Peter Alexander Christerer - Erinnerungen

Widmung

Dieses Buch ist jemanden gewidmet, den ich von ganzen Herzen liebe und achte. Noch nie wurde ich von diesem Menschen im Stich gelassen oder gekränkt.

Dieses Buch ist mir gewidmet.

Gästebuch (6 Beiträge) Begonnen: Sommer 2018, beendet: noch nicht! Anregungen, Kritik, Kontakt ---> eMail
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Schulrektor Schmidt

Nachdem ich die ersten 4 Jahre Grundschule einigermaßen passabel über die Runden gebracht hatte, dachte ich mir schlimmer kann es nicht mehr kommen, sondern ein Lichtblick am fernen Horizont zeichnet sich ab. Insbesondere da sich ein Wechsel ans Gymnasium in keinster Weise andeutete. Ein Lichtblick war z. B., dass die damals in der Grundschule noch üblichen Schriftnoten wegfielen.
Dazu muss man wissen, dass es meinem Vater bei der Zeugnisausgabe auf zwei Bewertungen, nämlich die Schriftnote und die Bemerkung der Lehrkraft oben im Zeugnis ankam. Mit beiden konnte ich nicht wirklich brillieren und meinen Vater keinesfalls zu Jubelausbrüchen ermuntern. Später kamen noch Religion und Mathematik (hier allerdings mehr das Grund- und Kopfrechnen, wichtig im Geschäft!) hinzu.

Doch was soll ich sagen? Es kam schlimmer! Erstens in Form von vielen neuen Fächern und damit verbunden längeren Schulzeiten. Dies schränkte meine ohnehin knappen Ressourcen im Bereich sinnvoller und kreativer Freizeitgestaltung – s.a. nächsten Beitrag – noch stärker ein.
Zweitens in Form des Klassenlehrers: Rektor Schmidt, das war eindeutig der Super GAU! Ich kann bis heute nicht verstehen, wie man einen derart autoritären, fast schon bösartigen Menschen auf Kinder im Alter von 10-11 Jahren loslassen konnte.
Die Begriffe Liebe und Hass verwende ich nur selten, da es sich um sehr starke Worte handelt, welche nicht inflationär gebraucht werden sollten. Doch wenn an unserer Schule jemand gehasst wurde, dann war es zweifelsohne Rektor Schmidt. Dies führte soweit, dass zwei ehemalige Schüler (Karlie und Jackie) zwei tote Ratten an einem fachgerecht geknüpften Galgenstrick mit dem deutlichen Hinweis: „Der nächste bist du, Schmidt“ am Haupteingang der Schule befestigten.
Dies führte zu massiven Untersuchungen einschließlich Befragungen der Hauptverdächtigen durch die Polizei. Weswegen ich befragt wurde, ist mir auf ganzer Linie schleierhaft. Natürlich hielten die paar Wenigen denen die Täter bekannt waren dicht und so verlief die Sache im Sande.

Einmal jedoch zeigte Rektor Schmidt mir gegenüber so etwas wie Empathie. Und zwar im Zusammenhang mit Wiggerl. Wochenlang schon terrorisierte und sekkierte mich Schmidt mit einen aus Streichhölzern zu bauendem Holzhäuschen. Ich war definitiv ein ADHS (Aufmerksamkeits - Defizit - Hyperaktivität - Syndrom) Kind, nur damals kannte diese Krankheit bzw. Fehlfunktionen niemand. Kinder wie mich nannte man einfach Tollpatsch, Zappelphilipp und Klassenclown. Jedenfalls war es feinmotorisch unmöglich für mich, so ein dämliches Haus zu bauen und das wusste Herr Schmidt auch. Also wollte er mich, wie so oft, der Klasse vorführen und das exakt am 11.11.1970. Natürlich wollte ich ihm diese Freude nicht gönnen und als ich mein Kunstwerk der Klasse präsentieren sollte, sagte ich einfach, ich hätte es zu Hause vergessen. Dass ich noch nicht einmal mit der Fertigung begonnen hatte, musste er ja nicht unbedingt erfahren.

Selbstverständlich wollte mich Rektor Schmidt dann so richtig fertigmachen und das begann immer sehr harmlos und endete immer mit einer fürchterlichen Erniedrigung. Nach meiner Aussage kam in leicht spöttischem Tonfall die Frage von ihm: „Na warum hast es denn vergessen?“ Worauf ich kurz und knapp antwortete: „Weil heute Nacht mein Bruder gestorben ist.“ Selten in meinem Leben habe ich einen derart fassungslosen und schockierten Gesichtsausdruck gesehen, als hier bei Rektor Schmidt. Er konnte es nicht glauben, fragte nach und nach meiner Bestätigung lies er sich auf seinen Stuhl nieder und mit feuchten Augen und belegter Stimme schickte er mich sofort nach Hause und gab mir auch noch einen Mitschüler zur Begleitung mit.
Das Häuschen war nie wieder ein Thema und ich hatte den Eindruck, dass sich sein Verhalten mir gegenüber danach etwas veränderte ohne es genau definieren zu können.

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Herbert und die Beule