Peter Alexander Christerer

Erinnerungen

Berlin, im Sommer 2018
Da sind sie nun, meine Erinnerungen!
Es handelt sich um ein "living" E-Book. Ganz einfach deshalb, weil ich Schritt um Schritt das Schriftstück fortführen werde.

Prolog

Prolog bedeutet Vorwort und deshalb möchte ich einige Worte schreiben, damit verständlicher wird, weswegen ich in meinen Erinnerungen genau das schreibe, was ich schreibe.

Autobiografien oder Memoiren wie sie derzeit häufig die „Bestsellerlisten“ anführen, haben mit dem ursprünglichen Ziel einer Autobiografie meistens nicht mehr viel Gemeinsamkeiten.
Die Autobiografie sollte den Versuch darstellen, den Verlauf des eigenen Lebens zu reflektieren, Rechenschaft abzulegen, gute und schlechte Eigenschaften abzuwägen und Bekenntnis vor sich und vielleicht vor einem nicht weltlichen Richter abzulegen.

Der Kirchenfürst Aurelius Augustinus (350 - 430 n.Chr.) war diesbezüglich Weg weisend.
Fernab von den heute gängigen effektheischenden und Marketing relevanten Schönfärbereien und wenig tiefgängigen Romanen anstatt Biografien, zeigte eine Autobiografie über Jahrhunderte dramatische Ereignisse, spontane Lebensumbrüche und vollständige Neuorientierungen des Autors auf.

Ich möchte keinen Roman schreiben, sondern im Sinne (vielleicht etwas weniger gewaltig ;-) des französischen Schriftstellers Jean-Jacques Rosseau (1712 - 1778) vorgehen.

Die ersten Sätze seiner Autobiografie „Les Confessions“ (Bekenntnisse) stellen ein wahres Fanal dar:

„Ich beginne ein Unternehmen, das ohne Beispiel ist und das niemand nachahmen wird.
Ich will meinesgleichen einen Menschen in der ganzen Naturwahrheit zeigen und dieser Mensch werde ich sein.
Ich allein. Ich lese in meinem Herzen…"

Doch keine Sorge, wer jetzt eine der vielen ausschweifenden und schöngefärbten Autobiografien oder gar Memoiren -wie sie immer noch zuhauf verbreitet werden- erwartet, könnte enttäuscht werden.
Es soll meine Offenbarung und meine Bestandsaufnahme für mich werden. Es soll mein Lebensarchiv werden, das im Laufe der Zeit immer weiter aus- und umgebaut werden kann. Da ich weder prominent, für die Allgemeinheit „wichtig“ und auch nicht gebildet bin, kann ich frei, „wie mir der Schnabel gewachsen ist“, loslegen.
Sollte sich jemand erkennen und sich beleidigt fühlen, im falschen Licht dargestellt sehen oder sonst irgendwie nicht einverstanden sein, dann tut mir das leid. Es ist nicht meine Absicht jemanden zu beleidigen oder zu nahe zu treten, aber es ist mein Leben und ich gebe wieder, wie ich alles empfunden habe und empfinde.

Wichtig:
Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass ich manche der aufgeführten Personen nicht anonymisieren kann und ich möchte auch nicht abstrakt über diese wichtigen Menschen schreiben, bei den eher „temporären“ aber oft ebenso wichtigen anderen Personen, werde ich nicht den richtigen Namen verwenden, sondern ein Pseudonym benutzen.
Leider darf ich nicht über meinen Arbeitgeber im „Klartext“ schreiben und manche Vorgänge unterliegen immer noch der Geheimhaltung. Das ist schade, denn die Tätigkeit für diesen „Verein“ ist maßgebend für den überwiegenden Teil meines Lebens. Oder wie Ice Cube sagen würde: "Gangster Rap made me do it". Aber so sind nun mal die gesetzlichen Vorschriften und ich vermute, dass DIESE Behörde hier keine „Meinungs- und Mitteilungsfreiheit“ gelten lässt.


Peter Christerer, Berlin im Sommer 2018
Inhaltsverzeichnis

Einführung

Mein Name ist Peter Alexander Christerer und das sind Erinnerungen aus meinem Leben. Die Idee markante Situationen aus meinem Leben aufzuschreiben, entstand während einer "charming" Afghanistan Dienstreise im Jahr 2004.
Nach meiner Rückkehr saßen wir (Günter N., Günter R. und ich) auf einer Bank an der Forstenrieder Allee in München und tranken ein Bierchen.

Mein innerer Akku war dermaßen leer, dass ich nur noch auf Pause stellen wollte. Da erwähnte ich zum ersten Mal, ein Buch mit dem Titel "Ein ganz normales Leben oder doch der Weg in die Schizophrenie" schreiben zu wollen. Die Entgegnung von Günter R. ist mir noch sehr gut in Erinnerung: "Bäääda du bekommst von mir einen Blankoscheck, trag ein was du möchtest, aber dieses Buch will ich lesen. Auch wenn ich danach kotzen muss." Und er meinte kotzen wahrscheinlich nicht wegen meiner schlechten Grammatik.
Zuerst ging ich frohen Mutes daran und dachte lass die kleinen grauen Zellen mal ein bisschen arbeiten, dann fällt dir bestimmt alles wieder ein. Ob mir alles einfiel weiß ich natürlich nicht, aber es fiel mir viel zu viel ein, schlicht weil ein großer Teil völlig belanglos ist. Dann stellte ich fest, dass zudem keine Struktur vorhanden ist und es wie „Kraut und Rüben“ durcheinander geht.

Also was tun sprach Zeus, die Götter sind besoffen. Letztendlich blieb nichts anderes übrig, als mein bisheriges Leben in Zeitabschnitte einzuteilen und diesen Abschnitten dann ein paar Themen oder Episoden zu zuordnen. Dazu wurden auf dem guten alten Papierblock Notizen verfasst und dann wurde durchgestrichen was das Zeug hielt. Dabei fielen dem Rotstrich manche Komplexe wie Sport -ja ja sogar den habe ich mal betrieben- oder Kartenspiele (Herbert du hast nie das Bonanza Rad gewonnen!) zum Opfer. Selbst die riesigen Themengebiete wie Freizeitheim Fürstenried West, Holzleg, Strasser Stüberl, Maxhof Casino oder in der Neuzeit die Berliner Nachtclubszene, afrikanische Freundinnen u.v.a.m. werden gar nicht oder nur mit 1, 2 kleinen „Gschichterln“ erwähnt.

Ich möchte hier nichts unterschlagen, es handelt sich dabei häufig schlicht und ergreifend um unschöne Dinge. Zum Teil höchst kriminell, beleidigend, sexistisch, brutal, rassistisch, gewalttätig, diskriminierend und einfach nur schwer zu ertragen. Und doch gab und gibt es gute Seiten an mir, auch wenn diese vielleicht nicht so markant zum Vorschein kommen.

Ich möchte hier nichts beschönigen oder mich besser darstellen als ich bin.

Ich weiß alles was ich tat und meistens auch warum. Die Straftaten sind verjährt und mit den moralischen Verfehlungen kann ich leben, darüber soll irgendwann ein höherer Richter Urteil sprechen. Doch wer immer das liest kann sich kein Gesamtbild machen und das wäre zwingend erforderlich, um mich zu bewerten.
Keinem werde ich widersprechen, der behauptet ich sei ein schlechter Mensch. Keinem werde ich widersprechen, der behauptet er sei ein besserer Mensch als ich. Doch sollten alle Menschen, die glauben mich beurteilen zu müssen, damit umgehen können, dass ich all Jenen ein herzhaftes und lautes „I don’t care, I don’t give a fuck, I don’t give a damn“ zur Antwort geben könnte.

Ich habe meinen Frieden gefunden und für mich gilt: „I am me and I am okay!“

Was bleibt sind die Stationen und Ereignisse, welche mein Herz erreichten, belasten oder erheitern und Situationen die entweder genial eingefädelt (Herbert und der Kühlschrank) oder einfach nur kurios und/oder lustig waren.
Noch ein Tipp für all diejenigen, die das Dokument lesen und hinterher kein gutes Haar daran lassen. Ob die Kritik wegen inhaltlichen, stilistischen oder sonstigen Gründen erfolgt, diesen netten Zeitgenossen sei gesagt: Ihr müsst es nicht lesen. Einfach aufhören zu lesen und sich besseren und schöneren Dingen widmen.
Lieber Leser, was immer du dir denkst, z. B: über mich, über dein Leben, über alles was so geschieht auf der Welt, für mich ist eines ganz gewiss:

"Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Doch leben muss man es vorwärts."

Alles Gute wünscht euch da Bäääda
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Ein bedeutender Tag

Der 10. April 1960 war aus mehreren Gründen ein bedeutender Tag: Auf der 7. Deutschen Camping-Ausstellung in Essen wird mitgeteilt, dass eine wesentlich gestiegene Nachfrage für Wohnwagen zu verzeichnen ist; es herrscht im Norden Deutschlands die größte Trockenperiode seit Menschengedenken; es ist Palmsonntag, es ist Vollmond und ich wurde als 3. Sohn von Marianne Christerer, geb. Reichardt und Otto Christerer, wohnhaft in der Hochbrückenstraße 8 im Tal, also direkt neben dem Münchner Marienplatz, um 22:25h geboren.


Naturgemäß habe ich an die ersten Jahre wenig Erinnerung. An der Ahnenforschung, sprich Historie unserer Familie war und bin ich nicht sonderlich interessiert, insbesondere da außer meinem um 7 Jahre älteren Bruder Otto alle meine älteren direkten Verwandten bereits verstorben sind.
Gut erinnern kann ich mich noch an Luise „Reichardt“ Oma, welche bis zu meinem 13. Lebensjahr eine bedeutende Rolle eingenommen hat. Und an die „Schrott“ Großeltern, wobei Opa eigentlich mein Stiefopa war. Die sehr lebenslustige Maria „Schrott“ Oma gebar ZWEI uneheliche Kinder, darunter meinen Vater Otto. Deshalb mein Name CHRISTERER, entsprechend dem Geburtsnamen meiner Oma. Und mal ehrlich: Christerer klingt doch eh viel schöner als Schrott!

Reichardt Oma war Jahrgang 1899 und ihr Mann Friedrich verstarb wohl während des 2. Weltkrieges. Schrott Oma war Jahrgang 1901 und beide Elternteile von mir wurden 1931 geboren. Mein „echter“ Großvater war zumindest vor ein paar Jahren noch am Leben, ich lernte ihn jedoch nie kennen. Als ich Oma -die zudem streng katholisch erzogen wurde und sehr die Regeln der Kirche beachtete- einmal fragte warum sie denn keinen der Erzeuger ihrer Kinder heiratete, schließlich war ein uneheliches Kind zur damaligen Zeit ja eine große Schande, antwortete sie: „Weißt du Peter, der hat immer zu mir gesagt: „Maria wenn sich zwei Herzen lieben, dann ist auch in der kleinsten Hütte Platz für sie. Doch ich wollte doch schon immer ein großes Haus besitzen“.

Offensichtlich waren die Platzverhältnisse in der Hochbrücken Straße etwas beengt, denn 1963 bezogen wir eine 5 Zimmer Wohnung einer Neubausiedlung in Fürstenried West. Diese Wohnhäuser waren öffentlich gefördert und hatten eine soziale Mietpreisbindung.
Heutzutage erscheinen 5 Zimmer riesig und unbezahlbar, die zweite Eigenschaft könnte stimmen, aber die erste relativiert sich, wenn man bedenkt, dass neben den Eltern mit drei Kindern auch noch Reichardt Oma und Onkel Hugo -der Bruder meiner Mutter- mit einzogen.
Somit war völlig logisch, dass die drei Buben im Alter von Otto „Burschi“ 10, Ludwig „Wiggerl“ 7 und Peter 3 in einem Zimmer untergebracht wurden. 1963 waren die Babyboomer noch aktiv und 3 Kinder pro Familie war der Standard.
Auch damals gab es Ausnahmen von der Regel und „unser“ Hauseingang war auf der linken Seite mit den eher kinderarmen Familien bestückt, als da von EG bis 3.OG mit je einem Kind die Familien Uebler, Grill, Brandner und Pietsch (2K) wohnten.
Die rechte Seite von EG bis 3.OG war mit Christerer (3K), Michelet (2K), Schwab (3K) und Voit (7K) besetzt. Benno das Kind von Pietsch war schwerstbehindert und somit nicht involviert, die restlichen 19 Kinder reichten allemal um ordentlich Rabatz zu schlagen.
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Onkel Hugo der Spaßvogel

Onkel Hugo war genau das, was kleine Kinder lieben. Single und somit mit viel verfügbarer Zeit, kinderlieb und mit einem Herz so groß wie ein Bergwerk ausgestattet, zumindest aus Sicht eines 3-jährigen. Selbst unglaublich verspielt, brachte er häufig kleine Geschenke mit nach Hause. Oft jedoch solche, die den Eltern nicht gerade Freude bereiteten.

Einmal brachte er mir eine absolute Neuheit in Form eines Fallschirmspringers der per Schleuder in die Luft geschleudert wurde und am höchsten Punkt dann den Fallschirm öffnete und sanft zu Boden gleitete. Was heute noch nicht einmal ein Gähnen verursacht, war 1964 herausragend.
Doch wie so oft geschah ein kleines Missgeschick mit einem Geschenk von Onkel Hugo. Er selbst katapultierte kraftvoll den Springer nach oben und dieser landete in einem der vorm Haus befindlichen Bäume. Kein Problem dachte sich Onkelchen und benutzte die Schleuder als Steinschleuder um den Springer zu befreien. Hätte möglicherweise funktionieren können, wenn nicht vorher eine Fensterscheibe von der Familie Voit im 3. OG kaputt gegangen wäre.
Noch ein Unterschied von damals zu heute: Nachdem der Sachverhalt mit den Voits geklärt war, wurde der arme Mann mit vereinten Kräften in einer abenteuerlichen Aktion mit Hilfe eines verlängerten Besenstils aus seinem Baumgefängnis befreit.

Aber Onkel Hugo konnte auch unangenehm werden und zwar dann, wenn er nicht pünktlich sein Abendessen bekam. Reichardt Oma bereitete ihm das zu und Hugo war nach dem Essen und einer Maß Bier wieder der friedlichste Mensch.

Doch in regelmäßigen Abständen kam Tante Zenta zu Besuch und das konnte das Abendessen für Onkel Hugo nach hinten verschieben, was diesen zu durchaus drastischen Aktionen veranlasste:
Einmal schickte er mich als 3-jährigen Pimpf mit einem (stumpfen!) Marmeladenmesser von seinem Zimmer aus zur Diele wo sich Oma und Tante Zenta im Gespräch vertieft befanden. Ich sollte zu Tante Zenta gehen und mit erhoben Messer „abstechen, abstechen“ sagen.
Klar für Onkel Hugo hätte ich damals alles getan und dementsprechend stand ich dann vor Tante Zenta. Glücklicherweise war sie schwerhörig und die undeutliche Aussprache eines 3-jährigen hätte sie ohnehin nicht verstanden. Aber Oma verstand sehr wohl und kannte auch den Verursacher, was im Anschluss zu heftigen Diskussionen zwischen den beiden führte.
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Onkel Hugo und der Auszug

Tante Zenta war mir und ich denke auch meinem Bruder Wiggerl (Ludwig) sehr unheimlich. Sie roch „muffig“ und trug immer eher schäbige, alte Kleidung, war wohl auch sehr geizig und bevorratete sich bei solchen Besuchen immer mit Lebensmittel aus dem Hause Christerer. Wie so oft kann das täuschen, sie war eine durchaus vermögende Person.
So hat sie u.a. in ihrem Testament verfügt, dass 1200 DM (war viel Geld damals) zur Korrektur meiner vorstehenden Zähne im Oberkiefer verwendet werden sollten. Warum meine Eltern das nicht taten, weiß ich nicht. Wahrscheinlich hätte mir das später viel Spott und die Spitznamen „Hase, Hasenzahn“ erspart.

Das absolute Highlight war allerdings ein Weihnachtsgeschenk von Onkel Hugo. Ein großes Feuerwehrauto, mit Blaulicht und Sirene, Feuerwehrleuten und einem funktionierenden Löschtank! Nun nachdem die Feiertage vorüber und alle im Alltag zurück waren, kam meine Zeit. Ich wollte einmal als Held dar stehen und die Familie, ach was, das ganze Haus retten. Also brach in meiner Phantasie ein großer Zimmerbrand in unserem Wohnzimmer aus und ich war zur Stelle! Yooo ich löschte eine komplette Wandseite auf ungefähr 50cm Höhe. Was ein kleiner Junge nicht wissen konnte, war, dass sich Tapeten ablösen können. Und ich muss gestehen, so richtig schick sah es anschließend nicht mehr aus im Wohnzimmer.
Das war das Ende meines Feuerwehrwagens und für Onkel Hugo die strenge Auflage von derartigen Geschenken künftig Abstand zu nehmen.

Eine wirkliche Katastrophe passierte als irgendwann 1966 Onkel Hugo aus unserer Wohnung auszog und eine eigene in der Appenzeller Straße bezog. Wir wohnten in der Tessiner Straße 163 und es war nicht wirklich weit weg. Doch für einen kleinen Jungen nahezu unerreichbar! Klar war es erforderlich, denn Otto war schon 13 Jahre alt und zu dritt in einem Zimmer war nicht wirklich prickelnd.
Ebenso klar war, dass sich die Besuche verringerten und somit einfach ein schwerer Einschnitt im Leben eines 6-jährigen geschah. Insbesondere als 1966 auch die verhasste Schule für mich begann und Onkel Hugo sicher eine zumindest moralische Unterstützung gewesen wäre.

So richtig glücklich mit diesen Umständen, denke ich, war wohl niemand so recht. Und als Onkel Hugo im Jahr 1967 mit nur 36 Jahren verstarb, woran weiß ich nicht mehr, war wohl evtl. auch eine Portion gebrochenen Herzens dabei. R.I.P. Onkel Hugo, vielleicht treffen wir uns ja irgendwann im Nirwana wieder.
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Die Lohmeiers

Wie gesagt gab es in unserem Hauseingang eine ganze Reihe von Kindern. Natürlich wurden auch Freundschaften geschlossen und für mich kamen altersmäßig eigentlich nur der Brandner Manfred und die Schwab Brüder Stefan und Christian in Frage. Das funktionierte auch zeitweise, doch wirkliche Freundschaft schloss ich mit den „Lohmeiers“ wohnhaft im Nebeneingang also Tessiner Straße 161. Zuerst waren nur Hannes Baujahr 1958 und Herbert geboren 1959 da, später kam noch Heidemarie genannt Heidi hinzu.

Der Kontakt besteht heute noch und die Freundschaft zu Herbert hält jetzt seit sage und schreibe 55 Jahren und wird wohl auch die restliche Zeit bis zum Abflug bestehen bleiben. Und ich denke, alle Schandtaten die wir gemeinsam verübten, würden zumindest ein kleines Büchlein füllen.

Natürlich waren die Lohmeiers auch dabei, als ich zur „Sensationsfahrradfahrt“ als 4 jähriger ansetzte. Stolzer Besitzer eines braunen Mini Fahrrades bog ich aus der Unterwalden Straße kommend nach links in die Tessiner Straße ein. Das wäre jetzt nicht unbedingt so berauschend gewesen, obwohl mir Oma selbstverständlich das Fahren auf der Straße verboten hatte.
Doch die Sensation dabei war, dass ich angekündigt hatte, die Kurve mit geschlossenen Augen und freihändig zu bewältigen. Yoooo es funktionierte, das einzige Problem tauchte in Form eines grünen VW Käfers auf und bevor ich mich versah, landete ich ziemlich unsanft auf dessen Motorhaube. Verletzt wurde ich dabei überhaupt nicht, doch es empfahl sich in solchen Situationen ein herzhaftes, sehr lautes und Mitleid erregendes Geschrei von sich zu geben.
Die arme Frau (eigentlich erstaunlich 1964 Frau am Steuer) war laut Herbert völlig konsterniert und gab immer „Ich verstehe gar nicht, wie mich der Bub übersehen konnte.“ von sich. Nun ausnahmsweise hielten alle dicht und es gab keine Bestrafung für den kleinen Peter.
Übrigens wurde ich tatsächlich „da kloane Bäda“ (der kleine Peter) genannt - obwohl ich von der Körpergröße ausgehend eher zu hoch gewachsen für mein Alter war -, weil der Name Peter damals außerordentlich populär war und in unmittelbarer Umgebung, weitere DREI Ältere und somit größere Peter lebten.

