen.

Yooo eisern war sie! Ich möchte nicht wissen, wie hochprozentiger Alkohol in einer offenen Wunde brennt. Daraufhin entstand folgender Dialog:
Ich: „Ja und was hast du dann gemacht“
Sie: „Das hat ja nichts geholfen, ich dachte ich muss ein Stamperl trinken, vielleicht hilft es ja von innen heraus. Klosterfrau Melissengeist hilft immer“
„Ja hat es denn geholfen?“
„Nein, überhaupt nicht!“
„Ja und dann?“
„Dann habe ich halt noch ein Stamperl getrunken.“
Am Ende ergab sich, dass sie nahezu die gesamte 0,75l Flasche leer getrunken hatte und einfach nur sturz betrunken war. Hörbar erleichtert, als sie das hörte und somit nicht sterben musste, sagte sie nur noch: „Na gut, dann gehe ich halt jetzt ins Bett und schlafe meinen Rausch aus“. Sie legte einfach auf und das Thema Melissengeist wurde fortan ignoriert.

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