Peter Alexander Christerer
Erinnerungen

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Die neue Frau

Um das Leben zu beschreiben, genügen drei Worte: „Es geht weiter“. Ja es ging weiter, obwohl ich das Gefühl hatte, dass unter mir kein Boden mehr existiert. Der Absturz erfolgte rapide. Ich wurde zu einem üblen Raufbold und eigentlich von niemanden mehr zu kontrollieren. Mein Vater musste von früh bis spät in seinem Geschäft arbeiten, mein Bruder Otto war schon 19 Jahre alt, mit anderen Dingen beschäftigt und sonst war niemand mehr zugegen.

Sogar ein Schulpsychologe wurde bemüht, als ich wieder einmal einen Klassenkameraden verprügelte und dabei eine riesige Fensterscheibe zu Bruch ging. Meine Freizeit verbrachte ich meist mit üblen Gestalten im Freizeitheim Fürstenried und wurde dort geschult, was Drogenhandel, Schlägereien, Ladendiebstahl und andere kriminelle Handlungen anging. Mir fiel eigentlich gar nicht auf, dass mein Vater zu der Zeit manchmal nach dem Geschäft gar nicht heimkam oder häufig heimkam, sich umzog und wieder länger fortging.

Mein Vater war bestimmt ebenso traumatisiert nach all diesen schrecklichen Ereignissen, wie auch mein Bruder und ich. Doch für mich war das nicht so schlimm, wenn er nicht da war, da konnte ich (12-13 Jahre alt!) nachts an Aktionen wie „das grüne Manderl“ oder Freizeitheimpartys teilnehmen. Diese endeten jedoch oft so, dass die „Großen“ mich als „Benjamin“ vorschickten, um einen Gast einer anderen Gang zu provozieren. Dieser ließ sich das verständlicherweise nicht gefallen und so bekam ich in der Regel doch noch etwas ab, bevor mir geholfen wurde.


Irgendwann wurden die „Ausflüge“ meines Vaters klar für mich. Er hatte eine neue Frau kennengelernt. Liane A. geschieden mit einem 3 Jahre alten Sohn. Und so kam es, dass bereits im August 1973 Hochzeit gefeiert wurde. Ob mein Vater das so forcierte, weil er erkannte, dass ich unweigerlich auf dem absteigenden Ast war oder warum auch immer, das habe ich nie erfahren. Jedenfalls war zumindest „Schrott“ Oma sehr dagegen.

Jedenfalls hatte ich dann eine Stiefmutter und einen Stiefbruder. Allerdings beging mein Vater einen schweren Fehler! Er wollte mich zwingen zu Liane „Mutti“ oder Mutter zu sagen. Für mich war das undenkbar und nur mit größten Widerwillen sagte ich dann notgedrungen „Mama“ zu ihr.
Heute denke ich, dass sich das Verhältnis zwischen mir und Liane wesentlich besser entwickelt hätte und auch dieser entsetzliche Streit (kommt später als eigener Beitrag) zwischen meinem Vater und mir nicht so hart geworden wäre.

Heute sage ich, dass Liane das Beste war, was mir passieren konnte. Ohne sie und ihre sehr kluge und vorsichtige Erziehung hätte ich den Absprung nicht mehr geschafft und hätte wohl dieselbe „Karriere“ wie einige der kriminellsten Fürstenrieder eingeschlagen. Schade, dass auch hier mein bereits zitierter Spruch „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Doch leben muss man es vorwärts. “ voll zutrifft. Liane hätte in den ersten Jahren unserer Bekanntschaft viel mehr Respekt verdient.

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