Ausnahmsweise dicht gehalten deshalb, denn die folgende Geschichte mit den Lohmeier brothers verlief ganz anders und sorgte wie so häufig für einigen Ärger.
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Die Lohmeiers und der Herr Steinacher

Das Jahr 1966 und Onkel Hugo war bereits ausgezogen. Hannes, Herbert und ich spielten im Umfeld unseres Häuserblocks. Dabei fielen uns am Hinterausgang des Katra Marktes, geführt von Herrn Steinacher drei lange Neonröhren auf, welche unverpackt an die Mülltonnen angelehnt waren. Die erste Science-Fiction Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ war gerade im deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden und natürlich waren wir drei Universum Helden. Sofort bezogen wir gegenüber in den Gebüschen Stellung und bewarfen die Neonröhren mit kleinen Steinchen. Irgendwann reichte es Hannes, todesmutig rannte er über Straße und zerstörte mit einem großen Stein mindestens eine der Neonröhren. Nun das Geschepper verursachte Lärm und so was bedeutete für uns Rabauken schon immer: Flucht ergreifen!


Logisch hatten wir ein schlechtes Gewissen und dann geschah das Fatale: Herbert die Pflaume lief wie immer, wenn er was angestellt hatte, nach Hause und legte sich ins Bett. Somit war für Frau Lohmeier klar, irgendetwas hat er angestellt, denn am helllichten Tag legte sich damals kein Junge ins Bett.
Ich rannte um das Haus und warf mich bei der Hausnummer 165 in der Tessiner Straße ins Gras hinter einem Steinvorsprung. Nur Hannes die Pfeife, der Verursacher des Schlamassels, wurde von Herrn Steinacher erwischt.
Doch was macht Hannes? Er übt Verrat und sagt „es war der Christerer Peter“ und zeigte auch noch mein Versteck. Ok Hr. Steinacher behauptete ALLE 3 Röhren wären kaputt und sie waren neu! Eine sollte angeblich 12 DM gekostet haben. Also was tun. Da kam der glorreiche Peter auf die Idee nach Hause zu gehen und Oma zu erklären, dass Onkel HUGO noch Schulden bei Hr. S. in Höhe von 36 DM hatte.

Oma zweifelte stark an dieser Geschichte, gab mir trotzdem das Geld und ich marschierte stolz wie Oskar zu S. und bezahlte. Schon war alles geritzt. Allerdings nur bis zum nächsten Tag. Als nämlich Oma zum Einkaufen ging, sprach sie natürlich die vermeintlichen Schulden von Onkel Hugo an und das war das Ende von Raumschiff Orion samt Besatzung. Ich denke die Summe wurde mit den Lohmeiers geteilt und ich möchte hier nicht ausführen, welche dramatischen Folgen dies für die Länge meiner Ohren und die Kürzung meines Taschengeldes bedeutete.

Im nachhinein stellen sich bei mir allerdings starke Zweifel an der Korrektheit von Herrn Steinacher ein. Ob die Neonröhren wirklich neu waren und ob wirklich alle drei kaputt gegangen sind, das erscheint mir zumindest sehr fragwürdig.
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Kindergarten und Schulbeginn

Kindergarten und Schulbeginn, bzw. die gesamte Schullaufbahn sind eher ziemlich dunkle Kapitel in meinem Leben. Bereits die Ankündigung demnächst täglich am Vormittag den Kindergarten zu besuchen und somit meine geliebte Oma und Umgebung verlassen zu müssen, verursachte Panikattacken.

Doch es half nichts ich wurde gezwungen den katholischen Kindergarten St. Matthias zu besuchen um mich auf den Ernst des Lebens, sprich Schule vorzubereiten. Schon da dämmerte es mir, dass das mit Schule und mir nicht das Optimale werden wird. Und es kam wie es kommen musste: Die ersten Wochen war ich nur mit mehr oder weniger Gewalt, begleitet von ziemlichen Geweine und Gezeter, in den Kindergarten zu verfrachten.

Im Kindergarten selbst - auch das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben - fiel ich durch meine „Steifheit“ und Ungeschicklichkeit auf und das konnte ich nur durch Härte gegenüber den anderen Kindern oder Frechheiten den Kindergärtnerinnen gegenüber, kompensieren. Zu der Zeit im Kindergarten habe ich seltsamerweise keinerlei Erinnerung zu irgendwelchen besonders herausragenden Vorfällen, im Gegensatz zu den ersten Schuljahren.

Schulbeginn in der Grundschule an der Walliser Str. war im September 1966 und die Neugierde war schon sehr groß, was ich für neue Menschen kennenlernen würde und - wie man heute sagt - was so abgeht. Natürlich gab es eine riesige Schultüte und ein paar Geschenke. Doch die Ernüchterung folgte sehr schnell! Stundenlanges stillsitzen, stundenlanges leise sein, ständig nach etwas gefragt zu werden, was man doch gar nicht weiß. Ich dachte damals, dass Lehrer gescheite Leute wären, also warum fragten sie dann andauernd?


Wenigstens der Schulsport war erträglich, denn durch meine Kraft, war ich im Tauziehen immer ganz vorne mit dabei, ebenso bei Ballspielen mit der Hand wie Völkerball. Und noch etwas war eine feine Sache: Die Typen welche jenseits der Graubündner Straße ( war so etwas wie eine Grenze) wohnten, lernte man jetzt kennen und da waren schon ein paar coole Typen dabei.

Neben mir saß geraume Zeit Peter Grosser, der Sohn von Peter Grosser, dem Kapitän des TSV 1860 München, dem deutschen Fußballmeister von 1966. Yep das war schon was. Grossers waren übrigens extrem nette Menschen ohne jegliche Starallüren und Frau Grosser hatte immer etwas für uns parat, wenn wir mal bei Peter zuhause waren. Leider hat die Familie schwere Schicksalsschläge ertragen müssen. Beide Söhne verstarben früh. Peter als 19jähriger 1979 bei einem Verkehrsunfall und Thomas der exakt 5 Jahre jünger war als ich, verstarb kurz vor Vollendung seines 43. Geburtstages während eines Hallentrainings in Unterhaching.

Ein weiterer riesiger Vorteil war, dass meine älteren Brüder auch an der Schule waren. Ok, Otto war nicht so relevant, er war einfach zu alt. Aber Wiggerl, das war herausragend! Als 6-jähriger einen Bruder zu haben, der 4 Jahre älter ist und zudem so eine Art „Anführer“ darstellte, denn ob er damals schon seine legendäre „Wiggerl Clique“ anführte, das weiß ich nicht mehr so genau. Jedenfalls wurde ich mehr oder weniger unantastbar, speziell von den 2. und 3. Klässlern, die uns Zwerge natürlich terrorisierten. In meiner Klassengemeinschaft war das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Der nächste Beitrag ist zwar kurz, aber beschreibt zugleich einen der drei traurigsten Abschnitte meines Lebens. Selbst jetzt, beim Schreiben was vor fast 50 Jahren geschah, sind Tränen in meinen Augen und ich denke an den Song von Pink Floyd „wish you were here“. Es folgt die Geschichte von Ludwig „Wiggerl“ Christerer aus der Sicht eines damals 10-jährigen Kindes.
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Ludwig „Wiggerl“ Christerer

Ludwig - wie in Bayern üblich - „Wiggerl“ genannt Christerer wurde am 30.10.1956 in München geboren. Wiggerl litt an schwerem Asthma. Ob von Geburt an oder ob sich die Krankheit erst später entwickelt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. In den 1960er Jahren war Asthma noch nicht so erforscht und Medikamente zum Einnehmen kamen erst Anfang der 1970er auf den Markt.

Wiggerl litt sehr unter den Anfällen, die durchaus lebensbedrohlich werden konnten. In meiner Erinnerung fanden diese hauptsächlich nachts statt und Wiggerl rannte dann ( warum auch immer ) aus dem Zimmer zur Toilette und schrie dabei um Hilfe. Dies führt natürlich bei Atemnot nicht unbedingt zur Besserung, könnte aber durch die häufig auftretenden Angstzustände bei Asthmaanfällen zu erklären sein. Irgendeiner der anwesenden Erwachsenen versuchte ihm dann zu helfen.

Für mich war das schwer zu begreifen, da von gar nichts bis zu lebensbedrohlich oft nur Minuten vergingen. Manchmal war ich sogar eifersüchtig, denn logischerweise wurde Wiggerl besonderes Augenmerk zuteil. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mich sogar freute, dass Wiggerl diese Krankheit hatte, denn dadurch entging ich bei der Einschulung der obligatorischen Pockenschutzimpfung und meine Angst vor Spritzen war auch mit 6 Jahren schon ausgeprägt.

Ansonsten war Wiggerl im gesamten Viertel außerordentlich beliebt. Irgendwann entstand eine Jugendbande und als Wiggerl zum Anführer erwählt worden war, hieß sie nur noch die „Wiggerl Clique“. Bereits damals herrschten in den Bezirken gut gepflegte Feindschaften und gegen eine Rauferei hatte damals niemand etwas einzuwenden. So waren eine Gang im Maxhof angesiedelt, eine weitere unter Führung von „Bautze“ in Forstenried und in Fürstenried Ost waren die Spitzers von Rang und Namen. So lächerlich es heute für eine Erwachsenen auch klingen mag, aber für kleine Jungs wie mich bedeutete das - zumindest in Fürstenried West - durchaus eine gewisse Sicherheit der Bruder von Wiggerl zu sein.

Dann kam die Nacht, die sich wie Säure in mein Gehirn und mein Herz geätzt hat. Wiggerl und ich hatten noch ein gemeinsames Zimmer, während Otto in das ehemalige Zimmer von Onkel Hugo gezogen und schon in der Lehrausbildung war.
In der Nacht vom 10. zum 11.11.1970 hatte Wiggerl einen Anfall, sprang wie immer aus dem Bett und lief um Hilfe schreiend zur Toilette. Doch dieses Mal dauerte es nicht lange und er verstummte, denn so ein Anfall konnte auch ganz spontan beendet sein. Leider war es sein letzter Anfall. Früh am Morgen als Vater wie üblich aufstand um in seine Metzgerei zu fahren, konnte er nicht auf die Toilette, denn sie war verschlossen und auf sein Klopfen antwortete niemand.

Man konnte die Türe von außen mit einem Geldstück oder Schraubendreher öffnen und als mein Vater dies tat, saß Wiggerl leblos auf der geschlossenen Toilettenschüssel. Natürlich entstand ein lauter Tumult und davon geweckt, trat auch ich aus meinem Zimmer und sah frontal auf den sitzenden, toten Bruder. Dieser Anblick und seine vorherigen Schreie werden wohl bis zu meinem Ende nahezu täglich zur Erinnerung kommen. Heutzutage denke ich wäre diese Erkrankung durchaus einfacher zu Händeln, aber das Leben hält nun mal nicht nur Pralinen parat.

R. I. P. Wiggerl du warst mein Held!

Damit beende ich das erste Kapitel und der nächste Lebensabschnitt, den ich für mich als wichtigsten bezeichnen möchte, beginnt. All die Vorkommnisse und die darin involvierten Menschen - so denke wenigstens ich - ließen mich zumindest bis 1995 so agieren wie es nun einmal geschah.
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Schulrektor Schmidt

Nachdem ich die ersten 4 Jahre Grundschule einigermaßen passabel über die Runden gebracht hatte, dachte ich mir schlimmer kann es nicht mehr kommen, sondern ein Lichtblick am fernen Horizont zeichnet sich ab. Insbesondere da sich ein Wechsel ans Gymnasium in keinster Weise andeutete. Ein Lichtblick war z. B., dass die damals in der Grundschule noch üblichen Schriftnoten wegfielen.
Dazu muss man wissen, dass es meinem Vater bei der Zeugnisausgabe auf zwei Bewertungen, nämlich die Schriftnote und die Bemerkung der Lehrkraft oben im Zeugnis ankam. Mit beiden konnte ich nicht wirklich brillieren und meinen Vater keinesfalls zu Jubelausbrüchen ermuntern. Später kamen noch Religion und Mathematik (hier allerdings mehr das Grund- und Kopfrechnen, wichtig im Geschäft!) hinzu.


Doch was soll ich sagen? Es kam schlimmer! Erstens in Form von vielen neuen Fächern und damit verbunden längeren Schulzeiten. Dies schränkte meine ohnehin knappen Ressourcen im Bereich sinnvoller und kreativer Freizeitgestaltung – s.a. nächsten Beitrag – noch stärker ein.
Zweitens in Form des Klassenlehrers: Rektor Schmidt, das war eindeutig der Super GAU! Ich kann bis heute nicht verstehen, wie man einen derart autoritären, fast schon bösartigen Menschen auf Kinder im Alter von 10-11 Jahren loslassen konnte.
Die Begriffe Liebe und Hass verwende ich nur selten, da es sich um sehr starke Worte handelt, welche nicht inflationär gebraucht werden sollten. Doch wenn an unserer Schule jemand gehasst wurde, dann war es zweifelsohne Rektor Schmidt. Dies führte soweit, dass zwei ehemalige Schüler (Karlie und Jackie) zwei tote Ratten an einem fachgerecht geknüpften Galgenstrick mit dem deutlichen Hinweis: „Der nächste bist du, Schmidt“ am Haupteingang der Schule befestigten.
Dies führte zu massiven Untersuchungen einschließlich Befragungen der Hauptverdächtigen durch die Polizei. Weswegen ich befragt wurde, ist mir auf ganzer Linie schleierhaft. Natürlich hielten die paar Wenigen denen die Täter bekannt waren dicht und so verlief die Sache im Sande.

Einmal jedoch zeigte Rektor Schmidt mir gegenüber so etwas wie Empathie. Und zwar im Zusammenhang mit Wiggerl. Wochenlang schon terrorisierte und sekkierte mich Schmidt mit einen aus Streichhölzern zu bauendem Holzhäuschen. Ich war definitiv ein ADHS (Aufmerksamkeits - Defizit - Hyperaktivität - Syndrom) Kind, nur damals kannte diese Krankheit bzw. Fehlfunktionen niemand. Kinder wie mich nannte man einfach Tollpatsch, Zappelphilipp und Klassenclown. Jedenfalls war es feinmotorisch unmöglich für mich, so ein dämliches Haus zu bauen und das wusste Herr Schmidt auch. Also wollte er mich, wie so oft, der Klasse vorführen und das exakt am 11.11.1970. Natürlich wollte ich ihm diese Freude nicht gönnen und als ich mein Kunstwerk der Klasse präsentieren sollte, sagte ich einfach, ich hätte es zu Hause vergessen. Dass ich noch nicht einmal mit der Fertigung begonnen hatte, musste er ja nicht unbedingt erfahren.

Selbstverständlich wollte mich Rektor Schmidt dann so richtig fertigmachen und das begann immer sehr harmlos und endete immer mit einer fürchterlichen Erniedrigung. Nach meiner Aussage kam in leicht spöttischem Tonfall die Frage von ihm: „Na warum hast es denn vergessen?“ Worauf ich kurz und knapp antwortete: „Weil heute Nacht mein Bruder gestorben ist.“ Selten in meinem Leben habe ich einen derart fassungslosen und schockierten Gesichtsausdruck gesehen, als hier bei Rektor Schmidt. Er konnte es nicht glauben, fragte nach und nach meiner Bestätigung lies er sich auf seinen Stuhl nieder und mit feuchten Augen und belegter Stimme schickte er mich sofort nach Hause und gab mir auch noch einen Mitschüler zur Begleitung mit.
Das Häuschen war nie wieder ein Thema und ich hatte den Eindruck, dass sich sein Verhalten mir gegenüber danach etwas veränderte ohne es genau definieren zu können.
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Herbert und die Beule

Freizeitgestaltung war zu meiner Kindheit noch sehr kreativ und spielte sich nach Möglichkeit im Freien ab. Unser Revier war sehr groß und in den ersten Jahren hatten wir noch reichlich Felder und Baustellen zur Verfügung. Der wirkliche Großteil der Siedlung wurde von 1968 – 1974 erbaut. Der Wald jenseits der Forst-Kasten-Allee gehörte ebenso zu großen Teilen den „Fürstenried Westlern“, die Neurieder und Großhadener wurden nicht ernst genommen.
Nach der Schule ging es nach Hause, es wurde gegessen und Hausaufgaben erledigt. Oma war hier doch eher streng. Danach ging es nach draußen und irgendeinen Hawara traf man schon. Handy und so ein Zeugs gab es nicht, deshalb wurden Vereinbarungen meist in der Schule getroffen oder man ging zu seinem Freund. Oft antwortete die Mutter auf die Frage ob der oder der raus darf mit strengem Blick und fester Stimme: „Dass ihr mir ja nichts anstellt!“.
So oder so ähnlich wird es wohl gewesen sein, als Herbert und ich im näheren Umfeld unserer Wohnung unterwegs waren um mit unseren Erbsenpistolen eine kleine Schlacht auszutragen. Erbsenpistolen waren kleine Pistolen welche ursprünglich mit silbernen Kügelchen gefüllt wurden, die aber käuflich erworben werden mussten. Chronisch knapp bei Kasse stahlen wir lieber Erbsen aus dem Vorratsschrank oder im Kaufhaus (shame on me!), manchmal nahmen wir auch kleine Vogelbeeren, welche hässliche gelbe Flecken auf der Kleidung verursachten.

Herbert wollte es dieses Mal besonders gut machen und mich vernichtend schlagen. Zu diesem Zweck kletterte er auf eines der Garagendächer in der Glarus Straße. Er vermutete mich zu Recht im Bereich der Garagen oder in den gegenüberliegenden Hecken. Er schlich sich leise rückwärtsgehend in Richtung Tessiner Straße, natürlich jederzeit bereit eine Salve Erbsen auf mich abzufeuern, falls ich in seinen Blickwinkel kommen sollte.

Guter Plan, nur zwei ganz entscheidende Fehler machte Herbert! Er unterschätzte seine Standfestigkeit auf einem schrägen Dach und vergaß zudem, dass das Dach irgendwann zu Ende war. Als er es bemerkte war es zu spät! Er fiel rücklings aus ca. 2,8m Höhe vom Dach in den Innenhof und hatte unglaubliches Glück. Herr Steinacher hatte seinen schweineteureren Opel Admiral nicht in die Garage gefahren, sondern genau davor geparkt.

Mit einem gewaltigen Bums und dementsprechenden Lärm krachte Herbert auf die Motorhaube des Kfz. Diese hatte sogleich eine tiefe Delle und Herbert eine große Beule am Kopf. Was dann geschah war Routine. Was machte Peter? Riiiiiiichtig Lärm bedeutet Flucht, weglaufen. Was machte Herbert? Riiiiiiichtig nach Hause gehen und ab ins Bett. Was machte Herr Steinacher? Riiiiiiichtig zu Lohmeiers gehen und sich den Schaden bezahlen lassen. Doch ich denke inzwischen hatten alle Familienoberhäupter für ihre Sprösslinge Haftpflichtversicherungen abgeschlossen.

Fazit: 1. Glück gehabt! Ein Sturz aus dieser Höhe auf den harten Asphalt hätte wahrscheinlich deutlich schlimmere Auswirkungen auf Herberts Gesundheit gehabt. 2. Selbst danach verstand Herbert immer noch nicht, dass es keine gute Idee ist, sich mit mir anzulegen.
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Das Jahr 1971 Teil 1

Irgendwie muss das Jahr 1971 (neben einigen anderen) in meinem Oberstübchen besonders verdrahtet sein. Obwohl mir nur zwei außergewöhnliche Ereignisse gut erinnerlich sind. Nach dem unfassbar schrecklichen Ende, mit dem Tod von Wiggerl, des Jahres 1970, war der Beginn des Jahres 1971 selbst für einen 10 jährigen eher traurig zu nennen. Wiggerl fehlte mir einfach. Und ich muss auch noch mal zurück gehen, nämlich an den Tag der Beerdigung, denn was sich da ereignete prägte zum Teil auch meine Entwicklung und somit späteres Leben.

Vor der Aussegnungshalle befand sich ein Teich, sozusagen ein Biotop mit Fischen, Fröschen und Enten. Der überwiegende Teil war von Bäumen und Wiesen eingegrenzt, nur genau gegenüber der Halle war eine niedrige Steinmauer angebracht. Dort saß ich ziemlich traurig und beobachtete die unglaubliche Anzahl von Menschen, welche der Beerdigung von Wiggerl beiwohnen wollten.



Plötzlich gesellten sich der Werner Stoiber und der Wolfgang Kolbeck (oder auch Dappert) zu mir. Ich kannte beide gut, aber sie waren eben die Altersklasse von Wiggerl und somit ca. 3-4 Jahre älter als ich. Beide waren ziemliche Raufbolde (sie entwickelten sich weiter zu gefürchteten Schlägern) und sie sahen mich sehr ernst an und versprachen dann feierlich, dass die Clique beschlossen hatte mich als ihr Maskottchen trotz meines Alters aufzunehmen.
Ebenso hätte jeder geschworen mir zu helfen und mich zu beschützen, wenn es nötig sei. Natürlich relativierte sich das später, doch der harte Kern gehörte fortan zu meinen Freunden und das sollte später durchaus Auswirkungen haben.

Zurück zu 1971. Wiggerl wurde im Münchner Waldfriedhof neuer Teil bestattet. Dort befanden sich auch die Gräber der beiden noch nicht lange verstorbenen Tante Zenta und Onkel Hugo. Die Gräber mussten im Sommer gegossen werden. So blieb es nicht aus, dass ich mit dem Rad dorthin zu fahren hatte und ein paar Gießkannen Wasser verteilen sollte.
Immer den drohenden Zeigefinger der Eltern vor Augen, das Rad am Eingang stehen zu lassen, denn im Friedhof ist das Radfahren bei hoher Strafandrohung durch die Friedhofsleitung untersagt.
Ich fürchtete mehr den Zorn meines manchmal autoritären Vaters als die Strafe der Friedhofswächter, wollte aber keinesfalls den ganzen Weg zu Fuß gehen. Um es einmal ganz klar zu sagen: Auch wenn meine Eltern manchmal nach heutigen Maßstäben autoritär und streng waren und hin und wieder auch mal eine Ohrfeige verteilten, sie gaben mir genug Wärme und Zuneigung, so dass ich sie und natürlich auch Oma sehr liebte.

An einem heißen Sommertag musste ich nach Schule und Hausaufgaben wieder einmal die Gräber gießen und bat Stefan Schwab mich zu begleiten. So radelten wir zum Friedhof, „vergaßen“ wie immer die Räder abzustellen und fuhren mit hoher Geschwindigkeit über den sehr breiten Kiesweg Richtung Grabstätte von Wiggerl. Wir kamen mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit aus einer langgezogenen Kurve und das Drama begann wegen eines ca. 400m entfernt stehenden Friedhofwächters mit großer beeindruckender Schirmmütze.
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Das Jahr 1971 Teil 2

Ob er uns gesehen hatte wussten wir nicht. Jedenfalls spielten sich in meinem Kopfkino beunruhigende Szenen ab was am Abend zuhause wohl geschehen würde. Möglicherweise war in meinem Unterbewusstsein der Berufswunsch „Stuntman“ vergraben und kam jetzt zum Vorschein. Blitzartig fasste ich den Entschluss in voller Fahrt vom Rad zu springen, neben dem Rad laufend dieses abzubremsen und es dann, was ja erlaubt war, zu schieben.



Yoooohhh hat bis auf eine winzige Kleinigkeit funktioniert! Leider vergaß ich dabei die am Lenker befindliche Gießkanne zu berücksichtigen. Diese verhinderte dass ich senkrecht auf dem Boden landete, sondern stattdessen in der Waagrechten mit voller Geschwindigkeit quer über den breiten mit scharfkantigen kleinen Kieselsteinchen ausgestatteten Weg schlitterte und irgendwann im Grünstreifen landete.

Was soll ich sagen? Es war eine äußerst schmerzhafte, horrormäßige Blut Show und die Fleischfetzen hingen an meinem Knie wie ein Türvorhang, der in 1000 Streifen geschnitten war. Wie ich (mit Rad!) heimgekommen und von Oma zur Hausärztin Dr. Paul gebracht wurde, weiß ich nicht mehr. Die Ärztin erkannte sofort den Ernst der Lage, versorgte mich notdürftig und ließ mich per Rettungswagen in die Haunersche Kinderklinik am Goethe Platz bringen.

Nach einer schwierigen Operation stand es sehr lange auf der Kippe, ob das Bein unterhalb des Knies zu retten sei oder ob amputiert werden musste. Glücklicherweise blieb mir das Bein, sowie ein mehrwöchiger Klinikaufenthalt mit anschließenden 6 Wochen Gips zuhause und eine schöne rechtwinklige Narbe, welche das gesamte Knie überzieht.

Deshalb war ich an dem zweiten wichtigen Ereignis des Jahres 1971 (glücklicherweise) nicht beteiligt. An einem heißen Sommertag streiften Peter S, Günter und Reinhold (Ritter) N, Herbert L und Klaus E durch das Erweiterungsgelände im Waldfriedhof. Das war sehr groß, bestehend aus Wald und feldartigen Wiesen. Peter S zeigte das Kunststück wie er mit Daumen und Zeigefinger ein Streichholz an der Schachtel entzünden konnte und dieses im Salto brennend zu Boden fiel. Am Boden wurde dann das Feuer ausgetreten.

Irgendwann wollten die Jungs (besonders auf Druck von Peter S) das Feuer etwas größer werden lassen, bevor sie es löschten. Es kam wie es kommen musste! Das strohtrockene Gras geriet auf einmal so schnell in Brand, dass ein Löschen nicht mehr möglich war und breitete sich rasend schnell aus.
Klar gaben die 5 Gauner sofort Fersengeld und flüchteten Richtung Ausgang Tischler Straße. Das Feuer entwickelte sich so stark, dass die lodernden Flammen weithin zu sehen waren. Reinhold hielt - was mich im Nachhinein, da ich viel mit Reinhold erlebte, sehr erstaunt – einen LKW an und bat den Fahrer, dieser möge die Feuerwehr verständigen.

Jedenfalls war wohl das Aussehen und Auftreten von Reinhold so verdächtig, dass der LKW-Fahrer Reinhold festhielt bzw. seine Identität klärte. Das Feuer wuchs inzwischen zu einem Höllenfeuer heran und musste von einem Großaufgebot der Münchner Feuerwehr gelöscht werden. Klar war, dass die Familien der „Brandstifter“ für den Schaden aufkommen mussten und wie das untereinander geregelt wurde, ist mir nicht bekannt.

Fazit: Manchmal ist eine Knieverletzung nicht ausschließlich schlecht, denn normalerweise wäre ich bestimmt bei dieser Aktion mit im Boot gewesen.
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Peter und die Realschule

Wie gesagt hatte 1971 bis auf die zwei beschriebenen Ereignisse in meiner Erinnerung wenig zu bieten und das Jahr 1972 begann ähnlich stabil. Und dennoch muss irgendetwas geschehen sein, urplötzlich schien sich mein schulisches Engagement zu bessern. So gut, dass nach Ende des 6. Schuljahres der Übertritt zur Otto-Hahn-Realschule bevorstand.

Im Nachhinein denke ich, dass es damals der Druck auf die Allgemeinschule war. In der Zeit war es einfach schick, wenn schon nicht aufs Gymnasium, dann zumindest auf die „Mittelschule“ zu gehen. In einigen Stadtteilen gab es gar keine Hauptschule mehr.
Für mich war es jedoch völlig unerheblich, denn bereits damals stand zu 100% fest, dass ich -im Gegensatz zu meinem Bruder Otto, der ihn zwangsweise ausübte- den Beruf meines Vaters, nämlich Metzger erlernen wollte. Wozu dann Realschule?



Also begab sich der „kloane Bäääda“ an die Otto-Hahn-Realschule an der Drygalksi Allee. Viel ist mir dazu nicht mehr erinnerlich, denn der Besuch war -wohl eher wegen meines Benehmens als wegen den Schulnoten- nur von kurzer Dauer.
Die Schulzeiten waren gewöhnungsbedürftig, nämlich 3x vormittags und 2x nachmittags. Dies führte dazu, dass ich häufiger bei meiner alten Schule an der Walliser Straße auftauchte und ziemlich üblen Schabernack trieb, denn „meine“ alte Klasse befand sich im alten Schulgebäude im Erdgeschoss.

Von den Mitschülern sind nur 3 erwähnenswert. Martin H, ein übles asoziales Subjekt und brutaler Schläger. Durch ihn lernte ich in einem extremen Faustkampf, dass es manchmal gut ist, sich nicht an die Regeln der Fairness zu halten. So verspürte er und nicht ich die Schmerzen. Er verstarb noch in jungen Jahren, ich vermute an einer Überdosis Heroin.

Dann war da Jirco B-K. Durch diesen Kerl kam ich zum ersten Mal mit „weichen“ Drogen in Form von Haschisch und Marihuana in Berührung. Auf dem Bild ist ein kleines Restaurant zu sehen. Das war in den siebziger Jahren eine „Teestube“. Im hinteren Bereich wurde allerdings gekifft was das Zeugs hielt. Nun in der Zeit von Hardrock und beginnenden Heavy / Death Metal war das völlig normal.

Last but not least befand sich zu meiner Freude Reinhold „Ritter“ N in der Klasse und natürlich saßen wir nebeneinander in der letzten Reihe und beschäftigten uns mit vielem, allerdings eher weniger mit schulischen Angelegenheiten.
Reinhold hatte manchmal etwas komisch anmutende Verhaltensweisen. So nahm er ein Lineal und Zirkel zur Hand und fabrizierte einen kleinen Spalt im Schultisch. Die Aufteilung war 2/3 zu einem 1/3. Dann gab er mir zu verstehen, dass die 2/3 sein Platz sind und sollte mein Ellenbogen auf „seinen“ Bereich kommen, würde er mir mit seinem „Totschläger“ (eine ca. 20cm lange mit Leder umwickelte runde Eisenstange von etwa 2cm Durchmesser) eine drüber ziehen.

Tatsächlich führte er diese für mich schmerzhafte Prozedur mehrfach aus. Schlagartig stoppte er diese Vorgehensweise als er urplötzlich, mit seinem Stuhl wippend, das Gleichgewicht verlor, sich auf dem Boden wiederfand und ich auf ihm saß. Dabei erklärte ich ihm, dass ich zwar keinen „Totschläger“ besitze, dafür aber ziemlich harte Fäuste.
Es kam, wie es kommen musste. Freundlich aber bestimmt wurde meinen Eltern mitgeteilt, dass der Besuch der Realschule noch etwas zu früh für mich kommt und ich es ja nächstes Jahr noch einmal probieren könnte. Ich denke nach all den Verweisen und Arresten in der kurzen Zeit, vermuteten meine Eltern ohnehin, dass dieses Experiment bald beendet sein dürfte.

Riiiichtig ungerecht empfand ich nur, dass Reinhold noch mit ins Skilager fahren durfte, bevor auch er wieder in der Walliser Schule auftauchte. Möglicherweise vermuteten die Lehrkräfte dass wir beide zusammen diese Schulveranstaltung in eine völlig andere Richtung führen würden als geplant und trafen dann einfach einen Losentscheid.
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Marianne Christerer

Marianne Christerer, geb. Reichardt wurde am 23.05.1931 in München geboren.

Nach dem Desaster mit der Realschule, meldete mich meine Mutter wieder an der Hauptschule an der Walliser Straße an. Ich konnte sie an diesem Tag wegen Unpässlichkeit nicht begleiten. Nie werde ich vergessen, als sie zurück kam und mir mitteilte, dass ich ab sofort die Klasse mit der Lehrkraft Frau Draxler besuchen sollte.
Das war genau die Dame welche ich, wenn ich an der Otto-Hahn-Schule nachmittags Unterricht hatte, bis zur Weißglut von außen reizte. Da kam bei mir nicht wirklich Freude auf. Sie war es auch, die die entsetzliche Bemerkung in meinem Zwischenzeugnis (siehe Rektor Schmidt) machte. Nun ich bin ganz sicher nicht stolz auf dieses Benehmen von damals, doch heute denke ich, dass das vollkommen verständlich war. Auch die späteren Verhaltensmuster sind mir völlig klar, ohne dass man ein Psychologe sein muss. Ich hatte und habe schlicht und ergreifend die Todesfälle in der Familie als Kind nie verarbeiten können und war/bin vollkommen traumatisiert deswegen.

Zurück zu meiner Mutter. Sie war genauso wie meine Oma (von mütterlicher Seite) ein unglaublich warmherziger Mensch. Selbst wenn sie wütend war, konnte ich ihr bei aller Schimpfe nicht böse sein. Ich sah ihr an, dass es ihr sehr unangenehm war mich zu maßregeln. Und meist folgte kurz nach der Bestrafung auch eine Belohnung. Sie war einfach meine Mutti und ich liebte sie sehr und sie mich auch!

Den frühen Tod von Wiggerl hat sie jedoch nach meiner Meinung nicht verkraftet. Das hat sie doch sehr verändert und ich habe leider nie erfahren warum sie definitiv ins Krankenhaus kam und Spekulationen und Gerüchten möchte ich mich nicht hingeben.

Jedenfalls kam meine Mutter im Dezember 1972 ins Krankenhaus und es hieß es sei nur für ein paar Tage, an Weihnachten ist sie auf jeden Fall wieder zuhause. Möglicherweise ist mir der Ablauf der Geschehnisse, die jetzt aufgeführt werden, nicht mehr zu 100% geläufig, denn wenn ich nur daran denke, dann schneit es in meinem Kopf.

An Weihnachten war sie jedenfalls nicht zu Hause und die Stimmung war nicht die allerbeste, denn mit Mutti fehlte einfach die Seele des Hauses. Dennoch deutete nichts auf die Katastrophe hin, welche mir seither das Weihnachtsfest zutiefst vermiest, auch wenn schon fast 50 Jahre vorüber sind.

Nach den Feiertagen am 28.12. mussten mein Vater und Bruder Otto gegen 04:00h wieder in die Metzgerei, denn zwischen den Feiertagen sind mit die umsatzstärksten Tage des Jahres. Am frühen Morgen klingelte es ziemlich heftig an der Türe und ich hörte wie Oma versuchte vom Bett aufzustehen, um zu öffnen. Als das Klingeln nicht aufhörte, stand ich auf und öffnete im Schlafanzug die Türe. Ich war sehr erstaunt als ich zwei uniformierte Polizisten sah, wo ich doch ausnahmsweise gar nichts angestellt hatte.
Doch sie fragten ob mein Vater zuhause sei. Ich verneinte und mit einem Hauch schlechten Gewissens wollte ich wissen, warum. Einer der beiden schaute mich von oben herab ernst an und sagte dann einem 12jährigen ins Gesicht: „Weil heute Nacht im Krankenhaus die Frau Christerer verstorben ist“. Im Schock gab ich ihnen die Geschäftsadresse und sie waren schon länger weg als ich die Tür schloss und mich wieder an Oma erinnerte.

Der nächste Schock erwartete mich als ich das Zimmer von Oma betrat. Sie lag wimmernd am Boden, denn als sie versuchte aus dem Bett zu kommen, stürzte sie und brach sich den Ober- schenkelhalsknochen. Von da an habe ich einen Filmriß, ich weiß nicht mehr wie es weiterging, völlige Leere in meinem Kopf. Vorstellen kann ich mir nur, dass ich die Nachbarin Frau Übler zu Hilfe holte, aber wie gesagt „darkness there and nothing more“.
Bei Oma wurde zusätzlich sehr hoher Zuckergehalt im Blut festgestellt und nach dem Tod von Mutti war klar, dass sie mit ihren Gebrechen (1972!) nicht allein bei uns in der Wohnung sein konnte. Sie zog nach Hohenwart bei Burghausen, zur Familie ihrer Tochter Frieda.
Somit verlor ich an Weihnachten 1972 die zwei liebsten Menschen die ich hatte, auf einen Schlag.

Seither ist die Zeit um Weihnachten und Jahreswechsel die grausamste und traurigste für mich und ich werde das wahrscheinlich nicht mehr ändern können. Ich möchte es auch gar nicht, denn Trauer gehört zum Leben und deshalb sind wir Menschen. Zwar versuche ich nach außen meine Traurigkeit zu verbergen, doch je älter ich werde desto schlimmer wird es. Ich freue mich für die anderen wenn sie schöne Geschenke austauschen und zu Recht fröhlich und herzlich sind, aber für mich ist seit dem 27.12.1972 leider Schluss damit.

R.I.P.Mutti, du bist fest in meinem Herzen verankert.
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Die neue Frau

Um das Leben zu beschreiben, genügen drei Worte: „Es geht weiter“. Ja es ging weiter, obwohl ich das Gefühl hatte, dass unter mir kein Boden mehr existiert. Der Absturz erfolgte rapide. Ich wurde zu einem üblen Raufbold und eigentlich von niemanden mehr zu kontrollieren. Mein Vater musste von früh bis spät in seinem Geschäft arbeiten, mein Bruder Otto war schon 19 Jahre alt, mit anderen Dingen beschäftigt und sonst war niemand mehr zugegen.

Sogar ein Schulpsychologe wurde bemüht, als ich wieder einmal einen Klassenkameraden verprügelte und dabei eine riesige Fensterscheibe zu Bruch ging. Meine Freizeit verbrachte ich meist mit üblen Gestalten im Freizeitheim Fürstenried und wurde dort geschult, was Drogenhandel, Schlägereien, Ladendiebstahl und andere kriminelle Handlungen anging. Mir fiel eigentlich gar nicht auf, dass mein Vater zu der Zeit manchmal nach dem Geschäft gar nicht heimkam oder häufig heimkam, sich umzog und wieder länger fortging.

Mein Vater war bestimmt ebenso traumatisiert nach all diesen schrecklichen Ereignissen, wie auch mein Bruder und ich. Doch für mich war das nicht so schlimm, wenn er nicht da war, da konnte ich (12-13 Jahre alt!) nachts an Aktionen wie „das grüne Manderl“ oder Freizeitheimpartys teilnehmen. Diese endeten jedoch oft so, dass die „Großen“ mich als „Benjamin“ vorschickten, um einen Gast einer anderen Gang zu provozieren. Dieser ließ sich das verständlicherweise nicht gefallen und so bekam ich in der Regel doch noch etwas ab, bevor mir geholfen wurde.


Irgendwann wurden die „Ausflüge“ meines Vaters klar für mich. Er hatte eine neue Frau kennengelernt. Liane A. geschieden mit einem 3 Jahre alten Sohn. Und so kam es, dass bereits im August 1973 Hochzeit gefeiert wurde. Ob mein Vater das so forcierte, weil er erkannte, dass ich unweigerlich auf dem absteigenden Ast war oder warum auch immer, das habe ich nie erfahren. Jedenfalls war zumindest „Schrott“ Oma sehr dagegen.

Jedenfalls hatte ich dann eine Stiefmutter und einen Stiefbruder. Allerdings beging mein Vater einen schweren Fehler! Er wollte mich zwingen zu Liane „Mutti“ oder Mutter zu sagen. Für mich war das undenkbar und nur mit größten Widerwillen sagte ich dann notgedrungen „Mama“ zu ihr.
Heute denke ich, dass sich das Verhältnis zwischen mir und Liane wesentlich besser entwickelt hätte und auch dieser entsetzliche Streit (kommt später als eigener Beitrag) zwischen meinem Vater und mir nicht so hart geworden wäre.

Heute sage ich, dass Liane das Beste war, was mir passieren konnte. Ohne sie und ihre sehr kluge und vorsichtige Erziehung hätte ich den Absprung nicht mehr geschafft und hätte wohl dieselbe „Karriere“ wie einige der kriminellsten Fürstenrieder eingeschlagen. Schade, dass auch hier mein bereits zitierter Spruch „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Doch leben muss man es vorwärts. “ voll zutrifft. Liane hätte in den ersten Jahren unserer Bekanntschaft viel mehr Respekt verdient.
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Der arme Max

Wie gesagt, es kam nicht nur eine neue Frau ins Haus, sondern mit im Boot befand sich auch noch ein dreijähriger Junge namens Maximilian, „da Maxi“. Nun, mir passte, auf dem Weg zum Vorstadtgangster, Max so gar nicht in den Kram.
Es war schon schlimm genug, dass mit Liane eine Aufsichtsperson permanent installiert wurde. Aber auch noch so ein Zwerg, der mich möglicherweise verpfeifen würde, das ging ja wohl gar nicht.



Schließlich begann ich gerade zu rauchen und manchmal nicht nur Zigaretten. Vater -obwohl selbst Raucher- verstand in dieser Sache bei mir keinen Spaß und wurde so richtig wütend, wenn er mich erwischte. Dazu ein kleiner Abstecher, weil es einfach nur witzig (im Nachhinein) war.
Mein Bruder Otto rauchte auch, nur leider wechselte der seine Marken, wie andere Leute ihre Unterwäsche. Lediglich an die Marke „Le Mans“ kann ich mich noch erinnern, während ich eigentlich Rothändle ohne Filter bevorzugte. Ich musste mich aber anpassen, denn sollten bei mir im Zimmer Zigaretten entdeckt werden, konnte ich auf Otto verweisen.

Otto mit seinen 20 Jahren war nahezu jeden Abend unterwegs. Ich ging in sein Zimmer, setzte mich auf sein Bett, zog die fetten Kopfhörer über, dröhnte mir die Ohren mit heftigen Hardrock zu und dann hieß es die Pobacken zukneifen und den Lungentorpedo reinziehen, bis es dir schwindlig wird.
Bei all meiner Klugheit machte ich an einem schönen, warmen Sommertag einen schweren Fehler. Prozedur wie oben beschrieben, Fenster weit geöffnet damit der Rauch nicht in die Wohnung zieht, und fleißig Luftgitarre spielen.
Urplötzlich stand, ohne dass ich es bemerkte, Vater mit in die Hüften gestemmten Fäusten hinter mir und brüllte rum. Der Schreck fuhr mir von der damals noch vorhandenen Haarpracht, bis in das entfernteste Hühnerauge. Warum ich aufflog? Ganz einfach, ich habe den Wind nicht mit ins Kalkül genommen.

Kräftig blies ich den Rauch aus Ottos Fenster, dieser machte die Biege in Form einer schönen Kurve und zog wie eine dicke Nebelschwade in das daneben liegende Wohnzimmer wieder ein. Ein Blick aus dem Fenster zeigte meinem Vater die Quelle des übelriechenden Nebels und er dürfte auch überrascht gewesen sein, denn schließlich war Otto ja gar nicht zuhause. Okay, das war das Ende mit cooler Musik, Luftgitarre und der Gute Nacht Zigarette in Ottos Zimmer.

Zurück zu Max. Also die Befürchtung, dass Max mich verpfeifen könnte war groß, denn Freitagnachmittag war ich mit ihm allein, Liane musste im Geschäft mithelfen. Manchmal hatte ich Besuch, doch meistens wollte ich raus und ins Freizeitheim. Bei der Fürsorge von Liane und Vater wäre ein Tsunami über mich hereingebrochen, wenn die erfahren hätten, dass ich Max ohne Aufsicht in der Wohnung lies.
Ich sperrte Max mit seinen 3, 4 Jahren in sein Zimmer und machte ihm klar, dass Verrat nicht geduldet wird. Ohne noch genaue Erinnerungen zu haben wie das ablief, kann ich mir lebhaft vorstellen, dass ich ganz bestimmt nicht zimperlich in der Wahl der Mittel war, um ihn einzuschüchtern.
Heute tut mir das zutiefst leid, denn wenn es einen komplett Unschuldigen an den damaligen Ereignissen und Entwicklungen gab, dann war das Max. Ebenso weiß ich nicht mehr wie lange das so ging, es ist für mich echt erstaunlich wie viele Lücken in meinem Gedächtnis in der Zeit nach dem Tod meiner Mutter bis zum Beginn meiner Lehrzeit sind. Darkness there and nothing more!

Und da ich seit Kurzem von Max weiß, dass er meine Erinnerung liest UND hört und diese ihm nach seiner schriftlichen (grins, grins) Aussage sogar gefallen, sage ich auf diesem Weg für meine Übeltaten aus tiefstem Herzen: Sorry for that! Inhaltsverzeichnis

Max und die Magie

Vorwort
Der nachfolgende Text stammt nicht von mir, sondern von Max, denn ich habe keinerlei Erinnerung mehr an diese obskuren Vorgänge. Und mal ganz ehrlich: Würde MIR irgendjemand derartige Boshaftigkeiten zutrauen. Na also, ich auch nicht!
Aber da Max ein ehrlicher, grundsolider Mann ist, will ich mal meine Zweifel beiseite stellen und auf seine Erinnerungen vertrauen und wünsche euch viel Spaß beim Lesen von „Max und die Magie“.

Gott sei Dank bin ich nicht nachtragend und lebensbejahend. Das muss man auch sein, wenn man unfreiwillig in eine Familie eingeheiratet wird, dessen „Jüngster“ Spross der Fürstenrieder Unterwelt angehört. Aber Peter hatte und hat auch seine guten Seiten.
Sehr beeindruckt hat er mich als vierjähriger Knirps mit seinen Zauberkunststücken. Da war der Trick mit den Münzen. Er rieb vor versammelter Familie ein 10 Pfenning Stück am Körper. Auf magische Weise verschwand es. Und noch faszinierender war, dass es anderen Orts auftauchte. Völlig verblüfft forderte ich eine Zugabe. Nachdem er den Zauber ein drittes Mal wiederholt hatte, funktionierte er nicht mehr. Peter meinte, dass dieser Trick sehr anstrengend ist und seine Kraft nur für drei Vorführungen reicht.



Sein größter und für mich wertvollster Trick war der mit Schokolade. Wir wohnten damals im Erdgeschoß, aber eigentlich war es Hochparterre. Somit hatten wir keine Terrasse, sondern einen Balkon. Auf diesem zeigte mir Peter den Trick mit dem magischen Eimer an der Schnur. Er hat einen Eimer an eine Schnur gebunden und diesem unter beschwörendem Gemurmel die Brüstung heruntergelassen. Als er den Eimer wieder nach oben zog, lag eine Tafel Schokolade im Eimer. Welch ein Wahnsinn! Natürlich wollte ich dass Peter ihn wiederholt. Dabei schaute ich genau hin, was unten mit dem Eimer geschah, konnte jedoch nichts Verdächtiges entdecken. Auch diesmal konnte Peter nur Kraft für drei Schokoladentafeln aufbringen.
Außerdem bezeichnete er mich als Vielfraß, als ich eine vierte Schokoladentafel forderte. Als jedoch nach 3 Minuten Herbert Lohmeier klingelte, war mir klar, dass hier Herbert-Magie am Werk gewesen war. Zu meiner Ernüchterung hielt mir Peter dann vor Herbert einen Vortrag über soziales Verhalten und dass es großes Unglück bringt, wenn man solche magischen Geschenke nicht teilt. Somit gab es für mich doch „nur“ eine Tafel meines damaligen und - ja Peter - auch heutigen Lieblingsnahrungsmittels.

Mit Speck fängt man Mäuse und den kleinen Maxi mit Schokolade. Es war an einem schönen Tag im April 1977. Mir war nicht klar, dass es der erste April war und die Sitten und Gebräuche waren mir als wahrheitsliebenden und gutgläubigen Menschen um dieses Datum fremd. Peter kam auf mich zu und meinte, er hätte gerade die Schrott Oma vom Einkaufen kommen sehen und er soll mir ausrichten, dass ich mir bei ihr IM ZWEITEN STOCK – mir war es bis dato unbegreiflich, wie man vom Garten in den zweiten Stock kommt, ohne im ersten Stock eine Rast einzulegen – eine Tafel Schokolade abholen darf.
In rekordverdächtigen zwei Minuten stürzte ich hinauf und war umso verwunderter, als Oma sagte, sie wäre noch nicht beim Einkaufen gewesen und Schokolade habe Sie auch keine. Wutentbrannt rannte ich in einer ähnlichen Zeit zurück zu Peter. Lachend entschuldigte er sich und versicherte mir, dass ich in dem von mir verhassten und gruseligem dunklem Keller von Oma eine Tafel finden würde. Natürlich war auch dort keine. Voller Hass und sehr lautstark kehrte ich zu Peter zurück, der mich – Achtung Regelmäßigkeit – ein drittes Mal zur Schokolade schickte. Dieses Mal zu seinem Kühlschrank im Gartenhaus. Dort befand sich logischer Weise ebenfalls keine Schokolade.

Das Wort HASS, traf den Gefühlszustand von mir gegenüber Peter nicht mehr im Geringsten. Ich tobte herum, da war dagegen das damals wohlbekannte HB-Männchen ein mit Valium betäubter Komapatient. Und das in einer Lautstärke, die die damaligen Sirenenübungen spielend übertraf. Ich hörte mich damals Dinge sagen wie: „Obgstocha kehrst“ Die bayerische Kurzform von: „Hoffentlich kommt mal einer mit einem Messer, der Dich von oben bis unten aufschlitzt.“ Damals war mir allerdings die Bedeutung dieses Satzes unbekannt. Das Wort „abstecha“ war, in Metzgerfamilien wie unserer, durchaus gebräuchlich. Ja, sorry Peter, das war im Affekt und eigentlich nicht so gemeint. Vielleicht hätte ich diesen Wunsch NICHT in mein Gute Nacht Gebet einschließen sollen. Aber wer kann denn ahnen, dass ein Messer später noch eine erhebliche Bedeutung bekommen sollte. Inhaltsverzeichnis

Frösche fangen

Nun Geschichten über die Schule und darauf aufbauende Freizeiterlebnisse gäbe es ziemliche viele, doch das würde zu weit führen. Es gab durchaus spannende Ereignisse, wie z. B: die Schlossmauer vom Schloß Fürstenried mit ihrem verrückten Gärtner. Diese Mauer war ca 3 Meter hoch und wir erklommen sie mit Hilfe eines Baumes. Oben angekommen ärgerten wir nahezu täglich den Gärtner und seinen deutschen Schäferhund. Der Mann flippte derart aus, dass er u.a. das Blech oben mit einer klebrigen Flüssigkeit einstrich oder mit einer Mistgabel nach uns warf. Vor Schreck -denn das Ding flog beängstigend schnell in meine Richtung- fiel ich deswegen einmal von der Mauer und zog mir eine äußerst schmerzhafte Rippenprellung zu. Und es gab unzählige Vorkommnisse rund die Schloßmauer.

Buchfüllend wären auch die Storys rund um den Fürstenrieder Wald. Da kam es schon vor, dass der kranke Bauer die Strohhütte anzündete, während wir drinnen unsere ersten Feldversuche an Mädels durchführten. Ebenso schmerzt meine Backe immer noch von der Ohrfeige, die mir mein Vater gab, weil ich ihn wochenlang anlog nur um Peter S. nicht zu verraten, welcher mir mit einem Speer eine tiefe Fleischwunde in der Wade zugefügt hatte. Dass mein Bruder Otto es meinem Vater verraten hatte, wusste ich natürlich nicht.

Eine ganz besondere Marke aber stellte Mario G. dar. Als Sprössling einer Schausteller Familie kam er nur in unsere Schule, wenn Aktivitäten wie Frühlings- oder Oktoberfest in München stattfanden. Nachdem die Rangreihenfolge der Klasse zwischen ihm und mir geklärt war, wurde es richtig spaßig mit ihm und dem Schabernack den er veranstaltete.
Wie alle Schulklassen, hatten wir auch in unserer Klasse einige unangenehme Zicken, da ereilte uns eine geniale Idee. Mir war durch meine früheren nächtlichen Aktivitäten bekannt, dass im Teich des Münchner Waldfriedhofs ziemlich viel Getier lebte. Schließlich war ich dort oft genug mit Karli A. und Jackie U. nachts beim Fischen gewesen.

Also beschlossen Mario und ich, unseren lieben Mädchen in der Klasse kleine Geschenke in Form von Kröten und Fröschen zu machen. Zu diesem Zweck kam Mario morgens gegen 02:30h zu mir, ich hüpfte aus meinem Fenster im Erdgeschoß und wir zogen in den stockdunklen Friedhof. Ziemlich sicher wäre es hilfreich gewesen eine Taschenlampe zu benutzen. Doch leider Fehlanzeige! So stolperten wir blind wie die Maulwürfe, nur darauf bedacht nicht in den Teich zu fallen, rund um die Grünfläche. Wahrscheinlich lachten sich die Frösche halbtot über die zwei Tollpatsche, jedenfalls wir fingen Null Komma Nichts!

Heute bin ich auch nicht mehr so ganz überzeugt, ob es eine gute Idee gewesen wäre, unsere Beute in den Blusen bzw. unter den Röcken der Zickenterroristen zu platzieren. Hätte wahrscheinlich für Ärger gesorgt.

Der Ärger kam in anderer Form, aber nicht weniger heftig. Als wir zurückkamen und in die Tessiner Straße einbogen, war schlagartig Festbeleuchtung angesagt. Dafür sorgten zwei Streifenwagen und ein Sanitätsfahrzeug. Wer von der Familie mein Verschwinden mitbekommen hatte, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls brach anscheind so was wie Panik aus, wohl auch wegen der nicht lange zurückliegenden, schrecklichen Ereignisse.
Nachdem alles geklärt war rückten die Offiziellen wieder ab, Mario war längst verschwunden und ich verstand schlagartig das nur in Bayern verbreitete 11. Gebot: „Du sollst dich nicht erwischen lassen!“ Die härteste Strafe war jedoch, dass ich bei den hochnotpeinlichen Kreuzverhören irgendwann verriet, dass eben Mario mit von der Partie war. Und was macht Liane? Riiiichtig, sie schleppt mich in den Maxhof wo Mario wohnte und petzte alles seiner Mutter. Peinlicher geht’s nicht!
Jedenfalls herrscht seither abgrundtiefe Feindschaft zwischen Fröschen, Kröten und mir.
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Freizeitheim Fürstenried West

Fürstenried West war damals ein kinderreicher Stadtteil und man versuchte der Jugend etwas zu bieten. Irgendwann in den 1960ern stellte man dann den Freizeittreff Fürstenried West zur Verfügung. Viel ist mir von den pädagogischen Angeboten nicht in Erinnerung geblieben. Die fanden zwar statt, aber mich interessierte entweder Kickern oder mit den „Großen“ rumhängen.



Wenn ich mich richtig erinnere hatten Jugendliche bis höchstens 17 Jahre Zutritt, obwohl die Volljährigkeit ab 18 erst 1975 eingeführt wurde. Am Samstag gab es öfters am Abend eine Party, natürlich eigentlich nicht für Kinder in meinem Alter. Ich begann mit 11 also kurz nach Wiggerls Tod dort häufiger aufzutauchen und meine „Paten“ sorgten schon dafür, dass die Heimleitung keinen Stress machte. Von diesen sind mir nur noch „Raspe“ und Günter mit dem Gerstenkorn in Erinnerung.

Das Freizeitheim stellte alles Mögliche dar, war aber sicher nicht pädagogisch wertvoll für die „harten“ Fürstenrieder Gangmitglieder. Im Gegenteil, dort wurde so ziemlich alles geplant was nicht unbedingt legal war, schön beschützt von Sozialpädagogen. Und es war alles vertreten. Vom dummen Schläger wie Richard „Ritschi“ S. der nur durch Brutalität überzeugen konnte, ansonsten eher ein Hänfling war, über Allroundkriminelle wie Karli und Jackie, hin zu hardcore dealern wie Tachi.

Und nicht zuletzt waren oft andere Banden wie die Blumenauer, die Aubinger, das Valley und einige andere mehr vertreten. Es wurden genauso oft Allianzen geschlossen, wie massive Schlägereien stattfanden. Hin und wieder wurde ich als Jüngster zu einem „hochrangigen“ Gang Mitglied der Konkurrenz geschickt um ihn „anzubohren“. Wenn der aggressiv wurde und mir eine „einschenkte“, kamen die „Alten“ Fürstenrieder wie Werner S., Bernhard G oder andere und halfen mir. Sofort war eine Riesenschlägerei im Gange. Schuld waren dann natürlich die anderen, weil sie den „Kleinen“ angegriffen hatten.

Es wurden aber auch lustige Aktionen veranstaltet, wie im nächsten Beitrag mit der Geschichte vom „Grünen Manderl“ kurz angerissen wird. Ein highlight war es für mich, auch mal in Discos wie das Atlantis (Schiff) in Gröbenzell oder das Forum in Germering mitgenommen zu werden. Als Fazit bleibt: Meist war es ganz okay, aber häufig auch kriminell im Freizeitheim Fürstenried.
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Der Abenteuerspielplatz

Natürlich gehörte Anfang der 1970er im Sog der 68er Pazifisten und den Studentenunruhen neben vielen anderen Themen wie Vietnam (make love, not war), Emanzipation (freie Liebe für alle) auch wieder einmal (erste Ansätze gab es bereits seit 1920) die „antiautoritäre Erziehung“ zum neuen Zeitgeist.
Yooo schlaue Pädagogen oder andere Lebenskünstler dachten sich dann, die Grünfläche zwischen Waldfriedhof und Forst-Kasten-Allee eignet sich bestens für einen „Abenteuerspielplatz“ und schafften ein paar Holzbretter und anderes Material heran und die Kids durften sich frei entfalten.



Hahaha wir entfalteten uns, doch möglicherweise anders als sie die Verantwortlichen dachten. Ideal genau gegenüber vom Freizeitheim gelegen, allerdings keinerlei Aufsicht und er stand auch nachts zur Verfügung was weidlich genutzt wurde. Sodom und Gonorrhoe wie Else Kling sagen würde. Mit das Interessanteste für mich war jedoch, als ich feststellen musste, dass Karli A. nicht nur Mädels sondern auch Jungs für seine sexuellen Spielchen nutzte. Ziemlich krass für das -trotz sexueller Revolution - eher homophobe Bayern. Walter W. hieß sein Opfer, Opfer denn ich denke nicht, dass es ihm wirklich Spaß machte, aber viele Möglichkeiten hatte er nicht und er wollte einfach dazu gehören.
Auf Walter W. traf 100% zu was Ludwig Hirsch mal sang: „… Es gibt Kinder, die kommen ohne Schutzengel auf die Welt und der Sandmann streut ihnen Reisnägel in die Augen …“

Als Stützpunkt für unsere „Grüne Manderl“ Aktion war der Spielplatz allerdings optimal. Beim grünen Manderl handelte es sich um einen - im Nachhinein betrachtet sehr gefährlichen - Schabernack, der es in sich hatte. Basierend auf einer gruseligen Geisterbahnmaske mit langen weißen Haaren und einer riesigen Portion Kaltblütigkeit war der Zweck Passanten und später andere Gangs so riiiichtig zu erschrecken. Ideal war der Platz, weil wir die Vorgänge im Friedhof beobachten konnten und der Hauptstützpunkt, das Freizeitheim, einfach zu erreichen war.
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Manchmal war es dort so spannend, dass ich die Zeit vergas. Deshalb kam ich sogar zum WM Finale 1974 als Deutschland gegen Holland in München spielte nicht rechtzeitig nach Hause und verpasste das bis heute schnellste Finaltor einer Fußball WM. Nach 1,5 Minuten erzielten die Holländer per Foulelfmeter das 1:0. Mein Vater war stinksauer, dass ich zu spät kam und die Holländer führten. Glücklicherweise aus meiner Sicht gewannen die Deutschen am Ende 2:1 und die Welt war wieder in Ordnung.
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Hohenwart

In Hohenwart wohnte Tante Frieda, die Schwester meiner Mutter und meine Taufpatin, zusammen mit Onkel Walter und meinen Cousinen Gigi (Brigitte) und Moni, sowie meinen Cousins Rudi und Bernhard.
Ich weiß nicht mehr wie oft ich dort einen Teil der Sommerferien verbringen durfte, aber ein Aufenthalt ist mir gut in Erinnerung geblieben. Während Tante Frieda ein sehr warmherziger, gutmütiger Mensch war, hatte ich vor Onkel Walter ein kleinwenig „Angst“. Denn er führte ein strenges Regiment und war eher ein intellektueller Mensch, was auf mich nicht so sehr zutraf. Das alles aus Sicht eines Kindes, wie es sich wirklich gestaltete kann ich nicht beurteilen, dafür war ich zu weit weg.

Von jeher war ich mehr auf Rudi fixiert, obwohl ich die anderen drei gleichermaßen mochte. Aber Rudi entsprach am meisten meinem Naturell und hatte auch gute Kontakte zu Sepp Satzke der ganz in der Nähe, nur durch eine Straße getrennt, einen Bauernhof führte. Dazu unten mehr.


Das angrenzende Grundstück in Richtung Hauptstraße einschließlich Tankstelle, wurde von einer eher gewöhnungsbedürftigen Familie bewohnt. Soweit mir erinnerlich führten sie undurchsichtige, leicht verrückte Machenschaften aus, ich jedoch hatte ein Erlebnis der dritten Art mit diesen Leuten/Laden.

Eines Tages verspürte ich eine unheimliche Lust auf einen Negerkuss oder auch Mohrenkopf, so hieß es damals, beides Begriffe die heute meist nicht mehr verwendet werden. Jetzt heißt es politisch korrekt Schokokuss oder ironisch „Schaumkuss mit Migrationshintergrund“. Jedenfalls rannte ich zur Tankstelle, kaufte mir für 10 Pfennig so ein Teil und stopfte es in meiner bekannten Gier auf einmal in den Mund. Damals war die Lebensmittelindustrie noch weit entfernt davon, Süßigkeiten mit dem „Blub“ Effekt herzustellen.
Doch schon kurz nachdem meine Kiefer den Schokokuss zermalmt hatten, quirlte und prickelte es in meinem Mund, als hätte ich 3 Tütchen Brausepulver auf einmal rein geschüttet. Ich empfand das als außerordentlich suspekt und nach einer sehr kurzen Überlegungsphase, spuckte ich das Zeugs aus. Yep, zwischen Schaummasse und Schokoladenüberzug befand sich auch eine Handvoll Ameisen, welche das Teilchen von unten, durch die Oblate geentert hatten und ihren Zuckerbedarf stillen wollten.
Yooo das war das Ende der Liebe zu Schokoküssen und hatte den Vorteil, dass ich lernte bei derartigen Köstlichkeiten nicht mehr ganz so gierig zu sein.

Nun zum Bauer Satzke. Manchmal nahm mich Rudi in den frühen Abendstunden mit, wir saßen in der Stube und ich fand es einfach großartig. Meistens hatte ich als absolutes Stadtkind keine Ahnung, worüber sich Rudi und Sepp unterhielten. Ich mochte Sepp und auch Benno(?), den Hofhund, einen riesigen Neufundländer.
Ich denke Benno mochte mich auch, denn er legte sich hin und wieder zu meinen bzw. auf meine Füße und schlief dort. Das mochte ich weniger, denn a) hatte ich schon etwas Angst vor diesem Riesentier und b) vernahm ich bei der geringsten Bewegung meinerseits ein sehr tiefes, bedrohliches Brummen von unten, was mich augenblicklich zur absoluten Regungslosigkeit veranlasste.

Irgendwann bekam ich mit, dass der Sepp wohl Ärger mit Nachbarn oder wen auch immer hatte und diese Menschen ihn der wegen allem Möglichen, vielleicht sogar der Wilderei beschuldigten. So wurde ein Plan geschmiedet (ohne dass ich etwas mitbekommen habe) wie dieser Vorwurf ein für allemal aus der Welt geräumt werden konnte. Eines abends fragte mich Rudi, ob ich Lust hätte einen kleinen Ausflug auf dem Moped zu machen. Was für eine Frage?!? Mich verblüffte außerordentlich, dass Rudi ein Gerät zum Abfeuern irgendwelcher Krachmacher mitnahm und wir in ein Maisfeld nicht allzu weit vom Bauernhof fuhren.
Plötzlich blieb Rudi stehen, nahm das Ding und feuerte 2x in die Luft. Sofort verschwanden wir OHNE Licht und fuhren auf Umwegen zurück zum Bauernhof, aus der anderen Richtung kommend.

Klar gab es - wie gewünscht - wieder einen riesen Heckmeck und es wurden erneut Beschuldigungen gegen den Satzke Sepp vorgebracht. Doch das war wohl ein Eigentor. Denn Sepp hatte das beste Alibi überhaupt, er war zu dieser Zeit bei einer Stadtratssitzung (oder ähnlichem) und hatte genug honorige Zeugen. Was für ein Zufall aber auch ;-). Wie sich die Geschichte weiter entwickelte kann ich nicht sagen, für mich war es jedenfalls ein riiiichtig spannendes Abenteuer.

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Urlaub 1974

Verständlicherweise wollte Liane, die neue Gattin meines Vaters, nicht den Urlaub an dem selben Platz verbringen, wo wir jahrelang als Familie den Urlaub verbrachten und freundschaftliche Beziehungen zu den Wirtsleuten pflegten.



So kam es, dass wir in Mühlbach, nahe Zell am See in Österreich landeten. Für einen 14jährigen (wobei ich mir nicht sicher bin, ob es nicht sogar schon 1973 stattfand), meiner Kategorie alles andere als das Traumziel, denn Wanderungen etc. zählten nicht zu meiner bevorzugten Freizeitbeschäftigung.

Warum es trotzdem gar nicht soooo übel für mich war, hing in erster Linie an zwei Personen. Die erste war ein 15 jähriges Lehrmädchen in dieser Pension, deren Namen ich vergessen habe und an einem auch 15 jährigen Jungen mit Namen Manfred irgendwo aus Düsseldorf oder Umgebung.
Das Mädchen und so sehe ich es selbst heute noch, war eine Granate! Auf ihrer kleinen Stube zeigte sie mir deutlich, dass es verdammt viele Dinge gibt, die Jungs in meinem Alter noch nicht kannten und das obwohl mir ein Mädchenkörper nicht ganz unbekannt war. Dass es nicht zum Geschlechtsverkehr kam (Gott sei Dank, das wäre sicher peinlich für mich geworden), lag ausschließlich an ihr.
Doch wir schworen uns ewige Treue und würden das sicher im nächsten Urlaub fortsetzen, denn für mich war klar, dass dies ähnlich wie vorher Mondsee auf Jahre das Urlaubsziel der Familie sein würde. Und wir kamen tatsächlich 1 Jahr später wieder und die lady war auch noch da. Doch das Entsetzen packte mich, als ich sie sah! Sie hatte sich zu einem Germknödel (Hefeklos) entwickelt oder wie der bösartige Wiener sagen würde: „Wos für a blade Kuh“. Jedenfalls war es das mit großer Liebe und ewiger Treue, ich verzichtete freiwillig.

Manfred hingegen, das war eine andere Nummer. Was wir dort alles anstellten, das war schon Preis verdächtig und ohne, dass wir bei irgendetwas erwischt wurden. Das Erwähnenswerteste war allerdings, als mir Manfred vielleicht das Leben rettete, mich mindestens aber vor einer üblen Verletzung bewahrte und das kam so:
In unmittelbarer Nähe zum Hotel befand sich ein kleiner beschrankter Bahnübergang, der ein paarmal am Tag von Regionalbahnen frequentiert wurde. Auch ein „Bummelzug“ fuhr dort. Die ersten paar Waggons vom Bummelzug waren dem Personenverkehr vorbehalten und dann kamen einige meist leere Anhänger, also ohne Behälter darauf. Ob Manfred oder ich die Idee hatten, eben auf diese leeren Waggons auf zu springen und dann bis Mittersill (ca. 8km) mit zu fahren und auf demselben Weg wieder zurück zu kommen, weiß ich nicht mehr.

Natürlich drosselte der Zug trotz geschlossener Schranke seine Geschwindigkeit extrem und fuhr vielleicht noch 20km/h. Dennoch war es eine ziemliche Herausforderung und Manfred verstauchte sich einmal beim Abspringen den Fuß. Doch der Hammer war als wir - idiotischer Weise kopierten wir irgendwelche Westernfilme, wo die Schauspieler genauso aufsprangen, was aber eigentlich unsinnig ist - wieder einmal ganz flach direkt am Kiesbett genau an den Gleisen lagen und auf den Zug warteten.

Wie so oft konnte ich meine Ungeduld und Neugierde nicht bändigen und hob meinen Kopf, um nach dem Zug zu sehen, damit ich nur ja nicht das aufstehen und aufspringen verpasste. Genau in diesem Moment rauschte der Zug heran und was zumindest ich nicht vorher wusste war, dass bei den Personenwaggons ein Trittbett angebracht war und dieses ca 30cm über die Gleise ragte. Glücklicherweise erkannte Manfred die Gefahr und drückte meinen Kopf ziemlich rasch und massiv wieder ins Kiesbett. Keine 2 Sekunden später rauschte der Zug vorbei und ich bin mir sicher, dass dieser Aufprall an meinem Hals/Kopf nicht glimpflich abgegangen wäre.

Zumindest „verfeinerten“ wir dann unsere Technik und warteten stehend und begannen bereits zu laufen, wenn der Zug noch ein paar Meter entfernt war. Seither schmunzle ich immer, wenn ich einen alten Western mit der „liegenden“ Technik sehe.
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Religionslehrer Brummer

In Bayern war selbst in den 1970er Jahren trotz Woodstock, 68er Generation, Emanzipation, freie Liebe usw. eines unumstößlich: An oberster Stelle steht ganz klar mit weitem Vorsprung die CSU, gefolgt von der katholischen Kirche und erst dann der TSV 1860 München, die Löwen halt.
Somit war es nur logisch, dass wir selbst in der 8. Schulklasse noch Religionsunterricht hatten. Doch dieser Lehrer war eine ganz besondere Marke. Er hieß Brummer und nach meiner Erinnerung war er wie ein Brummer -> groß, kräftig und stämmig. Trotz beginnender Liberalisierung der Lehrmethoden und erster Versuche von antiautoritärer Erziehung war Herr Brummer eher ein Verfechter von konservativem Unterricht: Die Schüler haben still zu sitzen, den Finger zu heben um was zu sagen und 1. Gebot der Lehrer hat immer recht!

Für mich galt es jetzt zwei schwierige Probleme zu lösen.
1. Mein Vater legte -obwohl selbst kein Kirchgänger - wie schon mehrfach erwähnt ziemlich viel Wert auf eine gute Note in Religion.
2. Alle Jungs und einige ganz besonders stark waren deutlich mehr an Biologie anstatt Religion interessiert. Insbesondere was die Erforschung des weiblichen Körpers anbelangte.
Doch noch viel mehr als auf nicht schwätzen legte dieser alte Mann (55-60J) wie ein Geier sein Augenmerk auf strikte körperliche Trennung von Jungs und Mädels. Nur zur Vervollständigung sei erwähnt, dass Herr Brummer die Jahre 1933-1945 nicht als so schlimm empfand, wie sie immer dargestellt wurden.



Dennoch wollte Herr Brummer beweisen, dass er ein moderner Lehrer ist und brachte hin und wieder einen alten Diaprojektor (1974!) und ein uraltes Tonbandgerät der Marke Uher mit in den Unterricht. Zum ersten funktionierte meistens die Synchronisation nicht, also z. B: zeigte das Dia ein Bild von -bei strahlendem Sonnenschein - badenden Menschen und das Tonband gab von sich: „Wie jedes Jahr im Winter“….. und zum zweiten waren es irgendwelche Bilder aus der Nazi Zeit oder Kirchenangelegenheiten. Das hat nicht einmal den letzten Schnarchzapfen in der Klasse interessiert.

Einmal passierte allerdings etwas Dramatisches, leider wieder einmal mit mir in der Hauptrolle. Und das kam so: Herr Brummer brachte irgendeine langweilige Diashow mit und nervte uns schon vorab mit langatmigen Erklärungen. Der Zufall ergab, dass ich neben einer ganz besonders scharfen Braut saß und unser allerliebster Lehrer hegte vermutlich schon einen Verdacht.
Das einzig Schöne an diesen Vorträgen war die Dunkelheit im Raum. Urplötzlich und ich weiß nicht mehr wieso ich es bemerkte, oder ob ich gewarnt wurde, jedenfalls sah ich in den Augenwinkeln die monströse Gestalt von B. heraneilen. Er hatte etwas in seinen erhobenen Händen und war gerade im Begriff war, dieses Teil auf meinen Kopf landen zu lassen.
Geistesgegenwärtig drehte ich meinen Kopf zur Seite und hob um mich zu schützen, mit dem Ellenbogen nach oben meinen rechten Arm. Was folgte war ein lautes, krachendes Geräusch, mir schmerzte der Arm und der Deckel des Tonbandgerätes hatte über die gesamte Diagonale einen massiven Sprung. All das nur deswegen, weil dieser dämliche Mensch meine Hand unter der Bluse meiner Sitznachbarin und meine Zunge in ihrem Mund völlig falsch interpretierte.

Ürigens wurde von keiner Seite die Frage diskutiert (Rektor, Religionslehrer, ich) ob Herr Brummer evtl. überreagiert hat, nööö die Frage war ob meine Eltern oder ich für den Schaden an dem Deckel aufkommen sollten.
Das Hauptproblem mit der Note löste sich dafür ganz simpel: Ich (bzw. von mir zwangsverpflichtete Klassenkollegen) erledigte den Auftrag von B., 1500 Flyer mit CSU Werbung in Fürstenried zu verteilen, mit Bravour.
Das Equipment an dieser Schule war zudem nicht das Stabilste. So hatten wir ein super modernes Sprachlabor. Simple hohe Holzkabinen, links und rechts furnierte Sperrholzplatten, welche in der Mitte mit zwei Querbrettern für das Mischpult und zur Ablage für Unterlagen verbunden war. Geil war unser „Sprachlaborlehrer“, ein waschechter Texaner mit Faible für Hardrock.
Die ersten 15 Minuten gehörten Deep Purple, Led Zeppelin, Uriah Heep & co. Yep die Füße in die Ablage und den Kopf an die dahinter liegende Kabine lehnen, echt chillig. Wäre wohl auch ewig gut gegangen, hätte nicht irgendwann Rainer „Edi“ E. gemeint, mich ziemlich kräftig stoßen zu müssen. Bei dem Versuch zu verhindern mitsamt dem Stuhl umzukippen -was mir nicht gelang -, übte ich anscheinend ziemlich Druck auf die Ablage aus, und mit lautem Getöse brach das Ding samt Seitenwänden über mir zusammen.

Yooo ich bekam einen Zettel zum unterschreiben mit nach Hause gehen, auf diesem stand wortwörtlich: „Piter Christerer hat heute das Sprachlabor zerstört. Leider ist der Wisch auf unerklärliche Art und Weise verschwunden und der Texaner hat es wohl im Cannabis Rausch vergessen. Inhaltsverzeichnis

Rudolf Schrott

Mein Stief-Opa hieß Rudolf Schrott, denn wie ich schon schrieb, wurde mein Vater unehelich geboren, deshalb mein Name Christerer. An meinen Stief-Großvater habe ich nur wenige und keine so guten Erinnerungen, aber mehr aus der Sicht eines Kindes.


Er war ein kleiner, stämmiger, sehr kräftiger Mann. Als ihn Oma kennenlernte war er wohl Vorarbeiter in einer großen Metzgerei und hatte mehr als 40 Metzger unter sich, erzählte zumindest Oma über ihn. Er war unglaublich sparsam, wenn nicht sogar geizig und sehr penibel bei der Arbeit.

In der „Parkstadt“ Solln, betrieb er eine Fleischerei auf einem großen Grundstück. Dort befand sich auch „mein“ Gartenhaus, in welchem ich von 1976 - 1981 wohnen durfte.
Weswegen ich ihn in meinen Erinnerungen überhaupt aufführe ist nur dem Umstand geschuldet, dass er neben Fleisch und Wurst auch „Steckerl“-Eis im Laden verkaufte. Dies wiederum hieß für mich, da ich an chronischem Geldmangel litt, jedes Mal große Überwindung mit dem Rad von Fürstenried West nach Solln (vielleicht 5 km) zu fahren, um Opa ein Eis abzuschwatzen. Denn bei Opa gab es nichts umsonst und das Eis musste sich erarbeitet werden.

Das bedeutete, Gartenarbeit, Hof kehren oder sein uralt Fahrrad zu putzen, bis es glänzte wie ein Schweinchenarsch. Einmal erinnere ich mich, habe ich mehr als 2 Stunden benötigt, die Speichen zu polieren, um seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Und wofür? Für ein Capri Wassereis zum Verkaufspreis von 30 Pfennige.
Nur selten konnte ich Herbert oder einen anderen Freund davon zu überzeugen, mich dorthin zu begleiten. Doch ein Gutes hatte es: Bei all meinen schlechten Eigenschaften, geizig bin ich nicht. Doch wer jetzt denkt, dass Herr Schrott ein einfältiger, arbeitsbesessener Mensch war, der täuscht sich gewaltig.

Nicht nur, dass er ein ziemliches Vermögen auch in Immobilien ansammelte, nööö er beherrschte neben Aktiengeschäften auch einige steuerliche Finanztricks. Das besagte Gartenhaus besaß einen Dachboden, in welchem neben Mäusen auch einige Aktenordner mit Geschäftsunterlagen zu finden waren. Als ich ein paar davon durchblätterte dachte ich mir, dass Opa bei den - neben andern horrenden -angegebenen Kühlhauskosten wohl gesamt München gekühlt hat.

Wie dem auch sei, ich denke 1974 erkrankte Opa plötzlich schwer und ich kann mich noch erinnern, dass es mit Oma deswegen Ärger gab, weil Vater seinen wohlverdienten Familienurlaub (siehe Beitrag Urlaub 1974) nicht absagte.
Ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich glaube Opa lebte noch als wir zurück kamen und verstarb kurze Zeit später, soweit ich mich erinnere an einem Krebsleiden im Krankenhaus.

R.I.P.Opa und bitte unterlasse es, den big chief da oben mit Steuertricks zu versorgen. Inhaltsverzeichnis

Schulende



Endlich war es soweit! 1975 das Jahr der Befreiung, school‘s out forever! Viel gibt es nicht zu sagen zu diesem meinem letzten Schuljahr, höchstens dass ich vorüber gehend gezähmt wurde. Bei der Zuteilung der Lehrer für die insgesamt 3 neunte Klassen an der Walliser Schule, erwischte es mich natürlich mit dem vermeintlichen worst case.

Frau Jakob hieß die alte Dame und sie war sehr gefürchtet. Mir war klar, dass mein Lehrer aus der 8. alles daransetzen würde, mich nicht in der Abschlussklasse zu haben, aber es hätte ja auch der Dritte im Bunde sein können. Bereits bei der ersten Begegnung schepperte es gewaltig, aber im Gegensatz zu den bisherigen Lehrern deeskalierte sie und machte keinen Druck.

Innerhalb kürzester Zeit baute sie mich auf und mir wurde klar, dass das Leben vielleicht nicht nur Pralinen für mich parat hält und ein halbwegs passabler Abschluss ganz nützlich werden könnte. Den Quali zu machen, war damals gar nicht so einfach, es wurden noch echte Kriterien angesetzt. Und es machte mich schon etwas stolz, als eine kleine Gruppe Schüler vor dem Prüfungssaal saß, mein Ex-Lehrer aus der 8. vorbeikam und mich verblüfft fragte: „Wie hast du dich denn hierher verirrt?“. Frau Jacob fuhr ihm sofort in die Parade und giftete ihn an: „Was soll denn das? Peter ist mein bestes Pferd im Stall!“ Dass es rein aus Motivationsgründen war denke ich nicht, dafür war sie einfach zu ehrlich.

Yep mein Leben sollte tatsächlich einen ganz anderen Verlauf nehmen, als ich geplant hatte und ich denke, damit bin ich keine Ausnahme. Ob ich wirklich den qualifizierenden Abschluss gebraucht hätte oder nicht, kann ich im Nachhinein nicht beurteilen, aber klar ist damals wie heute: Einen Schulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung ist das, was in Deutschland zählt.
Im Übrigen wage ich zu behaupten, dass Schulabgänger mit Quali aus Bayern zu dieser Zeit mehr Bildung und Fertigkeiten vermittelt bekommen haben, als heutige Abiturenten in Berlin. Wir konnten noch Mathe ohne Tab und auch in Deutsch brachten wir mehr zusammen als: „Ey Alda, du sein Opfer, hä?

So das dritte Kapitel meiner Geschichte ist abgeschlossen, im 4. Kapitel folgt die Zeit von 1975 - 1978. Kurz aber oho :-) Inhaltsverzeichnis

Ein ehrenwerter Beruf

Nun war es endlich soweit, dass ich am 01.09.1975 mit der Ausbildung zu meinem absoluten Traumberuf - Metzger - beginnen konnte. In einem neuen hellblauen Jeansanzug (als einziger) wurde zusammen mit meinem Lehrmeister und Vater, die Anmeldung an der Berufsschule für Metzger vorgenommen. Was war ich stolz, als ich in meiner Metzgerjacke am Abend neben meinem Vater zu Fuß in die Tessiner Straße einbog. Ich fühlte mich so erwachsen!

Was folgte waren drei spannende Jahre mit teilweise dramatischen und auch sehr schrecklichen Ereignissen. Wir standen jeden Morgen sehr früh auf, ganz besonders (03:00h) wenn wir in die Wurstküche nach Solln fuhren um dort Würste zu produzieren. Aber auch sonst ging es früh zur Sache, täglich Schlachthof, anschließend zur Metzgerei im Herzen von München, in die Damenstift Straße.



Ob im September 1975 schon feststand, dass wir mit dem Geschäft und auch Privat nach Solln ziehen würden und dort den Laden vom verstorbenen Opa wieder zu eröffnen, weiß ich nicht mehr.
Erinnern kann ich mich noch gut an die oftmals grimmige Kälte frühmorgens und wie lange es dauerte bis das Auto endlich warm wurde. Kaum warm, musste ich sofort wieder in den Eiskeller von Wurstküche. Ganz schnell war meine Lieblingsaufgabe den großen Wasserkessel zu heizen, damit wenigstens die Finger etwas Wärme abbekamen.

Der Tagesablauf war Routine - Ausbildung und Verkauf und meistens schickte mich mein Vater ab 13:00h Uhr bis ca 16:30h in die Mittagspause, die ich in der Wohnung im Hinterhof in der 2. Etage verbrachte. Natürlich musste ich mir die Zeit vertreiben, denn so müde war ich auch nicht, dass die ganze Zeit verschlafen konnte. Also las ich meistens Roman Heftchen, bei Krimis bevorzugt „Jerry Cotton“, bei Western „Lassiter“. Diese Romane werden im nächster Beitrag noch relevant.
Ab 16:30h begann das Abendgeschäft. Schon nach kurzer Zeit lies mich mein Vater den Wurstverkauf erledigen und natürlich standen täglich umfangreiche Reinigungsarbeiten und Vorbereitungen für den nächsten Tag an. Gegen 18:30h schlossen wir den Laden und fuhren nach Fürstenried nach Hause, wo wir gegen 19:00h eintrafen. Meist ging es früh zu Bett, wenn ich nicht noch schnell bei Herbert vorbeischaute, denn oft hieß „Bub geh ins Bett, um drei ist die Nacht vorbei!“.
Die Menschen im Schlachthof, ob in den großen Verkaufshallen oder später bei den Lohnschlächtern waren mir alle sympathisch, zwar grob und direkt, aber eben nicht linkisch und hinterhältig.

Um es ganz klar zu formulieren: Das Metzgerhandwerk ist ein ehrenwertes! Später war ich LKW- und Bierfahrer und ab 1984 begann ich meine Tätigkeit bei einer oberen Bundesbehörde. Dort arbeitete ich in verschiedenen Abteilungen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen. Doch keine dieser Tätigkeiten erfüllte mich annähernd so, wie es die 5 Jahre Metzger taten. Inhaltsverzeichnis

Das Ding mit der Kaufhalle

Im vorherigen Beitrag erwähnte ich die lange Mittagspause. Was sollte ich denn nun anfangen, mit den 3-4 Stunden? Die Shops der Innenstadt kannte ich auswendig und für Caféhaus Besuche hatte ich weder die Kohle noch wirklich Bock darauf. Und natürlich wollte Vater, dass ich mich ausruhe, der Metzgerberuf ist anstrengend.
Lesen tat und tue ich schon immer gerne, also verschlang ich Romanheftchen, Größe DIN A5 und damals in diversen Genres erhältlich. Science Fiction interessierte mich nicht, also Krimis oder Western. Der Bastei Verlag vertrieb
noch nicht lange die Westernserie Lassiter und das war für einen Heranwachsenden (damals!) ein erotisches Abenteuer. Sogar im härtesten Kampf machte er kurz Pause und bestieg eine Frau, um danach wieder alle abzuknallen. Yooo da schlug des Herz des kleinen Bäääda 3 Etagen höher.

Die Krux an der Geschichte war, dass die Dinge Geld kosteten. Bis zu 3 Hefte pro Mittagspause gingen drauf und das war bei meiner chronischen Geldknappheit und geringem Lehrlingsgehalt nicht finanzierbar. Was Hänschen lernt, verlernt Hans nimmer mehr. Und ohne angeben zu wollen, ein gewisser H. L. und der „kloane Bäääda“ hatten sich im Bereich Ladendiebstahl zu Superstars entwickelt. Nichts tragbares war vor diesen Langfingern sicher und wechselte bei Bedarf mal schnell die Örtlichkeit.
Somit stellten die Romanhefte nicht wirklich eine Herausforderung dar. Mittags raus aus dem Laden, in die Herzogspital Straße rein, vorbei am „Sugar Shake“ (bis weit in die 1980er eine der Top-Discos Münchens, mit den „bösen“ Promis wie Mike Jagger, viiiieeel Dope und immer etwas anrüchig.) und durch den Hintereingang rein in die Kaufhalle.

In der Kaufhalle gab es einen großen Wühltisch voll mit Romanheften aller Art und es gab einen Hausdetektiv, das wiederum wusste ich aber nicht. Bei meiner Fingerfertigkeit in diesem Metier war das aber auch nicht von Belang. Am längsten dauerte die Auswahl der Heftchen, denn ich hatte schon meine Favoriten unter den Schreiberlingen. Dann ging es ratz fatz und wie durch Zauberei wechselten die Objekte ihren Standort und wurden zudem unsichtbar.
Doch zu viel Selbstsicherheit macht nachlässig und führt zu Fehlern! Eines Tages verspürte ich die Hand eines mittelgroßen, korpulenten Mannes an meiner rechten Schulter und der Typ flüsterte mir „Hausdetektiv, mitkommen“ ins Ohr.

Nun ich war immer ein gelehriges, folgsames Kind und meine Eltern schärften mir von klein an ein: „Lass dich nicht von fremden Menschen anfassen und gehe unter keinen Umständen mit diesen Leuten mit!“
In einer ruckartigen Bewegung zog ich meinen rechten Ellenbogen nach hinten und traf auf etwas weiches, kugelförmiges. Dann hörte ich ein „UUUPPPFFF“ und der Typ bewegte sich vielleicht etwas zu schnell rückwärts, denn dabei vergaß er wohl den hinter ihm platzierten Wühltisch. Er prallte mit seinem ganzen Gewicht dagegen und dann waren beide für weitere ca 100cm in Bewegung, was nicht ohne Lärm abging.

Mir war das eindeutig zu laut und ich verlies - möglicherweise etwas eiliger als sonst, wie immer - die Kaufhalle durch den Vordereingang und tauchte in der meist gut besuchten Münchner Fußgängerzone fast am Stachus oben, in der Menge unter.
Von da an zog ich es vor, diesen ungastlichen Ort, an dem man zudem von Männern betatscht wird, zu meiden, denn der Geschäftsumzug war nur noch wenige Tage entfernt. Doch der Teufel ist ein Eichhörnchen und wenn du meinst du hast das Glück, dann zieht die Sau den Arsch zurück (doch beim nächsten Mal bin ich schlauer, ich press die Sau gegen die Mauer!).

Es war ein unglaublicher Zufall. Genau zwei Tage vor dem Umzug marschierte der Detektiv an unserem Geschäft vorbei und sah mich beim Verkauf. Der Rest ist schnell erzählt: Keine 30 Minuten später tauchte er zusammen mit zwei Polizeibeamten wieder auf, erklärten Vater den Vorgang und es kam zur Anzeige. Lange Zeit später musste ich 50,--DM für (geständigen) Ladendiebstahl bezahlen, Körperverletzung galt als nicht bewiesen.
Was ich jedoch nie vergessen werde, ist diese unglaubliche Enttäuschung im Gesichtsausdruck meines Vaters. Keiner von uns beiden wusste jedoch, dass dies nur der Anfang war und heute tut mir das alles so unendlich leid. Denn was in den nächsten 3 Jahren noch folgen sollte, hat dieser hochanständige, ehrliche Mann nicht verdient.
Glücklicherweise für meinen Vater fand dann der Umzug statt, denn ich glaube, dass er annahm, dass jeder Kunde jetzt wüsste was für einen missratenen Sohn er hat. Das wäre das Schlimmste für IHN gewesen.


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Umzug ins neue Domizil

Nach erfolgtem Umzug von Fürstenried nach Solln, fühlte ich mich in der neuen Umgebung zuerst überhaupt nicht wohl. Schließlich hatte ich mein ganzes Leben (die ersten 3 Jahre waren irrelevant) in Fürstenried West verbracht. Und so fuhr ich in der ersten Zeit nahezu jeden Tag am Nachmittag nach Fürstenried und besuchte Familie Neidlinger.
Der Umzug mit dem Geschäft war für mich eher zweitrangig und brachte eher Vor- als Nachteile. Wie das alles ablief, hierzu habe ich keine Erinnerung mehr. Tatsache war, dass ich die erste Zeit noch mit Schrott Oma zusammen im Gartenhaus leben musste und das ging gar nicht!

Glücklicherweise wurde eine Wohnung in ihrem 3 Familienhaus im 2. Stock schnell frei und sie zog dort ein. Von da an ging es rund im Gartenhaus! Da Bäääda lies die Sau raus. Welcher 16jährige hatte schon eine permanent sturmfreie Bude, frei von Nachbarn zumindest was den Geräuschpegel anbelangte und zudem den Schlüssel zur Wurstküche, die für unbegrenzten Würstchennachschub sorgte?


Das Gartenhaus bestand aus 2 Zimmern (das zweite war für - zumindest männliche - Besucher tabu, dort war auch meine „Nasszelle“ in Form eines Waschbeckens und einem Boiler) einem Keller, einer Küche und einem Dachboden. Dachboden und Keller waren wichtig, denn wenn ich mal wieder auf der „Flucht“ vor meinen Freunden war, die meinten mich zu jeder Nachtzeit aufsuchen zu können, schlief ich einfach dort und jeder dachte ich sei nicht zuhause.

Ich war (bin) bekennender Beethoven Fan, in erster Linie von der 9. Symphonie, denn da konnte ich mitsingen. Allerdings so schräg, dass mich Günter N. einmal sogar auf Band aufnahm, um einen Beweis für meine Unbegabtheit zu haben. Das bemerkte ich nicht einmal, denn ich hatte ein Konstrukt aus zwei von Günter R. selbstgebauten riesigen Bassreflex Boxen die einen Spalt auseinander standen und von oben mit 2x 80W Sinus Lautsprechern abgedeckt wurden. Dann legte ich mich mit einem Kissen in die Lücke und der Punk ging ab, bis zur Schmerzgrenze.
Das Problem war, dass ich jetzt die Türklingel ganz vorne (30-40m entfernt) an der Einfahrt nicht mehr hörte. Rainer „Eddi“ E. löste das ganz elegant, indem er die Leitung mit einem großen sehr hell leuchtendem ROTEN Strahler verband. Ich denke die Nachbarn dachten eher an ein Bordell, als an einen 16jährigen Metzgerlehrling.

Schließlich begann ich schon bald mit den ersten Kochversuchen. Gut Würstchen warm machen oder Leberkäse abbruzzeln, waren jetzt nicht die großen Herausforderungen. Allerdings kannte ich den Spruch „mit Speck fängt man Mäuse“, also war der Plan, mit meinen Kochkünsten ein paar der außerordentlich attraktiven Mädels aus der Umgebung in die Falle bzw. das Gartenhaus zu locken.
Schon immer experimentierfreudig versuchte ich mich an allem Möglichen und das Versuchskaninchen war meistens Rainer „Eddi“ E., manchmal auch Reiner R. Eines Tages wollte ich den beiden etwas ganz Besonderes auftischen. Ich lud sie ein, verschwieg was für ein Gericht auf den Tisch kommt und sie beide mussten erraten, was ich ihnen für eine Köstlichkeit serviert hatte.

Kurzum es war ein Desaster! Von gebackenen Fisch über Kalbsschnitzel bis hin zu hart gewordenem Kaugummi und vieles mehr, wurde ziemlich alles genannt. Dass es sich um ein paniertes Kuheuter handelte, auf diese glorreiche Idee kam allerdings keiner der beiden kulinarischen Nieten.
Es kam wirklich in der Konsistenz und ich denke sogar im Geschmack einem dieser transparenten Radiergummi ziemlich nahe. Über die handwerklichen Fehler (fing schon damit dann, dass ich 5 cm dicke Scheiben, anstatt sehr dünne verwendete) will ich jetzt mal den Mantel des Schweigens ausbreiten, das wäre ein eigener Kurzroman aufgrund der Menge.
Doch es gab zwei ganz wesentliche Erkenntnisse:
1. Das mit der Falle und den Mädels wurde unverzüglich ad Acta gelegt und
2. ein Kühlschrank musste dringendst beschafft werden!
und somit sind wir bei der nächsten Story „Herbert und der Kühlschrank“ angelangt. Das lieber Herbert, war dein Meisterstück und an diesem Tag wollte ich dir ein paar Ohrfeigen verpassen und dir das Buch mit dem Titel: „How to make friends and influence people“ schenken. Inhaltsverzeichnis

Herbert und der Kühlschrank

Zuerst muss ich feststellen, dass mir die genauen Zeitdaten in den Jahren 1975 -1978 weder was Monat noch Jahr anbelangt, zu 100% geläufig sind. Alles was passierte war zu viel und kam zu schnell hintereinander. Aber da ich noch nie ein Pedant war und es auch nicht werden möchte, kann ich gut damit leben.
Als sich heraus kristallisiert hatte, dass ich dringend einen Kühlschrank brauchte, schließlich wollte ich ja weitestgehend autark von der restlichen Familie sein, ging die Sucherei los. Schmales Budget, kein Auto und keine Vorstellung davon, wo so ein Teil neuwertig auf der Straße liegen könnte.

Natürlich bat ich auch meinen guten Freund Herbert um Hilfe, zudem er ja auch Nutznießer von dem Ding war. Nun Herbert war schon immer auf den Flohmärkten dieser Welt zuhause und fragte sofort nach den wesentlichen Fakten wie Höhe, Breite, Gefrierfach etc. und natürlich wollte er den absoluten Höchstpreis den ich hinblättern konnte wissen, schließlich war Herbert ein Meister im Feilschen. Doch als er 50 DM (und das war schon mehr als ich eigentlich hatte) hörte, machte sogar er ein wenig optimistisches Gesicht.


Tage, nein Wochen tat sich nichts, ein Kühlschrank zu diesen Konditionen war einfach nicht aufzutreiben. Mal zu hoch, mal zu breit, meistens zu teuer. Aber auf Herbert war Verlass! Von ihm kam die erlösende Botschaft - und ihr lieben Leute immer schön daran denken: 1976 war nix mit Handy, WhatsApp oder Facebook & co. -, dass er einen passenden Kühlschrank für mich hätte. Höhe, Breite, Zustand alles passt, nur ein kleines Problem hat es gegeben.

Trotz intensiver Bemühungen sei es ihm (Herbert) nicht gelungen, den Preis unter die absolute Höchstsumme von 50 DM zu drücken. Aber er hätte dafür erreicht, dass der Kühlschrank frei Haus geliefert wird. Nachdem wegen der erfolglosen Suche der vergangenen Wochen der Frustfaktor ohnehin schon ziemlich hoch war, war mir das inzwischen egal. Also wie üblich ein paar Leute angefixt um die Kohle zu bekommen und ich gab Herbert das go zum Kühlschrank Kauf.

Dann kam der Tag der Tage! Ich wollte schon eine Eingabe an den Bundestag um einen weiteren Feiertag zu bekommen machen, sozusagen als „Tag des Kühlschranks“. Am späten Nachmittag sollte das Teil geliefert werden. Natürlich hatte ich Herbert - so wie es unter Gaunern und Halunken nun mal üblich ist - das Geld schon ausgehändigt und wir standen erwartungsfroh an der Auffahrt zu meinem Häuschen.
Urplötzlich hörte ich den Sound eines mir bekannten Autos. VW Variant genau so ein Vehikel fuhr Hannes, der Bruder von Herbert. Wow meine Achtung für Herbert stieg ins Unermessliche! Er hatte wohl organisiert, dass Hannes den Kühlschrank abholt und zu mir bringt.

Chapeau! Ein Hoch auf Herbert! Zügig fährt Hannes in die Einfahrt, stoppt das Auto, steigt aus und kuckt mich ziemlich entgeistert an. Folgender Dialog entstand:
„Servus Bäääda“ „Griaß di Hannes“ „Ja hätte ich gewusst, dass DU den Kühlschrank willst, hätte ich keine 20 DM verlangt“ „Wieso 20 DM, ich habe Herbert 50 DM gegeben.“ Beide Köpfe bewegten sich ruckartig in die Richtung in welcher Herbert noch vor 30 Sekunden stand. Nichts, Nada, Nothing, gähnende Leere! Herbert war verschwunden und wurde an diesem und ich denke auch am nächsten Tag nicht mehr gesehen. Heute, ca. 42 Jahre später muss ich gestehen, das war ein Meisterwerk, vor allem die Geheimhaltung!

Und wie sollte es anders sein, auch bei der nächsten Geschichte spielt Herbert die Hauptrolle. Inhaltsverzeichnis

Ein schmerzhafter Spaziergang

Wie es kam, dass bei den Neidlinger im Frühjahr oder Sommer 1976 ein blutjunger deutscher Schäferhund zu Gast war, weiß ich nicht mehr. Es handelte sich um den Hund vom Platzwart des Tsv Forstenried an der Graubündner Straße, der anscheinend für ein paar Wochen im Urlaub war.
An einem schönen lauen Abend wollten wir - Rita N. die „kleine“ Schwester von Reinhold und Günter, ihre Freundin Gabi S., Herbert und ich - den Hund etwas Gassi führen. Raus aus der Wohnung, quer durch den Fürstenrieder Wald, hin zum Kriegerdenkmal an der Tischlerstraße. Das Kriegerdenkmal war schon ein besonderer Ort. Einmal zerschnitt ich mir im „Teich“ die Fußsohle, dann die Geschichte mit dem grünen Manderl (AZ München -im Artikel musst du nach unten scrollen) und jetzt die „Hundesache“.

Auf dem Geh- / Radweg Richtung Freizeitheim, trennte linker Hand ein Grünstreifen mit Büschen und Sträuchern den Weg von der Straße. Dort kamen Herbert und ich auf die glorreiche Idee den Hund zu „dressieren“. Und natürlich als erstes das Kommando „Fass!“. Herbert sprintete mit vollem Karacho los, ganz rechts an den dortigen Büschen entlang. Ich ließ ihm gefühlte 15 Meter Vorsprung, hatte den Hund mit ca. 1 Meter Leine an der linken Hand und brüllte Fass! Yooo, der „Kleine“ ging ab wie eine Rakete und verfolgte Herbert. Warum dieser „Zipfeklatscha“ an diesem Tag ausnahmsweise langsamer war als ich (eigentlich war er IMMER schneller als ich, denn sonst hätte er ja von mir noch mehr Prügel bekommen, wenn ich ihn immer erwischt hätte.), steht in den Sternen und war halt einfach nur Kismet.
Jedenfalls holten wir Herbert ein und der Hund wollte ihn anspringen, aber nicht wegen des Kommandos, sondern wie jeder junge Hund wollte er einfach nur spielen und an Herbert hochspringen. Das Problem war, dass das aus vollem Lauf heraus passierte, der Hund an meiner linken Hand hing, während Herbert auf der rechten Seite lief.

Leider nahm das blöde Vieh keinerlei Rücksicht auf unsere Stellung, sondern zog diagonal nach rechts und setzte zum Sprung an. Jeder von uns weiß was passiert, wenn man mit voller Fahrt an eine über den Weg gespannte Schnur (in diesem Fall die Hundeleine) gelangt. Yep, der Hund überschlug sich und da Bäääda segelte im hohen Bogen, ähnlich wie ein Skispringer, Kopf voraus in die Büsche auf der linken Seite.
Nach einer halbwegs weichen Landung und einer kurzen Benommenheit, dachte ich: „Wow was für ein Flug und nichts passiert!“ Nur ein kleines Zippen im linken Arm verspürte ich. Also versuchte ich meinen Kopf in die Richtung vom Arm zu drehen und als ich es hinbekommen hatte, sah ich zuerst in das liebliche Gesicht von Rita, die sich die Hand vor den leicht geöffneten Mund hielt, ihre schönen Augen waren noch größer als sonst und spiegelten Entsetzen wieder.

Dies allerdings irritierte mich und jetzt wollte ich unverzüglich feststellen, was das Kribbeln im Arm bedeutete. Eigentlich war alles ganz normal. Der Arm lag friedlich im Gras, schön im rechten Winkel gebeugt und machte nichts. Alles schick, bis ich realisierte, dass der rechte Winkel nicht zum Körper hin, sondern vom Körper weg gebogen war.



Ok von nun an ging es mir nicht mehr so gut. Wir begaben uns sofort zu Neidlingers. Dort übernahm Herr Neidlinger als hochrangiger Polizeibeamter das Kommando. Er konfiszierte den VW Käfer von Reinhold und brachte mich ins Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin gab er meinem Vater (lag ohnehin auf dem Weg) Bescheid. Nie vergessen werde ich dabei, wie korrekt der Neidlinger Papa auch in solchen Situationen war. Wir kamen an die Kreuzung Siemens Allee / Wolfratshauser Straße und mussten rechts abbiegen. Die Ampel zeigte rot, aber es herrschte keinerlei Verkehr. Ich sitze auf dem Beifahrersitz, mir war speiübel und mein Arm machte schon ziemlich AUA. Dann sagt Herr Neidlinger (zu wem auch immer) förmlich: „Hiermit erkläre ich dies zu einem Notstand und setze daher die §…. außer Kraft und werde trotz der Signalzeichen, die Kreuzung überqueren“. All thumbs up, denn es ging ohne Verzögerung weiter.

Eigentlich käme jetzt Routine. Doch wie üblich, gibt es bei mir noch ein besonderes Gimmick. Es war eine Ellenbogen Luxation und einige Bänder und Sehnen waren betroffen. Die Ärzte bastelten rum, steckten den Arm

rechtwinklig in einen Gipsverband und nahmen ihn 6 Wochen später wieder ab. So weit, so gut, nur die Auskunft des Arztes war doch etwas beunruhigend. Er meinte, dass die Bänder und Sehnen durch die Winkelung jetzt etwas verkürzt sind, ich gaaaanz langsam versuchen müsste den Arm wieder zu strecken und dafür zuerst eine leere Flasche zwischen die Finger, dann 2 Tage später eine volle, dann zwei usw. klemmen sollte. Es könnte jedoch sein, dass sich der Arm nicht mehr ganz strecken lässt.

Das nervte gewaltig und auch die Angst den Arm nicht richtig gebrauchen zu können, verursachte keine Hochstimmung, also trainierte ich halt. NICHTS tat sich! Wahrscheinlich (ich bin nun mal ein Weichei) nervte Vater mein Gejammere (und die fehlende Arbeitskraft seines Lehrlings) ziemlich und da ich meine herausragendste Stärke Ungeduld wohl von ihm vererbt bekam, suchte ER nach einer Lösung.
Zu unserer Wurstküche führten vom Garten aus einige Stufen in den Keller. Um nicht beim Gießen oder Spielen runter zu fallen, war dort ein massives Metallgeländer angebracht. Eines Tages rief mich Vater zu sich und sagte ich solle mich am Geländer festhalten und zwar mit dem verletzten Arm. Dann sollte ich mich hinstellen und den Oberkörper wie ein Boxer nach vorne neigen.

Er stellte sich mir gegenüber und erzählte irgendeinen Schwachsinn um mich dann völlig ohne Zusammenhang aufzufordern, laut bis 10 zu zählen. Bei 6 angelangt schlug er mich mit seiner rechten geöffneten Hand mit voller Wucht auf meine rechte Schulter und legte sein ganzes Gewicht dahinter. Mein Vater war ein unglaublich kräftiger und auch schwerer Mensch. Ich ließ das Geländer los, setzte mich unsanft auf mein Hinterteil, stieß einen Schrei aus, der bis heute noch nicht in fernen Galaxien verhallt sein dürfte und sah nachdem die Tränen verschwunden waren, dass mein linker Arm urplötzlich aber so was von gerade war. Nach kurzer Zeit waren die Schmerzen weg und der Arm wieder voll beweglich.
Mein lieber Vater, in welchem Nirvana du auch gerade rumschwirrst, dafür danke ich dir von ganzem Herzen. Wer weiß schon wie das „Training“ ausgegangen wäre und ein Leben mit so einer Einschränkung wäre nicht mein Ziel gewesen. Natürlich hätten bei der Methode die Bänder und Sehnen reißen können. So what? No risk, no fun!
Und die Moral von der Geschicht: Traue Herberts Lauffähigkeiten NICHT!
Inhaltsverzeichnis

Hugo B. und das Kartenspiel

Das Metzgerhandwerk ist, das dürfte schon in der Natur der Sache liegen, ein etwas gewöhnungsbedürftiger und rauer Beruf. Es liegt nicht jedem, mit toten Tieren zu arbeiten oder sogar Tiere zu töten. Wenn man sich dann jedoch den Fleischkonsum in Deutschland ansieht, tote Tiere essen möchte aber schon fast jeder. Frei nach dem Motto: „Was schert mich die Umwelt, bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.“
Soweit ich mich erinnere, bestand der Lehrlingsjahrgang 1975-1978 aus nur einer Berufsschulklasse. Einige der Lehrlinge kamen aus München, aber auch viele aus Ebersberg, Erding, Haag u.a.m. also aus dem Umland, dort durfte im Gegensatz zu München auch noch selbst geschlachtet werden.

Einmal in der Woche hatten wir theoretischen und praktischen Unterricht im Münchner Schlachthof. Einige meiner Lehrlingskollegen erfüllten voll und ganz, das zur damaligen Zeit vorherrschende Klischee, das man von Metzgern hatte. Grobschlächtig, dumm und brutal. Einer dieser Kandidaten war (seinen Vornamen habe ich vergessen, denn den benutzte eh niemand) ein gewisser Numb. Ca. 190cm hoch, bullig, stark wie ein Bär (er hatte kein Problem damit, unter jedem Arm einen ca. 60kg schweren Rinderschlegel quer über den Schlachthof zu tragen) und strohdumm.



Wie Numb. die Prüfung in der Theorie schaffte ist mir bis heute ein Rätsel, denn während des Unterrichts erledigte -gegen ein geringes Entgelt- einer von uns die Aufgaben für ihn. Numb. war ein herzensguter Mensch und nur schwer reizbar. Doch ein Aushilfslehrer trieb ihn einmal bis zur Weißglut und das war nicht die beste Idee. Denn nachdem ihn dieser Typ zum wiederholten Male vor der gesamten Klasse lächerlich gemacht hatte, sprang Numb. wie von einer Tarantel gestochen auf (so laut, dass selbst Hugo B. und ich erwachten), rannte vor ans Pult, riss das Fenster auf, packte den verblüfften Lehrer am Hemdkragen und am Hosenbund. Er hob ihn in die Höhe -gut, das Zwetschgenmanderl wog vielleicht gerade mal 70 kg- und bugsierte ihn der Länge nach aus dem Fenster, dort drehte er ihn quer und schüttelte ihn wie man es mit einer großen Wanderratte macht, damit sie richtig quietscht. Ungut war daran, dass wir uns im 2.OG befanden. Ein Aufprall auf dem Boden wäre wahrscheinlich ziemlich schmerzhaft gewesen.
Dann holte er ihn wieder rein (ich bin mir sicher die Aktion hatte Numb. nur kopiert, denn ich glaube es war nicht das erste Mal, dass so was geschah), stellte den kreidebleichen Lehrer brav auf den Boden und sagte mit seiner tiefen Bassstimme: „No amoi wennst mi für blöd vakaffst, dann is aus mit dir“, drehte sich um, ging zurück an seinen Platz und setzte sich als wäre nichts gewesen. Gut an der Sache war, dass auch die Lehrer keine Sensibelchen waren und es bei einem Verweis für Numb. beliesen. In der Mittagspause wurde noch einmal kurz darüber gesprochen und dann war das Thema gegessen.

Ein ganz anderes Kaliber war Hugo B. aus Ebersberg, aber Lehrling bei Magnus Bauch, einem sehr bekannten Münchner Metzger. Er wohnte in einer winzigen Bude direkt neben seiner Lehrstätte an der Thalkirchner Straße und brachte mir bei, wie man Mädels die Fleischereifachverkäufer lernten, dazu bringt sich auch für die menschliche Anatomie zu interessieren.
Es dürfte gegen Ende des 1. / Anfang des 2. Lehrjahres gewesen sein, als Hugo mich fragte, ob ich nebenher ein paar Märker verdienen möchte. Er meinte, er spiele 1-2 x die Woche mit ein paar Typen Poker und er würde mir ein paar Sachen beibringen, damit wir als Team sicher gewinnen würden. Okay so ganz wohl war mir nicht bei dem Ding, aber als er sagte, da wären pro Woche mindestens 50-100 DM drin, war ich restlos überzeugt.
Letztendlich ging es um gezinkte Karten und ein paar gut platzierte Gegenstände in dem Hinterraum der Kaschemme, denn der Wirt war auch ein Komplize. Mit Zeichen verständigte ich mich mit Hugo und somit konnten wir nur schwer wirklich verlieren, nur die kleineren Einsätze gaben wir preis.

Ganz einverstanden war ich nach kurzer Zeit nicht mehr mit meinem Anteil. Der Wirt kassierte 70 % vom Gewinn (Karten und die Spiegel stammten von ihm), und Hugo gab mir höchstens 50 DM pro Spieltag von seinen 30%. Doch unsere Mitspieler waren alles andere als liebe, freundliche Gesellen. Sie waren überwiegend Gastarbeiter / Fernfahrer aus dem Großmarkthallen / Schlachthof Milieu.
Finstere Gestalten mit schnellen Fäusten und jeder sicher mit einem Messer in der Tasche. Doch zu „Tarifverhandlungen“ zwischen Hugo und mir kam es nicht mehr. Eines Abends stand wieder eine Session an, doch ich hatte partout keine Zeit. Ob Hugo eine weitere Person als Ersatzmann hatte oder ob der Wirt einsprang weiß ich nicht mehr.

Jedenfalls kam während der Pause der Rektor der Berufsschule -ich denke er hieß Grohmann- und meinte, dass Hugo B. leider bei einer Auseinandersetzung in einer Gaststätte mit einem Messer lebensgefährlich verletzt wurde. Die Polizei bittet um Mithilfe, falls einer seiner Mitschüler Angaben zu Hugo B. und seinen Gewohnheiten machen kann.
Weder machte ich bei der Polizei Angaben, noch sah ich Hugo B. jemals wieder. Ich weiß aber, dass er es überlebt hatte. Ob er seine Metzgerlehre fortsetzte und was weiter in seinem Leben geschah entzieht sich meiner Kenntnis, nur war fortan auch mein lukrativer Nebenverdienst ad acta gelegt. Inhaltsverzeichnis

Das Gartenhaus

Jetzt kann ich es ja zugeben, was ich zu meiner „aktiven“ Gartenhaus Zeit niemals getan hätte: Ja die erste Zeit war es mir etwas unheimlich, so ganz alleine in dem Häuschen. Nicht weil ich Angst vor den bösen Räubern oder ähnlichem gehabt hätte, nöööö wegen den Geräuschen rund ums und im Haus.
Da waren im Dachboden und ich glaube auch in den Wänden die Mäuse und deren Trippeln und Scharren hörte sich strange an. Aber richtig gruselig waren die Igel, direkt hinter meinem Fenster. Dort war ein Treppenaufgang zum Keller und ein schmaler Grünstreifen, in welchem das herunter gefallene Laub vom Nachbargarten rum lag.

Wer schon einmal die Geräusche der Igel beim Schnackseln hörte, der weiß wovon ich spreche. Das hört sich echt an wie ein Mensch, der in den letzten Zügen liegt und röchelt. Schauriger geht es nimmer! Vor allem dauerte es ein Weilchen bis ich das zuordnen konnte, denn die Übeltäter machten es nicht auf dem Präsentierteller, sondern taten es gut versteckt. Vielleicht war es ja eine in der Igel Szene bekannte Örtlichkeit für secret love.
Doch auch bei meinen Freunden war das Häuschen außerordentlich beliebt. Permanent sturmfreie Bude, endlos laute Musik und zumindest, was Wurst und Würstchen anbelangt, immer genug Verpflegung, weil ich den Schlüssel zur Wurstküche der Metzgerei und zum Laden hatte. Somit waren Besuche von meinen Freunden zu JEDER Nachtzeit vorprogrammiert. Teilweise zog ich es vor, prophylaktisch im Keller in der Badewanne oder auf dem Dachboden zu schlafen, denn an Schlaf war bei den Besuchen meist nicht mehr zu denken.



Einmal jedoch leisteten sich Hannes L. und Günter N. eine gegen mich gerichtete, üble Sache! Irgendwann, als ich mich im Tiefschlaf befand wurde ich lautstark von den beiden geweckt. Das überwinden des Gartentors bei der Einfahrt stellte keinerlei Problem dar und meine Zimmertüre war eigentlich immer unverschlossen.
Die Jungs hatten offensichtlich ziemlich Hunger, denn sie forderten nachhaltig etwas zu essen. Keine Ahnung warum ich mich an diesem Tag weigerte. Wahrscheinlich war ich betrunken oder einfach zu müde, um aufzustehen. Je massiver ihre Einschüchterungsversuche wurden, desto sturer wurde ich.

Das Ende vom Lied war, -ich lag im Bett- dass Günter N auf meinen Beinen saß und Hannes L auf meinem Oberkörper, bewaffnet mit einer Dose brauner Schuhcreme (wie die in mein Zimmer kam, ist ein ungeklärtes Rätsel!). Er bemalte mein Gesicht, dass jeder Indianerstamm vor Neid erblasst wäre und folterte mich damit, bis ich dem Wunsch nach Verpflegung nachgab. Wer solche gewalttätigen Freunde hat, braucht keine Feinde mehr!

Günter N. war damals ohnehin ein sehr schlagkräftiger junger Mann. Eines Nachts führten wir ein bilaterales Gespräch, ganz sicher mit hoch geistigem Inhalt. Günter auf der durchgewetzten Couch sitzend, ich gegenüber in einem ebenso abgenutzten Wohnzimmersessel. Zwischen uns befand sich ein rechteckiger, mit allen nur erdenklichen Gegenständen überladener Wohnzimmertisch. Das fing mit besagter Schuhcreme an, gefolgt von Prinzenrollenkeksen, hin zu Getränkeflaschen, Gläsern, Tellern etc. und hörte noch lange nicht bei diversen Nahrungsmitteln auf. Kleinigkeiten wie Brösel oder schmutzige Teller usw. müssen nicht extra erwähnt werden, das war Usus.
Jedenfalls saßen wir dort und in erster Linie tranken wir irgendeinen billigen Whisky. Selbst Ballantine Fusel war damals Luxus. Irgendwann, beide waren wir bis zu Oberkannte Unterlippe abgefüllt, wiederholte sich eine Szene mindestens 5X. Günter brachte seinen Oberkörper in eine senkrechte Position, sah mich mit sehr ernstem Blick an und sagte in einer nur schwer verständlichen Ausdrucksform : „Bäääda jetzt trinke ich meinen Whisky aus und dann gehe ich heim“.
Er nimmt ein auf dem Tisch stehendes, geöffnetes mit scharfem Senf gefülltes Glas, setzt an und wundert sich, dass nichts rauskommt. Verblüfft sieht er das Glas an, stellt es wieder ab, wendet seinen Kopf zu mir und fängt wieder an, über die Probleme dieser Welt zu labern.

Wie gesagt, exakt identisch wiederholte sich das mindestens 5X. Beim letzten Mal bringt er seinen Oberkörper in eine senkrechte Position, sieht mich mit sehr ernstem Blick an, kippt zur Seite und binnen einer Sekunde schnarcht er was das Zeugs hält. Jetzt war es an mir verblüfft zu sein und ich muss gestehen, leicht überfordert war ich schon.
Fürsorglich wie es seit jeher bin, nahm ich seine Beine und brachte sie auf der Couch zum Liegen. Dann kam eine weniger herausragende Idee. Ich wollte Günter von seinen Cowboy Stiefeln befreien, denn darin zu schlafen ist nicht so prickelnd. Also ziehe mit beiden Händen an dem ersten seiner Stiefel und bekam im nächsten Moment mit voller Wucht den Absatz von seinem Zweiten auf meinem Handrücken zu spüren. So heftig, dass ich mit einer schmerzhaften Schwellung drei Wochen lang an diesen feucht fröhlichen Abend erinnert wurde. Günter hingegen wachte deswegen nicht einmal auf und brabbelte im Schlaf weiter vor sich hin. Wahrscheinlich träumte er gerade, er sei John Wayne. Klaro dass sich Günter an diese Peinlichkeit überhaupt nicht erinnern konnte und sogar meine Aussage in Zweifel zog.

Auf jeden Fall gab es im und ums Gartenhaus viele schöne Ereignisse, mit viel Freude und lustigen Späßen. Diese Zeit möchte ich nicht missen und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen konnte. Inhaltsverzeichnis

It’s partytime Teil 1

Langsam näherte sich die Freizeitheim Zeit dem Ende zu und es kristallisierten sich verschiedene Gruppierungen heraus, die ich subjektiv so kategorisieren möchte: die Kriminellen, die Trinkfesten, die Braven. Warum ich in allen drei Gruppen ziemlich präsent war, kann ich heute nicht mehr sagen.
Auf die „Kriminellen“ Zeit -mit schrägen Typen wie Richard „Ritschi“ S, Karli, Jacki, Tachi u.a.m.- hätte ich gut und gerne (auch wenn es sich meistens um eher „kleinere“ Delikte oder Körperverletzung handelte) verzichten können. Eines kann ich jedoch zu 100% sagen: Auch wenn ich häufiger mit „Tachi“ und ein paar seiner Kumpels in einschlägigen Establishments wie in der damals existierenden Disco „between“ in der Seitzstraße unterwegs war, im Gegensatz zu „Tachi“ handelte ich niemals mit Rauschgift. Schon immer verachte ich Dealer, die harte Drogen verkaufen. Die Trinkfesten und die Braven hatten hingegen -wie in der Mengenlehre- ein paar Überschneidungen.

Erstere hatten ihre Heimat im Strasser Stüberl gefunden und die Disco Besuche fanden überwiegend im „Forum“ Germering oder „Atlantis“ auch „das Schiff“ genannt in Gröbenzell statt. Die Alkohol Exzesse waren schlimm und es grenzt an ein Wunder, dass uns nie etwas Ernsthaftes passiert ist. Aber es gibt mir schon zu denken wie leichtfertig und verantwortungslos wir damals handelten. Auch die Filmrisse sind bedenkenswert. So wachte ich einmal am späteren Sonntagvormittag auf der Rücksitzbank im VW-Käfer von Bernhard K., dessen Eltern ein Reihenhaus in der Tessiner Straße besaßen auf und hatte eine ziemlich geschwollene Nase und Oberlippe.
Erzählt wurde mir später, dass ich im Forum so dämlich gewesen sei, einen der „alten“ Aubinger Rockerbosse ziemlich massiv anzumachen und dabei ganz schnell schlafend zu Boden gegangen bin. Nur mit Mühe konnte eine Riesenschlägerei zwischen Fürstenriedern und Aubingern verhindert werden. Sorry keinerlei Erinnerung weder damals noch heute.



Sehr gut erinnern kann ich mich noch an den 18. Geburtstag von Günter N. Allerdings nicht warum wir im Pfarrheim der St. Matthias Kirche in Fürstenried starteten. Es war sehr lustig aber auch extrem Alkohol lastig. Natürlich musste ich, der „Superheld“, wieder einmal meine Trinkfestigkeit beweisen und trank 2x hintereinander jeweils 0,5l Rotwein auf Ex. Sozusagen zum warm werden, dümmer geht’s nimmer. Irgendwann war die Party im Pfarrheim zu Ende und dem Bruder von Günter, Reinhold „Ritter“ N. fiel ein, dass er in der „Fregatte“ -einer Disco an der Sonnenstraße in Stadtmitte- noch eine halbe Flasche Whisky im Kühlschrank hatte.
Wer die 1970er in Deutschland nicht mitmachte, weiß nicht wovon ich spreche und kann es sich auch nur schwerlich vorstellen. Sex, drugs & rock’n roll war keine Floskel und selbst im spießigen Dorf München, roch es -wie heute in Berlin- an jeder Ecke nach Halli Galli und Sex.
Ob Jungs oder Mädels es war immer partytime und es waren nicht nur die Jungs die „immer“ wollten, nööö die Mädels wurden weder vergewaltigt noch zu irgendetwas gezwungen, sie wollten es einfach genauso.

An diesem Abend war allerdings saufen angesagt. Und so holte Reinhold seinen Ford Capri und wir (Reinhold N., Günter N., Gürkan U. und ich) fuhren Richtung Innenstadt. Überflüssig zu erwähnen, dass Reinhold als Fahrer genauso sturz betrunken war wie wir alle. Und dann geschah etwas, was wohl nur zur damaligen Zeit möglich war.
Auf der Rückseite am Parkplatz des damaligen Messegeländes auf der Schwanthaler Höh, war kollektives Pinkeln angesagt. Alle außer Reinhold wackelten in erbärmlichen Zustand zur Abzäunung und versuchten ihre Notdurft zu erledigen. Dabei bin ich mir nicht sicher ob es nur Pinkeln war, das wir von uns gaben. Irgendwie musste ja auch im Magen Platz für Nachschub geschaffen werden, so dass etwas „Bröckerl Lachen“ vielleicht auch dabei war.
Mitten während dieser wichtigen Tätigkeit, hörten wir ein Auto bremsen und ich sah aus den Augenwinkeln, dass direkt neben dem Auto von Reinhold die „Grünen“ also Polizei hielt. Reinhold war vorher schon ausgestiegen und hatte beide Arme aufs Autodach gelegt und darauf seinen Kopf gebettet.

Einer der Schandis bewegte sich -es war ihm sofort klar, dass es sinnlos wäre mit einer der 3 jämmerlichen Gestalten zu sprechen- zu Reinhold und es entwickelte sich folgender Dialog:
S: „Was ist denn da los?“
R: „Nichts besonderes, mein kleiner Bruder ist 18 geworden“
S: „Die sind aber ganz schön breit“
R: „Man wird ja blos einmal 18, aber heim hätten sie nicht mehr gefunden, deshalb haben sie mich angerufen.“
S: „Ah so DU bist sozusagen der Chauffeur“.
R: „Genau“
S: „Dann pass bloß auf, dass nichts passiert und fahr vorsichtig“
R: „Mach ich“
Der Polizist (ich gehe davon aus, dass er 1 ¾ Augen zudrückte, denn dass der Promillegehalt von R. jenseits von Gut und Böse war, dürfte er sicher bemerkt haben) trollte sich und wir konnten ohne Probleme unsere Fahrt fortsetzen. Die Ankunft bei der Fregatte stellte nur kurzfristig ein kleines Problem dar, denn dem Türsteher gefielen meine Turnschuhe nicht und er wollte nur mich nicht reinlassen.

War eine dumme Idee von ihm, denn als er ein paar Stufen weiter unten ankam und ich über ihn stieg um in den Discoraum zu gelangen, war ihm klar, dass man sich manchmal besser nicht mit volltrunkenen Jugendlichen einlässt. Wir wurden nicht rausgeschmissen, weil es a) eine rauhe Zeit damals war und b) jeder Discobetreiber auf Typen die UNTER der Woche Geld da ließen scharf war. Gürkan und ich verließen vor den N. brothers die Fregatte, denn schließlich musste ich gleich zu arbeiten beginnen und Gürkan war inzwischen am Limit angelangt. Über die Taxifahrt verliere ich kein Wort, denn da hatten wir uns beide nicht mit Ruhm bekleckert.
Jetzt folgt Teil 2 mit den „Braven“. Inhaltsverzeichnis

It’s partytime Teil 2

Ob die „Braven“ so brav waren, weiß ich nicht mehr so genau. Es waren halt mehr so der innere Kern meiner Freunde, allerdings mit Schnittmengen zu den Trinkfesten. Mit dieser Gruppe verbrachte ich Zeit in der Maxhof Wirtschaft, von dieser ging ein direkter Übergang zur Disco Maxhof Casino. Der Haupttreffpunkt war allerdings meistens die Diskothek Holzleg an der Drygalski Allee.
Wie auch zum vorherigen Teil könnte ich jeweils ein eigenes Buch über diese Zeit schreiben, so ging damals die Post ab. Das würde zu weit führen und deshalb begnüge ich mich zum Holzleg mit drei Geschichterln.

Viel Discos gab es nach meiner Erinnerung nicht in dieser Münchner Gegend und deshalb traf sich im Holzleg der Münchner Südwesten, auch weil es nicht so angestaubt war wie das Maxhof Casino. Das Sagen im Holzleg hatten aber die „alten“ Fürstenrieder, die noch aus der Zeit von meinem verstorben Bruder stammten und wir, die „Jungen“.
Schlägereien und Drogen waren nach meinem Kenntnisstand kein großes Thema, nur einmal hatten wir Riesenstress mit „Torre“, der damals schwer abhängig war. Klar wurden alle Drogen mal ausprobiert, ich Gott sei Dank nur bis LSD, weil ich damals schon Panik vor Spritzen hatte.

Eines abends, wir kamen aus der Innenstadt hatte Torre einen kleinen LSD Trip eingeschmissen. Normalerweise war er dann immer gut drauf und spazierte durchs Weltall. Doch dieses Mal hatte er einen Horrortrip und geriet in Verfolgungswahn und Panik. Mitten während der Fahrt zückte er im Taxi ein Messer und bedrohte den Taxifahrer. Yooo das war heftig!
Endlich im Holzleg angekommen, wurde er einfach ins Klo gesperrt und die Türe mehr als 2 Stunden unter Verschluss gehalten. Glücklicherweise kam er wieder runter, das hätte übel ausgehen können.

Genial war im Holzleg der Flipper Automat. Zwar bescherte er einigen Leuten heftige Schmerzen im Knie, aber dafür konnte man kostenlos flippern. Wenn man an genau einer Stelle in der Nähe des Münzeinwurfschachtes mit dem Knie einen genau dosierten Stoß anbrachte, spuckte das Ding 7 oder manchmal sogar 14 Freispiele aus. Yep bei unserem chronischen Geldmangel, war das eine feine Sache. So musste ich wenigstens nur die Spielschulden begleichen, denn so Spielernaturen wie Erkan U. oder selbst Herbert waren meist besser als ich in meiner Ungestümtheit.

Wie schon erwähnt waren Schlägereien nicht sehr häufig im Holzleg oder du bist nach draußen gegangen. Doch wenn es mal Ärger gab, sorgte der Betreiber (ich glaube er hieß „Schucki“) oder die geniale Bedienung „Elly“ ganz schnell für Ruhe.
Nur einmal hatte ich Riesenglück, denn ich denke das wäre schmerzhaft für mich ausgegangen. Wenn man die Disco betrat, ging es nach links zu den Flippern und Toilettenräumen, leicht rechts kam die Bar, dann eine große Tanzfläche, links und rechts flankiert von Sitzgelegenheiten und in der Mitte hinten das „Fass“ und ein paar weitere Stehplätze.

Eines abends kam ich nach oben und begab mich zu meinem Stammplatz am Fass. Das war ein riesiges Holzfass rundherum mit einer Ablagefläche für Getränke. In jener Zeit waren -zumindest in München- dunkelhäutige Menschen nicht so häufig anzutreffen wie heute und genau so einer belegte meinen Stammplatz.
Hoch gewachsen, irgendwie athletisch aber eindeutig zu dünn für meinen Geschmack, steht der Typ an „meinem“ Platz und guckt den Mädels aufs Hinterteil. Für mich war das natürlich die Provokation schlechthin, ich nahm mein Getränk von Elly in Empfang und platzierte mich direkt vor ihm. Klar, dass es nicht lange dauerte und dann ließ er einen dämlichen Spruch wie „du stehst mir im Licht“ oder so ähnlich los. Logisch habe ich nur auf das gewartet, schon ging ein Wortgefecht los und es ging zielstrebig in Richtung Eskalation.

Als es ziemlich kurz vor der tätlichen Auseinandersetzung stand, die Fäuste waren geballt, kam urplötzlich von hinten Werner S. (einer meiner früheren „Wiggerl“ Beschützer), zieht mich weg und macht mich zur Minna.

Ob ich geistesgestört oder lebensmüde sei, fragte er mich. Ob ich nicht wüsste mit wem ich da gerade Zoff anfange. Nööö wusste ich nicht, aber Werner klärte mich dann über seinen Freund auf.
Es war niemand anderer als Georg Steinherr auch „Hammer Schorsch“ wegen seiner gnadenlosen Schlagkraft genannt. Als deutscher Meister im Mittelgewicht der Boxamateure, wechselte er zu den Profis und bereitete sich gerade auf die Europameisterschaft im Halbmittelgewicht vor. Diesen Titel verteidigte er meines Wissens mindestens 2x.
Joa es war mir klar, dass jetzt eine Entschuldigung fällig war und nach zwei Gläschen irgendetwas alkoholfreiem, entwickelte sich sogar noch ein angenehmer Abend mit Georg.

Später in meinen Erinnerungen wird sich noch zeigen, dass weder ein Europameister im Boxen unverwundbar ist, noch dass da Bäääda seine Lektion gelernt hat.
Jetzt beschließe ich den Abschnitt „it’s partytime“ für diese Zeit und werde erst 30 Jahre später wieder ins Nachtleben, diesmal allerdings in Berlin einsteigen. Es war eine schöne, wilde Zeit hoffe aber, dass die heutige Jugend etwas umsichtiger und vernünftiger handelt als wir. Denn heute weiß ich, dass ich es mir nie verziehen hätte, wenn ich damals wegen Alkohol oder Drogen jemanden nachhaltig geschädigt hätte. Inhaltsverzeichnis

Oma und die Mädels

Als streng katholische, kirchentreue Frau hatte es Oma nicht leicht mit ihrem Bäääda, zumindest was den Lebensstil und den Besuch von jungen Frauen anbelangte. Erschwerend kam für sie hinzu „Was sollen denn da die Nachbarn denken?“ Das Problem war, dass sie von ihrem Schlafzimmer in der 2. Etage genau auf das Gartentor und die Hofeinfahrt zum Gartenhaus blicken konnte.
Das tat sie häufig, aber ohne sich zu zeigen, denn dann hätte ich Verschleiherungsmaßnahmen eingeleitet. Wenn sie wieder etwas mitbekommen hatte, besuchte sie mich am nächsten Tag in meinem Zimmer und hielt mir eine Standpauke. Allerdings schmunzelte sie meistens, wenn ich sie an ihre eigene Lebenslust erinnerte. Schließlich hatte sie und das zur damaligen Zeit zwei uneheliche Kinder.

Doch eines Tages kam sie und ich weiß nicht warum sie wirklich so wütend war und machte ein richtiges Fass auf. Sie hatte am Vorabend beobachtet, dass ich eine rothaarige (mglw. war das für sie eine Hexe) zu mir ins Haus mitnahm und sogar, dass ich sie 3 Stunden später wieder verabschiedete.
Was ich alles zu hören bekam, sie vergaß ihre katholische Erziehung und nannte mich tatsächlich einen Hurenbock und dass die Leute annehmen mussten, dass das jetzt ein Puff sei und so weiter und so fort. Das Ende vom Lied war, dass sie mir allen Ernstes mit Rauswurf drohte, wenn ich noch einmal ein Mädchen mitbringen würde.

Nun das war ein worst case Szenario! Doch es kam ganz anders und nahm eine überraschende Wendung. Wie ich bereits einmal erwähnte, besuchte mich Freitagsabend häufig Rainer „Edi“ E. Rainer ist nicht sehr hoch gewachsen, breitschultrig, mit schulterlangem pechschwarzem Haar und einer tiefen Bassstimme ausgestattet.
Als Edi kam war es schon etwas dunkel. Oma wollte wohl überprüfen ob ich mich an ihre Vorgaben hielt, stand oben und hatte ihr Fenster leicht geöffnet. Als Edi und ich gerade die Garagen passiert hatten und sozusagen in freier Sichtbahn standen, schrie Oma mit voller Entrüstung von oben herab: „Bäääda ich hab es dir gesagt, wenn du wieder ein Weibsbild reinschleppst, dann schmeiße ich dich raus!“

Edi, schlagfertig wie er nun einmal war, drehte sich in ihre Richtung und rief mit seiner sehr tiefen Stimme „Guten Abend Frau Schrott!“ nach oben. Das war zu viel für sie. Blitzartig schloss sie das Fenster und ward nicht mehr gesehen. Am nächsten Tag kam sie, immer noch völlig konsterniert, und wollte wissen, ob ich es jetzt auch noch mit Männern „treibe“. Erst als ich sie überzeugt hatte, dass ich meiner hetero sexuellen Veranlagung ganz sicher treu bleibe, dass sie Edi kennt und ihn schon öfters im Garten angetroffen hätte, war sie beruhigt und Mädelsbesuche wurden nie wieder thematisiert.



Aber Oma lieferte mehr solche Stückchen. Herausragend war z. B: das Ding mit dem Melissengeist. Eines Nachts -ich wohnte bereits mit Familie in der Elsenheimer Str.- rief sie gegen 01:00h an. Ihre Stimme war sehr schwach und sie klagte: „Bäääda ich sterbe, mir geht es so schlecht, ich muss sterben.“ Dann folgten einige Anweisungen was ich in diesem Fall zu tun hätte. Natürlich war erstmal geschockt -sie klang wirklich nicht gut- und ich war etwas sprachlos. Doch was mir häufig als mangelnde Empathie vorgeworfen wird, sehe ich als Sachlichkeit und Pragmatismus und so leicht bricht bei mir keine Panik aus. Nach einer kurzen Schockphase fragte ich was denn eigentlich los sei.

Zuerst stammelte sie weiter, dass ich unbedingt kommen muss und dass ich für eine „schöne Leich“ (Beerdigung) zu sorgen hätte und, und, und… Erst als ich massiv und etwas autoritärer nachfragte, fing sie an den Vorfall zu schildern: Sie suchte -wie häufiger- etwas in ihrer Küche und öffnete dabei alle Schranktüren. Dann ist sie anscheinend mit ziemlichen Schwung von am Boden knieend aufgestanden und hat dabei vergessen, dass die Türe des oberen Schränkchen geöffnet war.
Mit voller Wucht knallte sie mit ihrem Kopf gegen die Ecke der Türe und zwar so heftig, dass sie sich auf dem Boden wiederfand und auch noch blutete. Nachdem die Blutung gestillt war, wuchs ihr eine mächtige Beule. Klar, dass ich nachhackte und fragte was sie unternommen hat. Sie meinte, sie hätte ein mit Melissengeist getränktes Taschentuch darauf gedrückt, um die Schwellung zu stoppen.

Yooo eisern war sie! Ich möchte nicht wissen, wie hochprozentiger Alkohol in einer offenen Wunde brennt. Daraufhin entstand folgender Dialog:
Ich: „Ja und was hast du dann gemacht“
Sie: „Das hat ja nichts geholfen, ich dachte ich muss ein Stamperl trinken, vielleicht hilft es ja von innen heraus. Klosterfrau Melissengeist hilft immer“
„Ja hat es denn geholfen?“
„Nein, überhaupt nicht!“
„Ja und dann?“
„Dann habe ich halt noch ein Stamperl getrunken.“
Am Ende ergab sich, dass sie nahezu die gesamte 0,75l Flasche leer getrunken hatte und einfach nur sturz betrunken war. Hörbar erleichtert, als sie das hörte und somit nicht sterben musste, sagte sie nur noch: „Na gut, dann gehe ich halt jetzt ins Bett und schlafe meinen Rausch aus“. Sie legte einfach auf und das Thema Melissengeist wurde fortan ignoriert.
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Faulheit wird bestraft! Teil 1

Nun bei allem, was ich hier zu den Jahren 1975 - 1978 etwas flapsig vielleicht sogar humorvoll aufführe, darfst du eines nicht vergessen: Das war ziemlich aufreibend! Selbst für einen Heranwachsenden, der zudem den anstrengenden Beruf des Metzgers lernte, ging dieses „ruhelose“ Leben schon auch an die Substanz.
Zwar war ich oft schon gegen 11:00h mit meiner Arbeit fertig, aber meist schlief ich dann eben nicht. Mein Lehrmeister und Vater verlangte außerdem, dass ich gegen 17:30h im Laden beim Putzen half. Dies sorgte für erheblichen Ärger, denn das machte kein Metzgerlehrling, das war „Weiberarbeit“ und war ich der Meinung, das müsste Liane machen.

Das Jahr 1977 war auf jeden Fall ein sehr spannendes und ereignisreiches. Zuerst begann für mich endlich das 3. und letzte Lehrjahr und am 02. September wurde meine Schwester Kathrin geboren. Auch wenn das mehr Arbeit im Betrieb für mich bedeutete, Kathrin KONNTE ein Engel sein und das entschädigte mich.
Dann, und es muss im September geschehen sein, passierte die Katastrophe. Wie immer war ich hoffnungslos übernächtigt und somit auch sehr unkonzentriert. Vater war im Laden und ich sollte in der Wurstküche im Keller, Fleisch auslösen. Was dann geschah, sehe ich heute noch glasklar vor meinen Augen, vom Beginn bis zum Ende, obwohl mehr als 40 Jahre seither vergangen sind.
Weil ich -wie fast immer- zu faul war um mein Auslösemesser „abzuziehen“ (schärfen) musste ich halt mehr Kraft aufwenden, um den Knochen vom Fleisch zu trennen. Beim Auslösen eines Schweineschlegels ist ganz unten am Schloßbein ein Knorpel. Normal kein Problem für ein scharfes Messer. Ich kam allerdings nicht durch und wandte ziemlich Kraft auf. Dann rutschte ich ab und rammte mir mit aller Kraft die 13cm lange Klinge des Messers in den rechten Oberschenkel.

Im nächsten Moment drehte ich das Messer 1x im Kreis, zog es raus und schleuderte es weg. (Was immer dir irgendwelche Schlaumeier erzählen, von wegen stecken lassen und so. Glaube mir, so cool ist niemand und du bist in diesem Moment nicht mehr Herr deiner Sinne!) Dann wusch ich mir die Hände und dachte mir: „Ich glaube jetzt hast du dich gestochen“.
Ich spürte ein Brennen, und irgendwie tat das Bein weh. Doch die Lackschürze verhinderte, dass das Blut nach außen drang. Erst als ich ein paar Schritte ging und mir das „knatschige“ Geräusch in den Gummistiefeln fremd vorkam, nahm ich die Schürze ab. Der Metzgermantel war vom Oberschenkel abwärts bis zum Fuß völlig mit Blut durchtränkt und als ich diesen auszog, schoss eine Fontäne aus meinem Bein wie aus einem C-Rohr der Feuerwehr.
Nur dass es kein Wasser war was da rauskam, sondern mein Blut. Inzwischen dürfte ich davon, der Sauerei nach zu urteilen die angerichtet hatte, schon ca. 2 Liter verloren haben und auch aus dem Stiefel schwappte es über. Mir wurde leicht schwindelig und es wurde mir schlagartig bewusst, dass ich das Problem nicht alleine lösen konnte und Hilfe brauchte.

Also bewegte ich mich aus der Wurstküche aber schaffte nur noch die 2 Stufen des ersten Absatzes. Die restlichen 10-15 Stufen waren nicht möglich. Ich lehnte mich an die Mauer und rief immer so laut ich noch konnte „Vati“. Doch der hörte verständlicherweise nichts im Laden. Irgendwann rief ich einmal „Hilfe“ und dann kam doch tatsächlich aus dem Anbau vom Gartenhaus ein „Zimmerherr“ (Oma vermietete einzelne Zimmer auf dem Anwesen) im Bademantel um die Ecke, sieht mich und dann sagt der Volltrottel: „Ich dachte mir schon warum du so schreist, aber du hast ja nach deinem Vater geschrien“. Grrrrrr!!!
Selbst dann musste ICH ihn anschreien, er soll endlich in den Laden und Vater zu Hilfe holen, was er dann auch tat. Diese Aussicht auf Hilfe gab mir soviel Mut und Kraft, dass ich die Hälfte der Stufen gehen konnte, bis endlich Vater rauskam und die Beiden mich in den Vorraum (inkl. Küche und Sitzgelegenheiten) vom Laden brachten. Dort setzten(!) sie mich auf einen Stuhl und ich war schon fast bewusstlos.

Doch dann erlaubte sich mein sonst so cooler Vater drei Dinge, die mich heute jedes Mal, wenn ich daran denke, laut zum Lachen bringen. Vater stand derart unter Schock, dass er zwar wusste was zu tun ist, nur die Umsetzung, die war spannend, wenn nicht gar schneidig!

Als erstes wollte er mein Bein abbinden, denn da sprudelte es munter weiter. Nur wollte er es mit einem Wurstbindfaden machen, mit dem die Aufschnittwürste abgebunden werden. Das ist ein dünner aber sehr widerstandfähiger Bindfaden, mit dem er mein Bein eher abgeschnitten statt abgebunden hätte. Ich nahm dann den Gürtel vom Bademantel des Zimmerherrn. Nur hatte ich keine Kraft mehr um es wirklich zu stoppen und der Typ verzog sich, weil ihm schlecht wurde.



Als zweites wollte Vati dann den Notarzt verständigen. Ist ja richtig. Nur rief er nicht bei der Feuerwehr an, sondern bei der Polizei. Und sagte dann ziemlich eindringlich: „Schnell, schnell da ist eine MESSERSTECHEREI in unserer Metzgerei“. Yooo ein paar Minuten später kamen vom „19er“ Revier zwei Streifenwagen und zumindest zwei Polizisten kamen mit gezückter Pistole in den Raum. Von da an wurde es professionell. Einer der beiden legte mich auf den Boden und zog den Gürtel richtig zu und der Andere -nehme ich an- verständigte per Funk den Notarzt. Dieser kam dann auch richtig zügig.

Als drittes kam Vater in den Sinn, den „Saustall“ in der Küche sauber machen zu lassen. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass er die ganze Zeit über im Laden weiterverkaufte, bzw. sich dort aufhielt und nicht bei mir war. Jedenfalls griff er wieder zum Telefon, rief Oma an und sagte wörtlich: „Kumm runter und wisch as Bluat zam“. Dann legte er auf. Oma selbst lange Zeit Metzgerfrau, dachte sich: Na ja die machten wohl Leber- und Blutwürste und dann wird halt ein Eimer Blut umgekippt sein. Sie nahm einen Kübel und ein Schrupper und kam von ihrer Wohnung über den Vordereingang ins Geschäft. Sie wunderte sich über den Notarzt- und Polizeiwagen mit Festbeleuchtung, aber dachte nicht wirklich an einen Verletzten.
Vater sagte NICHTS zu ihr, machte nur eine Handbewegung Richtung Vorraum und Oma betrat den Raum, mit Kopftuch, Schrupper und Eimer bewaffnet. Joa da standen dann 1 Polizist, und zwei Männer mit hochgehaltenen Plastikflaschen gebeugt über eine am Boden liegende Person. Das war natürlich ich. Blutverschmiert weil ich den kalten Schweiß aus meinem Gesicht haben wollte und mit den blutigen Händen übers Gesicht wischte.
Neugierig wie sie war drängte sie den Polizisten zur Seite und wollte sehen, wer da liegt. Sie blickte mir in meine halb geöffneten Augen und gab ein ziemlich langgezogenes „ Bääääääääda“ von sich. Und dann kippte sie um.

Wer jetzt denkt, von nun an lief das in geregelten Bahnen weiter, der sollte auf „Faulheit wird bestraft, Teil 2“ warten, denn aus meiner Sicht ging es Bäääda typisch ziemlich schräg weiter.
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